Mannheim
Compact Memory

Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1893-10-01 · Heft 23 (1.10.1893) · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 23 (1.10.1893)
Date
1893-10-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/1304829-3453273-3453296--3826-3458223
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Sette 6. Vesterreichisch-ungarische. ^antoren-Aeitung. Nr. 23. An Rosch-haschanah wird der erste Satz des Owinu malkenu ״Unter Vater, unser König" ausgelassen, da der Rosch-haschanah nach Ansicht der Sesardim ein Jom-Tow ״ein guter Tag" ist; man beginnt mit dem Satze en lonu meleck elu ottok ״wir haben keinen König außer dir, von dem wir die Sühne für unsere Sünden erhalten könnten." An allen zehn Bußetagen, den Sabbath Schubah und Erew Jom Kippur mitgerechnet, wird das Gebet, mit Owinu malkenn beginnend, des Morgens und Abends verrichtet. Jozeroth werden sehr wenig gesagt, dafür werden die Gebete laut und vernehmlich und mit Andacht vorgetragen; die bedeutendsten Dichter und Denker Jehuda Halevi uyd Jbn Gabirol kommen zu Worte, und wo diese Heroen des Geistes und des Herzens sprechen, schweigt jede Sinnenlust und erwacht unwilMrlich das Verlangen, ein treuer Diener des Gottes zu sein, dem die unzähligen Welten sich beugen. Nach dem ersten Kaddisch der Selichoth singt der Chasan (in hebr. Sprache) ״Erdensohn! Was bist du so betäubt und schläfrig? Auf rufe deinen Gott flehentlich an, lass sttömen das Gebet, erbitte Verzeihung vor dem Herrn der Herren! Wasche dich und sei rein, zögere ja nicht, bevor die Tage (der Buße) schwinden, gar bald eile zu deiner Hilfe vor dem, der thronet in Himmelshöhen, und vor Frevel und Uebermuth fliehe und fürchte das Urtheil u. s. s." Der Pismon mit den Worten es sckaare rozann le’kiposseack (die Zeit, wo die Thore des Wohlwollens geöffnet werden) beginnend, wird an Erew Jom Kippur des Morgens spagno lisch vorgettagen; an den beiden Tagen des Noschhaschanah jedoch in hebr. Sprache. Folgende drei Sttophen haben mich zu Thränen gerührt, ich kann nicht umhin, dieselben den Lesern vorzufichren: Omar ׳ le’ssorok ki ckamu.dech jizckok, godal ve’lau lomad awaudas sckackak, eieck we’aureku ascker lau ei ckok, omrok le’ckok odaun a’wol al tirckak,onnok je’lii libbock be’el bauteack. Die spaniolische Uebersetzung (die nur einigen wenigen Pismonim beigefügt ist, lautet: Dixö a Sara, tu ijo covdiciado crecio sin saver eomo Korban es älcado, andare por anvesarle 10 ovligado; dixö anda Senor ma non sea alexado, respondiö: en el Dio enfiuziate Sarak. Zu deutsch: Abraham spricht, (nachdem er von Gott den Auftrag erhalten, seinen heißgeliebten Sohn Jsak zum Opfer zu bringen, zur treuen Gattin Sarah, um sie nicht zu sehr zu erschrecken) : Dein geliebter Sohn Jizchak ist herangewachsen, ohne zu wissen, wie das Opfer dargebracht wird, ich will gehen, um es ihn zu lehren. Sarah (deren Mutterliebe unendlich ist, und gleichsam das Unglück ahnend), erwidert dem Gatten: Gehe, doch nicht zu weit. Und Abraham (dessen Herz voll Vaterliebe ist, nnd bereit ist, dem Aufträge Gottes folgend, seinen Sohn Jizchak zum Opfer zu bringen) spricht zu Sarah; Verttaue auf Gott, o Sarah! Doch nicht so lange kann Abraham seinem zum Manne herangewachsenen Sohne Jizchak es verheimlichen, dass dieser selbst das Opfer ist; und Verzweiflung im Herzen und schwer durchwühlt im Innern: Heckin a’ze auiok be’aun wockajil wajalakaud jizckok ke’okdau ajil, waj’ki me’aur jaumom be’enom lojil waka’maun de’moow nauslim be’ckajil, ajin be’mar bauckek we’lew someack. ״Machte er (Abraham) zuerst das Opferholz, und band den Jizchak, wie man einen Widder bindet. Das Licht des Tages ward ihnen zur Nacht, die Thränen rannen mächtig in Fülle, das Auge weinte bitter, doch das Herz war heiter (das Gebot Gottes zu erfüllen). Und die Worte Jizchäks: Sicku leimmi ki, se’ssaunok ponok, kaben a’scker