Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 3 (21.1.1894)
- Date
- 1894-01-21
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/1304829-3453304-3453307--3915-3458321- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 4. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. Nr. 3. Aussprache der Juden Palästinas maßgebend sein müsse, wird dadurch hinfällig, dass die heutigen jüdischen Einwohner Palästinas erst in den letzten Jahrhunderten daselbst eingewandert sind, während die Syrer, die dort wohnen, Eingeborene sind. So weit S. D. Luzzatto. Den letzten Satz können wir durchaus nicht bestätigen, es ist vielmehr die Ansicht M. Leman's richtig, wenn er in seiner Schrift אמדת צרופה p. 11a die Ansicht des Rabbi Eljakim aus London, die S. D. Luzzato ohne seinen Vorgänger zu kennen, für die seine hielt, in folgender Weise widerlegt: ״Ich staune sehr über den gelehrten Herrn Rabbi Eljakim, weil er behauptet, dass die Aussprache der Juden Palästinas keinen Beweis bilde, da dieselben aus Spanien dahin kamen. Es ist dies ein Jrrthum, da es absolut unmöglich ist, dass alle Israeliten, die in Asien und: Afrika wohnen, aus Spanien stammen, da doch Spanien ein verhältnismäßig kleines Land ist. Dies ist umsoweniger wahr, als in Palästina zu jeder Zeit Israeliten waren." Ein Beweis, dass die Aussprache der Pälästiner 2) die richtige ist, ist der Umstand, dass dieselben das Cheth richtig aussprechen, während bei uns bekanntlich das Cheth nicht genau nach Vorschrift ausgesprochen wird. Das erhellt aus der Stelle 2) Man vergleiche das jüngst erschienene Wert S. Berger's: Quam notitiam liuguae hebraicae habuerint Cbristiani medii aevi temporibus in Gallia (Paris 1898, Hachette) unb die daselbst erwähnte Pariser Hand-, schrift B. N. 36, in welcher sich ein Traktat über die Aussprache des Hebräischen findet, überdies Th. Nöldeke) in No. 49 des litterarischen Centralblatt p. 1753: ״die in der östlichen Anssprache herrschende Perkürzung des L in geschloffener, die Dehnung des ä in offener Sylbe führen, schon in den ältesten Denkmälern dieser Punctation gelegentliche Vertäuschuugen von Zkäpä und Ptähä herbei; diese sind hier sehr häufig. U und xt (wäw mi unterem und oberen Puncte) werd en nicht selten verwechselt, da die jüngere Aussprache diese Vocale nicht mehr rein auseinanderhält." Schließlich seien noch Prof. Jacob Barth's Etymologische Studien erwähnt (Leipzig 1893) u. A. Socius' Anzeige im litter. Ccntralblatt No. 49 p. 1755, aus welcher wir hervorheben. ״Was den Wechsel von א und ע und arabisch. Chet und a. betrifft, so ist derselbe wohl kaum auf die Nähe von Labiales zurückzuführen;" vgl. Kampfmeyer in Z. D. P. (Zeitschrift für den Palästinaverein) XV, Seite 14 und folgende. . . Auch ein Rothschild. Eurer wahren Begebenheit aus den Zwanzigerjahren dieses Jahrhund ertes nach erzählt. Von A. Stein, Rabbiner u. Cantor, Sobieslau. (Fortsetzung). Dann setzte die Frau ihren Brief fort, indem sie sich entschuldigte, dass sie unterbrochen wurde, und th eilte ihm mit, dass die Kinder nun zum Theil neues, zum Theil ausgebessertes Schuhwerk haben: ״Solltest sehen die Freude, konnte aber leider den Meister Martin nicht gleich bezahlen, was mich sehr kränkt, denn er hat selbst nicht viel. Der Koberle hat vom Vorsteher einen ganz schönen Rock bekommen, aus welchem ihm der Schneider ein schönes Röcklein mit grünem Kragen gemacht hat, so dass er wie ein Herrsch astskind aussieht und jeder seine Freude an ihm hat. Weiter schreibe ich dir, dass uns der Moses Weil einen großen Sack mit Kartoffeln geschickt hat, und der Frauenverein will unsere Mädchen ganz neu bekleiden von Kopf bis zu Fuß. Du wirst gewiss sagen: Wer Geschenke fasset, lebt glücklich (Spr. Sal. 15. 