Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 24 (11.10.1893)
- Date
- 1893-10-11
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 24. Mesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. Seite 5. adon, ״Allmächtiger Herr!" gesagt; vom Absatz lv'61 ascber scbowas wird der Anfang, weil er ja ausschließlich über den Sabbat handelt, weggelassen und mit den Worten scbime’cba elebenu jifcbkadascb, ״dein Name, 0 unser Gott, werde geheiligt", begonnen. In gleicher Weise wird an sümmtlichen Feiertagen, welche nicht auf einen Samstag fallen, von dem 92. Psalm der 1. Vers, . Mismor scbir le’jom bascbabafcb, ״Gesang, Lied für den Schabbath-Tag" weggelassen, und mit den Worten Tow lebodotb l’adonaj, ״gut ist es, (lobend) Gott zu bekennen", angefangen. Aus derselben Ursache wird vom 30. Psalm der 1. Vers oder eigentlich die Ueberschrift Mismor schir cbanukatb babajitb le’david, ״Gesang, Lied der Einweihung des Hauses für David" weggelassen. Der übrige Psalm wird bei den Aschkenasim vor dem Lob-Gebete barueb scbeamar ״Gesegnet sei, der gesprochen", recitirt, dass jedoch dieses Gebet selbst (barueb scheamar) in der Liturgie der Sephardim eine andere Stelle einnimmt, als bei den Aschkenasinl, ist aus jedem Betbuche zu ersehen. Auch an den Wochentagen des Chol-bamoed wird der 19. Psam gesagt. Der Lulab wird beim LaUsl-Gebete nicht so oft wie bei den Aschkenasim geschüttelt; es geschieht hier nur einmal beim bodulaadonaikitow, ״danket dem Herrn, denn er ist gütig", dann zweimal bei der Wiederholung des Satzes anna adonai hoscbiak na, ״Ach, o Ewiger hilf doch!" Und zum Schlüsse bei der Wiederholung des bodn abermals. Der Lulab wird übrigens auch beim Verlesen des Thoraabschnittes in der Hand gehalten n. z. als Sieges-Trophüe. An das LaUsl-Gebet schließt sich unmittelbar die Llosebana-Liturgie an, die textlich viel reichhaltiger ist als die der Aschkenasim. Allerdings ist jene, die der Sephardim nämlich, reichlich von kabbalistischen Elementen, durchtrünkt, wie überhaupt der Sohar in den Gebeten, Sitten und Einrichtungen sehr deutlich zu Tage tritt. Hier in Sofia, wie in Salonichi, sowie in vielen Gemeinden Italiens, besonders in Livorno und in Constantinopel gibt es auch spanische Gemeinden nach dem Mmhag der Aschkenasim, deren Macbsor gar nicht begriff, wie er sich den Titel eines solchen anmaßen konnte. Was war das für ein Mußaff am letzten Jom Kippur, lag darin Oben oder Cbessed? meinte er. Nicht einmal beim Unsane Taukef konnte man die Frauen weinen sehen." Und als bei solcher Gelegenheit Moses Wendberg, der wohl einiges musikalisches Verständnis besaß, den Cantor in Schutz nahm und ihn! nachrühmte, dass er die meisten seiner Stücke von Sulzer her habe und nach dessen Sebir Zijon vorbete, meinte Josef Schreier, dass er von diesem Sulzer sein ״Lebtag" nichts gehört und die Frage deshalb noch bestehe, ob dieser selbst vom Cantorate etwas verstanden habe." — Kurz das Trifolium: Feiwel Vollfleisch, Jone Zadik und Josef Schreier arbeiteten in einer Weise an der Herabwürdigung unseres Harold, dass nach anderthalb Jahren kaum noch etwas von dessen früherem Ansehen übrig geblieben war. Hierzu kamen noch andere Dinge. Harold hatte sich zu seiner eigenen Vervollkommnung und zur Heranbildung seiner Kinder ein Pianino angeschafft, worauf sich alsbald in der Gemeinde ein großes Geschrei über einen von ihm betriebenen Luxus erhob. Der Frau Cantor kam es auch zu Ohren, dass mau sich über ihre Toilette sehr abfällig äußere, dass sie in dieser Beziehung über die reiche Frau Baruch hinausgienge. Der Verkehr mit den Gemeindemitgliedern wurde deshalb ein sehr