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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1893-10-01 · Heft 23 (1.10.1893) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 23 (1.10.1893)
Date
1893-10-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 23. Oesterreichisch-ungarische Lantoren-Aeitung. Seite 5. Regierung, und gerade dieser Regierung, eine Aenderung der bezüglichen Traditionen herbeizuführen. Zwar ist eine Eonfession, auch wenn sie nicht den recipirten Bekenntnißen angehört, immerhin eine Confessio»,' und es will uns nicht einleuchten, weshalb einer solchen, sei sie. welche sie sei, der ihr gebührende Platz unter den religiösen Verbänden voreuthalten werden solle. Allein wenn das Hofceremoniell bisher nur keinen stichhaltigen Grund hatte, so hat es fortab auch keine Berechtigung mehr. Die gegenwärtige Regierung hat ja mit Zustimmung Sr. Majestät einen Gesetzentwurf über die Reception der j ü d i s ch en Confession im Parlament eingebracht und im Motivenberichte dieser Vorlage heißt es ausdrücklich, dass die Receptionserklärung nicht etwa die Einführung eines neuen, sondern die Legalisirung eines de facto bereits bestehenden Zustandes bedeute. Der Regierung, welche diese Initiative mit Zustimmung der Krone ergriffen hat, würde es wohl zustehen, der jüdischen Confession im Hofceremoniell zu jenem Platze zu verhelfen, der ihr vermöge der großen Zahl ihrer Bekenner, wie vermöge der patriotischen Haltung derselben in ganz zweifelloser Weise gebührt. Von anderer Seite wird hierüber Folgendes gemeldet: Die aus Güns eigelangten directen Nachrichten, sowie die Kundgedungen der Presse stimmen darin überein, dass die von! Kaiser ertheilte Antwort auf die Ansprache des Führers der israelitischen Deputation an Ort und Stelle nicht geringes Aufsehen erregte und vielfach dahin gedeutet wurde, dass dieselbe eine Ver- Warnung oder gar eine Missbilligung an die Adresse der Bekenner der jüdischen Religion enthalte. Verbreitet wurde diese Auffassung mit größter Beflissenheit von jenen Organen der öffentlichen Meinung, welche der Regierung und dem kirchenpolitischen Programme derselben unter den verschiedenartigsten Vorwänden feindselig gegenüberstehen, und verlieft wurde die in Folge dessen entstandene Bewegung durch die Thatfache, dass auch ein der Regierung in der Regel wohlwollend zur Seite stehendes Blatt gleichfalls der vielfach verbreiteten Auffassung Ausdruck verlieh, die Juden seien nicht sonderlich gnädig empfangen worden. Es wurden an diesen Umstand weitreichende Combinationen geknüpft, deren wesentlichste darauf hinauslief, die Regierung habe, um dem katholischen Clerus eine Concession zu machen, auf jenen Theil ihres Programmes verzichtet, welcher die Reception der Juden umfasst, und diese Aenderung sei durch die Rüge des Kaisers angekündigt worden. Das Abenteuerliche und Willkürliche dieser Ansstreuungen ist mit Händen zu greifen. Aber nichtsdestoweniger wurde das Absurdeste geglaubt. Dies veranlasste uns, an zuständiger Stelle Informationen über die wahre Tendenz der kaiserlichen Antwort einzuholen, und die erhaltenen Aufklärungen decken sich vollkommen mit der schon im Mo.rgenblatte vom 16. d. vertretenen Auffassung, dass weder ein Tadel noch eine Rüge, am allerwenigsten eine Drohung beabsichtigt sein konnte und nur gewaltsam in die negative Formulirung der sonst seit vielen Jahren bei solchen Anlässen herkömmlichen Redeformen hineininterpretirt werden. Weder der Monarch noch das Ministerium hatten Ursache, den Juden anders als wohlwollend zu begegnen, und hat sich auch nichts ereignet, was einen Wandel der Gesinnung zu begründen vermöchte. Es ist nach unserem Gewährsmanne unzulässig, davon zu sprechen, dass die Regierung irgend einen Theil ihres kirchenpolitischen Pogrammes preisgegeben habe, und die Bekenner der jüdischen Confession haben nach dieser Richtung gar keine Urfache zu Befürchtungen. Wenn eine Aenderung eingetreten wäre, so hätte man nicht diesen Weg eingeschlagen, um die Wandlung bekanntzugeben. Es deutet ferner auf eine vollkommene Unkenntnis der Verhältniße, wenn angenommen wird, dass das Fernbleiben der jüdischen Deputation in Borossebes an den Glaubensgenossen derselben in Güns vergolten werden sollte. Man hat es lediglich mit einer durch die wirklichen Verhältniße nicht begründeten Missdeutung der kaiserlichen Worte zu thun. Wir reproduciren diese Versicherungen unseres Gewährsmannes ohne jeden Commentar, können jedoch die Bemerkung nicht unterdrücken, dass die ungewöhnliche Fassung der kaiserlichen Worte diejenigen zum mindesten entschuldigt, die in denselben einen ungewöhnlichen Inhalt vermutheten. Die Bewegung unter den Juden Budapests ist eine so intensive, dass eine ans Vertretern der Intelligenz bestehende Deputation der Juden bei dem Reichstags-Abgeordneten der Budapester Leopoldstadt, Moriz M e z e i, erschien und an denselben das Ersuchen richtete, er möge an competeuter Stelle darüber Erkundigungen einziehen, ob besondere Gründe dafür Vorlagen, dass die diesmalige Antwort des Kaisers an die Adresse der bei ihm erschienenen jüdischen Deputation anders lautete, als bei vorausgegängenen ähnlichen Gelegenheiten, ob im consessivnellen Leben der ungarischen Judenschaft Tendenzen zu Tage getreten wären, welche diese Aenderung herbeigesührt hätten. Abgeordneter Mezei erwiderte, dass auch er nicht im Stande sei. irgend ein Moment zu finden, auf welches diese Antwort bezogen werden könnte. Er erblicke daher in der abweichenden Form eine neue Fassung, von welcher er unmöglich annehmen könne, dass sie der Judenschast gegenüber irgend einen Verdacht zum Ausdrucke bringen sollte. Auf das wiederholte und eindringliche Ersuchen der Mitglieder der Deputation erklärte sich Abgeordneter Mezei bereit, zur Zerstreuung der Besorgniße seiner Glaubensgenossen an maßgebender Stelle Informationen einzuhoten. Sitten und Bräuche der Juden im Orient. Bon Dr. M. G r 6 n w a l d, Großrabbiner von Bulgarien. (Fortsetzung.) Obwohl Predigten bei den Spagnolen selten gehört werden, und der Rabbiner nur zweimal im Jahre am Schabbath-Schuba (,121V שבת) und (שבת הגדול) Schabbat hag-gadol zu predigen verpflichtet ist, würde man irren, dass der Rabbiner zu wenig zu sprechen hat; jede wichtigere Angelegenheit wird am Samstag vom Rabbiner erörtert u. z. beim Seser Thora, wo er,- in der Regel als Dritter (שלישי). Z״r Thora gerufen wird. Ich m!!ß gestehen, dass diese Art zur Gemeinde zu sprechen, mir sehr zusagt und der Eindruck entschieden beim Publicum ein nachhaltigerer und wirkungsvoller ist. wenn das geistliche Oberhaupt, die heilige Thorarolle, das älteste Document echter Civilisativn, vor sich sehend, das Wort ergreift, um die Herzen der Zuhörer für die heilige Sache zu gewinnen. Besonders an den heiligen Festtagen, am Rösch haschanah und Jorn Kippur, wo jedes jüdische Gemüth empfänglich ist für alles Gute, zeigt sich die Macht des Wortes am glänensten; wenn die Rede dem Herzen entspringt, dringt sie auch in das Herz der Zuhörer ein, wie schon unsere Weisen bemerken deworim hajauz’im min halew nicknossim el halew. Der Schofar ist hier in Regel in der Form eines Widder- Horns und die Farbe desselben ist schwarz. Außer den 30 Tönen schlauscliini kaulauth, die nach dem Verlesen des ThoraAbschnittes geblasen werden, wird, während die Gesummtheit das Mußafgebet für sich in Stille belachasch sagt, an geeigneter Stelle, in den Schofar geblasen u. z. bei denselben Stellen, wo man bei den deutschen Inden (Aschkenasim) beim lauten Recitiren des Chasan den Schofar ertönen lässt. Den Eindruck, den das plötzliche Ertönen des Schofar, während man in stiller Andacht sein Gebet zum Allvater richtet, macht, ist ein mächtiger zu nennen : er rüttelt Einen förmlich aus dem geistigen Schlummer und fordert zur Selbstprüfung und zur Demuth vor Gott auf. Man merkt es dieser Sitte an, dass sie eine alte Tradition des Morgenlandes ist, dass sie geeignet ist, durch den Körper auf die Seele und das Gemüth zu wirken. Nach Schluß des Mußafgebetes werden noch 60 Schofartöne gehört, um den Satan in die Irre zu fuhren Ivde learwew hassoton.

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