Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 23 (1.10.1893)
- Date
- 1893-10-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4. Gesterreichisch-ungarische, Lantoren-Aeitlmg. Nr. 23. Leitarükel mit den vorstehenden Zeilen vergleicht, wird uns hierin vollkommen beipflichten. Herr Obercantor Bernfeld mag sich drehen und wenden, wie er null, er wird uns.nicht von der Ueberzeugung abüringen, dass er durch die von ihm unterstützte Bewegung Zwist und Hader in die Reihen der Collegen bringt und damit ein Unrecht an seinem Stande begeht. Ans eine Polemik mit dieser Erwiderung können wir uns also nicht einlassen, aber auf einige Bemerkungen, als den Thatsachen nicht entsprechend, müssen wir dennoch reflectiren. Wir verwahren uns entschieden dagegen, dass jemals in einer Versammlung des Cantoren-Vereines die polnisch-ungarischen Ehasonim die Zielscheibe des Spottes und Witzes gewesen sind. Ob conservativ oder fortschrittlich, ob Cantor oder Chasan, ob deutsch, böhmisch, polnisch oder ungarisch, jeder College ist nns und allen unseren Vereinsgenossen jederzeit gleich lieb und Werth gewesen, und ein Vorwurf, der so sehr den Stempel der 1111־ Wahrheit und Unwahrscheinlichkeit an der Stirne trägt, hätte aus dem Munde eines Mannes, der wahre Frömmigkeit für sich in Anspruch nimmt, unterbleiben sollen. Unrichtig ist ferner auch, dass die Bildung einer Cantorenschule der Hauptgegenstand der Berathung war, richtig ist vielmehr, dass die Gründung einer Pensionscassa nach wie vor vom Cantoren-Vereine in erster Linie angestrebt wird. Zur weiteren Charakteristik der geistigenOualitäten der Führer der ״Bewegung" und der bereits bemerkbaren Zersetzung innerhalb derselben diene noch die Thatsache, dass Herr Heinrich Israel, Secretär und Factotum des prov. Präses, den wir auch persönlich kennen zu lernen Gelegenheit hatten, in einer Zuschrift jüngsten Datums sich als Verfasser der voranstehenden Erwiderung des Obercantor Bentfeld bekennt und wegen deren mangelhafter Abfassung um Entschuldigung bittet. Nach zweimaliger Versicherung, dass Herr Bernseld nur den Frieden wünscht und froh wäre, wenn auch wir ihm mit friedlichen Gesinnungen entgegenkämen, fährt der Briefschreiber endlich fort: ״Ganz unliebsam kam auch uns die jüngste Nummer des ״Palyazat", in welcher der Friedmann nur dumm und derb war. Herr Bernfeld ersuchte mich, Ihnen mitzutheilen, dass er an dieser Antwort nicht theil hat, sogar dieselbe sehr vernrtheilt, und dass Sie gefälligst den Verein mit Friedmann nicht identisiciren sollen. Meinerseits kann ich Sie berichten, dass ich mit Herrn Bernfeld sehr viel darüber gesprochen habe, und wem! Ls nur möglich ist, wird ein Ausgleich zwischen Ihrem Verein und dem werdenden zu Stande kommen ..." Eines Commentars zu den vorangehenden Enunciationen gruben wir füglich enthoben zu sein. Jeder einsichtige Leser wird sich nunmehr leicht selbst ein llrtheil bilden, wohin diese Bewegung führt, und wie man in anständigen Collegenkreisen über den ״Palyazat" und dessen sauberen Herrn Nedacteur denkt. Der Kaiser in Ungarn. Gelegentlich der Anwesenheit Sr. Majestät des Kaisers und Königs bei den Manövern in der Umgebung von Guns wurde unter anderen auch die Deputaüon der israelitischen Glaubensgenossen jenseits der Donau empfangen, wobei Se. Majestät an die Delegirten eine Ansprache richtete, die im Lande große Aufregung hervorries und auch zu mannigfachen Discussionen und Vermutungen Anlass gab. Die Deputaüon der Israeliten bestand aus folgenden Mitgliedern : Heinrich Rosenberg, I. M. Deutsch, Dr. Felix FeldmaM, ־ Wilhelm Guttmann de Gelse, Rabbiner Dr. Eduard Neumann aus Groß-Kanizsa, Rabbiner