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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1894-01-21 · Heft 3 (21.1.1894) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 3 (21.1.1894)
Date
1894-01-21
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 3. Seite 2. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. 61 Awiw w’el Imau", Jakob gehorchte seinem Vater und seiner Mutter und gieng nach Padan Aram" (1. M. 28, 7.), damit wird ihm das Zeugnis ertheilt, dass es nicht die Furcht vor Esau war, dass er das Elterhaus verließ, er hatte ja den Segen seines Vaters und das unerschütterliche Vertrauen zu seinem Gotte, der chm seinen Schutz verheißen. Sein Gewissen war also beruhigt, und ein ruhiges Gewissen ist ein sanftes׳ Ruhekissen, selbst auf hartem Steine. Darum ward sein Schlaf so süß, chn beunruhigte kein böser Traum. Er träumte nicht von der Verfolgung seines Bruders, was doch natürlich gewesen wäre; aber er dachte gar nicht daran, seine Gedanken waren von Gott erfüllt, und von diesem träumte er auch, er sah eine Leiter, die zu Gott führte. Darum war der Schlaf für chn so erquickend, so angenehm, stärkend und beruhigend auch auf harten: Steine. Der Schlaf ist nicht nur für den Betreffenden eine Wohlthat, oft auch für Andere, welche wachen, wenn der Schläfer ein unruhiger Mensch ist, der im wachen Zastande seine Umgebung beläsügt und stört, dann ist der Schlaf für ihn und für Andere ein Segen. So lautet auch ein Spruch im Talmud: ״Der Schlaf der Bösen ist für sie und für die Welt angenehm". (83,n116är. 71). Im Schlafe süften sie nichts Böses und können Arideren nicht schaden. Wenn die Natur uns zur Ruhe einladet, sollen wir chrem Winke folgen. Der Tag ist zur Arbeit, die Nacht zur Ruhe bestimmt. So lehrt die Mischnah: ״Wenn Jemcurd schwört, dass er drei Tage nicht schlafen will, so hat ein solcher Schwur keine Gilügkeit, und wird der Betreffende noch dazu bestraft" (Suk. 53). Ebenso unstatthaft ist es, lange zu schlafen, bis in den Tag hinein, was jedenfalls störend auf den Beruf wirkt. So lehrt der weise Spruchdichter : ״Liebe nicht den Schlaf zu sehr, du könntest verarmen!" (Spr. 20, 18). Ferner: ״Wie lange, Fauler, wirst du schlafen, wann erhebst du dich von deinem Schlummer u. s. w." (Spr. 6, 9). Als Grundsatz gelten folgende Spruchworte: ״Früh mit den Hühnern zu Bette, auf mit den Hahn in die Wette. Die Morgenstunde hat Gold in: Munde. Maaß halten in allen Dingen, wird .dir Gottes Segen bringen". (Fortsetzung folgt). Jahresbericht des österreich.-ungar. CsMorrn-Veremes. Der Ueberblick über das abgelaufene Vereinsjahr bietet infofern ein erfreuliches Bild, als in demselben, wem: auch in materieller Beziehung teilt besonders großer Fortschritt einttat, doch nach einer anderen, nicht minder wichttgen Richtung eine erhöhte Wirksamkeit zu verzeichnen ist, die die Förderung der socialer: Jrttereffeu des Cantorenstandes bettifft. In erster Reihe sei hier die Eingabe des österr.