Mannheim
Compact Memory

Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1893-12-21 · Heft 30 (21.12.1893) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 30 (21.12.1893)
Date
1893-12-21
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/1304829-3453273-3453303--3886-3458290
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Aeitung. Nr. 30. Seite 3. II. Caxitrl. Aussprache des Hebräischen. Eine ganz besondere Eigenthümlichkeit der Sesardim ist die von den Aschkenasim so sehr abweichende Aussprache der hebräischen Sprache. In der ״Allgemeinen Zeitung des Judenthums" hat erst jüngst in Nr. 43 dieses Jahrganges Dr. M. Ginsburger einen Aufsatz über das Lesen im Hebräischen veröffentlicht und sind in derselben Wochenschrift dir. 45 von mir (Seite 540 Columne a) einige Ergänzungen gebracht worden. Doch wollen wir hier dem Gegenstände etwas mehr Aufmerksamkeit schenken, da doch Sesardim und Aschkenasim in gleicher Weise im Chorgesang אמץ nicht Omen sondern Amen, הללויה nicht HaHelujob sondern Halleluja]! aussprechen, respective singen lassen. Es mag wohl darauf geantwortet werden, dass diese Worte — obwohl rein jüdisch-biblischen Ursprungs — dennoch durch das Christenthum in dieser Aussprache in den jüdischen Chorgesang Eingang gefunden haben. Aber die Thatsache allein, dass die christlichen Völker ohne Ausnahme das Hebräische genau so wie die Sesardim aussprechen, ist eine schwerwiegende. Denn die Sympathie des Landes der Inquisition zu den Sesardim ist sicherlich nicht schuld daran; viel eher dürste man bei den christlichen Gelehrten an eine Entlehnung und ein Anlehnen an Septuaginta (griechische Uebersetzung) und Vulgata (lateinische Uebersetzung) denken. Doch ist dies Alles nicht maßgebend. Das Judenthum und durch dasselbe der Jude ist vom Hause aus conservativ; wie sein Gott, der Gott der ganzen Welt, sich nicht vertauschen lässt und nicht wechselt (10 jachalif hoel welo jamir) ist auch der Jude ein treuer Bewahrer väterlicher Sitte und väterlicher Aussprache; ist doch nach der sinnigen Anschauung unserer Weisen קול (Kol) die Stimme, eine der charakteristischen Eigenschäften, die nahe Verwandte kenntlich macht. Hub die Sefardim haben wahrlich durch die Thatsache, dass sie die Sprache ihrer grimmigsten Verfolger nach mehr als vierhundert Jahren noch als die heimatliche, ja als eine heilige — en gudesmo (jüdisch) nennen sie das Spanische — betrachteten, in geradezu rührender Weise bekundet. Wir dürfen daher auch annehmen, dass sie die Aussprache des Hebräischen rein und unversehrt uns aufbewahrt haben. Ja, so sonderbar es scheinen mag, so manche Frage der Mischnah und Gemarah ist mir erst durch die Aussprache der Sesardim klar geworden. Da heißt es aus dem Worte וכתבתם ukhetavtam ״und du sollst sie schreiben" folgt, dass die Schreibung eine vollkommene sei (sehejehe ketiva tama) u chetav tarn in drei Worte getheilt nach der Aussprache der Sesardim, besagt thatsächlich dieses. Das Chanukafest wird wie bei den Aschkenasim durch Anzünden der Chanukalichter 4) und durch das Recitiren der Hallelpsalmen gefeiert, wie andererseits auch das Spiel in seine Rechte tritt. Das im Orient beliebte Spiel heißt Fildschanes (Tassenspiel). Man nimmt eils kleine Kaffeetassen (in welchen gewöhnlich schwarzer türkischer Kaffee sich befindet), stürzt sie und in eine dieser Tassen legt man einen Ring. Den Einsatz bilden O01ee8 (Süßigkeiten) und wer den Ring findet, der hat das Spiel gewonnen. 