joldok le’sisck’im sckonoh, kojok le’esck ukmaa’ckeles monok, onnok a’wakesck 10k me’nackem opnok, zar li leem tiwkek we’siss’jappeack. Saget meiner Mutter, dass ihre Wonne dahin ist; der Sohn, den sie zu 90 Jahren erhalten, ist ein Raub der Flammen und vom Schlachtmesser vernichtet, wo soll ich für sie einen Tröster suchen, wo? Ach leid, bitter leid ist mir die Mutter, die weinen und jammern wird. Und dazu die Schlußworte Jizchäks: Ckasek we’es jikod je’kaud biw’ssori, kack imcko kanisck’or meefri, wee’maur le’ssorok sek le’jizckok reack. Sei stark und wenn mein Fleisch verbrennt, nimm den Rest meiner Asche (für meine Mutter) und sprich zu ihr: Das ist der Geruch des Jizchak. (Fortsetzung folgt.) Meine Chronik. Wien. Unser langjähriger, hochgeschätzter Mitarbeiter, Herr Rabbiner Wollner, begieng am ersten Rosch-haschanah- Tage den 25. Jahrestag seiner seelsorglichen Wirksamkeit im 8. Wiener Gemeindebezirke, Josefstadt. Niemand hatte eine: Ahnung davon, und als Se. Ehrwürden in seiner FestpredigL mit dem Texte ״Zofe nesaticko lewes Jisroel“. Dieser Thatsache Erwähnung that, war die ganze versammelte Gemeinde freudig überrascht. Nach dem Gottesdienste wurde vom Vor-- stände eine improvisierte Jubiläumsfeier veranstaltet, die, gerade weil unvorbereitet, einen überaus herzlichen Charakter trug. Den zahlreichen Gratulationen, die der rüstige Jubilar noch nachttäglich aus allen Kreisen erhalten wird, schließen auch wir uns an mit dem innigen Wunsche, es möge ihm noch lange vergönnt sein, seinem heiligen Amte in geistiger und körperlicherFrische vorzustehen. Wien, 19. September. Der.״J ud enslinten - Pr o z e.ß", welcher zuerst den Namen A h l w a r d t in größere Öffentlichkeit. gebracht, hat nunmehr seinen erwarteten Abschluss gefunden. Nach einer Leipziger Depesche hat das Reichsgericht die von Ahlwardt gegen das in diesem Verleumdungsprozesse erftoffene Urtheil eingelegte Revision verworfen. Die Sache geht auf den December vorigen Jahres zurück. Am 5. December 1892 überttugen, wie erinnerlich, die Wähler von Arnswalde-Friedberg dem ״Rector aller Deutschen" ihr Reichstagsmaudat; vier Tage später wurde Ahlwardt in dem von der Finna Loewe gegen ihn angestrengten Verleumdungsprozesse der ״Ahlwardt-Flinten" als -,gewerbsmäßiger Ehrabschneider" zu fünf Monaten Gefängnißes verurtheilt. Der Verurtheilte legte beim Reichsgerichte Revision ein. Am 14. December nahm der deutsche Reichstag, von allgemeinen Rücksichten auf die Immunität und die bisherige Praxis geleitet, einen Anttag auf Unterbrechung des Sttafverfahrens gegen Ahlwardt an. Der saubere Herr hatte damals noch einen Sttafrest wegen eines früheren Beleidigungs-Prozesses zu verbüßen und nahm erst am 21. Februar im Reichstage seinen Sitz ein. Bekanntlich errang Ahlwardt trotz des ungeheuerlichen ״Acten"-Scandals im Reichstage bei den Wahlen. im Juni sogar zwei Reichstagsmandate. Mit der Vertagung des Reichstages wurde das Strafverfahren, welches in Folge des Sitzungsbeschlusses vom 15. December vorigen Jahres geruht hatte, wieder ausgenommen, mn nunmehr mit der Verwerfung der Ahlwardt'schen Revision durch die höchstrichterliche Instanz Deutschlands sein Ende zu erreichen. Ahlwardt wird also seine Freiheitssttafe antteten und in der beschaulichen Stille wohlverdienter Haft unerwünschte Muße haben, über weitere Bereicherung jenes Judenverfolgungs-Programmes nachzudenken, womit er vorgestern auf dem norddeutschen Antisemitentage seine Verehrer entzückt hat. Pilsrrr. (Einweihung des neuen israelitischen Tempels in Pilsen.) Die Einweihung des neuen israelitischen Tempels, welche Donnerstag, den 7. September, um 11 Uhr Vormittag stattfand, gestaltete sich zu einer ebenso imposauten als weihevollen Feier. Aus Nah und Fern waren Gäste, .herbeigeeilt, unl dem feierlichen Amte beizuwohnen, und viele

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.