27.) Allein unsere Weisen sagen doch irgendwo, Gott, gelobt sei er, hat die Armen werden lassen, Äass sich die Reichen an ihnen das Gan-Eden verdienen sollen. E° ist tfmr e׳n gar hartes, böses Ding, arm zu sein, oft will mir das Herz brechen, wenn ich die fremden Annen an :!;:■::־er J im Talmud babyl. Fol. 28, wo gesagt wird, dass bei der Auswahl der Worte נפשנו הכתה (nafsclieim chik’tha) große Vorsicht zn gebrauchen ist, damit es nicht etwa nafscliemi liiktlia , ״unsere Seele hat geschlagen" (nämlich Gott) lautet, was natürlich eine Lästerung Gottes wäre. Das Eh sprechen jedoch die Sefardim in gleicher Weise wie die Aschkenasim unrichtig aus. Auch daraus ist zu ersehen, dass nicht alle Bewohner Paläsünas aus Spanien kommen. Die Vocale sprechen jedoch die Sefardim genau so wie die Juden Paläsünas aus, und aus dieser Uebereinstimmung darf man den Schluss ziehen, dass dies die richtige Aussprache der Vocale ist; weil die Länder Spanien, Portugal und Italien an der Küste des Mittelmeeres liegend, bedeutend näher sind nach Afrika und Asien, als die übrigen europäischen Länder dem Lande Palästina, hat sich ihre Aussprache nicht so sehr verändert wie die Aussprache der Aschkenasim und der Polen (Bewohner Polens und Rußlands). Wir fügen hinzu, das die Aussprache des ה und des ה schon wegen der Aehnlichkeit der Form leicht zu Ver- Wechslungen führen konnte; abgesehen davon, dass sie beide Kehlbuchstaben, leicht der Verwechslung unterliegen. Eine meines Wissens noch nicht als Beleg angefiihrte Stelle im Babylonischen Talmud ist nicht ohne Belang für diese Frage. Im Tractate Schabbath Fol. 105a lejen wir: ״Rabbi Jochanan sagte im Namen Rabbi Joss's des Sohnes Simras, woher haben wir einen Beweis für das Notaricon aus der Thora? Die Antwort darauf ist: Aus der Stelle ״ אב המוןzum Vater der Menge" habe ich dich gemacht. Statt des Buchstaben ה (Ha) aus dem Worte המון wird nun der Buchstabe Chet (ה) verwendet und soll das ״He" im Worte Ltauaucioii eine Abkürzung für das Wort הכזב (Oüadid)-Liebling sein. Es ist selbstredend, dass wir nicht das bereits von verschiedenen Forschern vorgebrachte bibliographisch hier verzeichnen wollen, sondern nur ein Resums darüber geben und die verschiedenartige Aussprache des einen oder anderen Consonanten feststellen wollen, ohne entscheiden zu wollen, welche von den üblichen Aussprachen des Hebräischen die richüge ist. Denn der Einfluß des Landes, des Klimas und der Religion ist auch auf Thür vorübergehen sehe und hören muß, wie sie sagen: Die sind selbst arm. Vor einigen Tagen kam aber doch einer zu uns, es war ein junger schöner Mann, besser gekleidet als du es je warst, ein Pole. Er erzählte, was für ein großer Mann er wäre und wie er von den größten Männern Empfehlungs- Briefe besitze, die er auch sogleich herausnahm und ausbreitete. Er sei ein reicher Kauftnann gewesen, ftchr er fort, und musste wegen Zollumgehung flüchüg werden. Ich dachte bei mir, ein großer Mann, — ein frommer Jude thut so etwas nicht; denn es steht geschrieben: ״Gebet Meclies Bern Mochsan.“ Ich gab ihm eine Gabe, wie ich es eben hatte und konnte. War zwar nicht groß, er aber brummte etwas in den Bart, legte es wieder zurück und gieng ohne Gruß von dannen. Ist doch bei Gott das geringe Opfer einer Taube so hoch im Werthe, wie der fette Farren 'des Reichen. Nachträglich erfuhr ich, dass dieser arme Mann in einem Badeorte öffentlich am Spieltisch gespielt. Wie haben so manche arme und ehrliche Leute mehr Noch als Brot! — Gott sei gelobt für alles." Sie klagte dem fernen Manne ihren Mangel an allem, aber bemühte sich durch Anftihrung von Nebenumständen das Herbe zu versüßen. Sie wünsche zwar nicht ausdrücklich seine Rückkehr, weil sie wusste, dass es gegen seinen Willen sei; aber zwischen den Zeilen konnte er dies deutlich lesen. Als Nachschrift, das Amüsanteste eines jeden Briefes, th eilte sie ihm mit, dass der Roscho Kaiser nicht mehr in Dingsdorf sei, sondern durch Vermittlung seines Onkels des Forstmeisters etwas ״Großes" in der Stadt geworden. Das folgende Prostscriptum war aber