5) *) Es sind Menoroth nicht nur aus Silber, sondern auch aus Gold zu sehen, um die Freude an der Erfüllung des religiösen Gebotes zu bezeugen ,משום הדור מצוד פ) Bei den Aschkenasim sind andere Spiele speziell für Chanuka üblich; so dienen die Anfangsbuchstaben (für ganz), oder bei den besonders frommen. ש (ganz vom hebr. שדם vollständig). Zur Thora werden wie bei den Aschkenasim drei Personen gerufen. ®) Hier sei gelegentlich bemerkt, dass der an Sabbaten als Sechster (ששי) zur Thora gerufene, bei den Sesardim als ״ סמוךgestützt", d. h. dem die Parascha beschließenden am nächsten steht; der Siebente (שביעי) heißt ״ משליםder den Wochenabschnitt abschließende", und der die letzten Verse wiederholende, wie bei uns מפטיר heißt. Die einzelnen Parascliotli sind in der Eintheilung sehr abweichend von den unsrigen.H Das bekannte Lied Moaus Zur (Festung, Hort meines Heiles) niit dem Akrostichon Nordeobai, kennen die Sefardini nicht. Bei diesen wird nach den! Anzünden der Menorah der 30. Psalm Mismor schir cbanukath. habajith, ein Psalm zur Einweihung des Hauses (Gotteshauses) einfach recitirt. Die Tempeldiener bringen dafür in jedes jüdische Haus die nöthigen Wachskerzen, damit Mernand vergesse, dieselben anzuzünden. Natürlich erhalten diese Herren nach Schluß des Chanukafestes ein entsprechendes Honorar für ihre Ausgaben. Die Sesardim zünden die Menorah in der Synagoge erst nach dem Maarib-Gebete, während die Sesardim nach dem Ritus der Aschkenasim die Menorahlichter wie die wirklichen Aschkenasim vor dem Maaribgebete anzünden. Zu bemerken wäre hier noch, dass in Bulgarien, das denn doch zu Europa gehört und theilweise europäische Cultur schon angenommen hat, der Rabbiner oder Chacham als שלישי zur Thora gerufen wird, dass jedoch in der Türkei und in Palästina, wo der Einfluss des Sohar ein ungleich größerer ist, der Rabbiner als ששי (Sechster) oder, wie er bei den Sesardim heißt, als "pöD zur Thora gerufen wird. Möglich ist es immerhin, dass da der Rabbiner nicht nur ein ״ בד סמבאeine verlässliche Person", sondern auch ein wirklicher םמוך, der die ״ סמיכהdie Handauflegung" als Zeichen der Bewilligung selbstständige Entscheidungen zu treffen, besitzt, dass der Name סמוך rückwirkend seinen Einfluss geltend machte. Dass die סמיכה der תלמידי סמיכה schon von Moses herrührt, erhellt unzweifelhaft aus dem 4. Buche Mosis, Cap. 27, Vers 18 ff. ויאמר ה' אל משה der Ewige sprach zu .Moses: לך את Np יהושע כן נון איש אשר רוח בו וסמכת את ידך עליו Nimm den Josua, Sohn des Nun, einen Mann, der Geist in sich hat und lege deine Hand auf ihn. (Fortsetzung folgt) Der jüdische Religionsunterricht in Budapest?) (Fortsetzung.) Die IV. Classe fasst den bisher erlernten Stoff der biblischen Erzählungen kurz zitsammen und ergänzt ihn mit der in einige kurze Capitel zusammengedrängten bis zur Gründung der Synagoge sich' erstreckenden, skizzenhaften Bekanntmachung der G e- 6) Doch wird das Borlesen mit dem 4. Buche Mosis, Cap. 6, Bers 22 begonnen, und somit der Priestersegen mit der Einweihung des Tempels sinnig und innig in Zusammenhang gebracht. 7) Und ich muß gestehen, dass nach meinem Dafürhalten dieselbe viel paffender ist. So wird, z. B-, in dem Abschnitt הוי שרה des וישתהוה אבי׳ הם לפני עם הארק weder am Samstag zu Mincha, noch beim Mußafgebete zum Schluß der Parascha erwähnt. Im Wochenabschnitt וישב wird das Hauptgewicht auf Josef gelegt und die Parafchah so eingerichtet, dass in den Sätzen, wo das Wort מצליח sich findet, die Parascha beschlossen wird. *) Auf Wunsch mehrerer Leser theilen wir mit, dass der Lehrplanin ungarischer Sprache erschienen ist und die Uebersetzung von Herrn Direktor Adler in Budapest herrührt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.