Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 30 (21.12.1893)
- Date
- 1893-12-21
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. Nr. 30. schichte des jüdischen Volkes (Landeinnahme, Richter und Könige, der Tempel zu Jerusalem, Propheten und Götzendienst, Babylonische Gefangenschaft, Synagoge, Heilige Schrift). Hierauf folgt eine der geistigen Fähigkeit des Schülers entsprechende Behandlung der Grundlehren des Judenthums, welche wir im Anschluss an geeignete liturgische Theile oder an biblische Gesetze, mit Vermeidung jeder Definition, in womöglich kurzen und klaren Thesen ausdrücken und mit dem Hinweis auf die gleichen ideellen biblischen Erzählungen beleben. Als Leseübungen in dieser Classe dienen die Festgebete mit der für die HL Classe vorgeschriebenen Methode. Der Stoff des Religionsunterrichtes in der V. und VI. Classe ist eigentlich die Aufarbeitung des Lehrstoffes für die IV. Classe in weiterem Kreise. Ihr Lehrplan stimmt mit dem der drei unteren Classen der Bürgerschulen überein. (In Bezug auf die Details siehe weiter unten.) Erste Volksschuklasse. I. Einleitende Begriffe. Gebete. 1. Alles was ist, kommt vom lieben Gott. 2. Gott ist der Fürsorger aller Geschöpfe. 3. Wir sind Gott Dank schuldig, Dankgebet. 4. Wir Pflegen Morgens, Mittags und Abends zu beten. 5. Unser Morgengebet: Gelobt seist Du Ewiger, unser Gott, König der Welt, der Du das Licht bildest, die Finsternis schaffest; den Frieden stiftet uud Alles schaffest. — Ich danke Dir, allmächtiger Herr, dass Du mir in Deiner Gnade meine Bestimmung wiedergegeben, unendlich ist Deine Gnade. 6. Dieses Gebet sagen wir ungarisch, wir sind Ungarn. 7. Unsere Religion ist die israeliüsche (jüdische) Religion; wir sind Ungarn israelitischer (jüdischer) Religion. 8. Unsere Väter beteten in hebräischer Sprache, auch wir wollen nach unserer Väter Weise hebräisch beten. 9. Maudeh a’ni, jauzer aur. 10. Unser Gott ist einzig. — Höre, Israel, der Ewige ist unser Gott. Der Ewige ist einzig. — Gelobt sei sein Name, die Herrlichkeit seines Reiches in Ewigkeit. Bonieh schem kewaud, Schema. 11. Gebet vor dem Schlafengehen: ״Gelobt seist du Ewiger, unser Gott, König der Welt, der du Schlaf auf meine Augen und Schlmmner auf meine Augenlieder sendest." Hamapil. 12. Gebete vor dem Speisen, baureh pri, hamauzi. 13. Tischgebet (in dieser Classe nur ungarisch): Gelobt seist Du Ewiger, unser Gott, König der Welt, der Du die ganze Welt durch Deine Güte, Gunst und Gnade speisest und in Barm- Herzigkeit jedem Geschöpfe Brot gibst. Ewig währt Deine Gnade. H. Hebräisch-Lesen.*) TTT Biblische Erzählungen. Religionslehre. 1. Was wir auf der Erde und am Himmel sehen, ist die Welt. Die Welt hat Gott erschaffen. Gott ist der Schöpfer der Welt. 2. Gott erschuf die Welt aus Nichts, er sagte blos: ״Es werde" und es ward. Gott ist allmächüg. 3. Im Anfang erschuf Gott Himmel und Erde. Die Erde war aber öde und finster. Der Herr sprach: ״Es werde Licht" und es ward Licht. 4. Darum sagen wir in unserem Gebete: ״unser Gott, König der Welt, der Du das Licht bildest (Siehe oben 5. Punct), Gott führt die beglückende Sonne und das Licht über uns herauf. *) Folgt nun eine kurze Methodik des hebräischen Leseunterrichtes, Lvnform der Methode und dem Lehrgang des ungarischen Leseunterrichtes. 