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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1893-12-21 · Heft 30 (21.12.1893) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 30 (21.12.1893)
Date
1893-12-21
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. ' Gesterreichisch-ungarische Lantoren-AeitÜng Nr. 30. besttmmte Hoffnung, dass aus dieser Anstalt Männer hervorgchen werden, welche die jüdischen Gemeinden in dem bewährten und Mir bekannten Patriotismus erhalten werden." Der Monarch erkundigte sich dann, wie es mit der Frequenz der Anstalt stehe, und als Dr. Güdemann an die Beantwortung dieser Frage die Bemerkung kniipste, dass auch für die Kenntnis der Landessprachen vorgesorgt sei, wendete sich der Kaiser an den Abgeordneten Dr. Byk mit der Frage, ob auch das Polnische gelehrt werde und wie zahlreich der Besuch aus Galizien sei. Dr. Byk antwortete, dass die größere Hälfte der Frequentanten aus Galizien stamme und ihr Studium der polnischen Sprache am Seminar fortsetze. Der Kaiser bemerkte hierauf: ״Es fteut Mich, dass diese Frequentanten in Oesterreich ihre Lehranstalt haben und nicht mehr ins Ausland gehen müssen." Hierauf entließ der Monarch die Deputatton in huldvoller Weise. Wien. Donnerstag, den 14. December d. I., 6 Uhr Wends fand im Tempel in der Seitenstettengasse das feierliche Requiem für den verewigten Herrn Moriz Freiherr von Königs wart er statt. Zur Feier waren erschienen die Witwe des Verewigten, Frau Baronin Charlotte von Königswarter nebst ihren Söhnen, den Freiherren Her man n und Wilhelm von Königswarter und deren Gemeinen ׳ der Gesammtvorstand der Cultusgemeinde und des Bethauses und eine große Anzahl distinguirter Persönlichkeiten. Den gottesdienstlichen Th eil versah Obercantor Singer unter Begleitung des verstärkten Chorpersonales, jedoch ohne Orgel. Die Trauerrede hielt Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann. WLrn-Iosiefstadt. Das Fest der goldenen Hochzeit unseres hochgeschätzten Mitarbeiters, des Herrn Rabbiner Wollner, und seiner Gattin, von dem wir in voriger Nummer unsere Leser in Kenntnis setzten, hatte einen imposanten Verlauf gehabt. Die Theilnähme war eine allgemeine und herzliche. Der größte Theil der israelitischen Familien, sowie zahlreiche christliche im V111. und den angrenzenden Bezirken beglückwünschten das Jubelpaar mit Liebesgaben und Blumenspenden. Ausgezeichnet haben sich der . Cultusvorstand mit einer namhaften Spende, so auch der Vorstand des Tempelvereines im Vlli. Bezirke mit einer kostbaren Doppelspende, Herr S. Heit mit einer bedeutenden Geldspende, so auch Herr M. Straß er re. Der Gottesdienst am 9. December war schr feierlich. Der Tempel strahlte im Lichterglanz, ein dfftinguirtes Publicum von Herren und von Damen füllte alle Räume. Der Cultusvorstand war durch Herrn Architekten M. Fleischer vertreten, vom IX. Bezirke war Vorsteher Herr G. Bettelheim anwesend, so auch Bethausvorsteher aus anderen Bezirken. Als der Jubilar als dritter zur Thora gerufen wurde, sprach er mit thränenden Augen den Segenspruch und zum Schluffe ״Lobebsobs^onn", woraus Her Cantor Fleck einen besonders verfassten .,Ni Scbeberaeb" meisterhaft recitirte. Als der Jubilar die Kanzel bestteg, herrschte eine weihevolle, andächtige Sttmnung. Die Rede, eigenarüg in Form und Inhalt, machte einen mächtigen Eindruck auf die Herzen der Zuhörer und besonders die Frauen waren tief ergriffen, bis zu Thränen gerührt. Es war eine schöne herrliche Feier. In der Wohnung des Jubel- Paares ging es an Heiden Tagen lebhaft zu. Gratulanten lösten einander ab. Es kamen »der Vorstand des Bethaus- und Tempelbauvereines in eorpore, und zwar die Heren Hermann Beck, Leopold Guttmann, Max Adler, Herrn. Pollack, Josef Mittler, unter Führung des Architekten Kern Jacob Modern, als Aeltesten des Vorstandes. Derselbe richtete an den Jubilar eine geistvolle Ansprache, in welcher er die Verdienste des Jubilars um das Wiener Judenthum und um das des Bezirkes insbesondere in trefflichen. Worten zeichnete. Hierauf überreichte Herr Präses Hermann Beck, von der Krma Wilhelm Beck und Söhne, ein werthvolles Geschenk in Begleitung herzlicher Worte des Glückwunsches und des Dankes. Herr Vice-Präses Leopold Guttmann überreichte im Namen des Vorstandes einen Silber-Pocal, mit dem Wunsche, das Jubelpaar möge aus demselben stets neue Kraft und neue Jugendfrische schöpfen. Es gratulirten ferner der Frauen-Wohlthättgkeitsverein, die