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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1894-01-11 · Heft 2 (11.1.1894) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 2 (11.1.1894)
Date
1894-01-11
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr.-2 Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung.. Seite 7. fessor Leitermeier, Seine geschulte Tenorstimme, die noch genügenden Klangreichthum besitzt und weittragend ist, wusste er sich trotz des großen Tempels und trotz seines Alters von 61 Jahren wohl zu erhalten. Einem solchen Manne, der unserem Stande pur zur Ehre gereicht, wünschen auch wir und mit uns auM unsere sehr geehrten Collegen, dass ihn Gott in seiner Gnade noch lange, lange Jahre in voller Gesundheit seinem heiligen Beruse erhalte.. v B. TopolM.... Am 25. December hat sich Fräulein Sarölta W eiß,. Tochter unseres beliebten Obercantors Heinrich W eiß, mit Herrn Carl Ötv ös, königl. Ungar. Staatsbeamter am Büdäpester Polytechnicum, verlobt. . -S;egedin. Das Distriktsgericht des XXH. israelitischen Bezirks wird nach dem ״P. L." unter Vorsitz Moritz Lichtenberg's eine:sensationelle Angelegenheit verhandeln. Es ist dies die Anklage der Szeyteser israeliüschen Cultusgemeinde gegen ihren Rabbiner Dr. Jakob Klein. Die Klageschrift umfasst sechzig Anklagen, welche zum Theile sehr ernster Natur sind. Unter Anderem wird der.Rabbiner beschuldigt, dass er dem geisteskranken Salomon Ehrlich auf der Pußta Sorrospätak den rituellen Scheidungsbrief an seine Frau unter Vorspiegelung herausgelockt habe, dass er ein Wiener Arzt sei und ihn heilen werde, wenn er seine Zustimmung gibt, dass der Scheidungs- Brief ausgestellt werde. Die Zeugen Markus Freund und Weiß, die an dieser Action theilgenommen haben, deponieren, dass der Rabbiner tatsächlich so vorgieng, Und dass das bei dieser Gelegenheit durch ihn verfasste Protokoll Unwahrheiten enthalte, ferner dass der Rabbiner für diesen Coup mit 400 st. entlohnt wurde. In dieser Angelegenheit werden in öffentlicher Verhandlung noch einige Zeugen vernommen werden. Eine andere Anklage bezieht sich auf den Fall, in welchem der Rabbiner einem Szenteser Arzte für gute Entlohnung ein Verkündigungszeugnis ausstellte, trotzdem er wüsste, dass laut jüdischem Ritus ein Ehehindernis obwaltete. Diesen.Fall complizirt noch der Umstand, dass -ein Brief :an den, gewesenen Schwager der Braut nach Kistelek gelangte, von welchem vermuthet wird, dass der Schreiber desselben der Rabbiner selbst sei. Zweck dieses Briefes sei.chas Heraufbeschwören je größerer Schwierigkeiten gewesen, damit der durch den Rabbiner zu erweisende Dienst einen größeren Werth habe. Zur Feststellung dessen, ob der Brief von der, Hand des Rabbiners stammt, werden Sachverständige einvernommen werden.: Es schtvebt dann' noch eine׳ ganze Menge Anklagen'-' gegen den ' Rabbiner, so z.' B. dass er sich in dem Tempel während des Gottesdienstes unwürdig benommen, einem alten ehrenwerthen.Vorsteher im Tempel Schimpfworte zugerufen, dass er als Anhänger der Sima-Balogh-Partei die Wahlplacate des Koloman Törs vhn den 'Mauern gerissen habe u.. s. w. Auch der Rabbiner erhebt Anklagen gegen seine Gemeinde und deM Vorstand, dass diese ihm die Ausübung seiner Pflichten unmöglich' machten und ihn von seinem Amte snspendirt haben, welcher Beschluß jedoch bis zur Austragung der Sache vom Szegediner Districtsgericht und zufolge Apellation der Gemeinde auch durch den.. Cultusminister aufgehoben, wurde. In dieser unerquicklichen Angelegenheit entscheidet nun das Districtsgericht, in welchem als Referent der Szegediner Oberrabbiner Dr. Immanuel' Löw. fuffgirt. In 'VeMetung,. der Gemeinde erscheint der Präsident Advocat Dr. Karl Schlesinger, als Vertheidiger des angeschuldigten Rabbiners der Szegediner Advocat Dr. Ladislaus'Szivessy. Jasty, 28. : December. Am״ 'vergangenen - Sonnabend, 23. d. feierte unser Ober-Cantor, Herr Max Honigmann, das Fest der'silbernen Hochzeit mit seiner Gattin Anna, geb. Wallerstein. Aus diesem Anlasse fanden sich zahlreiche Mitglieder im Tempel ein, wo-der Jubilar unter. Assistenz des Chores den Gottesdienst,;versah. Zur Thora als Seh’wii gerufen, wurde ihm der Schluss-Abschnitt des 1. B. M. sammt üblicher- Endformet ,״Chasak" .vyrgelefen. Hierauf recitirte der -zweite Eantor je einen Mischeberach für den Jubilar und dessen Gemalin, wozu der Chor das ״Amen" anstimmte. Wiewohl