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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1893-10-11 · Heft 24 (11.10.1893) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 24 (11.10.1893)
Date
1893-10-11
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2. Oesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. Nr. 24. Friedmann, der missvergnügt unsere Stadt verließ, schritt zur Gründuug eines neuen Vereines und einer neuen Zeitung. ׳Meder gab es hüben und drüben Rede und Gegenrede, Angriff und Abwehr, bis die Ansichten sich klärten und die nach- Etlichen Vereine, jeder in seiner Umgrenzung seine segensreiche Thättgkett entfaltete. Die Gemüther beruhigten sich allmählig und es'bot wiederholt wahrhafte Befriedigung, als die beiden Nachbarvereine bei festlichen Veranlassungen sowohl Persönlicher als sachlicher Natur sich gegenseitig beglückwiinschten und damit den Beweis erbrachten, dass hüben und drüben das Wirken und Streben anerkannt und gewürdigt erscheint. Sowohl in! ״jüdischen Cantor" als in der ״ung. Cultusbeamtenzeitung" als auch in der ״österreich.-ungar. Cantorenzeitung" fanden wiederholt Erörterungen wissenschaftlicher wie persönlicher Natur statt; Erörterungen, die oftmals auch einen Bodensatz von Bitterkeit zurückließen, allein stets war die Ausdrucksweise eine decente, keine die beiderseitige Achtung beeinträchtigende, so dass die polemisirenden Parteien der öffentlichen Meinung gegenüber nicht allein unangetastet blieben, sodern noch an persönlicher Achtung gewannen. So. Wl-vou den Zeitschriften. — Was die Thätigkeit der verschiedenen ׳-Vereine betrifft, bedarf es wohl keiner weiterer: Erörterung, die Eingewechten wissen es und die minder Eingeweihten können jederzeit in das Vereinsgebahren Einblick nehmen uüd dürsten zur Ueberzeugung gelangen, dass die Vorstandschaft jedes dieser Vereine selbstlos und in aufopfernder Weise ihres Amtes .gewaltet, und dass es denselben gottlob gelungen, den Q^XoMicXierrptr ifirer Heimgegangenen College:: zu wiederholten Malen ausgiebigen Beistand zu leisten, ja in vielen Fallen die Erschließung einer neuen Ernährungsquelle zu ermöglichen. Man sollte es nicht für möglich halten, dass an einer solch' füllen aber segensreichen Thäügkeit von einer Seite gerüttelt werden kann, die hiezu gar keine Berechtigung hat. Es bietet ja wahrhafte Befriedigung, wmn die Vereinsleitung seitens eines Cultusbeamten — und wenn derselbe auch kein Vereinsmitglied wäre — auf etwaige Mängel aufn:erksam gemacht und in decenter Weise um Abbestellung derselben gebeten wird, und sicherlich wird jederzeit auch gerechten Anforderungen möglichst entsprochen; doch unfassbar erscheint uns das Vorgehen eines Notärs in Stuhlweißenburg, der sich als Sachwalter jüdischer Cultusbeamten aufwirft und in einer pöbelhaften, jeder guten Sitte hohnsprechenden Weise die Gemüther zu erregen sucht. Wir können ruhigen Muthes die Erklärung abgeben, dass ein Cantor, ein Cultus beamt er es enttüstet von sich weisen würde, eine solche Sprache zu führen, ja dieselbe noch der Oeffentlichkeit zu übergeben. In einem, etwas mehr als eine Spalte umfassenden Arükel lesen wir, um:mr einen geringen Nachweis des Bildungsgrades dieses Herrn Notärs zu liefern, nachfolgende unqualificirbare Ausdrücke: ״Eckelhafte Fliege", ״eckelerregendes Gesumme", ״Nimmersattes abscheuliches Geschöpf", ״Rüssel", ״Geldsack", ״die Taschen des Machers", ״Klatsch", ״anwiderndes Insekt", ״nimmersatter Geizhals" re. Muß ein nur einigermaßen besser denkender Mensch nicht zurückschaudern vor di es e r Blumenlese roher Ausdrücke? Muß den jüdischen Cultusbeamten insgesammt nicht die Schamröthe in's Gesicht steigen, einen Mann von der ethischen Qualität dieses Notärs als. chren Sachwalter austreten zu