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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1893-12-01 · Heft 28 (1.12.1893) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 28 (1.12.1893)
Date
1893-12-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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,Seite _4. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. Worten. bariich. etli .adonaj liamwerach ״gepriesen sei Gott, der'Höchgepriesene immer und ewig". Ja selbst׳ das Gebet sur den Land'esfürsten wird sitzend angehört. Ich habe für Bulgarien endlich die europäische Sitte eingeführt, dass die versannnelte Gemeinde däs' Gebet stehend׳ anhöre. Am Freitag-Abends wird, wie hei denAschkenäsini, nach dem Maaribh-Gebete Lidduseb '״Heiligung des' Sabbath" am Familienüsche gemacht; es kommen all er,'nicht 2 Proste.' sondern 12 Brödchen zum Tisch, die in folgender Weise doppelt übereinander auf dem Tische sich befinden:. ' o 0 < ° 7: / 7 'V'.. " o. " ö ' ' ' Diese-12 Brode sollen wahrscheinlich an die Schaub.rode leetiern Kapanim ertimeri! mit) dürsten', ihrer׳ Zahl l 2 nach, -auf die 12 israeliüschen Stämme änspielem Diese Brode heißen 'spatznolisch und bulgarisch ״pita';das Wort selber ist jedoch׳ das-Hebräische Wort NO Brod; von den SpagNolen und fämmtlichen Christen palb -ausgesprochen und im Aramäischeil htzißt NO mit Anhängung des Arükel rrns pitba oder pita ausgesprochen. - " - Eine andere Lieblingsspeise für den Sabbath ist der sogenannte Pastel-übet* mit dem so beliebten Diminuüvum (Verkleinerungssylbe) iko, Pasteliko genannt. Es ist dies Nämlich feingehacktes Fleisch mit Salz und Pfeffer besteckt und unten und -oben - mit - Teig überzogen und gebacken. In Sofia wird diese Speise mit dem türkischen Suffix ״dzi“ Pasteldochi genannt. Das gründliche Reinigen der Wohlmngsräumlichkeiten geschieht in der Regel schon Donnerstag; die Nacht von Donnerstag auf׳ den Freitag wird in Gebeten zugebracht, und scheint' auch hier türkischer- Einfluss und türfische Anschauung vorzuherrschen, weil׳ ja bekanntlich bei den Mahomedanern der Freitag-'— der Tag der Göttin Freya — der allwöchentliche; Feiertag ist. - ־ ־ : ------- Zur Ergänzung unseres Berichtes über die TraNerzeit nach : einein verstorbenen Individuum, bemerken wir, dass nach Schluss , Ves 11. ׳Monates des׳ Trauerjahres ׳ beim Morgengebete (Scha- .. charith) — ׳je Nachdersocialen Stellung - der Trauernden — : mehr ׳ ׳ odör ׳ weniger: antzeftfiene -Leute, ^fich auf - die für ׳die i Trauernden besümmten Bank setzen und das ganze Schacharithgebet ׳daselbst verrichten: Hierauf begibt man sich in Begleitung des^ Chächam-Baschi —denn so wird hier der Oberrabbiner, genannt — in das Haus, in welchem der Verstorbene sein Leben ' beschloffen hat, und der Chasan der betreffenden Kehillah sagt! dcks Ziddrtk kaddin ünd das- Gebet Lleirnoka neokona. Hierauf hält der Rabbiner und eventuell׳ ein oder mehrere Chachamim eine Deraschika — eine kleine Deraschah; nach Schluss wird Kaiddisek de rabbanan gesagt, dann die üblichen 18 Perakim und abermals Laddisek de rabbakan. Damit ist der officielle Theil der Trauer beendet. Arme Leute und die. svgenNnnten Batlanim werden mit Geldspenden bedacht und für die Chachamim wird dann gegen Mittag eine Mahlzeit — natürlich eine siidali sekel mizwak— vorbereitet. Das Moschol. Nach seiner Bedeutung und Anwendung in biblischen und \ nachbiblischen Schriften. ■r .״■׳׳׳•׳.■ : . xxxvm. ־-:.■ ־• , In dem Wochenabschnitte Jetra bespricht benannter Magid das vierte Gebotüber die Sabbattühe und erklärt dabei die BibelstE M/50,23): ״Wirf auf den Ewigen dein Geschick, er -wich dich schon versorgen", Diese sonderbare Ausdrucksweise erklärt: der: Verfasser durch ein heiteres Moschol. ..; .