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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1893-10-21 · Heft 25 (21.10.1893) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 25 (21.10.1893)
Date
1893-10-21
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Aeitung. Nr. 25. Warum hätte auch diese Forderung gestellt werden sollen'? Die ganze zivilisirte Welt hat ja bereits die jüdische Religion rezipirt. Ihre zehn Gebote sind auch die unsrigen, ihre Morallehre ist keine andere als die unsrige. Die jüdische Religion enthält nichts was die Inden hindern könnte, gute Staatsbürger zu sein und in guter'Nabarschaft mit allen Confessivnen zu leben. Die Ersahrung von Jahrhunderten bekräftigt dies. Was soll also das Verlangen nach Unterbreitnng der Glanbenssatzungen und Mvrallehren? Die zweite Bedingung, welche von mancher Seite vorgebracht wurde, war, dass die hierarchische Organisation der Inden der Reception vorangehen soll. Auch daraus hat der Minister treffend geantwortet, als er ausführte, dass es von! Gesichtspunkte der Reeeption genügt, wenn die Inden sich als Religionsgemeinden constituirt haben. Allerdings haben sich die Israeliten aus verschiedenen Grundlagen organisirt: cm beträchtlicher Theil derselben hat die Congreßbasis nicht angenommen, doch besieht zwischen jeder israelitischen Religio nsgemeinde und der Regierung ein thatsächlicher Verkehr. Wozu also diese Zwangsbedingnng? Oder will man, dass der Staat sämmtlichen Juden eine Organisation aufoktroyircn soll? Das wäre einfach eine Einmischung in die Autonomie. Vom Gesichtspunkte der Reception ist eine andere Organisation, als sie besteht, ganz uunöthig. Lassen wir die Regelung der Beziehungen der israelitischen Religion zum Staate außerhalb des Rahmens des Receptiousgesetzes liegen: — das wird Gegenstand einer späteren legislativen Verfügung sein." Sitten und Bräuche der Juden. im Orient. * 011י^י St. M. G v ii n w a l d, Grostrabbin er von Bulgarien. Tie Nacht, die dem Bosckannak-rabbak-Tag vorangeht, wird'von 9 Uhr Abend bis 5 Uhr Morgens in Gebet und Gesäug'verbracht: beim Morgengottesdienst werden die üblichen sieben Hakaphotk v0rgenonimen und die Arabah wird fünfmal — ohne Geräusch — aus den Boden gelegt. Der Sckemini- Azereth, der ja eigentlich der Tag der Festfreude mit der Thora — Simcliatb-Tkora — ist, wird im Orient mit Absingung von Liedern, Adon-Olam, Hodu laschem, En keeloheira 11. a. Liedern gefeiert und werden die Hakaphoth genau so wie an Simchath-Tkora vorgenommen. Es gibt hier für diese Tage nur zwei Chathanim 11. z. den Cliatlian-Tbora und den Ckathan-B’rescbith. Es werden hiezu gewöhnlich Brüder, wie dies Heuer auch in Sophia der Fall war — oder znm mindesten — und das ist, wie man mir versicherte, eine conditio sine qua non — gute freunde gewählt; hängt doch in der That das Ende der Thora mit dem Anfänge eng und innig zusammen, wie unsere Alten so sinnig sagen, ״wie die Flamme verbunden ist mit der Kohle". Die beiden Okatkanim genießen au diesem Tage ganz besondere Ehren. Da, wie es ursprünglich überall Sitte war, alle Personen, die das 13. Lebensjahr überschritten haben, zur Thora gerufen werden, sitzen während dieser ganzen Zeit, die beiden Okatkanim mit ihrem Sefer-Thora in der Hand, zur Rechten und zur Linken des Aron hakkodesch auf einem Ehrensitz. Dem Okatkan-Ikora wird ein ehrenvoller Gruß eutgegengebracht, ein angesehenes Mitglied der Gemeinde geht mit einer brennenden Fackel voraus, und Glückwünsche begleiten den Ckathan-Thorak, während" er sich anschickt, den Almemor zu besteigen. Und nicht, wie bei den Aschkenasim, wo