Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 24 (11.10.1893)
- Date
- 1893-10-11
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/1304829-3453273-3453297--3835-3458233- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 6. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Aeitung. Nr. 24. Der Unterrichtsminister hat daraus Veranlassung genommen, die sämmtlichen zur Zeit im Unterrichtsgebrauche befindlichen oder sonst etwa noch in Betracht kommenden jüdischen Religionsbüchereinzufordern. Die bezügliche Sammlung umfasst 551 Bücher, und zwar sind sie dem Inhalte nach:!)Unterrichtsbücher, a. für Erlernung der hebräischen Sprache . . 40 Exemplare b. für biblisch- und jüdisch-geschi ch tlichen Unterricht.163 ״ 6. für Religio ns lehre (Katechismen, Spruchbücher, Bibelkunden) . . . 234 ״ d. für den deutschen Unterricht (Lesebuch für Volksschulen) . 2 ״ 2) Erbanungsbücher. a. Die heilige Schrift ganz oder Theile derselben (deutsch-hebräisch oder hebräischdeutsch. 21 ״ b. Gebetbücher (hebräisch-deutsch und deutsch-hebräisch) .... 47 ״ 0. Gesangbuch (deutsch) ....... 1 ״ 3) Sonstige Schriften (keine Schulbücher) 43 ״ Sänuntliche Bücher sind einem theologisch und pädagogisch hervorragend gebildeten Schulaufsichtsbeamten zur Begutachtung zugegangen. Derselbe fasst das Ergebnis seiner sehr eingehenden Prüfung dahin zusammen, dass keine der in der Presse gegen die jüdischen Religionsbücher erhobenen Anklagen durch den Inhalt der vor gelegten Bücher begründet ist. Dieses Gutachten ist sodann einem evangelischen Geistlichen, welcher längere Zeit im Dienste der Inden-Mission gestanden hat und mit der talmudischen Litteratur innig vertraut ist, zur Äußerung zugestellt worden. Derselbe hat seine volle Zustimmung zu dem Gutachten ausgesprochen. Die vielbesprochene Schrift ״Schulchan Aruch" (gedeckter Tisch) ist in keiner öffentlichen oder privaten Volksschule im preußisch enStaat imUnterrichtsgebrauch." HiMcatwiM des Ssten.-mgar. Hairtoreir-'KeWi!«. In der am 5. d. M. stattgehabten Vorstandssitznng wurde beschlossen, der Witwe nach dem verstorbenen Vereinsmitgliede Josef Klein in Bndweis den statutarischen Witwenbetrag zu bewilligen. Im Sinne des § 13 der Vereinsstatuten werden demgemäß die P. T. Mitglieder aufgefordert, den statutarifchen Pflichtbeitrag pro 1 Gulden umgehend an den Vereinscassier einzusenden. Einen weiteren Punkt der Tagesordnung bildete die Einberufung der Generalversammlung. Auf mehrfachen Wunsch wurde beschlossen, einen allgemeinen Cantorentag zu veranstalten, zu dem nicht nur Vereinsmitglieder, sondern sänuntliche Cantoren Oesterreich-Ungarns und auch Deutschlands eiugeladen werden. Es soll hiermit auch den entferntesten Fachkreisen Gelegenheit geboten werden, die schwebende!: Standesfragen in eingehender Weise Zu berathen. Zu diesem Zwecke wurde ein vorbereitendes Comite, bestehend aus den Herren I. Bauer, M. Blatt und A. Notter gewählt, welchem die Ausarbeitung derTagesordnung des Cantorentages obliegt. Nach Fertigstellung dieses Elaborates wird der Termin des Cantorentages festgesetzt werden. Erwünscht wäre es, wenn die Collegen von außen eventuelle Anträge und Vorschläge, welche am Cantorentage zur Discufsion gelangen sollen, so bald als möglich dem Vereinsvorstande unterbreiten würden. Auch eine Aeußerung darüber wäre angezeigt, ob der Cantorentag noch im Henrigen Jahre oder erst im nächsten Frühjahre ab geh alten werden soll, da von mancher Seite Bedenken laut wurden, dass es in den Wintennonaten vielen Cantoren, namentlich jenen, die gleichzeitig Lehrer sind, schwer fallen wird, sich von ihren Verufspflichten, wenn auch nur für einige Tage, loszulösen und nach Wien zu kommen. Da der Zweck des Cantorentages nur bei einer recht zahlreicher und reger Theilnahme sänuntlicher Fachkreise erfüllt wird, erscheint eine Discufsion dieser Vorfragen von großer Bedeutung, und die geehrten Collegen werden eingeladen, ihre diesbezüglichen Anschauungen in der ״Cantorenzeitung" baldigst kundzugeben. Der Vorstand des österr.-ungar. Cantoren-Vereines. Eingesendet. Von dem Vicepräsidenten der ״Budapester Versammlung" erhalten wir folgende Zuschrift: Fiume, am 8. October 1893. Sehr geehrter Herr Redacteur! In Nr. 23 Ihres geschätzten Blattes finde ich eine Erklärung des Herrn Obercantor Vernfeld ans Preßbnrg, in welchem derselbe es als eine Lüge erklärt, dass über die Person des gotts. Friedmann etwas gesprochen wurde; er hatte vollkommen Recht, es wurde nicht von ihm gesprochen, denn ein Bernfeld darf und kann über Friedmann nicht sprechen, thut er es aber ja, dann muß es mit großer Achtung sein, denn .והאיש משח גדול מאד Dass aber doch von' Herrn Bernfeld Friedmann's Name genannt wurde und auch der des gottsel. Sulzer will ich beweisen und bekräftige es mit meinem Ehrenworte. Vor Allem fällt mir hier die Geschichte von dem Vorgänger des Herrn Bernfeld Jossel Kokosch mit Namen ein; der hatte auch einen sehr ״guten ״זכרון, dort, wo es galt, ״Fehler zu machen", und wie es scheint, vererbt sich diese Zl^l-Tradition auch auf den Nachfolger, denn er hat auch ״einen großen Fehler" begangen, erstens nicht zu wissen, was er gesprochen, dann zweitens, dass er Jeinanden einer Lüge zeiht und nnwillkürlich durch den זכרו ן eine Sünde begeht auf — מדבר שקר תרחק. — Von der denkwürdigen Generalversammlung an: 22. August d. I. in Budapest liegt ein stenografisches Protocvll nicht vor, wäre aber ein solches vorhanden, so könnte Herr Bernfeld aus demselben ersehen, dass er über Friedmann und Sulzer gesprochen hat. Als Alterspräsident von den Versammelten hiezu gewählt, begann er seine Rede mit folgender Einleitung: ״ לא איש דברים אנכיIch bin kein deutscher Redner", sondern die Herren werden mir erlauben jüdisch (?) d. h. Jargon zu sprechen" und der Vortrag fing an mit den bekannten Phrasen, dass er seinen armen Brüdern aufhelfen will, er will trachten, einen Pensionsfond zu gründen״ wir werden zum Minister gehen, und in dieser Tonart so fort; endlich kam er zur Frage, was hat Friedmann in Budapest für den Verein, was Sulzer in Wien für den Verein gethan? Cr erzählte, dass er sogar persönlich in Wien oben war bei der constitnirenden Versammlung, bewies, dass der gotts. Friedmann und Sulzer nichts gethan haben und so weiter fort. Nachdem der Herr Alterspräsident geendet, widerlegte ich durch Daten die unrichtige Behauptung des Herrn Bernfeld, skizzirte das Wirken der Vereine, beantragte, dass die noch nicht dem Vereine angehörenden Herren sich dem alten Vereine anschließen sollen, was jedoch mit einer Majorität von 5 Stimmen abgelehnt wurde. Von dem Momente an gab es dann nur den Statutenentwurf vorzulesen, in welchem die bekannte Lockspeise ״Pensionsfond" vorkam, wo nach 15 Jahren der neue Verein bei 1000 Mitgliedern bei fl. 200,000 an Capital haben wird. ״Es wäre zu schön"! Einzig schade nur, dass Herr Bernfeld sammt Consorten nicht in der Zeit der ״Gründerepoche von Banken und Actienunternehmungen" ihre fructisicirende Thütigkeit begonnen haben, damals würden ihnen gewiss die 1000 Mitglieder ״am Leim" gegangen sein, heute ist dieses aber eine Unmöglichkeit, Durch vorstehende Zeiten wollte ich nur den Herren beweisen, dass die Chasonim in Preßbnrg sowohl nach der einen als auch nach der anderen Richtung ״einen schlechten;״זכר haben, und Jemanden der Lüge zeihen, sehr gut bedacht werden muß. M A. Gold st e i n, Rabbiner.