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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1894-01-01 · Heft 1 (1.1.1894) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 1 (1.1.1894)
Date
1894-01-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Aeitung. Seite4. Nr, 1. Pauke von ihrer Gestalt, denn sie ist gebaut, wie ein kleines Schiff, das griechisch Khmba heißt. (Bei den Griechen .heißte das Leine Schiff auch Aphrakta, in der Sprache unserer Lehrer, ges. And.! heißt es Arba, lateinisch linter, italienisch bürcho),? So wird die Pauke Kymbalon genannt, weil sie eurem kleinen Schiffe ohne Verdeck ähnlich ist, aus Erz, aus Kupfer oder anderem Metall, lang und schmal, an beiden Enden spitz zulaufend, in der Mitte an. beiden Seiten ein wenig breit und bauchig gearbeitet. Besonders die egyptischen Priester bedienten sich dieses Instrumentes im Tempel der Göttin, welche die Göttermutter heißt und als dea Vesta bezeichnet wird. Es ist der Grund der Erde selbst, welcher als eine Gottheit aufgefasst wurde. Auch andere Menschen geben durch Stoßbewegungen auf Pauken ihrer Freude Ausdmck, indem sie dieses hohle, metallene Geräth mit einem eisernen oder kupfernen Stabe schlagen oder darauf stoßen, abwechselnd stark und schwach!in schnellen Wirbeln und langsam und ruhig, so dass in Folge dieser Stöße ver-׳ schiedene Töne gehört werden. Das ist Toph (Pauke) nach der Ansicht der nichtjüdischen Gelehrten. Unsere Rabbiner, ges. And.! meinen (Kimm P. 3. Mischna 6), dass es eine über ein Holz oder sonstiges Gestell gespannte Haut sei. R. Josua sagt, das bedeutet das Sprichwort: Lebend hat es eine, todt sieben Stimmen : Welches sind diese sieben Stimmen? Seine beiden Hörner sind zwei Trompeten, seine beiden Schenkelknochen zwei Flöten, sein Fell zur Pauke, sein Bauch zum Nablon (Ver-- bindung von Harfe und Dudelsack), seine Eingeweide zu Harfen-- saiten. Folglich ist die Pauke nach der Ansicht sowohl unserer Rabbinen, als auch der Weisen anderer Völker ohne Zweifel ein geringwerthiges Instrument, das in keiner Weise für ׳die. kunstvollere Musik geeignet ist. Auch ein Rothschild. Einer wahren Begebenheit aus den Zwanzigerjahren dieses Jahrhundertes nacherzählt. Von A. Stein, Rabbiner u. Cantor, Sobieslau. (Fortsetzung). Die Regierung erkannte es als dringend nothwendig, dass auch die israäitischen Lehrer, welchen der Unterricht und die Erziehung der israelitischen Jugend oblag, sich einer Befähigung»- Prüfung .fiir dieses Amt unterziehen mussten, wenn sie nicht früher ein Seminar besucht hatten. Das war für unseren Rothschild nun eine böse Gesera, denn er hatte weder die Kenntniße noch den Muth, sich dieser Prüfung zu unterziehen. Der Orts- Pfarrer, ein freundlicher und guter Herr, der es ihn! gut meinte, wollte ihn unterrichten, dass er die Prüfung bestehen könne, wenn amch -mit nur genügendem Erfolge; allein unser Candidat wollte nichts davon hören, er wollte lieber um sein Brot kommen, als bei der Prüfung entweder als Ignorant zu erscheinen oder gar durchzufallen. Die studierten Lehrer, die so Großes von sich hielten, schienen ihm als gewalüge Gelehrte, denen er den Schuhriemen zu lösen sich nicht Werth hielt und an deren Seite im Regierungsgebäude zu sitzen er gar nicht wagte, daran trug besonders seine maßlose Schüchternheit Schuld und seine Zurückgezogenheit von aller Welt. Die Sache hätte wohl noch lange beim Alten bleiben können; denn die Gemeinde machte gegen diesen Befehl hohen Orts Vorstellungen, dass sie bei ihrer geringen Zahl und deü bescheidenen Mitteln nicht in der Lage sei, einen solchen Lehrer anzustellen und zu bezahlen. Dies wurde wohl auch erkannt, und der Pfarrer, als Local-Schulinspector half gerne mit, den Rothschild so lange als möglich zu halten. Die höhere Behörde, die einerseits sehr viel zu thun hatte, und anderseits auch lässig war, ließ die Sache lange ohne Erledigung liegen, es kam