Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 29 (11.12.1893)
- Date
- 1893-12-11
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/1304829-3453273-3453302--3876-3458279- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 2. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. Nr. 29. die (Aslilab, das Zusammenrollen, eufaxar el sefer tbora deräußert. Dass dies alles in der heiligen spanischen Sprache geschieht, ist natürlich. Es verdient noch hervorgehoben zu werden, dass die Thorarollen an den Feiertagen nebst der Wochenhülle (Manterl bei den Deutschen genannt) eine zweite feinere golddurchwirkte haben. Ja an besonders hohen Feiertagen, wie Boseb-hascbanab, Jom Kippur und den 3 Festtagen Pessacb, Scbabuotb und Sukkotb wird sogar die ganze Thorarolle in einen Silberkaften gegeben.') Bemerkenswerth ist, dass trotzdem der Sobar2) eine große Rolle spielt, dennoch der Jom Kippur Katan, der kleine Versöhnungstag, wie er bei den Juden Europas am Rüsttage des Neumondtages üblich ist, bei den Spagnolen nicht gemacht wird. Als theilweisen Ersatz hiefür mag jedoch die sogenannte מודעה (Modaah-Kundgebung) gelten, die in den Betbüchern für die Sephardim am Schluffe sich findet und von dem jeweiligen Sebliacb Zibbur (Vorbeter) zum Schluffe des Morgengebetes des Rüsttages eines Neumondes laut reciürt wird. Dieser Kundgebung geht in spagnolischer Sprache das Verlesen der 13 Glaubensartikel voraus, wie sie von dem großen Maimonides formulirt wurden. Die Modaah selbst betont die Einheit Gottes; bekennt, dass der Mensch von Natur sündhaft ist und dass im Falle, «bas wecballilab, Jemand in Stunden großen Schmerzes oder Todeskampfes ungläubige Worte äußern sollte, dieselben eitel und nichtig seien, und betont die Giltigkeit der mündlichen Tradiüon, sowie die Unkörperlichkeit Gottes und schließt mit den Worten : Mögen zum Wohlgefallen werden die Worte meines Mundes und das Denken meines Herzens vor dir o Herr, mein Hort und mein Erlöser. Gelobt sei der Ewige immer, und ewig Amey und Amen. Rabbi Chananjah ben Akaschja sagte: Gott wollte Israel verdienstvoll machen, deshalb häufte er für sie (zu deren Heil) Thora und Gebote, wie er in der heiligen Schrift gesagt: Der Ewige wollte wegen seiner Gerechtigkeit. Er wird die Thora groß werden und sie verherrlichen lassen. Der Kaddiscbdvrabban.au beschließt diese Modaah, die von besonders ftommen Personen einmal in jeder Woche, mindestens jedoch zweimal im Jahre reciürt werden muß. Dass die Psalmen (Thillim), die ja ohnehin den Grundstock der Liturgie der monotheifüschen Religion bilden, auch sonst der Rechenfolge der Capitel entsprechend gesagt werden, ist keine besondere Eigenthümlichkeit; in allen Bote-Midrascbim wird im Laufe eines jeden Monates das Psalmen-Fünfbuch zu Ende gelesen, und wie am Limobai-Thoratage unmittelbar nach den Schlussworten des Pentateuch begonnen wird mit den ersten Worten Lsrsscrbitb bara, wird auch sofort nach dem letzten Satze des 150. Psalmes: Kol banscbamah t’ballel jab (jede Seele lobe Gott) mit den Worten des 1. Psalmes: Ascbre boiscb ״Heil dem Manne" begonnen, und beschlossen mit den Worten ״Vecbol ascber jaasse jazliacb“, ״und Alles was er, thun wird, wird glücken." Darauf werden erst die üblichen Psalmverse: Mi-jitten mi-Zion u. s. f. gesagt und der übliche Kaddisob jatom reciürt. Die Kaddischgebete werden in der Liturgie der Sephardim viel häufiger als bei den