Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 2 (11.1.1894)
- Date
- 1894-01-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oeste rreichlsch-ungarische Zeitung Pränumerations-Preis. FürCarrloren u. Cullusbramte uentrai-urgan für die Interessen der Cantoren und Krdartion und Administration in Vrfierrrich-Ungarn Wien Ganzjährig . . Halbjäbrig . . - - P.4.- - - P- 2•- Cuüusbesmten. II., Uovaragasse Nr. 27. FürCankorrn ».Cultusbramts Erscheint jeden zehnten Tag. Inserate im Ausland werden billigst berechnet. Ganzjährig . . Manuscripte werden nicht oder 4 Rubel. retournirt. Äür^Mckvstr und Institute GanzjaWi.P 6.— -. ״ /<■■ Begründer: Obercantor Jacob Bauer. j Mbormeinentsu. Infrrkions. beträte stnd in Wien zahlbar- Br: 2. Wien, 11. Jänner 1894. 14. Jahrgang. A. Jonathan Eibenschitz. Eine biografische Skizze von Dr7 M. H. F r i e d 1 ä u d e r. Mt besonderer Vorliebe pflegte R .Jonathan das Studium der ״Geheimlehre." Kabbalah, das-später, für ihn verhängnisvoll geworden. Er ließ sich nämlich verleiten,, für. Kranke nnd Leidende Amulette ״Kemeot" anzuferügen, deren Inhalt Bielen Veranlassung. gab, zu. behaupten, Eibenschitz sei ein verkappter . Sabbathianer. Bemerkt. muß jedoch werden, dass im Jahre 1725 in Prag die Sabbathianer mit dem Banne belegt wurden. Die - diesbezügliche Proclamaüon wurde am Vorabende des Versöhnungsfestes vor Beginn des Lol Nidre in allen Synagogen öffentlich verkündet. Der׳ damalige Präger Ober-Rabbiner David Oppenheim befand sich um jene Zeit gerade in Wien, daher die erwähnte Proclamaüon nicht von ihm, sondern von Jonathan Eibenschitz, der damals bereits als Präses des Rabbinatscollegium fungirte, unterzeichnet wurde. Als Oppenheim im Jahre 1736 das Zeitliche gesegnet, wurde. Jonathan. von den Rabbinatsassessoren einstimmig zu ihrem Oberhaupte emannt. Jonathan vertrat also eine Zeit lang, natürlich provisorisch, die Stelle eines Ober-Rabbiners von Prag. Nach dem Tode Kaiser Karl VI. brach der Successiönskrieg aus, der besonders in Böhmen heillosen Schaden anrichtete. Ehe sich noch hier das furchtbare. Gewitter entlud, erhielt Jonathan einen ehrenvollen Ruf von der hochachtbaren Gemeinde Metz, das in ihrer Mitte vacant gewordene Rabbinat zu übernehmen. Jonathan folgte umso freudiger dem an ihn ergangenen Rufe, als er hiedurch Gelegenheit gestmden, Böhmen, das in Folge des Krieges der Schauplatz furchtbarer Verheerungen geworden, verlassen zu können. Die Abreise von Prag erfolgte so rasch als möglich. Er ließ alle seine Habseligkeiten dort zurück, die aber bei der Occu- Paüon der böhmischen Hauptstadt die Beute der Feinde geworden sind. Sonderbar erscheint es jedenfalls, dass ihm von der kaiserlichen Regierung die Rückkehr nach den österreichischen Erbländem für immer strengstens untersagt wurde. Zweifelsohne wurde er von Feinden denuncirt, was in jenen kriüschen, aufgeregten Zeiten häufig zu geschehen Pflegte. In Metz entfaltete Jonathan eine überaus segensreiche Thäügkei Durchdrungen von der Wichtigkeit der hohen und schönen Aufgabe, seine Glaubensgenossen zu belehren, zu ermahnen, zu trösten und zu beruhigen, rief er einmal aus: ״Keine Stunde meines irdischen Lebenswandels ist mir so lieb und so angenehm, als die, in welcher ich an heiliger Stätte die Kinder meines Volkes zurechtweise, gegen die Sündhaftigkeit ermahne und verwarne." (Joar. D.J. p. 74). Sowohl feine scharfsinnigen talmudischen Vorträge, in der von ihm gegründeten und von sehr wissbegierigen Jüngern ftequenürten Hochschule,, als seine geistreichen," zündend, erhebend und belebend, erbauend und erquickend wirkenden Predigten erfteuten sich eines ungewöhnlichen Beifalles und gewannen ihm die Herzen Aller, die ihn hörten. In seiner väterlichen Fürsorge für das geistige Wohl seiner Gemeindemitglieder gieng er so weit, dass er, der Weltberühmte Pilpulift, es nicht verschmähte, einen Auszug aus dem ״Orach Chajim" in deutscher, selbst dem nicht talmudisch gebildeten Publicum verständlicher Sprache zu verfassen und denselben, in seinem ganzen Rabbinatssprengel verbreiten zu lassen. Eine solche, echt priesterliche Thäügkeit musste Anerkennung finden, und Jonathan genoss daher in Metz nicht blos die allgemeine Hochachtung und Verehrung, die damals jedem gelehrten Rabbi gezollt wurde, sondern auch die wahre Liebe und das Vertrauen aller seiner Gemeindemitglieder. Als im Jahre 1746 die große und angesehene Gemeinde zu Fürth das daselbst durch den Tod des Rabbiners Baruch Kohn vacant gewordene Ober-Rabbinat Jonathan übertragen hatte, sah sich dieser genöthigt, diesen ehrenvollen Ruf, so gern er ihm sonst Folge geleistet haben würde, dankend abzulehnen, weil die Metzer Gemeinde, die sich gelegentlich seiner Ausnahme ausdrücklich bedungen hatte, dass er einen Zeitraum von so und so vielen Jahren bei ihr verbleiben müsse, durchaus nicht geneigt war, chm das Wort zu erlassen und ihn vor der mit ihm bedungenen Frist, die damals noch nicht verstrichen war, von seinem Amte zu entheben. Jedenfalls erhellt aus diesem Umstande zur Genüge, dass Jonathan sich in Metz einer ungewöhnlichen Popularität zu erfteuen hatte. Im Jahre 1750 wurde Jonathan von dm drei vereinigten Gemeinden Altona, Hamburg und Wandsbeck zum Ober-Rabbiner ernannt. Jonathan war ob der ihm gewordenen ehrmvollen Vokaüon hoch erfreut und glaubte der angmehmen Erwartung