5. Gott hat in sechs Tagen die Welt erschaffen, am sieben״ ten Tag ruhete er: Sechs Tage sollst du arbeiten. Der siebente Tag ist Gottes Tag. Sabbath. 6. Gott erschuf den ersten Menschen aus Erdenstaub und blies ihm einen lebendigen Odem (Seele) ein. Aus Staub sind wir und zu Staub werden wir wieder; unsere Seele aber ist unsterblich. 7. Gott hat den Menschen nach seinem Ebenbilde erschaffen: Gott ist güttg, auch wir müssen gut sein. 8. Gott sagt, dass es nicht gut sei, wenn der Mensch allein auf Erden lebe, darum erschuf er die Frau. Das erste Menschenpaar hieß Adam und Eva. 9. Gott versetzte das erste Menschenpaar in den Garten Eden. Wir haben schon gele:rnt, Gott sorget für jedes Geschöpf. 10. Blos die Frucht eines Baumes verbot er ihnen; allein sie gehorchten nicht: Ungehorsam ist ein garstiges Ding. Lasst uns Gott, unfern Eltern und Lehrern folgen, denn sie wollen unser Bestes. 11. Adam uud Eva verbergen sich in ihrer Furcht vor Gott: Vor Gott kann man sich nicht verstecken, er ist allgegenwärtig. 12. Die Sttafe des Ungehorsams: Gott belohnt das Gute und bestraft das Böse. 13. Kain und )Abel. Abel war ein dankbares, gutes Kind, Kain war ein neidisches, schlechtes Kind. 14. Sie brachten Gott ein Opfer (Geschenk) dar. Allein dem lieben Gott ist nur das Opfer des gutherzigen Menschen genehm. 15. Gott nimmt das Opfer Kains nicht an, weshalb sein Zorn Md sein Neid noch größer wird; auf dem Felde überfällt er seinen Bruder; Wir sollen unsere Geschwister, lieben, es ist eine Sünde, sie zu hassen oder mit ihnen zu zanken. 16. Zur Sttafe musste er unstät auf der Erde herumirren. Er bereute seine That und bat um Verzeihung: Wenn wir einen Fehler begangen, so sollen wir den lieben Gott, unsere Eltern oder wen! immer, den wir beleidigt, um Verzeihung bitten und uns vornehmen, nie wieder Schlechtes zu thun. 17. Als die Menschen sich auf der Erde vermehrten, wurden sie böse, vergaßen sie Gott und giengen miteinander schlecht um: Wir sollen einander lieben, denn wir alle haben einen Vater; Ein Gott hat uns alle erschaffen. 18. Noah war ein dem lieben Gott gehorsamer, frommer Mann; ihn hatte Gott lieb: Gott liebt den guten Menschen. 19. Gott verkündet ihm, dass die Menschen wegen ihrer SündelU nmkommen müssen, eine große Ueberschwemmnng wird sie hinwegraffen: Gott besttaft die Bösen. 20. Gott gewährt den Menschen zur Besserung eine länge Zeit: Gott wünscht nicht das Unglück des bösen Menschen, sondern, dass er seine That bereue, sich bessere und glücklich werde. 21. Die Menschen besserten sich nicht. Eine Sintfluth kam über sie; allein Noah hatte sich auf Gottes Geheiß eine Barke gebaut und wurde mit seiner Familie gerettet: Gott beschützt die Guten vor der Gefahr. 22. Noah, aus der Barke ttetend, dankt Gott: Wenn wir von einer Krankheit genesen oder sonst irgend einer Gefahr entrinnen, sollen wir ein besonderes Dankgebet verrichten. 23. Gott nimmt den Dank Noah's gnädig an, segnet ihn und seine Nachkommen und verspricht, dass keine Sintfluth mehr über die Erde kommen wird: Gott ist barmherzig. Auch wir sollen barmherzig sein: