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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1894-02-01 · Heft 4 (1.2.1894) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 4 (1.2.1894)
Date
1894-02-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Mesterreichisch-üngamsche Lantoren-Zeitüng. Nr. 4. lichen Berufes des Judenthums zu bringen, sie von der.her-- vorrageuden Bedeutung unserer religiösen Ideen und von der Nothwendigkeit der confessionellen Gemeinsamkeit im Interesse? der allgemein menschlichen und nationalen Aufgabe zu überzeugen. Das in Verbindung mit dieser Ueberzeugung entwickelte religiöse Gefühl soll den Schüler veranlassen, dass er als selbstbewusster und begeisterter Anhänger seiner Confession sein ganzes Leben hindurch an deren beruflichen Arbeiten mitwirke und deren traditionelle Institutionen mit pietätsvoller Achtung erhalte:' Die diesem Ziele entsprechenden Lehrgegenstände sind:. macht, .dass die Schüler die wichtigsten Stellen der Bibel und des Gebetbuches im Originaltext verstehen. ' ... Allgemeiner Lehrplan.. .׳■ Die wohlverstandenen Lehrziele des Religionsunterrichtes an Mittelschulen können wir in erster Reihe durch je eingehenderen Unterricht in der heiligen Schrift erreichen. Das Judenthum hat.stets zu dieser fundamentalen heiligen Schrift gegriffen, so oft das religiöse Leben in seiner Mitte,einen neuen Aufschwung genommen.. In. ihren erzählenden.. Theilen lehrt sie uns in methodischer. Darstellung und mit;, Begründung der Ereigniß'e 1. Die politische und Religionsgeschichte des israelitischen Volkes mit besonderer Rücksicht a) aus jene Institutionen, Gebräuche und Ceremonien, in welchen sich während verschiedener Zeitläufe das rein religiöse Bewusstsein äußerte; b) aus die Bethätigung der jüdischen Ideen und Religionsprincipien in der Erziehung der Menschheit, sowie , auf deren Würdigung bei Vergleichung mit allen jenen Religionen, mit denen das Judenthum seit den ältesten Zeiten bis auf den heutigen Tag in Berührung war. 2. Religiöse LitteräturrDie Bekanntmachung jener claffischen Werke, in denen die miffionellen Ideen, Aufgaben und Bestrebungen des Judenthums und das wahrhaft religiöse 1 Gefühl literarisch am besten zum Ausdruck gelangten (in erster Reihe die Bibel und das Gebetbuch; feiner der Talmud Midrasch', Poeten und Philosophen in ihren characteristischen Th eilen).,! 3. Systematische Religions-und Sienl-eH'NH:! Die religiöse Weltanschauung und die' sittlicheiiJ^een M ' Judenthums mit besonderer Rücksicht auf die religiösen Anfütuüonen und jene sozialen Ideen, womit sich die Gegenwatt hervorragend beschäftigt. Hieran schließt sich als Hilfsgegenstand die hebräische! Sprache an, insoferne es nurs die Kenntnis derselben möglich.. Auch ein Rothschild. Einer wahren Begebenheit aus den Zwanzigerjahren dieses Jahrhund ertes nach erzählt. Von A. Stein, Rabbiner u. Cantor, Sobieslan. (Fortsetzung). Fast hätte Rothschild darüber des Gastes vergessen, der! mit tiefer Rührung noch bei der Thüre stand. Jetzt, trat er auf ihn zu, führte ihn in die Mitte des Zimmers und sagte: Liebes theures, gutes Weib, liebe, gute Kinder, merked wohl, dieser edle junge Herr ist von Frankfurth, den schickt uns der berühmte Herr v. Rothschild, Gott erhalte ihn gesund, dass er für ihn bei unserem Neugebornen Gevatter sei, und das soll so: viel heißen, als wenn Herr v. Rothschild selbst da wäre. Er will uns beistehen, wie er, der edle Menschenfreund, schon so Vielen geholfen und durch seine Unterstützungen aus Noch und Armuth gezogen und sie mit seinen Wohlthaten beglückt hat.' Während hierauf der Stellvetreter des Gevatter mit .der Frau freundlich sprach und die Kinder beschenkte, freute sich Rothschild mit seinem neugeborenen Söhnlein. Und nun -erzählte er seinem auslebenden