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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1894-01-01 · Heft 1 (1.1.1894) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 1 (1.1.1894)
Date
1894-01-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 1. Oesterreichisch-ungarische Lantoren-Zettung. Seite 3. Pismon zu singen dessen deutsche Uebersetzung wie folgt lautet: ״Ich schlief, liegend am Bette war ich, mein Herz jedoch war wach und dachte nach; von mir forschte es, vertrieb den Schlummer, wach' auf, höre' das sanfte Flüstern, dos aus des Herzens Noch dich ruft, du Heißbegehrte, und die Erde bebte (vor meinem Geiste). Ich schämte "mich und errothete, denn ich hörte die Stimme meines Geliebten, er klopfte: Oeffne mir, meine Schwester, meine Gespielin, meine Taube, meine Unschuldige, öffne mir und zeige mir dein Antlitz, denn an dir habe ich Gefallen gefunden." Nachdem diese 2 Strophen des Pismon gesungen werden, begibt sich der Chasan zum Bräutigam und gibt ihm ein weißes Taschentuch in die Hand (הנין סידר) als Zeichen, dass er durch Festhalten dieses Tuches die Giltigkeit seines Gelöbnißes bekräftigt. Und nun sagt der Chasan zu dem Bräutigam: Unter glücklichem Omen (Vorzeichen) in einer Stunde des Segens, Glückes und stets wachsenden Glücksterns — ein Erwerben eines Schwures im Sinne (in der Absicht), welche in Wahrheit (ohne jeden Hintergedanken) schwören und im Sinne der Brant 0116 no puedes ,dar kiduschin1) ni schiduchin2) ni siwlonoth3 4) a ninguna novia solath de la novia la mentada clie entraras con chuppa uki’duschin beesrath bael ke’datb Mosche w’Israel, dass du weder migetraut, noch verlobt, noch Geschenke und mit keiner Braut außer der erwähnten Braut unter beit Trauhimmel treten und religiös angetraut werden wirst, mit der Hilfe Gottes, nach der Satzung Mosis und Israels. Dem sich verlobenden jungen Mädchen wird gleichfalls ein Tuch in. die Hand gegeben und werden dieselben Worte gesagt, nur statt novia ״Braut" wird das Wort novio ״Bräntigam" gesetzt. Hirauf küssen sich Bräntigam und Braut zweimal und der Umarmungen und Küsse von Seiten der alten und neuen Verwandten ist fast kein Ende. Nach diesem Act .ergreift ein Chacham, wenn der Rabbiner verhindert - ist, das Wort und hält einen kürzeren oder längeren Speech, der mit Worten ״dass dieses Verlöbnis besiman tow unter günstigen Vorzeichen und einer glückbringenden Stunde (en Tina ora masalosa) geschlossen worden sei, endigt, oder wie die Juden Europas in ihrem Jargon sagten: in einer masledig en שעה*.' Ein heiteres Mal beschließt die Verlobnngsfeier. .Die Fasttage werden hier strenge eingehalten und wird an allen Fasttagen Abends Tefillin gelegt, am Sabbat, der dem Fasttag vorangeht, wird in der schon aus der Mischnah bekannten Formel vom Chasan ausgerufen Achenu beth Israel 2c. קדושין(י heißt eigentlich die Heiligungen insoferne Gatte und Gattin den Bund der Ehe mit Bezug aut Gott schließen, weil sie dessen stets eingedenk bleiben sollen, dass Gott der Herr sie für einander bestimmt hat, um die ihnen von Gott geschenkten Kinder zur Verherrlichung des göttlichen Namens zu erziehen. Nicht Befriedigung niedriger Sinneslust, sondern die Befriedigung des sinnlichen Triebes zu veredeln und zu weihen, ist Aufgabe der Ehe nach jüdischer Lehre. שדוכין(י heißt eigentlich ״Ucbcrrcdungcn", weil cs nach der richtigen Ansicht des Talmud's schwer ist, Personen sür's Leben zu vereinen, so dass fast bei sämmtlichen Völkern sich das Sprichwort entwickelt hat, dass Ehen im Himmel geschlossen werden, dass dieses Wort, wie so viele andere in der Bibel ihren Ursprung hat u. zw. in dem Satze 12, יצא הלבד von Gott ist diese Sache (nämlich der Ehebund Jsaak's mit Rebekka) ausgcgangen (I. Buch Mosis Cap. 24. Vers 50) sei gelegentlich bemerkt. 