mit den Worten Meonah eloke kedem begonnen wird, sondern der ganze Abschnitt wesoth haberacha wird für ihn verlesen. In gleicher Weise mit vorangetragener leuchtender Fackel, mit Glückwünschen wird der Okatkan B’reschith empfangen. Dass der Okatkan, oder eventuell beide Okatkanim, Festmahle veranstalten, ist selbstredend, ist es doch eine Sudah sckel mizwah ein F e st esse n, wo die Theilnahme an demselben selbst für ein religiöses Verdienst angesehen wird. Dass der Rabbiner bei einer solchen Gelegenheit einen kleinen Speech vom Stapel gehen lassen muß, ist gleichfalls bei den Orientalen natürlich. Der Rabbiner muß hier überhaupt immer, sobald er zu einer religiösen Feier geladen wird, sprechen. Die Mahlzeit erstreckt sich in der Regel von 11 Uhr Vormittags bis tief in die Nacht. Wird doch den Okatkanim von jeder Person etk kol hamizwoth (nämlich tiskeh) ״du mögest alle göttlichen Gebote erfüllen", zugerufen. Sehr schön finde ich die sicherlich orientalische Sitte — da dieselbe, wie ich glaube auf den Patriarchen Abraham zurückzuführen ist — dass man, wenn der Gast etwas genießt und der Festesfeier entsprechend sein moadim lesimchah oder Schabbatk sckalom oder etk kol amizwoth oder besiman tow zuruft, mit dem von uns bereits erwähnten Gegengrnß antwortend aufrecht steht, bis der Gast den Imbiß genommen. Man vergleiche die rührende Art Gastfteundschaft zu üben, wie unser Erzvater Abraham sie übte, geschildert im 18. Capitel des 1. Buches Acosis und besonders die Worte Vers 8 ״er stand über ihnen unterhalb des Baumes und sie aßen. Außer den in Europa üblichen religiösen Vereinigungen gibt es hier eine Okevra sckel rockazim (Vereinigung von Leichenwaschern), die sämmtlich wohlsituirte, ja reiche Männer sind, und die unentgeltlich sich der religiösen Pflicht unterziehen, die verstorbenen Personen rein zu waschen und die rituellen Gebete dabei zu verrichten. Diese Gesellschaft vereinigt sich jeden Sabbat nach dem Mußafgebete und genießt daselbst ein gebratenes Ei mit dem obligaten Rakija (Branntwein). Das Ei erinnert an die Suda hawora für Trauernde und stimmt als Entree für die Hauptmatzeit, die ja nach dem bekannten römischen Sprichworte ab ovo mit dem Ei beginnen nmß. Ein nicht minder schöner als sinniger Brauch ist es, das Tragen der Thora kleinen Kindern, die in der Regel das 13. Lebensjahr noch nicht erreicht haben, zu überlassen; das Öffnen des Aron Hakodesch, der Helligen Lade, wo die Thorarollen sich befinden, wird nur erwachsenen Personen verehrt. Es ist in dieser Sitte, die Thora kleinen Kindern zu übergeben, der tiefe Sinn gelegt, dass man die Zukunft des Judenthums den Kindern anvertraut, und dass von der Art und Weise, wie dieselben die Thora tragen und stützen, das Schicksal der Lehre Israels liegt. Bei besonderen Anlässen, wenn z. B. ein Kind von einer ernsten Krankheit genesen, znm erstenmal wieder in die Synagoge tritt, wird ihm das Tragen der Thora verehrt und bei dieser Gelegenheit auch eine Spende zu wohlthätigem Zwecke gemacht. Am Rosch-chodesch wird beim Öffnen der heiligen Lade ein besonderes Gebet mit jehi razon beginnend verrichtet und ebenso das an den Feiertagen und Samstag zu Minchah übliche weani tefilathi recitirt.*) ''')An den Saf!n1, an welchen nicht sämmtliche Psalmen des Hattet fli'iafll: wer den, wird bei der Lernelnlli erst nicht Ligmor es lialmlel, sondern nur likroh gesagt, während bei den Aschkenasim stets likro gesagt wird. Auch wird bei den Sephardim vor dem Necitiren der HaUcl-Psal.nen vom Borbeter birschnth moraj werabothaj gesagt.

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