keine Entscheidung, und — wo kein Kläger, da ist auch kein Tempelmusik am Neumondstage. ׳ Weil man am׳ Neumondstage mehr Trompeten, Musiker und Sänger׳ hatte, habe ich auch die gesetzliche Ordnung, der Sänger, Musiker und Trompeter geschildert: Es sollten also auf der Freitreppe, in gerader Linie achtzehn Leviten stehen. Der erste davon singt unisono, der zweite ditono oder semiditono, der dritte die Stimme, welche diafente perfeto heißt, der vierte diapason, der fünfte doppelditono oder semiditiono, d. h. dis,- pason vereint mit ditono oder semiditono, der sechste doppeldiafento d. i. diazpason vereint mit diafente perfeto. Diese wirken beim ersten Theile desWesanges mit. Der siebente bis zwölfte entsprechen 1—6 und treten beim zweiten, 13—18 beim dritten Theile, in Thätigkeit. Vor den Sängern stehen, ebenfalls in gerader Linie, achtzehn Musiker; einer mit einem zehnsaitigen Nablon, zwei bis fünf mit Harfen und der sechste wieder mit einem zehnsaitigen'Nablon. Diese wirken beim ersten Theile mit, 7—12 und 13—18 in gleicher Vertheilung beim zweiten und dritten Theile. Vor den Musikern steht in der Mitte der Eastagnettenschläger. Zu seiner Rechten und zu seiner Linken sind in gerader Linie je neun Troinpeten. Jedoch wisset, dass jede Trompete bemüht ist, dieselben Töne zu blasen, welche die Sänger singen; also drei Trompeten unisono, drei ditono oder semiditono, drei diafente perfeto, drei diapason, drei doppelditono oder semiditono und drei doppeldiafente, damit ihr Blasen harmonisch und nicht ein wirres durcheinander vor: Tönen sei. Nun schlägt der Castagnettenschläger, bevor die Leviten singen. Darauf folgt der Gesang mit sechs Sttmmen und dazu die Jnsttumentalmusik von zwei Nablon und vier Harfen. Sobald sie zu einem Abschnitte gekommen sind, blasen, wie geschildert, alle achtzehn Trompeten zusammen mit den Eastagnetten, die Richter. Unser Rothschild hätte also bis an sein Ende in Dingsdorf bleiben können, wenn nicht ein Roscho in der Person des Gemeindedieners Kaiser aufgestanden wäre. II. Georg Kaiser war ursprünglich selbst für das Lehramt bestimmt und fiel, trotzdem er vorher beim Cantor loei zur Aufnahmsprüfung vorbereitet wurde, zweimal bei derselben durch und wurde fiir immer abgewiesen. Er hatte wohl anfangs die Absicht sich dem höheren Studium zu widmen; allein die Mittel desVaters, ״eines Forstwartes", der dringendere Ausgaben für Bier, Schnaps und Tabak hatte, reichten hiezu nicht aus. Sein Sohn sollte also wenigstens Lehrer werden, aber wir haben gesehen, dass es auch hier nicht gieng, gleich vom Anfang. Georg wurde nun in den Soldatenrock gesteckt und da er, wie das Sprichwort sagt, nicht der Ruthe folgte, musste ersetzt dem Korporalstock gehorchen. So hatte er es zur Noth seine 6 Jahre ausgehalten und wurde endlich mit dem Versprechen entlassen, seinerzeit eine Versorgung im Civildienste zu erhalten. Georg Kaiser aber kannte seinen Werth genau, er wusste, dass eine große Zahl würdigerer Candidaten auf eine solche erledigte Stelle Anspruch u. zw. gegründeten Anspruch erheben werden, als er, und auch dieselbe erhalten dürften, begnügte sich mit der Allnähme der erledigten Gemeinde- und Polizeidienerstelle zu D.. . Statt des Lehrstabes erhielt er den Prügelstock. Um diese Zeit ward dem ungeprüften Lehrer Rothschild durch Verfügung der königlichen Regierung das fernere Unterrichten untersagt worden. Dre Ueberwachung dieser Verfügung war in erster Instanz dem Polizeimanne Kaiser übertragen worden. Sei es' nun, dass nach talmudischem Ausspruche ״Jeder Zunftgenösse hasst den Zunftgenossen", oder dass der. neuen Polizeiseele die Ausführung einer solchen harten Maßregel.Vergnügen bereitete, genug — er verfolgte den armen Rothschild mit unermüdlicher Sttenge. Wenn er eben im Begriffe war, seinen - Schülern eine herbe Talmudstelle oder einen Raschieommentar zu

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