Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 2 (11.1.1894)
- Date
- 1894-01-11
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitnng. Nr. 2. FortschM ja einen Mckschritt bedeutet und ein Rückschritt ja für alle Fälle vermieden werden muß. Dieses ״Entgegentreten" soll aber nicht Nur theoretischer, sondern 111־ erster Reihe practischer, sozusagen bechätigeüder lltatur sein. Das neueste Werk des auf dem Gebiete des Synagogalgesanges so verdienstlich wirkenden und so wohlbekannten' Wolf Grünzwei £ kann recht wohl als ein solch' factischet Protest gegen die Klage der Ueber- Production gelten. Wenn man so:schöne und gehaltvolle Compofitionen, so reich an melodischen und harmonischen Schönheiten ficht und hört,- fasst man nicht recht Muth zur Behauptung, dass sie überflüssig seien, weil schon zu viel componirt worden sei.... Dass diese Composiüonen sehr sangbar und wirkungsvoll sind, habe ich auch practisch erprobt, indem ich einige derselben während der verflossenen hohen Feiertage zur Aufführung brachte, sie haben großen Anklang gesunden. Ich habe also vollauf Grunds—und wohl mehr als einen —das soviel Wir- - üttlgsvolles und Ansprechendes enthaltende Werk der Cantoren- Welt und den Chorleitern auf das Dringlichste und Wärmste zu empfchlen. Jacob Bachmann. * .* Wie uns aus Hamburg berichtet wird, fand der jugendliche.Baritonist, Herr Sigi Szengery, Mtglied der Hamburger Oper, sowohl in den früheren Rollen als auch bei der jüngst stattschabten ersten Aufführung der Oper ״Falstaff" von Verdi, in der Partie des ״Ford" Gelegenheit, seine brillanten Stimmmittel und sein eminentes Darstellungstalent vielfach zu bekunden. Die strengsten Hamburger Kritiker beurtheilten seine Leistungen nunmchr anerkennend, und auch Herr Hoftath Pollini, der sich jüngst in Wien aufhielt, stellte dem jungen- Künstler eine glänzende Carriere in Aussicht. Den schmeichelhaften Antrag, nach Schluss der Saison mit dem Ensemble der Hamburger Oper während zweier Sommermonate in London zu gastiren, hat Herr Szengery dankend abgelehnt, da er zu dieser Zeit seine Eltern in Wien besuchen und sich von der anstrengenden Arbeit des Winters ausruhen möchte. : ■ * * . Wir verdanken dem im verflossenen Monate stattgehabten Concerte der dramatischen Schule von Frau Professor Emilie Door die Bekanntschaft eines jungen, hochbegabten Violoncellisten, des Herrn Friedrich Buxbaum, dem wir diese Zeilen uni Vergnügen als Geleitbrief sur seinen Weg in die Oeffentlichkeit mitgeben wollen. Mit seiner gediegenen Künstlernatur sowie durchjdie souveräne Beherrschung seines Instrumentes dürfte es dem jungen Manne bald gelingen, seinem Namen auch bei uns in Wien zu jenem guten Klange Zu Perhelfen, dessen er sich während seines zweijährigen Londoner Aufenthaltes in den fashionablen Kreisender englischen City erfteute, wozu wir ihm ein herzliches Glückauf zurufen. S. T. Kleine Chronik. Wien. Ihre kaiserl. Hoheiten, Herr Erzherzog Wilhelm und Frau Erzherzogin Elisabeth, zeichneten den Clavierfäbrikanten Herrn Bernhard Kohn am 23. v. M. durch einen längeren Besuch aus, nachdem Herr Erzherzog Wilh elm schon tagszuvor einen Flügel persönlich ausgewählt und mehrere Salons im ersten und zweiten Stockwerke dieses großen Eta- 1 Llissements besichtigt hatte. Die hohen Herrschaften sprachen sich schr anerkennend über die seltene Reichhaltigkeit des Gesehenen ' aus. Herr Erzherzog Wilhelm hat schon vor 12 Jahren einen Steinway-Flügel für seinen Privatgebrauch bei Herrn Bernhard Kohn ängekaust ׳ und in der Zwischenzeit wiederholt -dessen Etablissement in der Himmelpfortgasse besucht. Auch ihre kaiserl. 