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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1893-11-11 · Heft 27 (11.11.1893) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 27 (11.11.1893)
Date
1893-11-11
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Nr. 27. Seite 4. Oesterreichisch ungarische Lantoren-Zeitung. Neuern, den 7. November 1893. Verehrlicher Vorstand des österr.-ungar. Cantorenvereines in Wien! , Der Gefertigte, erhielt den seit Jahren suspendirten Scunmelbogen. Dieses neuerliche Beginnen behufs financieller Stärkung unserer Vereinscassa ist ein wohllöbliches, und ich kann nicht anders, als den Wunsch aussprechen: Möchten doch sämmtluhe Mitglieder emsig sammeln, Jeder nach seinen Kräften, wie leicht und bald brächten wir es auf einen grünen Zweig und könnten auch ehestens, und zwar an: nächsten Cantorentage, .die Grundlegung einer Pensionseasfe in Angriff nehmen. Ich hoffe, dass die Sammlungen hier sich diesmal günstiger gestalten werden, nachdem der hiesige Cultusgemeinde- Sprengel ein erweiterter geworden. Sobald die Vorstands- Neuwahlen vorgenonnnen sein werden, werde ich Fortuna in Versuchung bringen und mit ihr auch die auswärts wohnenden Mitglieder bekannt machen. Betreffs der Frage, wann der Cantorentag abgehalten werden soll, würde ich mit ..horoe beowim 10 jisro“ ״wer auf's Wetter sieht, wird nicht ernten" antworten. Den Collegen am Lande geht es stets, wie Jacob bei Lowon: Hitze am Tage, Frost bei der Nacht, Angst, dass ein Schäfchen der Heerde in Verlust geräth und hundert anderartige Bedenken und Hinderniße. Nunmehr wollen wir uns aber in Bereitschaft halten, um dem Ruse unseres hochverehrten und verdienstvollen Vorstandes zu jeder Zeit frisch, froh und frei von. kleinlichen Bedenken folgen zu können. , , Mit ausgezeichneter Hochachtung M. Reifer. * Opsermuth. Die ״Jüdische Zeitung" in Lemberg erzählt folgende hochinteressante Begebenheit, die sich vor mehr als 300 Jahren in Prag ereignete. Es war Schewuoth des Jahres 1586. Das weit ausgebreitete Judenviertel der Stadt Prag legte den grünen Schmuck zur Feier des Offenbaruugsfestes an, auch im ärmsten Wohn- Hause fehlte es nicht an Blumen, den herrlichstell llnd reichlichsten Schmuck hatte jedoch die Synagoge aufzuweisen, in welche an diesem Feiertage auch nichtjüdische Besucher kämen, um der Feier des schönen Festes beizuwohnen. Am Morgen des ersten Festtages brachte der Synagogendiener die Kunde, man erzähle allgemein, der Kaiser beabsichtige heute die Synagoge zu besuchen. Die Vorsteher beeilten sich in letzter Stunde das Gotteshaus womöglich noch prachtvoller schmückeu zu lassen, um dem Kaiser einen würdigen Empfang zu bereiten. Es dauerte nicht lange, als richtig eine Estafette dem Vorstände den Besuch der kaiserlichen Familie ankündigte. Diese wurde ain Synagogenthore vom Rabbiner und von! Gesammt- Vorstande erwartet, auf's Ehrfurchtvollste begrüßt und in das Innere des Gotteshauses, bis vor die Bundeslade (oranu hakaudesch) geleitet. Nach kurzem Aufenthalte entfernte sich die kaiserliche Familie in bester Stimmung, nachdem der Kaiser einige huldvolle Worte an den Rabbiner und an den Vorstand gerichtet hatte. In unmittelbarer Nähe der Synagoge stand ein altes, morsches Häuschen. Als der Monarch vor demselben vorübergieng, siel - zun! Schrecken aller Anwesenden — ein großer Ziegelstein vom Dache dieses Häuschens herab. Glücklicherweise traf der Stein Niemanden, er blieb zu Füßen des Monarchen liegen. Dieser Vorfall erregte peinliches Aufsehen, und die Humpoletz, 6. November 1893. Geehrter Herr Redacteur! Bezugnehmend auf