Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 2 (11.1.1894)
- Date
- 1894-01-11
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2. Gefterreichisch-ungarische Lantören-Zöitung. Nr. 2. Raum gMtr. zu dürfen, dass es ih'ör> jetzt'umso mehr׳ gegönnt sein werde, "ein 'rnhig.es, friedliches, kummer-׳ und ׳׳sörgMoses Leben führen zu können, als׳'er einen einerseits materiell glänzenden Posten errnngen, und anderseits in Hamburgs viele -Verwandte und zäHlrMerFckwÄ^ und Verehrer^ aus früheren Zeiten hatte. Mit groMnr.Jubel und ungewöhnlichem Enthusiasmus wurde Jonathan Eibenschitz, bei seinem Einzuge — Anfangs Tischri 1750 — in seinem Wirkungskreise empfangen. Als er die Schwelle seiner in Altona prachtvoll geschmückten und reich ausgestatteten Wohnung zum erstenmale betrat, rief er in Gegenwart der Gemeinderepräsentanz und vieler anderer Honorationen aus : ״Dies sei mein Wohnsitz für immer, hier will ich verbleiben, da ich mich nach dieser Stätte gesehnt" (Psal. 132. 14.). Dieser Herzenswunsch hat sich jedoch nicht bewährt, denn hier verlebte er kummer- und leidenvolle Tage, die chm das Leben verbitterten und vergällten. In Altona wohnte um jene Zeit R. Jakob Emden, Sohn des Chacham Zewi, ein Mann, der sich durch gründliche talmudische׳ Gelehrsamkeit wie durch einen scharfsinnigen kritischen Geist vortheilhast auszeichnete. Als das Rabbinat daselbst durch das Hinscheiden des R. I. Katzenellenbogen in Erledigung gekommen war, glaubte Emden, der aus Stolz es unter seiner Würde hielt, öffentlich auf dasselbe zu reflectiren, der Erwartung Raum geben zu dürfen, dass die Gemeinde ihn, dessen Vater und Großvater ebenfalls - dieses Amt inne hatten, mit Acclamaüon zum Ober-Rabbiner ernennen werde. Allein Emden war trotz seiner riesigen Gelehrsamkeit und hohen Fähigkeiten eine durchaus unbeliebte Persönlichkeit, denn Habsucht, Unverträglichkeit und Rücksichtslosigkeit waren die Untugenden, die chn verun-- stalteten, daher die Majorität der drei Gemeinden sich nicht für ihn, sondern für den menschenfreundlichen, leutseligen, schmiegsauren und geselligen Jonathan Eibenschitz begeisterte. Als nun Ernden sich irr seinen Erwartungen bitter getäuscht sah, hegte er in seinem Jrrnern einen unversöhnlichen Hass und Groll gegen den allgemein gefeierten Jonathan, auf den er schon von jeher nicht gut zu sprechen war. Jonathan gab sich zwar alle erdenkliche Mühe, um mit ihm auf friedlichem Fuße leben zu können, sprach in seinem ersten Vorträge auf der Kanzel von chm mit besonderer Hochachtung und Verehrung, allein Emden blieb starr und kühl bis ans Herz hinan, und wünschte nur sehnlichst die Gelegenheit herbei,׳ Jonathan niederschmettern zu können. Diese ließ aber nicht lange auf sich warten. (Schluss folgt.) Sitten und Bräuche der Juden im Orient. Von Dr. M. G r ü n w a l d, Großrabbiner von Bulgarien. Ein eigenes Gebetbuch ״Ordnung für die 4 Fasttage" besteht für dieselben, und sind die Pismonim und Pijutim von den bei den Aschkenasim üblichen grundverschieden; hervorzuheben ist jedoch, dass am 9. Tag des Monates Ab (Tisch'a b'ab) nicht das Lied Mosis am rothen Meer א? ישיר פשה sondern das letzte erhabene Lied Mosis ״ האזינוMerket auf" (V. Buch Mosis Cap. 32) gelesen wird. Am 9. Tage des Monates Ab wird außer der Haftara') in spaniolischer Sprache der Midrasch *) An den Abenden der 4 Fasttags: wird keine Haftara gesagt, wahrend bekanntlich bei den Aschkenasim die gehaltvolle Haftara beginnend mit den Worten ררשו אה' ה״ בהביאו (Jes. Cap. 55 Vers 6—12, und Cap. 56 Vers 