-ungar. Cantoren-Vereines an die hohe k. k. Statthalterei in Prag betteffs der neuen Cultusgemeinde-Statuten in Böhmen erwähnt. Die von uns in letzter Zeit beim hohen k. k. Cultusministerium eingehotten Informationen lassen mit Besttmmtheit erwarten, dass dieser bedeutsame Schritt zur Wahrung der Rechte der Cantoren jedenfalls von Erfolg begleitet sein wird, der um so höher m:zuschlagen ist, als derselbe nicht nur den Vereins- Mitgliedern, sorckern der Gesammtheit des Cantorenstandes zu Gute kommt. Der für den letzten Monat des abgelaufenen Jahres projectirte Cantorentag musste leider in Folge der damals in Wien herrschenden Influenza-Epidemie auf. das Frühjahr 1891 verschoben werden, doch die aus diesem Anlasse von verschiedenen Seiten in der Cantoren-Zeitung gegebenen Anregungen haben in weiteren collegialen Kreisen lebhaftes Interesse für unsere gemeinsame Sache wachgerusen und lassen nicht nur eine zahlreiche Theilnahme am Cantorentage, sonderir auch einen vermehrten Beitritt jener uns bisher fern gestandener: Kreise erwarten. Der Versuch, die löblichen Cultusgemeinden und die verehrten Mitglieder derselben zu einer Beittagsleistung heranzuziehen, ist durch neuerliche Aussendung von Sammelbögen und Circulären abermals wiederholt worden, doch der Erfolg war lange nicht den Erwartungen entsprechend und hat das Ergebnis nicht jene Höhe erreicht, die wir vor einigen Jahren ausweisen konnten. Den löblichen Cultusgemeinden von Tobitschau, Strakonitz, Humpoletz, Kuttenplan und Teschen, welche unsere Vereinscaffe mit Beiträgen bedachten, sowie jenen College::, die sich um Gewährung derselben bemüht haben, sei hiemit öffentlicher Dank ausgesprochen. Auch das Präsidium des Cantoren-Vereines hat in letzter Zeit bei einigen hervorragenden Glaubensgenossen in Wien vorgesprochen, und vielleicht werden wir bald in der Lage sein, diesbezüglich erfteuliche Mittheilungen machen zu können. In pietätvoller Erinnerung müssen wir auch an dieser Stelle des in diesem Jahre erfolgten Ablebens unseres edlen Wohlthäters, des Herrn Moriz Freihrrrn von K ö n i g s w a r t e r gedenken. Der Verewigte war derjenige, welcher durch eine munifizente Spende den Grundstein zu unserem Vereinsfonde gelegt hat und durch sein großmüttges Beispiel auch andere Persönlichkeiten zu gleichem Thun veranlasste. In der Geschichte unseres Vereines wird sein Name unvergesslich bleiben und stets wollen wir ihn: ein dankbares Andenken bewahren. Auch in die Reihen unserer Vereinsgenosse:: hat der Tod eine schmerzliche Lücke gerissen. Herr Obercantor Josef Klein in Budweis ist am 25.,August 1893 nach längerem Leiden, noch jung an Jahren gestorben. Durch tteue Hingabe an seinen Beruf hat sich der Verblichene die Anerkennung seiner Gemeinde zu erringen gewusst, und der Trauer über sein Hinscheiden schließen auch wir, seine Berufsgenossen, uns theilnahmsvoll an. Nach diesem Ueberblicke über die wichtigsten Ereigniße des verflossenen Jahres erübrigt uns noch, die trockenen Ziffern des am Schluffe dieses Blattes veröffentlichten Rechnungs-Ausweises mit einigen erläuternden . Bemerkungen zu ergänzen. Das Vereinsvermögen hat im heurigen Jahre eine Er- Höhung von 200 fl. gefunden. Wol nur ein geringes Anwachsen, aber immerhin in: Hinblick auf unser spärliches Einkonunen und auf die großen, an uns gestellten Anforderungen eine erfreuliche Thatsache. Die- Mitgliederbeiträge ergaben fast die gleiche Sunune wie im Vorjahre, da der Stand der Mitglieder sich nur wenig geändert hat. Wir müssen sagen leider, und wir richten an die uns fernstehenden Berufsgenossen den eindringlichen Appell, dem Cantoren-Vereine beizutteten und mit uns für das Wohl unseres Standes thäüg zu sein. Bezüglich der Einzahlung der Mitglieder- und Pflichtbeittäge wünschen wir in Zukunft größere Pünctlichkeit, wodurch die zahlreichen Mahnungen überflüssig wären und dem Vereine unftuchtbare Arbeiten und unnöthige Auslagen erspart wurden.

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