Herren Religionslehrer mit Herrn Religionsschulinspector Dr., Langfelder an der Spitze, die 8. Classe der Bürgerschul- Mädchen mit einer sinnreichen Spende 2c'. Depeschen liefen in großer Zahl ein aus Wien, Budapest, Wieselburg, Trentschin, Fünfkirchen, aus London, Mainz, Berlin 2c. Brieflich gratulirten: Herr Oberrabbiner Dr. Jellinek, Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann mit einem sehr herzlichen Schreiben in einem geistreichen hebräischen Gedichtchen, Herr Rabbiner Dr. I. Wo lf, Herr Rabbiner Dr. Handel-Eibenschitz, Herr Rabbiner Dr. Unger, Jglau, Herr k. k. Landesschulrath Dr. G. Kohn, Herr Dr. L. A. Frankl Ritter von Hochwart begrüßte das Jubelpaar mit einem geistreichen und schönen Gedichte. Ferner trafen Gratulattonen ein von Dr. Adler, Director S. A. Fischer, N. Königsberger, Rudolf Koditschek, Salamon Fischer, Dr. I. Schrank, Obercantor Bauer rc. Persönlich gratulierten: Dr. Lieben, S. Heit, Dr. M. Fried- Länder sammt Frau, Obercantor Singer, Secretär Braun. Prediger D. Löwy, S. Fischer, die Söhne des Ritter von Klar will mit Spende u. m. A. Am 10. d. M. Abends fand das Familienfest statt, welches unter herzlichen Toasten der Kinder ftoh und freudig den Abschluß gemacht hat. So möge denn das Jubelpaar noch viele Jahre frisch an Körper und Geist sich des Lebens fteuen! Wien. Sonntag, den 17. d. M. fand in der hiesigen ״Schiffschul" ein Hesped für den jüngst verstorbenen Rabbiner Salomon Spitz er seligen Andenkens statt. Aus diesem Anlasse 'hatte sich ein außergewöhnlich zahlreiches und disttnguirtes Publicum eingefunden. Die Kanzel, sowie die Bundeslade und der Sitz des verstorbenen Seelsorgers waren schwarz decorirt. Unter den Anwesenden bemerkte man Vertreter der israelitischen Cultusgemeinde, den Vice-Präses der türkischen Gemeinde, Vertreter vieler Vereine, Rabbiner, Cantoren und Gelehrte. Die Trauerfeier begann mit den Minchagebet, bei welchem der erste Chasan Herr I. Wittmann fungjrte. Nach Beendigung derselben bestteg der Schwiegersohn des Verblichenen, Herr Rabbiner Kohn, die Kanzel und hielt eine großangelegte Gedenkrede, welche bei dem zahlreichen Publicum einen geradezu erschütternden Eindruck hervorrief. Mit dieser schwungvollen, gedankenreichen Rede hat sich Rabbi Kohn die Syinpathien der Mitglieder dieser Synagoge erobert. Der Redner ist übrigens hier bekannt, da er bereits 20 Jahre neben seinem berühmten Schwiegervater, dessen Schüler er war, amtirt. Der als Gast anwesende Ober-Räbbi Kuttn er aus Eisenstadt, welcher bereits am Sarge seines verblichenen Freundes demselben einen ttefempfundenen Nachruf gewidmet hatte, hielt auch bei dieser Trauerfeier eine vorzügliche Rede und ermahnte die anwesenden Mitglieder, tteu und fest auch fermer, für den Bestand der Schiffschul einzutreten und für deren Instttutton zu sorgen. Hierauf ttug Herr Witttnann das ״El mole rachamim“ insherzerhebender Weise vor. Mit dem Maariwgebet -schloß die würdige Feier. r. Wien. Am 21. December d. I. begeht Herr Wilhelm Stiaßny, k. k. Baurath, Gemeinderath der Stadt Wien und Vorsteher der Wiener Cultusgemeinde, sein 25 jähriges Architekten- Jubiläum und gleichzeitig das Fest seiner silbernen Hochzeit. Aus diesem Anlasse wurde, in Anerkennung'der mannigfachen, hervorragenden Verdienste des Jubilars, demselben von dem Gemeinderathe das Bürgerrecht der Stadt Wien taxfrei verliehen, und hat die feierliche Eidesleistung in die Hände des Bürger- Meisters bereits stattgefunden. Als eifriger Förderer jüdischer Institutionen wird Herr Baurath Stiaßny in der Wiener Judenschaft allseitig verehrt und auch aus diesem Kreise werden für den Jubilar zahlreiche Ovattonen vorbereitet. Wien. Der bekannte Hotelier und Restaurateur, M. Winternitz, Besitzer des besttenommirten ״Hotel Europe" feiert am 22. December d. I. die silberne Hochzeit mit seiner Gattin Carolina, geb. Kohn. Die große Popularität, die das Jubelpaar genießt, wird an ihrem Freudentage gewiss zumannigfachem Ausdrücke gelangen. Wien. Am 24. December d. I. wird der bekannte Buch- Händler und Anttquar, Herr CH. D. ׳ L i P P e, sein 70. Lebensjahr vollenden. Der Jubilar, vormals durch viele Jahre Cantor, ist durch seine große Vertrautheit auf dem Gebiete der jüdischen Litteratur sowie durch Herausgabe/eines bibliographischen Lexicons in jüdisch-litterärischen Kt eisen bestens bekanut und unterhält die lebhaftesten Beziehungen gu ־ dein: 'fernsten

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