Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1894)
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Mesterxeichischmngarifche Lantoren-Aeitung. Nr. 1 Seite 5. man dann dreimal allein.schlägt in einem einfachen diapason. Nun. kniet das Volk nieder. Hierauf schlügt, der Castaguettenschtäger aMn, utu,den Ton von den sechs ersten, zu den sechs zweiten Sängern "mit den-zwei Nablon und den vier Ha.xMp. die mit ihnen zusammen ertönen, überzuleiten. Dasselbe geschieht dann beim nächsten Abschnitte und. dann singen die noch übrigen sechs Sänger unter Zustimmen der dritten Abtheilung der Instrumente. Nahe am Schlüsse dieses Abschnittes singen und spielen alle achtzehn Sänger und alle achtzen Musiker; am. Ende blasen auch, wie gesagt, alle achtzehn Trompeten zusammen mit den Castagnetten:in einein einfachen diapason wie oben geschildert, dreimal und dabei verneigt sich das Volk. (Fortsetzung folgt.) . K. Jonathan Gibenschih. Eine biografische Skizze von Dr. M. H. Fl ieblä 11 d cr. Der scharfsinnigste Pilpulist und gründlichste Kenner der Kabbalah des achtzehnten Jahrhunderts war unstreitig R. Jo-- nathan Eibenschitz, der im Jahre 1690, nach Einigen in Krakau, nach Anderen in Pinczov, eineni Städtchen im jetzigen russischen- Gouvernement Radom, geboren wurde. Väterlicherseits . war er ein Urenkel des berühmten Kabbalisten Nathan S P i r o, Verfassers, des bekannten Werkes ,.Megalleh. amukofch.“, und mütterlicherseits ein Enkel des als talmudifche Koryphäe be-. rühmten R. Löw Zunz, Oberrabbiners zu Pinczov. Sein Vater Nathan^ ebenfalls eine rabbiuische Autorität, wurde von der Gemeinde Eiheyschitz in Mähren zu ihrem Rabbiner ernannt. Hier weihte Math an den größten Theil. seiner Zeit und Kraft., der- Erziehung-׳ und Heranbildung seines mit ungewöhnlichem Scharfsinn und seltenen Fähigkeiten reichbegabten Sohnes Jonathay, der diesem Orte mich seinen Familiennamen ״Eibenschitz" zu verdanken hatte. Jonathan hatte jedoch das Unglück, dass sMMäter Nathan ihm stühzeitig durch den Tod entrissen wurde. Ein Wiener reicher Jude, Namens Samson, nahm sich in hochherziger Weise des früh verwaisten talentvollen Jonathan Eibenschitz an, sorgte für seine weitere Ausbildung und ließ ihm. in seinem Hause wie seinem eigenen Kinde die sorgfältigste Erziehung und nöthigste Pflege angedeihen. Allein die Mutter Jonathans, die stonime Rabbiüerin Schendel, glaubte der Befürchtung Raum geben zu müssen, dass ihr talentvoller Sohn durch das sorgenlose und steudenvolle Leben im Hanse des reichen Wieners von den ernsten Studien des Talmuds abgelenkt werden könnte, daher sie sich veranlasst sahst ihren Jonathan bald ans der Residenzstadt wegzunehmen und ihn nach Proßnitz, wo damals R. Meir Eisenstadt, ,.Nskaram Aseh“ genannt, einer talmndischen Hochschule als Rector Vorstand, zu schicken. Unter Leitung R. Meir's machte der junge Eibenschitz solch -riesige Fortschritte auf dem Gebiete der talmudischen Studien, dass er sich bald den Ruf eines tüchtigen Talmudisten erworben hatte. Um jene Zeit starb auch seine gute fromme Mutter, deren ganzes Streben dahin gerichtet war, ihren hochbegabten Sohn zu einem großen Gelehrten heranzubilden. Der reiche und sehr gelehrte Wiener Oberrabbiner Wertheimer, der Jonathans Fähigkeiten zu würdigen gewusst, beabsichtigte, ihn in's Haus zu nehmen und als Gemahl für seine Tochter zu bestimmen, allein Berusch Eskeles, Sohn des damaligen Landesrabbiners Gabriel Eskeles aus Krakau, der ebenfalls um bh Hand der Tochter des Wiener Oberrabbiners geworben, wurde von derselben seiner körperlichen Schönheit wegen, bevorzugt. erklären, hieß: es plötzlich: ״Der Kaiser kommt ' —und Alles stob auseinander. So dauerte die Jagd-zum Gaudium des Herrn Kaiser auf den unbefugten Lehrer fort und sehr oft wurde er wie der Märtyrer Rabbi Akiba in