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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1893-10-21 · Heft 25 (21.10.1893) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 25 (21.10.1893)
Date
1893-10-21
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 25. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. Seite 5. Wenn auch das 0ha208-Machen, d. h. um oder gleich nach Mitternacht Gebete zu verrichten, Sitte ist, so ist doch die Nacht von Donnerstag auf Freitag besonders dazu geeignet und hat Herr Mosche Arje aus Samakov ein kleines Buch speciell als Lectüre für diese Nacht vom Donnerstag aus Freitag unter dem Titel limude psukim veröffentlicht. Es ist dies ein Auszug des größeren Werkes Zemach Zadik. Es ist dieser Tag als Rasttag des allwöchentlichen Ruhetages besonders heilig zu halten. Die Einweihung eines neuerbauten Hauses wird in feierlicher Weise vorgenommen. Der Hausherr versammelt mindestens 10 talmudisch geschulte Männer, dieselben lernen am Abend der Einweihung mehrere Abschnitte der N18ohnajoth, denn Mischnali hat dieselben Buchstaben wie das Wort Neschamah, d. h. dass das Studium der Mischnah das Seelenheil zu fördern geeignet ist. Dann wird mit dem Schlußsätze des 90. Psalms, mit wihinoam und der 91. Psalm joschew besesser siebenmal gesagt und hierauf werden die N68u80th an den Thürpfosten befestigt. Es wird ein besonderes Gebet für das Wohlergehen der Bewohner verrichtet; die officielle Feier, d. h. der religiöse Theil hat dann sein Ende erreicht und der gesellige Theil beginnt. Es wird eine Mahlzeit, bei der schwarzer Kaffee und Cigaretten ein conditiosine qua non sind, gegeben, und Worte der Thora würzen das Mal; natürlich hat auch hier der Oberrabbiner — noch immer auch in Bulgarien der Ckacham-Baschi genannt —- wieder das Wort in erster Reihe. Auf mich hat diese Feier gerade zur Nachtzeit, wie sie hier stets üblich ist, einen sehr freundlichen Eindruck gemacht. Man erinnert sich unwillkürlich des schöneil Prophetenwortes Wehojoh 1668 erew jiheje aur (Secharjah Cap. 14, Vers 7) ״und zur Nachtzeit wird Licht sein" d. h. wenn es Nacht werden will in und um rms, dann lässt Gott der Herr Licht und Hoffnung in unser Herz kommen und gerade in der größten Noth ist, wie das Volkswort sagt, die Hilfe Gottes am nächsten. Es steckt in jedem Menschen eine gute Portivll Mysticismus, die beim Orientalen allerdings um ein Bedeutendes vermehrt und verstärkt ist. (Forlsetzmic, folgt.) Das Moschol Nach seiner Bedeutung und Anwendung in biblischen und nachbiblischeir Schriften. XXXVII. Salomo Ephraim Lauschitz erklärt in seinem Buche: 016108 Efrann, 4. Theil, No. 198 den Spruch: 61110'!״ b'lau kwonoh k’guf b’lau nescbomo, Ein Gebet ohne Andacht gleicht einem Körper ohne Seele", durch folgendes Moschol: Der König und der Bauer. Ein König wollte einen verdienstvollen Bauersniann damit auszeichnen, dass er ihm in seiner Behausung einen Besuch abstatten werde. Der Mann hatte alle möglichen Vorbereitungen getroffen, soweit der Bauernstand es nur ermöglichte, den König mit seinem Gefolge würdig zu empfangen. Als der ankam, wurde er ehrerbietig von allen Hausgenossen empfangen, doch der Hausherr selbst war nicht anwesend, er ließ sich entschuldigen, dass er geschäftlich verhindert ist. Natürlich war der König über diese Rücksichtslosigkeit erzi'irnt und entzog ihm ferner sein Wohlwollen. So hat Gott, der König der Welt, dem Menschen sein Erscheinen im Heiligenthnme angekündigt. Zum Empfang der himmlischen Majestät kommt man in's Gotteshaus, aber nur die Hauskeute, die Dienerschaft, erscheinen: Füße und Hände bücken und neigen sich, die Lippen beten, danken und loben den Schöpfer, aber der Hausherr, die Seele, ist abwesend, ist beschäftigt und denkt an andere Angelegenheiten. Solle da der König über diese Gleichgültigkeit nicht zürnen? Er wendet sich ab und erhört solche Gebete nicht. 