'Hoheit Frau Prinzessin von Württemberg wählte in der ab- -0 gelaufenen 'Woche daselbst ein Clavier. Herr Berichard Kohn hat sowohl in seiner Eigenschaft als österreichischer Vertreter der ersten Elavierfabriken des Weltmarktes als auch für seine eigenen Erzeugniße Zeichen der Allerhöchsten Anerkennung einpsaugen, so beispielsweise am Eröffnungstage der Jubiläums- Gewerbe-Ausstellung 1886, wo Herr Kohn unter ca. 40 Ausstellem seiner Branche der einzige war, der von Sr. Majestätdem Kaiser durch eine Ansprache ausgezeichnet und für den ausgestellten Flügel eig ener Erzeu gmng belobt wurde. Se. , Majestät den. .König- Carol von Rumänien durfte Herr Kohn in den Räumen seines^Geschäftes begrüßen und zählt auch Se. Königl. Hoheit den regierenden Fürsten Ferdinand von Bulgarien und mehrere andere Mitglieder des allerhöchsten Kaiserhauses zu seinen Künden, — Herr Bernhard Ko h n', ein streng religiöser und edler Mann^ steht wegen seines׳ einfachen, schlichten, mit außerordentlicher Gutmütigkeit gepaarten.Characters nicht nur in der Geschäftswelt, sondern in der ganzen ..Wiener Gesellschaft in hohem Ansehen,, und zahlreiche Wyhlthäti'gkeitsacte werden, von ihm jahraus jahrein geübt. Herr Kohn ist auch ein besonderer Freund und Gönner der .Cantoren und viele aufstrebende Kunsttalente haben schon , bei׳ ihm ׳. väterlichen Schutz, und Beistand gefunden. Wirst. Sonntag, den 7. d. M. fand im ״Beth-Hamidrasch" der israelittschen Cultusgemeinde H., Tempelgasse׳ eine Requiem für den Begründer desselben, Ober-Rabbiner Dr. A. Jellinek, statt. Die Räume des Beth-Hamidrasch waren gedrängt voll, und bemerkte man unter den Gästen.. Reichsraths-Abgeordneten Dr. Bloch- Ober-Rabbiner Dr.Güdemanns Rabbiner Dr. I. Wolf, Dr. Gelbhaüs, Lektor Weiß, Rabbiner Pollak, Cultus- Vorstand Dr. G. Kohn, Seminar-Director Dr. Schwarz, Secretär Braun, Vereinsvorsteher Fabrikant Beruh. Kohn.׳ Die Feier begann mit Absingung des Sulzerffchen Schrwisi durch Ober- Cantor Goldstein und. das Männerquartet. Hierauf besüeg Lektor Friedmann die schwarzdrapirte Kanzel und hielt eine schwungvolle Rede, in welcher er die Bedeutung^Jellinek's׳als Prediger und gelehrten Forscher schilderte,' und seine Verdienste um die Begründung des ,,Beth-Hamidräsch" hervorhob. Die Rede machte auf das Publicum einennachhaltigen Eindruck. Zum Schluffe reciürte Ober-Cantor Goldstein das ״LI mole racha- .mim" und dqs Kaddischgebet in ergreifender Weise. Wien.' Fräüleiü Jsäbella Ge'iringer, Tochter des durch seinen vielbekundeten Wohlthäügkeitssinn bekannten' Ban- -quiers, Herrn Sigmund G eirin g er, hat sich mit Herrn Victor Herz, Gesellschafter der Firma He c z' Söhne, in Aüda- Pest verlobt. Vlasthim. Unser beliebter Cantor., Herr Sigmund Pollak, ist als Pezirksrabbiner nach Rumburg berufen worden. Budapest. Am verflossenen Samstag würde dem Herrn Cantor Jacob Suschny bei Gelegenheit des Gottesdienstes eine angenehme Ueberraschung zuthell. Der Tempelvorstand, dem bekannt war, dass Herr Cantor Suschny vor 30 Jahren gerade am שכת פ׳ שמות sein Amt angetteten hat,׳ beehrte ihn mit einerund Herr Ober-Cantor Lazarus' trug aus diesem Anlasse einen von ihm eigens verfassten ׳r2 wirkungsvoll vor, der sowohl auf Herrn Suschny, als auch auf das anwesende Publicum einen üefen Eindruck machte. Darauf wurde -er -vom Vorstände und vom Rabbinate in der Weise beglückwünscht, dass ihn der liebe Gott gesund erhalte und ihm Kraft verleihe, um seinem heiligen Berufe noch eine lange Reihe von Jahren in der Pester Jsraesiten-Gemeinde vorstehen zu können? Nachdem Herr Suschny vor fünf Jahren sein 25-jähriges Amtsjubiläum feierte, war er auf die ihn ehrende Ovation gar nicht -gefasst. Wie uns bekannt ist, steht Herr, Suschny mit Jnschluss'der Gemeinden Piessing, Holitsch una'Butsch owitz seit 40 Jahren als Cantor im Amte und erwarb sich durch treue Pflichterfüllung, durch seine Ehrenhaftigkeit und durch seine tüchtigen FachkettntNiße die allgemeine Zufriedenheit, Unter der' Leitung raüonell gebildeter Cantoren, wie des Cantors Pereles in Prag, des Cantors Singer einstmals in Schwarzkösteletz, des Ober-Eantors Sulzer in Wien, des Ober-Cantors:Friedmann, in Budapest, an dessen-Seite er׳ durch 28 Jahre .wirkte, hat er sich׳ eine gediegene Vorttagsweise der Gebete zu eigen gemacht, und nachdem er auch ein Talmudschüler desgottsel. Samuel FreuNd in Prag und des berühmten Hebräers Wolf Maier in Prag war, verfügt er auch über ein reichliches hebräisches Wissen, welches ihm in seinem Berufe sehr - zugute kommt. Den Gesangsunterricht genoß er schon; als ־ Knabe bei seinem. in Gott ruhenden Vater, Herrn Markus Suschny, per durch 45 Jahre in'der:Gemeinde -Großmiseriffch 'uls' Cantor^ wirkte,später H'ei-Sulzer sind' Pro-