flagranti ertappt und angezeigt, vor Gericht geladen und mit Geld, und Arreststrafen bedroht. Hiedurch ängstlich geworden, machte er noch einen Versuch, er zog sich -bei verschlossener Hausthüre auf den obersten Boden seines Hauses zurück -und hier unterrichtete er seine Schüler in den Discussionen und Entscheidungen des Talmud. Sei es nun, dass. Verrath-im Spiele war׳, oder dass das laute Lernen der stets wachsamen Executive zu Ohren kam, da, als eben ein reiferer Schüler im-Traktat Lada mezia das Pensum über ״den Ofen von Echnai" hersagte, öffnete sich leise die Thür und in derselben kam zuerst, ein Federbusch,, dann ein rother Schnurrbart und zuletzt, der Vertreter der heiligen Hermaudad, der Polizeidiener Kaiser ganz zum Vorschein. Die Schüler entflohen, so schnell sie konnten, in alle. Ecken dew Windrose und auch ihr Lehrer hatte .so etwas vor, als ihn die eiserne Faust des Polizeidieners am.Rockkragen erfasste,- ihn in die Mitte des Bodens und von da bis an die Stiege zog, mit der Absicht, ihn sofort auf das Rathhaus zu befördern. Als er ihn eben die Stiege hinabzerren wollte, riss auch dem-sonst lammesgeduldigen .Rothschild der Geduldfaden, mit raschem Ruck entriss er sich der Hand des dergleichen nicht erwartenden Polizeihelden.und streß dabei so wuchtig an ihn, dass er, -der auf dem oberen Tritt der Stiege stand, mit dem einen Fuß wich, das Gleichgewicht verlor und kopfüber die Treppen .hinabkollerte. Er hatte sich glücklicherweise., nicht-.-verletzt--raffte sich schnellstens.wieder auf und eilte gänzlich, gebrochenen Muthes.wie ein begossener Pudel, von. dauneru . Aber Rothschild .sowie dessen.Frau, ja die ganze Gemeinde' war ob dieses Vorfalles sehr besorgt, sie sahen schon im Geiste ihren Lehrer.in Kerker -ynd Banden und sich selbst-als ״Gerti־. scbim". Allein nichts von Alldem traf ein. Kaiser beobachtete selbst strenges Schweigen und war froh, dass Rothschild und. seine Angehörigen auch schwiegen, denn er schämte sich, von dem Judenlehrer besiegt worden zu sein, anderseits wusste er, dass er seine Competenz überschritten, indem er in unbesiigter Weise ins Haus eingedrungen war. Wenn er aber auch nothgedrungen schweigen musste, bittere Rache hatte er dem armen Judenlehrer im Herzen geschworen und es gehörte die größte Vorsicht dazu, dem rachedürftigen Polizeimann ja keinen Anlass zum Einschreiten zu geben. Das Unterrichten musste definitiv eingestellt werden, damit stellte sich aber auch ein anderer höchst unangenehmer Gast, der alle Lebenskeime vergiftende Talles ein, Entbehrung, Noth und Armuth im Gefolge. Der Verdienst fi'ir den Unterricht blieb ans, das Krümchen warf blutwenig ab — es war ja sehr klein und es zu vergrößern fehlten die Mittel — feine Frau war durch häusliche Arbeiten immer mehr in Anspruch genommen: aber der Kindersegen gedieh, die Zahl der Kleinen war dem Miujan nahe. . Die Unterstützungen, der Gemeinde waren klein. Was anfangen?. In den schlaflosen Nächten, die ihm die Sorgen bereiteten, wiederholte er diese Frage oft, allein ohne je eine passende Antwort darauf zu finden. Die Thränen der trefflichen Frau, die sich wohl alle Mühe gab, dieselben ihrem Manne zu perbergen,, wurden doch von ihm bemerkt und drangen tief in sein bekümmertes Herz; allein das änderte nichts an der Sache. Da fiel ihm ein. dass er in Frankfurt einen Vetter habe, von dem ihm schon feine selige Mutter oft erzählt hatte. Viele seiner Studiengenoffeu in Fürth hatten dort Anstellungen als Commis, Lehrer, .Rabbiner 1t. ■ f. w. Stellung gefunden. Einer davon, fein 'damaliger Zimmercollege, hatte sagar in einem reichen Hause zu Frankfurt zuerst als Führer der Kinder in die Synagoge, dann als Handlanger im Geschäfte, später als Commis einen Platz gefunden und jetzt war er gar Compagnon des Hauses gewflrden. (Fortsetzung folgt).