Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 26 (1.11.1893)
- Date
- 1893-11-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Aeitung. Nr. .26. Cantorentag noch diesen Winter stattfinden soll. Im Namen mehrerer Chasonim, die persönlich erscheinen werden, beantrage ich, dass der Cantorentag möglichst bald stattfinden möge. Mit vorzüglicher Hochachtung im Namen mehrerer Collegen zeichnet sich Ihr Diener S ü s s e r m a n n, Ober-Cantor in Tarnow. * P i e s l i n g, den 25. Oktober 1893. Löbliche Redaction! Da der löbl. Cantorenverein dem Wohle der Cantoren gewidmet ist und sich bestrebt, dem Cantorenstande Achtung und Werthschätzung zu verschaffen, so bitte ich Sie dahin zu wirken, dass die veraltete Norm, dass ein Cantor, der das 45. Lebensjahr erreicht hat, im Cantorenverein keine Aufirahme findet, gestrichen werden soll. Denn vor einem Decennium bereits habe ich um Aufirahme angesucht und wurde aus derselben Ursache zurückgewiesen, weil ich das 45. Jahr überschritten hatte. Im Interesse meiner Collegen bitte ich Sie bei der nächsten Generalversammlung diesen Uebelstand gütigst zur Sprache zu bringen und dessen Beseitigung anzustreben. Mit vorläufigem Danke zeichnet sich hochachtungsvoll Ihr sehr ergebener A. Wormser, Cantor in Piesling. * * Olmütz, 27. October 1893. Geehrter Herr Redakteur! Nachdem im österr. Parlamente die Landwehrvorlage zur Berathung gelangt, so hätten sie gerade jetzt die beste Gelegenheit, Herrn Dr. Bloch oder einen anderen Abgeordneten wegen der Einrückung der Cantoren zur Waffenübung aufmerksam zu machen, damit diese, für viele Cantoren so wichtige Angelegenheit endlich einmal im Wehrausschusse den Gegenstand der Berathung bllde und die gebührende Würdigung finde. Ich will hoffen, dass Ihr energisches Eingreifen wegen gesetzlicher Regelung dieser Frage nicht ohne Erfolg sein wird. Indem ich Ihnen schon jetzt meinen besten Dank für Ihre Mühewaltung ausspreche, zeichne ich mit besonderer Hochachtung als Ihr ganz ergebener A. S t ö ß l e r, Cantor und Sekretär der Cultusgem. Olmütz. EinigeWorte über Religionsunterricht von Mannheimer. Rcproducirt von A. Roth, Bezirksrabbiner in Siklvs. In diesem Monate wurde der 100jährige Geburtstag des seligen Prediger Mamcheimer in ehrwürdiger Weise und pietätsvoller Stimmung gefeiert, eines Mannes, welcher in der edelsteil Bedeutung des Wortes ein Män-liöamer war, dessen Himmelskost, die er in sprudelnder Beredtsamkeit darbot, sowie das Manna in der Wüste, nach den Worten des Midrasch, Allen, ohne Unterschied des Alters, eine nahrhafte Speise war, zur Labung des Geistes und zur Erquickung der Seele. Es verdieneir jetzt noch die Worte eines Mannes beherzigt zu werden, welcher, wie Grätz sagt, die verkörperte Veredlung der Juden genannt werden konnte, weil bei chm Inneres und Aeußeres, Gemüth und Witz, Begeisterung und Klugheit, ideales Leben und praktische Sicherheit, poetische Anlage und nüchterner Sinn, sprudelnde Beredtsamkeit und ernstliche Thätigkeit, Liebe für das Judenthum und Vorliebe für Neugestaltung im schönsten Einklänge waren. Und da das Andenken des Frommen zum Segen werde, und unsere Rabbinen sagen: Die Worte der Frommen sind ihre Monumente, will ich einige Worte, welche Mannheimer über den Religionsunterricht schon im Jahre 1835 sagte, hier reproduzieren, weil die Religionsunterrichts-Frage noch jetzt eine offene ist. In der Predigt, ״die väterliche Unterweisung" spricht er folgende beherzigenswerthe Worte: ״Nun haben wir seit dreißig bis vierzig Jahren den Kindern die Thora aus den Händen genommen und ihnen Bücher über Bücher in die Hände gegeben, die ihnen das Gleiche sein sollten, was ihnen ehedem die Thora war, עשרת ספרים הרבה אין קץ und wir haben gemeint, die Absicht war gewiss ursprünglich die beste, damit den Glauben zu retten und ihn der neuen Weisheit, wie sie in der Schule gelernt urrd gelehrt wurde, alizupassen. Was ist damit Erhebliches in den Herzen geschaffen worden? Jeder, der seit dreißig Jahren zmn Lehramt berufen ward in Israel, hatte seine eigene Glaubenslehre, hatte seine eigene Sittenlehre, seinen eigenen Leitfaden, den er zur Regel und Richtschnur aller.-Belehrung und Unterweisung im Glauben und in der. Furcht und Verehrnng Gottes glaubte erheben zu können. Und keine.hAt-strgend eine Anerkennung, keine irgend eine Gültigkeit, keine ^irgend . eine Gesetzlichkeit im Volke erhalten, keine den hinsterberMnA^ Glauben im Volke gewecket, keine ihm den Lebensodem eingehaucht, dessen es so bedürftig war, ובי כדי נכרים יספיקו ist Alles, was wir von dergleichen Bestrebungen sagen können. Es ist das keine Frucht, die auf dem heimischen Boden ist gewachsen, und darum hat sie auch nicht gedeihen können. Und es fiihlt es Jeder, wie ich es selbst gefiihlt habe, dass er damit dem fügendlichen Herzen nicht genügen könne. Solche Versuche und immerwiederkehrende Versuche müssen uns doch wohl am Eude überzeugen, dass wir nicht das Rechte erwählt haben, dass das nicht der Weg ist, wie die jugendlichen Seelen in das Heiligthnm des Herrn wieder einzuführen wären. Nicht Alles, was Anderen nützt und Anderen ansteht, nützt darum uns. Unser Glaube ist ein anderer, unser Bekenntnis ein anderes, nicht nur der Form und Fassung nach, sondern der Natur und dem Ursprünge nach, auf ganz andere Weise dem Volke überkoinmen, geschichtlich übernommen, geschichtlich überliefert, als ein heiliges Erbe von Hand zu H andgegangen, und das Gleiche muß auch in der Weise im Volke erhalten werden, in der es ihm überkommen ist. ״Du sollst es Deinen Kindern einschärfen" — als Vater es den Kindern ins Herz geben, ist das Grundgesetz der Gotteslehre. Und weil wir von diesem Grundsätze ausgegangen sind, von der mündlichen Ueberlieferung und Uebertragung und der wörtlichen Unterweisung, und die Gotteslehre, statt sie aus Anleitung und Gewöhnung, Erzählung und Uebertragung git gründen, zu einer menschlichen Wissenschaft gemacht haben, die in der Schule gelehrt wird und von der sie zu Hause nichts hören und nichts sehen, nichts wissen und nichts fühlen, ist die Glaubenslehre und Gottesehre selber in allen Irrungen des Lebens mit hineingezogen worden und in Zweifel und Verlust gerathen." So weit die goldenen Worte des unvergesslichen Mannheimer, sie finden heute noch leider ihre Anwendung und verdienen noch heute beherzigt zu werden. Sitten und Bräuche der Juden im Orient. Von Dr. M. G r ü n w a l d, Großrabbiner von Bulgarien. Zur Geburt eines Kindes und besonders eines Knaben wird man mit den Worten besiman tow ״unter gutem Vor-