die bereits eröffnete Debatte über die Abhaltung eines allgemeinen Cantorentages (wo? wahrscheinlich in Wien — und warum nicht einmal auch anderwärts?) sehe ich mich bemüssigt, ans bereits angeregte Fehler aufmerksam zu mache n. Vor allem geht es nicht an, dass die in Wien domicilirenden Herren Collegen den Gästen Aufnahme bieten sollen, da erstere weder alle beherbergen können, noch ihnen überhaupt eine solche Last aufzubürden wäre. Oder sollten vielleicht die Befsersituirten diese Begünsügung genießen? Vielmehr wäre es von Vortheil, wenn sämmtliche Collegen in einem Hotel Unterkunst fänden. So mancher könnte Freudiges und Belehrendes — ich will von Klagen ganz absehen - mittheilen, das gemütliche Beisammensein fördern, und es würde in corpore an Unter- Haltung nicht mangeln» Aus dem angeführten Grunde wäre es zu empfehlen, wenn das löbl. Präsidium ein Comite wählte, welches es sich zur Aufgabe machte, in einer hiefür geeigneten Restauraüon fiir möglichst billige und entsprechend gute Verpflegung und Wohnung Sorge zu tragen. Dieses Resultat wäre früher zu veröffentlichen, damit wir im Vorhinein wissen, wie viel der Aufenthalt in Wien beiläufig per Tag ausmacht und so mancher minder situirte College sich auch einmal an dem Cantorentag betheiligen kann. Ein weiterer Mißgriff wäre es, diese wichtige Einberufung im Winter zu veranlassen. Gibt es doch bei uns nicht so dringende Geschäfte, welche es als so nothwendig erscheinen lassen, im Winter Reisen, zu machen, sich , eventuell eine Erkältung zuzuziehen oder sich sonst mit Pelzen zu versorgen, beim nicht jeder wohnt an einer Bahnstation. Da die nächsten Pfingstfeiertage etwas später fallen, wäre die beste Zeit etwa Mitte Mai, die Judenfeinde verbreiteten das Gerücht, die Juden hätten ein Attentat auf das Leben des Kaisers geplant. Des Abends, als in der Synagoge das Gebet verrichtet wurde, erschien in derselben ein Staatsbeamter, welcher ein Schreiben des Kaisers an den Rabbiner überbrachte. Dieser ahnte, dass nach dem Vorgefallenen seiner Gemeinde Gefahr drohe und erbrach mit zitternden Händen das Schreiben. Nachdem er dessen Inhalt durchflogen hatte, rief er thränendeu Auges: ״Erbarme dich, v Gott, deiner Kinder!" Sodann verlas der ehrwürdige Mann der versammelten Gemeinde das kaiserliche Schreiben, welches lautete: ״Auf Befehl Seiner Kaiserlichen Majestät! Wenn der Urheber der heute vor der Synagoge verübten ruchlosen That nicht binnen acht Tagen dem Gerichte überliefert wird, ist das ganze Judenviertel mitsammt den Einwohnern desselben dem Erdboden gleich zu machen". Das Judenviertel war in tiefe Trauer gehüllt und die Bewohner desselben gaben sich Mühe, den Schuldigen herauszufinden; aber vergebens. Man machte Vorstellungen bei Hofe, vielleicht fei nur zufällig oder durch das Getrappe der vielen Pferde der Stein voni morschen Hause losgelöst worden — aber alles das wurde als nichtiger Vorwand zurückgewiesen. Man wollte den Schuldigen und nur diesen haben. In der Prager Juden gemeinde lebte zur selben Zeit ein Schneider Namens S i m ch e. Es war das ein frommer Jude, der sich ״Beten und Arbeiter:" zum Lebensgrundsatz gemachthatte. Morgens und Abends eilte Reb'Simche in's Bes-Hamidrasch, wo er andächtig das Gebet verrichtete und — soviel seine Zeit es erlaubte — dem Talmud-Studium oblag, den ganzen Tag hindurch kümmerte sich aber der brave Mann um nichts Anderes, als um sein Handwerk, von dem 'er sich, sein Weib und seine drei Kinder redlich ernährte. Der neueste Vorfall in der Prager Judengemeinde rief in dem Innern des

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