3) סבלונות eigentlich Lasten, also größere Geschenke. Ausführlich handelt hierüber N. Jizchak Lampronti in seiner Rcal-Enchclopädie des Talmud Pach ad Jizchak unter dem Schlagworte סבלובות (Tom.- XVp. 2a—8b). liebet den Umfang des Wortes Liblonotb vgl. besonders Compronti's Werk p.,8a, Absatz 2. 4) Obwohl der Talmud sagt: אין 2זל לישראל (Israel dürfe nicht an Astrologie glauben),- lässt-sich der Volksglaube doch nicht zerstören, ״Unsere Brüder, aus dem Hause Israel" höret! -Der Fasttag (z.-B. des 10. Tebeth) wird an dem und dem Tag sein; möge hex.Heilige gelobt sein, ihn verwandeln in Wonlie Hub Freude: denn so ist es in der heiligen Schrift (Sechaijä VIII• 19) geschrieben: So spricht der Ewige der Heerschaaren; der Fasttag des 4., der Fasttag des 7. und der des 10. Monates werden einst für das Haus Inda3) zur Wonne und zur Freude,."zu guten Versammlungssesten werden; jedoch liebet die Wahrheit und den Friedelt. . (Fortsetzung folgt). Die jüdische Littrrslur ) Abraham de Porta Leone. Der Arzt Abraham bei! David mi sehaar arje (vom Löwenthore) in Mantua widmet in dem Werke 8״chilte Gibborim" (Schilde der Helden) die Ergebniße ernster Studien seinen Söhnen. Er hat neben der Medicin Philosophie shrdiert. Aus dem Krankenbette macht er sich Borwürfe, dass er die Thora darüber vernachlässigt hat. Wird er genesen,׳ holt er das Versäumte nach mtb bekundet wissenschaftlichen Sinn und Methode, obschon der Einfluß der Kabbala sich schon bemerkbar niacht. Er lässt das Werk in seinem eigenen Hause 1612 drucken. Ein liugemein weites Wissen zeigt sich darin : — der Kenntnis von zehn Sprachen und der Benützung von achtundneunzig Quellenschriften rühmt sich der Verfasser. In drei Schilden, die in ileunzig Kapitel getheilt sind, handelt er über die Heiligkeit Palästinas, den Tempel, die Musik, die Leviten, den Opferdienst, die Priester, ihre Kleider, Krieg und Rüstungen, Edelsteine, Salz,; Gewürze, Räncherwerk, Gebet, Lieder und im Anhang über griechische und lateinische Buchstaben, die Tonzeichen, die Samaritaner u. a. m. lieber Musikinstrumente. (Aus Cap. 5). Wollt ihr die Richtigkeit meiner Behauptung prüfen, dass die niederen Musikinstrumente bei der Musik auf der Freitreppe des Tempels nicht verwendet werden durften, so durchsuchet das ganze erste Buch der Chronik, und ihr werdet sehen, dass König David unter den Instrumenten, die er für seine Gesänge verwendet, die Pauke (Toph) niemals erwähnt. Im 23. und 25. Capitel des genannten Buches werdeli nirgends der Schosar (das Horn ist eine Art Flöte) oder die Pauke erwähnt. Und wenn die Pauke nicht zu den Musikinstrumenten gehört — und in der That ist sie ausgeschlossen — wie sollte da Machol (Flöte), Aze Beroschim (Tannenhölzer), die in Tamid (30a) erwähnte Magrepha (Klapper), die Maneim (Schüttler), Schall schim (Trigonen), Maschrikuta (Rohrpseise), Symphonia (Sackpfeife) und dergleichen dazu gerechnet werden? Die Pauke heißt griechisch Kymbalon, lateinisch Cymbalum, italienisch Cymbalo. (Hier folgt ein Excurs über die Aussprache des C bei den Lateinern, Griechen und Italienern). Ihren Namen hat die dass es glückbringende Zeiten gebe nnd solche die zum Unglück bestimmt sind,׳!» a s l c big ist ein jüdisch-deutsches Wort, das aus dem hebräischen Worte מזל (mazal) mit der deutschen Sylbe i g entstanden.. Vgl. meine Arbeit: lieber den jüdisch-deutschen Jargon. Prag 1888. (2. Aust.). b)Da es bis jetzt nicht ermittelt wurde, wo die 10 Stämme des Reiches Israel sich befinden, so werden die Bekenner des reinen Monotheismus Inden genannt, nach dem Reiche Juda. *) Ans dem Werke .,die jüdische Litteratnr" von Dr. Winkler nnd Professor Dr. Aug. Wünsche beide Herren in Dresden, entnehmen wir anS j der 16. Lieferung enthaltend Geschichte re. von Tr. Lrwin.

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