sehen? Wie.tief müssen Diejenigen gesunken sein, die einem solchen Anführer Folge leisten! — Im Namen der jüdischen Cultusbeamten protesüren wir feierlichst gegen eine solche Sprache, und kein einziger von uns darf es dulden, dass in seiner Anwesenheit dieser Abschaum des deutschen Wortschatzes Verwerthung finde. Und hat es der Herr Notar aus Stuhl- Weißenburg nicht bedacht, dass er zu Cultusbeamten die Sprache der Cultur sprechen muß, dann überlassen wir ihn seinem Schicksale, gleich dem mit ihm herzlich geeinten Chase:: aus Preßbnrg, der sich in ein gefährliches Netz von Widersprüchen verstrickt hat, von wo er schwerlich unangetastet hervorgehen dürfte. *) Auf eine Polemik mit dem Herrn Notär müssen wir aus doppelten Gründen verzichten; zuförderst, weil geistige Rohheit nur mit gleicher Waffe bekämpft werden muß, welche Waffengattung uns nicht zu Gebote steht, und dann, weil der Wahnwitz bekanntlich auf eine :neritorische Auseinandersetzung nicht eingeht. Unser:: College:: jedoch rufen wir warnend entgegen: ״Hütet Euch vor diesen: falschen Propheten!" Die Ueberzeugungstreue und die Wahrhaftigkeit führen nicht viel Worte in's Gefecht, am allerwenigsten Worte des Hasses und der Zwietracht, um durch Verunglimpfung Anderer die Ausinerksanckeit von der eigenen Schwäche abzulenken; nur Derjenige, der von der Grundlosigkeit seines Unternehmens tief überzeugt ist, wie dieser falsche Notär- Prophet, der muß in die Posaune blasen, um um jeden Preis die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Vom falschen Propheten heißt es: irr כי יקום בקרבך בביא חלם חלום• Der falsche Prophet und der Träumer werden als gleichbedeutend hingestellt. Wir schwanken noch in der Wahl der Kategorie des Herrn Notärs, leben jedoch der sicheren Ueberzeugung, dass seinen wahnwitzigen Träumen ein fürchterliches Erwachen folgen wird. iMUtn uuti Buuulie bei־ Juden im Orient. Von Dr. M. G r ü n w a l d, Großrabbiner von Bulgarien. (Fortsetzung.) Da bis jetzt eine spagnolische Uebersetzung des Machsor nicht besteht, bereiten wir eine solche vor und hoffen dieselbe in einigen Monaten mit der göttlichen Hilfe dem Drucke übergeben zu können. Aber auch eine deutsche Uebersetzung würde den Forscher wie den Culturhistoriker überhaupt ungemein interessiren. Eine schöne Sitte der spanischen Juden ist es, am Freitag Abend derjenigen Woche, in welcher die Trauerzeit um einen theuren Todten zu Ende ist, (also nach 11 Monaten) sich zu dessen Platz in der Synagoge zu begeben und das Lied ״Lechododi" dort anzustimmen. Ein gleiches geschieht am Tage der Jahrzeit, dass die angesehensten Männer der Gemeinde mit dem Rabbiner an der Spitze sich in die letzte Bank begeben — denn diese ist für die Trauernden besümmt, und daselbst das Gebet verrichten. Ueberha:cht ist das Geftihl der Zusammengehörigkeit ein viel größeres als dies bei den Aschkenasim zu bemerken ist. Sie halten sich für eine einzige große Wie sehr sich Herr Bernfeld bereits in dieses Gewebe verwickelt hat, beweist der Umstand, dass er in einer Zuschrift an uns, wie auch im ״Palyazat" seinen früheren Secretär, Herrn Israel, wegen seinen in voriger Nummer dieses Blattes aufgestellten Behauptungen öffentlich der Lüge zeiht und ihm auch die Autorschaft des Bcrnfeld'schen ״Eingescndet" abspricht, während die oberflächliche Vergleichung der beiden Handschriften offenbar die vollste Identität derselben darthut, was auch von Herrn Israel der Wahrheit gemäß behauptet wird. Wie tief muß der Mann gesunken sein, der nur, um seinen persönlichen Ehrgeiz, zu befriedigen, von Jedermann wahrnehmbare Thatsachen als Lüge hinstellt und somit im vollsten Bewusstsein, selbst eine Lüge auszusprechen, einen Anderen öffent.ich der Lüge zeiht. Die Red.

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