-׳-׳-.<■.־ Nr. 28. Der Hausierer auf dem Wagen. Ein Hausierer trug an einem sehr heißen Sommertage eine schwere Last auf seinen Schultern, der Schweiß rann ihm vom Gesichte. Da fuhr ein Herr mit einem leeren Wagen und feurigen Nossen vorüber, der sich des armen belasteten Mannes erbarmte, und nahm ihn in seinem Gefährte auf. Welch' eine Erleichterung für den Schwerüelasteten! Nach einer Zeit schaute sich׳ der Wagenlenker' um - und bemerkte zu seinem Erstaunen, dass der Mann noch immer die schwere Last, den Binkel auf seinem Rücken 'hatte. Warum legst du diese Last nicht ab? fragte der freundliche Herr des Wagens. Der müde Wanderer erwiderte : Ist es nicht genug, dass du mich führst, solltest dir auch meinen Binkel führen? Der Herr lachte über die naive Antwort und hieß ihm nur auch die Last in den Wagen zu werfen. So ergeht es auch manchen Israeliten. Gott gebot den Sabbat zu feiern und der fromme Jude ruhet auch am Sabbate, hält sich von allen Geschäften fern. Doch nur körperlich, im Geiste denkt er an die Last seiner Bedürfniße, und das stört ihn in seiner Ruhe, Da ruft ihm die Religion zu: ״Wirf' auf den Ewigen dein Geschick, deine Sorgenlast lege auch ab, er wird dich schon versorgen. Der Hungrige und der Satte. Zu Anfang des Wochenabschnittes "Wajikro. bespricht der Verfasser die Opferlehre. Bei dieser Gelegenheit sucht er eine sich widersprechende Talmudstelle aus. Im Talmud (Berackot 6) lautet eilt Spruch: Agro d’Tanisso Zidkosso, der Lohn des Fastens, der Zweck, besteht in der Wohlthätigkeit. Daselbst Seite 32 heißt es wieder: der Lohn des Fastens ist mehr als Wohlthätigkeit. Diesen scheinbaren Widerspruch löst der Verfasser durch folgendes Moschol: An der Thüre eines reichen Mannes, der nach einem opulenten Mittagsessen durch, ein Schläfchen sich gütlich thun wollte, klopfte ein armer hungriger Mann und bat um etwas; Speise. Der Reiche, dadurch in seinem Nachmittagsschläfchen gestört, zürnte über diesen Ruhestörer und ließ Ihn derb abweisen. Am Tage darauf war der 17, Tag des Monates Tamus- und,auch der reiche- Mann, der: sonst ein frommer Jude war, fastete an diesem Unglückstage für Israel. Am Abend lud. er-denselben armen Mann zum. Nachtessen ein. Durch das, Fasten verspürte er, wie wehe es thut, wenn man Hunger hat. Das ist der Sinn deroben: angeführten ersten Stelle : Der Lohn ist, dass es oft Zu Wohlthäügkeit führt; aber das eigentliche Fasten übertrifft die Wohlthätigkeit. Nachdem derselbe Verfasser auch über die fünf Megilot unter den Namen ״Kol Jakow“ veröffentlicht hat, welches Buch uns auch vorliegt, so wollen wir zum Schluffe auch einige Muster aus. demselben vorfiihren. Blatt 20a erklärt der Magid die Bibelstelle (Jes. 43, 21.) Gott spricht: ״Dieses Volk, das ich.mir gebildet,, meinen Ruhm soll es verkünden" durch folgendes Moschol: Der Juwelier und der Kleinhändler. Ein reicher Juwelier lebte.in einer Großstadt und betrieb daselbst sein. Geschäft.. Nach Jahren gab er seinen Handel mit Juwelen und anderem kostbaren Geschmeide auf, zog aufs Land, etablirte sich in einer Kleinstadt, - woselbst meist Bauernvolk und Hand- Wecker wohnten, und betrieb ein Gemischtwaarengeschäft mit Speisen und Getränken aller Art, mit Werkzeugen, Ledergattungen, den Bedürfnißen. der Ortsbewohner und der Umgebung angemessen. Als: einmal ein- Geschäftsfreund aus der früheren Großstadt ihn besuchte, staunte er und fragte: Wie kannst du dich: mit solchen Kleinigkeiten abgeben, da du früher mit Juwelen

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