6. Einer der berühmtesten Magidim, der vom Moschol in ausgiebigster Weise in seinen Vorträgen Gebrauch machte, ja unerschöpflich darin war, und auch als Wanderprediger von Ort zu Ort an jedem Sabbathe in einer anderen Gemeinde als Moschol-Darschan austrat, war Rabbi Jacob Dubna, gewöhnlich der Dubner-Magid genannt. Seine Borträge über die fünf Bücher Moses allein enthalten nicht weniger als 450 Mescholim. Uns liegt nur vor ein Airszug dieser Gleichnisreden, unter der Aufschrift: Ni8oh16 Jakow, gesammelt von Moses Nißbaum, Krakau 1886, und aus dieser Sammlung wollen wir in treuer Uebersetzung einige Muster vorsühren. Zur Bibelstelle in der Sidrah ״Chaje Sarah/‘ wo erzählt wird, dass Efrann für die Höhle Machpela von Abraham 400 Silberschekel in vollem Gewichte verlangte, steht der Name Efrann mangelhaft ohne ״waw dazu bemerkt der Midrasch: er gehört zu den Gezeichneten, als habsüchtiger, geiziger Mann, und der Verfasser erläutert dieses durch ein Moschol: Die beiden Wirt he. Ein vornehmer Herr kehrte aus seiner Reise bei einem Gastwirthe ein, der für dessen Diener, Wagen und Pferde Sorge trug. Alles auf’s Beste zu verpflegen bedacht war, dem vornehmen Herrn die schönsten Zimmer einräumte und mit den delicatesten Speisen und Getränken bewirthete. Bei der Abreise legte der Wirth seinem Gaste eine große Rechnung vor, die er auch ohne Abzug ausgezahlt erhielt. Der Herr setzte seine Reise fort und gedachte seines unverschämten Gastgebers nicht mehr. Er kehrte bei seiner Weiterreise wieder in ein vornehmes Gasthaus ein. Der Wirth war im höchsten Grade zuvorkommend, sorgte für Alles auf's Beste, bewirthete seinen Gast köstlich, und als Derselbe nach der Rechnung fragte, antwortet der Wirth, dass er sich reichlich beloht fühlte, einen solchen vornehmen Herrn bei sich zu beherbergen, und verweigerte jeden Entgelt. Dieses Benehmen machte einen tiefen, freudigen Eindruck ans den vornehmen Mann, denn es war ein Reichsgraf, der ineognito reiste, er beschenkte den Gastwirth reichlich und war seiner auch später bedacht. Das ist der Unterschied zwischen dem, der Gott um Lohn dient, und dem, der ihn aus Liebe verehrt und an Lohn gar nicht denkt. Efrann, der von dem vornehmen Abraham, der ein Fürst Gottes genannt wurde, Geld erpresste, ihm eine solche große Rechnung machte, wurde deswegen öffentlich gebrandmarkt. Der betrogene Arme. Die Bibelstelle in der Sidra Toldos, als der überlistete Esau ansries: ״haohi koro Schmau Jakow", erklärte der Verfasser durch folgendes Moschol: Ein armer aber rechtschaffener Mann hatte in einer sehr fernen Stadt reiche Verwandte, die er persönlich Glicht kannte, zu diesen wollte er reisen, um eine Unterstützung zu erlangen. Um, sich zu legitimiren, erhielt er ein Zeugnis vom Rabbiner und Vorstand gefertigt und gesiegelt, dass er so und so heiße, dieser Familie angehöre, und der Unterstützung würdig sei. Ausdem Wege gesellte sich noch ein Armer zu ihm. Beide reiften nun zusammen, wurden vertrant, er theilte arglos dem Gefährten seinen Reisezweck und Reiseziel mit und ließ ihn auch Einsicht in sein Zeugnis nehmen. Sie kehrten in der Nacht zusammen in eine Herberge ein, diese Gelegenheit benützte der Reisegefährte zu seinem Vortheile und stahl dem armen Manne, als derselbe im tiefen Schlafe versunken war, das Zeugnis, womit er noch vor Tagesanbruch das Weite suchte. Er eilte im schnellen Lause der

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