Weibe und den herbeigekömmenen Nachbarn und Freunden, unter denen der alte Chasan nicht fehlte,, wie schlecht es ihm anfangs in Frankfurth gegangen? - wie-ahn ׳.sein Vater gar nicht kennen wollte und seine vormaligen Mitschüler ihn gar nicht beachteten. Wie sein Jugendfreund, jener Emporkömmling, der mit zerisseueu Schuhen in Frankfurth -eingewandert und dann Compagnon des großen Geschäftes geworden war, ihm beim ersten Besuch zwar eine Cigarre angeboten, aber erdie von... unserer Religion verNndete Weltanschauung und veranschaulicht uns, dass Gott sein Volk und die Menschheit erzieht. In den Psalmen hören wir/die Offenbarung des reinen, religipsen Gefühles, ..in den Büchern. der Prypheten nehmen 'wir den Kampf und den Siegdetmonotheistischen Ideen wahr, im Pentateuch aber.lernen wir die detai.lirten Gesetze kennen, welche das individuelle und spciale Leben nach döm Willen des einzigen wahren Gottes.uegech. In Anbetracht, dessen,, dass uns wöchentlich'nur geringe zwei Stunden, zur Verfügung stehen, können wir die'Heilige Schrift nicht nach ihrem ganzen Umfange in der hebräischen Ursprache lehren; jedenfalls entspricht auch dies' dein für den Mittelschul-Religiosunterrichü uusgesteckten Ziele, wenn inan die erzählenden Th eile in. der vaterländischen Sprache vorträgt. Psalmen, Propheten, sowie die im Pentateuch enthaltenen Gesetze aber, oder auch jene Th eile .der Heiligen Schrift, in denen ,sich die.,jtldischenreligiösefi Jdeemuffenbaren oder Gesetzesform annehmen,- sollen womö g tiH'Vitf Grund(aße des hei- ׳lüge-u Urtextes, gelehrt werben, damit dem eifrigeren sind nach gründlicher'-Kenntnisstrebenden- Schüler Gelegenheit geboten werde, jene Urquelle' kennen zu lernen, in der die Grundsätze. unserer Religion enthalten sind. Denn eine selbstb ewus.scke, uns.er.e.r R.E-gipu'.treu sich anschließende klärt habe, dass in'.seinem Hause nichts für ihn zu ihm! fei' ׳ dass .jedockrbei. anderen. Kaufleüten, die er ihm nannte, : Stellen offen-,wären,: die ganz für mich,, seinen Freund, passten, . er bedauerte.fiedoch, mit diesen nicht bekannt zu' sein, aus , Furcht, ihn -vielleicht empfehlen zu . müssen. ' - Rothschild nahm' dies alles führ reine Wahrheit, gieng zu ׳ den -angegMnen Kaufleuten; doch' diese wieseni ihn- ,.naaäobs : b6tra8bb6״ -(mit einem Strohhalm beseitigt) ab, und sein Freund, : dem-.pr: das-Resultat seiner Wanderung mittheilen wollte, - ließ sich ihm verleugnen. .,,Da saß'ich", so. erzählte er weiter, ״eines Abends in einem Winkel eines kleinen" Hpeisehaüses, wo eben minder Bemittelte einzukehren pflegen, sorgte mich sehr ab, : grämte michdass sich keine. Gelegenheit zu einem ehrlichen Erwerbe finden .wollte. Sollte ich in noch größerer Armuth nach Hause kommen, als ich ausgegangen? Das durfte nicht geschehen! Ich cklagte mein Leid einem ZimmergeNossen, der mich in der Nacht : stöhnen hörte,, und dieser gah' mir den Rath, von Haus zu Haus zu.den Juden zu gehen und als abgesetzter Lehrer um UnterstützWg zu bitten. ״Was, betteln, — schnorren?! Nein, nimmer mehr! .Das. thch ich nicht, das kann rch nicht!" Als ich ihn auch am Morgen von meinem Zeugnis' sprach und 'ihm dies zeigte, rief er; .,״mit einem sölchen Zeugnis wollte ich baldin Hülle : und - Fülle leben."- Mich konnte'er trotzdem nicht überzeugen, ich ' konnte-mich, zu dem letzten Schritte, zur Bettelei, nicht entschließen; .-U):7setztd vielmehr meine' 'Entdeckungsreise nach Verdienst ׳ den ^gänzen-.Tag fort, doch so vergebens, wie gestern:? - - < Gebeugt und betrübt kehrte ich Abends wieder in die Garkiiche^zurück-, suchte Minen Winkel wieder auf,׳hob hier meine . AugM - zum, Himmel und fragte, woher mir Hilfe kommen sollte. Mir fiel Elias'ein, den die Raben genährt, sowie alle Armen

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