Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 27 (11.11.1893)
- Date
- 1893-11-11
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Oesterreichisch-ungarische <Lantoren-Aeüung. Seite Z. Nr. 27. f) Peütion an die ungarische Regierung behufs Aner- I kennung der ungarischen Cantoren als Religionsdiener und Er-! laugung derselben Beneficien, wie sie in Oesterreich durch das neue CultuSgesetz normirt sind. g) Berathung, auf welche Weise am raschesten die Gründnng einer Pensionscassa angestrebt werden kann. 11) Zur Anregung erhöhter Vereinsthätigkeit Ernennung von Vorstehern für die einzelnen Kronländer. i) Ernennung von Ehrenmitgliedern. k) Sonstige Anträge, welche jedoch 14 Tage vorher beim Vorstande anzumelden sind. * Im Nachfolgenden bringen wir die weiteren au uns und an den Vereinsvorstand gerichteten Zuschriften bezüglich des Cantorentages zur Veröffentlichung: N e n h a u s, am 3. November 1893. Löbl. Redaction! Gestatten Sie mir, im Nachfolgenden meinen Anschauungen über die Abhaltung des Cantorentages Ausdruck zu geben: Soweit bis jetzt ersichtlich, haben sich die meisten der Herren Collegen 'dahin geäußert, der Cantorentag möge Ende December abgehalten werden, manche haben sogar für einen früheren Termin plaidirt. Nur Herr Cantor K o h n in Mähr. Budwitz ist -der Ansicht, dass der Winter, der kurzen Tage halber, nicht geeignet sei. Auf den 2. Punkt seiner Ausführungen, einen Aufruf an die Herren Collegen und Cantorenfreunde in Wien ergehen zu lassen, dass sie ihre Collegialität dunch Gastfreundschaft bethütigen, will ich nicht restectiren. Allein, soviel kann ich als Kenner der Wiener Cantorenverhältniße schon jetzt sagen: Gerade in einer Großstadt wie Wien muß man sich wegen des theueren Zinses mit einer kleineren Wohnung bescheiden, und die meisten der Herren Cantoren in Wien sind von der Vorsehung mit reichlichem Kindersegen bedacht, so dass ein Apell, einen Th eil ihrer Wohnungen den Collegen während des Cantorentages zur Benützung zu überlassen, selbst beim besten Willen resultatlos bleiben dürfte. Uebrigens erscheint mir dieser Punkt, obwohl für manche Collegen nicht unwichtig, nicht als der wichtigste. Für viel wichtiger halte ich die Anregung des Collegen Singermann aus Troppau, die Tagesordnung des bevorstehenden Cantorentages bekannt zu geben. Dadurch sind wir der Eventualität entrückt, ruis mehrere Tage mit der Discussion der Standesinteressen beschäftigen zu müssen, und selbst jene, welche absolut auf Ihren eigenen Säckel angewiesen sind, werden nicht mehr so ängstlich thun. Ich bin der Allsicht, der Cantorentag möge Ende Dezember abgehalten werden. Eines will ich jetzt schon als Cardinalpunkt des ganzen Programmes bezeichnen, das ist die Gründung einer Pensionscasse, resp. eine Kräftigung der bereits bestehenden. Ich habe mit mehreren Cantoren nleiner nächsten Umgebung Rücksprache genommen, und alle bezeichnen vorerwähnten Punkt als den wichtigsten. Uns gehtts jetzt wie den Lehrern allgemeiner Volksschulen vor dem Inslebentreten des Reichsvolksschülgesetzes. Vor dem Jahre 1868 wurde der Lehrer gleichgiltig behandelt, seine Lage war eine missliche;- gegenwärtig steht er Achtung gebietend da, seine Altersversorgung ist geregelt und nach 15 Jahren kann er getrost sagen: Jetzt habe ich bereits Anspruch auf 3/8 meiner Pension. Die Salnmelbögen, die seinerzeit vom Cantorenvereine behufs Kräftigung der Pensionscasse versendet wurden, haben nicht das gewünschte Resultat erzielt. Böse Zungen meinen, dieselben hätten ihren Zweck gänzlich verfehlt. Ich selber bin der Meinung, dass nicht viel damit erreicht wurde, denn dieselben Mitglieder einer Cultusgemeinde, die sich im Jahre 1892 verpflichteten, dem Cantorenvereine einen jährlichen Beittag zukommen zu lassen, sehen ganz absonderlich drein, wenn sie im Jahre 1893 an ihre Pflicht gemahnt werden. Wollen wir die Pensionscasse ttäfügen, (und unter welchen Modalitäten dies zu geschehen hat, dies zu besprechen ist der eigentliche Zw eck unseres Zusammenkommens) so müssen wir uns die bestehenden Normen für Lehrer der allgemeinen Volksschulen zur Richtschnur dienen lassen. Ich werde Gelegenheit haben, mich darüber mündlich auszusprechen. Hochachtungsvoll I. Fürnberg, Cantor. * * * Goltsch-Jenikau, 2. November 1893. Löbl. Redaction! Bezugnehmend auf das ״Eingesendet" des geehrten Herrn Collegen K o h n aus M. Budwitz, erlaube ich mir die Bedenken, welche derselbe gegen die Abhaltung des allgemeinen öst.-ungar. Cantorentages zur Winterszeit hegt, schon aus dem Grunde widerlegen zu müssen, weil eine Hinausschiebung desselben bis zur Sommerszeit das ganze Interesse an dem Cantorentag, der doch schon von Manchem mit Sehnsucht erwartet wird, abschwächen würde. Ebensowenig kann ich mit Herrn Kohn die Meinung theilen, dass man in Wien an einem Wintertage nicht so viel auszurichten vermag, wie an einem Sommertage "und man dadurch einen längeren Urlaub benöthigen würde. Ich glaube, dass die Agenden des Cantorentages nicht gar so groß sein werden, als dass man selbe nicht in 2 Vormittagen (L—-2 Uhr) erledigen könnte, und da. bleibt bei einem 3—4 tägigem Urlaube noch genug Zeit flir verschiedene andere Dinge. Auch ist es eine bekannte Thatsache, dass man eine Großstadt, wie Wien, viel lieber zur Winterszeit besucht, da diese an Kunstgenüssen und Erheiterungen im Winter vielmehr bietet als zur heißen Sommerszeit. Ein nicht zu unterschätzender Vorcheil, den Cantorentag zur Winterszeit abzuhalten, wäre auch der, dass gewöhnlich zu dieser Zeit aus den meisten Gegenden Vergnügungszüge gegen Wien verkehren und hierdurch die Fahrt eine bedeutend billigere wäre. Bezüglich des 2. Punktes im Anttage des Herrn Kohn, es möge dafiir Sorge gettagen werden, dass die unbemittelten Collegen, zur Erleichterung der Kosten durch Bethättgung der Gastfreundschaft der geehrten Wiener Collegen zur gedachten Versammlung erscheinen können, schließe ich mich demselben vollkommen an, nur würde ich mir noch nachstehenden Zusatzantrag erlauben: Es möge sich unter den Herren Collegen in Wien ein Connts bilden, deren Hauptaufgabe es sein soll, für gute und billige Wohnungen zu sorgen, u. zw. wenn möglich in der Nähe jenes Ortes, wo die Versammlung tagen wird. Mit dem Wunsche, es möge das Interesse für den stattzufindenden Cantorentag stets reger werden und letzterer so zahlreich als möglich besucht sein, danke ich für die Aufnahme dieser Zeilen in Ihr geschätztes Blatt und zeichne mit achtungsvoller Ergebenheit S. Piskaty. * * *