1—8) ״Suchet den Ewigen dort, wo er. sich finden lässt" verlesen wird. Dass diese Haftara auch am Rüsttage des Neumondtages bei den Aschkenasim gelesen wird, sei gelegentlich angeführt. zu Echa verlesen und Jjob in Urtextrecitirt. Die der Sephardim sind ^bekanntlich,-oft von den der Ä abweichend; -die in densogenannten 3 Wochen -f zwischenHem^ 17. Tammus upd,Ldem ÖMb^aüH ״zHMenDW^ Engen" genannt-—sind jedoch dieselben wie bei denAschkenasim, und diese 3 Sabbathe werden nach dem Anfangsworte der Haftara benannt. So heißt also der 1. Sabbath nach dem 17. Tammus Schabbath דברי (Wort) weil die Haftara mit den, Worten דברי ירמיהו beginnt; der 2. Schabbath heißt Schabbath שמעו. und der 3. Schabbath — bei den Aschkenasim. flM שבת genannt heißt bei den Sephardim שבה איבה mit Rücksicht darauf, dass in der kommenden Woche die Klagelieder des Propheten Jirmijcchu, mit dem Worte איבה-beginnend, verlesen werden. Zum Aufrufen zur Thora sei bemerkt, dass wenn ein Chacham zur Thora gerufen wird, nebst dem üblichen יעבוד ״er möge stehen" noch hinzugefügt wird ״ ויעילהund er möge aufsteigen". Dass der Chacham einen ״ שם טובeinen guten Namen" als epitheton omans erhält, ist selbstredend, wie ja die Sephardim zu jeder Namensfertigung סופו טוב — פ״ט ״sein Lebensende sei ein gutes" setzen. Wenn man hingegen an einen Sephardi schreibt, fordert die Etiquette, dass man seinem Namen die Buchstaben ״ ה' ישמרהו ה״יGott beschütze ihn" hinzusügt. In Bezug auf das 18. Spruchgebet (שמנה -!שרה) genannt, finden sich zahlreiche Abweichungen von dem bei den Aschkenasim recipirten Texte; besonders bemerkenswerth ist der Absatz ״ ברך.עלינו ה' אה השנה הזאה(Segne uns, o Ewiger dieses Jahr", wo für den Winter ein eigener Absatz und für den Sommer wieder ein besonderer Absatz besteht; während chei den Aschkenasim dieser Absatz ganz gleichlautend ist, und nur im Winter — mit Rücksicht auf Palästina, woselbst^ der Regen die Stelle des Schnees vertritt — ״ ותן טל ומטר לברכהund gib Th au und Regen zum׳ Segen" gebetet wird, während im Sommer— in der Erntezeit — ״ ותן ברבהund gib Segen" reciürt wird. Der letzte der 18 Sprüche ist sowohl zu שהדיה als euch zu מנהה und מעריב stets שים שלום und niemals שלום רב. Wenn beim Recitiren des Psalms 145 des Vers-פתח אה ״ ידך ומשביע לכל חי רצןDu öffnest Deine Hand und sättigest alles Lebende in Deiner Gnade" gesagt wird, faltet׳ der Sephardi nicht die Hände, als Zeichen der Bitte, dass die göttliche Gnade sich auch auf ihn erstrecken möge, sondern er öffnet in der Thät beide Handflächen, wie Einer, der Almosen empfangen will. Während bei diesem Verse die Gebetriemen an der Hand und am Kopfe . mit der rechten Hand berührt und geküsst werden, thut dies der Sefardi nicht; er thut es vielmehr beim Beginne von . אשרי ״ יושבי ביתךheil denen, die in deinem Hause wellen". Statt des dem שהדיה Lolliua-Gebete vorangehenden ״ אהבה רבהeine große Liebe" hat der Sefardi׳ stets, beim Morgen- und Abendgebete, eine אהבה עולם;,eine ewige Liebe", was vielleicht dem spanischen Klima und dem des Orients zuzuschreiben ist. Kleinere Abweichungen im Texte können füglich übergangen werden, denn dieselben ׳'einzeln anzuführen, fällt nicht in den Rahmen unserer Arbeitgehört vielmehr in die Geschichte der jüdischen Liturgik, die allerdings bis jetzt eines Bearbeiters ermangelt. Im Jahre 1794' veröffentlichte der jüdische Gelehrte Rabbi Eljakim, Sohn des Rabbi Abraham ׳ aus London, in London eine Schrift unter dem Tittel ״ עשרה מאמרותZehn ׳ Ausspräche" (Abhandlungen). Die 5. Abhandlung dieser Schrift