die Feier einen privaten-Charakter'an sich trug, fanden, sich außer den Gratulachen im Tewpel auch im Hause der Jubilanten viele Freunde und Bekannte zur Beglückwünschung ein, wobei es an sinnigen und werthvollen' Geschenken nicht fehlte. Durch besondere Herzlichkeit zeichneten sich zahlreiche Telegramme aus Paris, Anders, Wien, Lemberg, Stanislau, Czernowitz, Bukarest, Bo.ttoschany, Roman und Odessa aus. Dabei sei erwähnt, dass Herr Honigmann vor 3 Jahren bereits hier sein fünfundzwanzigjähriges Dienstjubiläum als erster Cantor in Rumänien feierte, woraus hervorgeht, dass derselbe drei Jahre hindurch sein Amd in-ledigem Stande versah; ein Factum, dessen Zulässigkeit^ bei der ehemaligen religiösen Gesinnung der Jassyer Judenheit sich lediglich durch seine ungewöhnliche Beliebtheit erklärt. Ein würdiger Sohn des einst als Sänger und Chasan in Lemberg, gleichberühmten Abraham Honigmütttt, welcher Zeitgenoffe, College Und Rival von Osias Abrass, (Odessa), weil. Jsaia Weiß, (Lemberg-Chicago) und anderer damaliger jüdischer Gesangsgrößen gewesen, erfreut sich unser noch jugendfrischer Jubilar bei seiner Gemeinde sowohl als auch in christlich-rumänischen Kreisen großer Achtung und Sympathien als Componist, Gesangs- und Claviermeister, wozu die Ehr- und Liebenswürdigkeit der Gattin, die einer der ältesten und adeligsten deutsch-galizischen Familien angehört, das ihrige beiträgt. Was wir dem Jubelpaare somit wünschen, ist, im Kreise seiner Söhne und Heranwachsenden Töchter und deren künftigen Nachkommen das Fest der Goldenen Hochzeit in gleicher Frische an Geist und Körper wie heute zu feiern. Veritas. Iayy. Wie alljährlich wurde auch Heuer die Chanuka- Feier Sabbäth Cbanuka Abends im hiesigen jüdffch-litterarifchen Leseklub ,.Obole Schein־‘ festlich begangen. Dank den unermüdlichen Bemühungen des verdienstvollen Schul- und Vereins- Präsidenten, Dr. C. Lippe, der kein Opfer scheut, um der jüdischen Wissenschaft, Litteratur und Sprache Verbreitung zu verschaffen, war die Betheiligung an der Feier eine allgemeine. Nachdem Waisenhaus-Director Herr Dux und dessen Sohn in gelungener Weise einige Violin-Duette zu Gehör brachten, hielt Ober-Cantor Honigmann einen sehr beifällig aufgenommenen, gediegenen deutschen Vortrag über die Bedeutung der Makabbäer- Feier, wobei er eine Parallele zwischen dem jüdischen und dem Helden- und Märtyrerthum anderer Völker zog, und an der Hand historischer Daten das erstere ungleich tieferinnewohnende sittliche Moment nachwies. Hierauf sprach Herr. Doctor Lippe mit gewohnter Beredtsamkeit und talmudischer Gelehrsamkeit über den Einfluß der jüdischen Wissenschaft ans die moderne Cultur, stürmischen Beifall erntend. Den Schluss bildeten einige vom liebenswürdigen Präsidenten und den Herren Dux zum Besten gegebene Flöten- und Violin-Soli, denen eine Reihe recht launiger Toaste folgte. Veritas. Berlin. In seinem , autobiographischen Werk: ״Vierzig Jahre" erzählt Holtei aus dem Meklenburgischen, dass nach dem Abgang des Landesrabbiners Holdheim nach Berlin d e altgläubigen, jüdischen Gemeindemitglieder zu dem Minister Lützow nach Schwerin gekommen seien und um die Wiederherstellung einiger früher schon von Holdheim abgeänderten, uralten Gebete nachgesucht hätten. Der Minister habe gesagt: ״Freund, mir kann das alles gleich sein, aber wie ich gehört habe, ist au. den Gebeten, wovon ihr redet, nicht viel verloren; denn man hat mir gesagt, sie enthielten mir Verwünschungen und Flüche gegen solche, die nicht eures Glaubens sind. Auf diese Weise verflucht ihr. ja auch den Goßherzog und mich und uns alle, die wir stets fteundlich waren; und das ist unrecht! — ״Excellenz" erwiderte der alte Samson, einer der Aeltesten — ״haben mer solange geflucht, und es hat ihnen nix geschadet, warum wollen sie uns nicht lassen fluchen-immerfort?" An unsere gertzrlen Herren Abonnenten. . Die׳ gegenwärtige Nummer 2 unseres Blattes wird noch allett gerhrlen Herrerr Abonnenten zngefandt und werden diejenigen geehrten׳ Leser; welche den Abonnementsbetrag für das neue Quartal' 1894 noch nicht entrichtet haben, dringendst ersucht, denselben umgehend au uns gelangen zu lassen.״Jene-׳Herren Abonnenten, welche dies zu thun unterlassen, mögen, uns gefälligst Per Posttarte bekannt geben, dass sie auf die fernere Zusendung ides: Blattes verzichten. Die Administration.

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