Aschkenasim gesagt und ist es ein ) Gleichfalls eine Folge türkischen Einflusses ist es, dass im Monat Ellul, entsprechend dem Ramazan, der Mohamedaner jeden Tag mit Ausnähme der Sabbathe Selichoth (Buß- und Verzeihungsgebete) recitirt werden. ף Der bedeutende Kabbalist Rabbi Mose Cordovero hat zuerst die Liturgie des 10m Kippur Katan eingeführt, auch der SabbataiSmus (Schabatai Zewi’) ist in den Worten נושא ראשינו zu erkennen. Kawod ״ein Act der Ehrenbezeugung", wenn der G־abbai einem Herrn das Recitiren des Kaddisob dsrabbauau oder des gewöhnlichen Kaddisch gestattet. In den gewöhnlichen Kaddisch wird gleich nach den Worten wejamlicb malcbutbe hinzugefügt, wejazmacb purkaneb wikarew mescbicbeb״ er möge wachsen lassen seine Erlösung und nähern, seinen Erlöser". Wenn an 2 Tagen Rosob-obodssob ist, wird nur am ersten dieser Tage beim Oeffnen der heiligen Lade ein Gebet mit den Worten {״ ירד רצוes möge der göttliche Wille sein", beginnend, reciürt; am 2. Tage jedoch wird die Lade, in welcher sich die Pergament-Thorarollen befinden, wie an jedem Wochentage eröffnet. Dieses {יהי רצו Gebet ist auch von dem bei den Aschkenasim üblichen abweichend. Immer, wenn Jemand zur Thora gerufen wird, rufen ihm Alle, bei denen er vorüber geht בכבוד (becbawod) ״in Ehre" zu, und auch der den Thora-Abschnitt verlesende Kors wiederholt dieses Wort, sobald der zur Thora Gerufene kommt. Geht die Person wieder auf ihren Platz zurück, so rufen ihm Alle zu: Cbasak ubarucb, ״Sei stark und gesegnet" und entbieten ihren Gruß nach mohamedanischer Sitte, die sämmtlichen Juden des Orients sehr stark nicht nur im Leibe, sondern auch in Kopf und Herz steckt. (Fortsetzung folgt). Der jüdische Religionsunterricht in Budapest. Frisch und kräfüg pulsirt das religiöse Leben in Ungarn und allen Gemeinden voran schreitet die Budapester Cultusgemeinde die nachfolgenden Lehrplan für den jüdischen Religionsunterricht veröffentlicht : Das allgemeine Ziel, nach welchem jedweder Religionsunterricht der Pester israeliüschen Gemeinde strebt, ist: Die Erziehung der Jugend zu einem frommen Leben und ihre dem gebildeten jüdischen Gesammtbewusstsein entsprechende Ausbildung. Demgemäß sind dessen Aufgaben: 1. Das dem Auffaffungsgrade der in verschiedenem Alter stehenden Zöglinge sich anpaffende, möglichst gründliches und detaillirtes Beibringen der das Wesen der jüdischen Religion bildenden Ideen und moralischen Lehren, wie auch die dieselben zum Ausdruck bringenden traditionellen Institutionen. 2. Auf Grund dessen die Erweckung wirklich innerlicher religiöser Ueberzeugungen und Gefühle beziehentlich eine derartige Befesügung derselben, dass sie im ganzen Lebenssystem des Zöglings richtunggebend werden und auf seinen Charkter, seine Weltan- ־ schauung und seine Gesammthandlungen veredelnd einwirken sollen. Diesen hehren Beruf kann der Religionsunterricht nur so verwirklichen, wenn er als Grundprincip die Aufrechterhaltung der Harmonie in der Seelenwelt des Schülers anerkennt, respecüve jeden solchen Unterricht sorgfällig vermeidet, welcher in demselben Zweifel, Entrüstung, mit einem Worte Disharmonie entwickeln könnte; denn die durch eine falsche Methode des Religionsunterrichtes eingeimpfte Seelendisharmonie tödtet das wirklich religiöse Gefühl und ist in erster Reihe Ursache unserer irreligiösen Zeitrichtung. Wir wollen eine innere religiöse. Ueberzeugung, die von uns verkündete religiöse Wahrhei k