lässiger. Was Wunder! Ueberall Falschheit und verdeckte Feindschaft, schien der Beamte mir da zu sein, dass ein Jeder sein Müthchen an ihm kühle. Harold hatte ein Haar in dem Stellungwechfel gefunden. Als er von V. fort gieng, glaubte er jenen Nebeln enthoben zu sein, die sich ihm dort in seiner dreijährigen Wirksamkeit offenbart fast völlig mit dem der übrigen Aschkenasim übereinstimmt; sie haben daher auch die kurzen Hosebanofcb, wie der Minbag- Ascbkenasi sie hat, und sagen dieselben erst nach dem Mußasgebete. (Fortsetzung folgt.) Untersuchung der jüdischen Religion«- Lehrbücher. Berlin, im October 1893, Zu den meist verwendeten Aufreizungsmitteln der vereinigten Judenhetzer gehören die Verdächtigungen, welche sie bei jeder Gelegenheit gegen die jüdische Moral lehre erheben. In Versammlungen, in Flugschriften wurden zahllose Verleumdungen gegen Juden, Judenthum, gegen jüdische Schulen, gegen die in ihnen gelehrten MoralsätzeAgeschleudert. Man verlangte von Amtswegen eine genaue Untersuchung aller in den jüdischen Schulen gebräuchlichen Religions-Lehrbüch er. Hierauf gieng seitens des Ministers der geistlichen Angelegenheiten und des Innern eine Versiigung an die Regierungen, sie möchten schleunigst alle in ihren Bezirken vorhandenen jüdischen Schulverwaltungen veranlassen, die eingeführten Religionslehrbücher zur Prüfung einzusenden. Der kürzlich ausgegebene ״Reichsanzeiger" veröffentlicht das Ergebnis dieser durch dass Cultnsministeriuln veranlassten Untersuchung mit folgenden Worten: ״Im Laufe des vorigen Jahres ist in verschiedenen Tagesblättern, sowie in Streitschriften gegen die im Unterichtsgebrauch der jüdischen Schulen befindlichen Lehrbücher die Anklage erhoben worden, dass sie Lehren enthielten, welche unser sittliches, wirthschaftliches und staatliches Leben gefährdeten. Man hat daran die Frage gekniipft, ob denn die preußische Unterrichtsverwaltung dem jüdischen Religionsunterricht ausreichende Aufinerksamkeit zuwende und ob sie mit dem Inhalt der betreffenden Bücher bekannt sei. hatten, sich den Quälgeistern entrückt zu sehen, welche ihm dort das Leben bitter machten, und er fand sie in grausamer Pünktlichkeit in B. wieder. Dieselben Jntrignen mit anderen Akteuren, dieselben Schreihälse mit anderen Naturen, dieselben Schauspiele mit anderen Dekorationen — der Contrakt mit der Gemeinde lautete auf drei Jahre — zwei derselben waren hingegangen und Harold verspürte so etwas wie Sehnsucht in sich, eine andere Gemeinde zur Verbesserung seiner Lage aufzusuchen. Mechanisch griff er nach einer vor ihm liegenden jüdischen Zeitschrift. Sein Blick verfolgte die dort vorhandene Vakanzenliste von oben bis unten und dann wieder von unten bis oben und er begann sein Studium darüber, inwieweit er sich bei einer etwaigen Annahme einer dieser Stellung verbessern würde. Da fühlte er sich leise an seiner Schulter berührt. Hinter ihm stand seine kluge Frau. ״Ich weiß, was Du willst und beabsichtigst, Jakob, folge meinen Rath und lass ab davon". Hiermit nahm sie ihm die jüdische Zeitung aus der Hand und legte sie auf den Tisch. ״Es gefällt Dir wohl in B. so sehr gut, dass Du nicht fort möchtest?" ״Das will ich nicht gesagt haben" erwiderte sie, ״aber es gefällt mir hier wenigstens so gut, als wie dort, wo Du bei einem Wechsel Deiner Stellung hinkommen wirst. An ein Paradies, das für einen jüdischen Beamten erstanden sein soll, habe ich schon lange zu glauben aufgehört." — Und Harold hörte, wie einst Abraham, auf die Stimme seiner Frau. Er blieb in B., und wir können von ihm erzählen, dass er dort bald seine 25jährige Amtsthätigkeit feiern wird. _ Dr. Z.