Dr. Emannel Herzog aus Kaposvar, Alexander Leopold, Rabbiner Dr. Samuel Perls aus Fünf- Archen und Rabbiner Dr. Simon Ungar aus Szegzärd, Dr. Josef Ligeü, Rabbiner Dr. Jacob Steinherz aus Stuhlweißenbürg, Ignaz Schreiber und Rabbiner Dr. Armin Schnitzer aus Komorn, Dr. Wilhelm Goldschmidt, Ferdinand Neumann, Dr. Eduard Viola aus Steinamanger, Ignaz Steiner, Dr. Adolf Winkler aus Oedenbnrg, Popper und Rabbiner Dr. Mark. Wiener aus Güns, der Abgeordnete Julius Rosenberg und der Großgrundbesitzer Sigmund Pick de Nemesdömölk. Rabbiner Dr. Bernstein hielt folgende Ansprache: Kaiserliche und apostolisch königliche Majestät! Allergnädigster Herr! Die Delegirten der israelitischen Cultusgemeinden jenseits der Donau erlauben sich allerunterthänigst vor dem väterlichen Antlitze Ew. Majestät zu erscheinen, um ihre kindliche Huldigung auszudrücken und den Tribut ihrer unbegrenzten homagialen Anhänglichkeit auf den Stufen des allerhöchsten Thrones Ew. Majestät niederzulegen, um ihrem unendlichen Danke bescheidensten Ausdruck zu verleihen, von welchem sie gegenüber ihrem erhabenen Herrn und König erfüllt sind, der nicht allein der allerhöchste väterliche Beschützer ihres Glaubens ist, sondern auch deren Entwickelung und deren Gedeihen mit seinem sanktionirenden Willen allergnädigst fördert. Wir stehen auch an dem Throne Ew. Majestät, allerhöchst Dieselben wollen auch in Hinkunft Ihren treuen israelitischen Unterthanen die belebende und beglückende allerhöchste Gnade nicht entziehen, die jederzeit bereit sind, wenn es nothwendig, ihr Leben und ihr Blut für König und Vaterland zu opfern, und ihr heißes Gebet steigt unaufhörlich zur Allmacht des Himmels um den Segen und um das Glück auf das gesalbte Haupt unseres erhabenen Königs und auf sein erhabenes Haus, einer Seele und eines Herzens ausrufend: Es lebe der König! sLanganhaltende Mjenrufe.j Se. Majestät antwortete: . , ״Mit Befriedigung sehe Ich auch die Abgesandten der '׳israelitischen Glcknbensgemeinden jenseits der Donau' in^ der Reihe Derer, die die Zeit Meines Hierseins dazu benützten, ihre Huldigung zu bezeugen, und da Sie Ihre treuen Gefühle betonen, vertraue Ich gern der Aufrichtigkeit derselben, und wie Ich daran nicht Zweifle, werden Sie nie Gelegenheit dazu bieten, dass Ich Meine Gnade und Meinen Schutz Meinen treuen israelitischen Unterthanen entziehe." (Lebhafte Lljenrnfe.) . ־ ־ Der ״Pester Lloyd" stellt in seinem Berichte über den Empfang der Deputationen folgende Betrachtungen an: ״Auffallend durch die Kühle des Tones ist die Ansprache des Königs an die A b o r d n u n g der israelitischen Ge m einde n, welche diesmal wieder nicht. in der Reihe 1)er Confessionen, sondern ganz zuletzt empfangen wurde und der gegenüber Se. Majestät der König die Erklärung abgab, er zweifle nicht, 'dass diese Confession ihm niemals Gelegenbeit bieten werde, seinen treuen israelitischen Unterthanen seine Gnade und seinen Schutz zu entzieheg. Solch ein Zweifel — wir sind fest davon.überzeugt — ist an allerhöchster Stelle nie gehegt worden, denn die mustergiltige'Patriotische Haltung der israelitischen Confession hat nie auch nur die geringste Veranlassung zu solcher Skepsis gegeben. Diese Confession hat sich׳ den Geboten, der nationalen Wohlfahrt, des Religionsfriedens und der staatlichen Würde stets mit der größten Hingebung untergeordnet; und wenn der König in Güns die Zuversicht ausgesprochen hat, dass sie sich seines Schutzes und seiner Gnade nie unwürdig erweisen werde, so ist diese Erwartung eine durch die bisherigen Erfahrungen durchaus gerechtfertigte. Auffällig ist nur, dass diese Erwartung diesmal in die sonderdare Form eines negativen Zweifels gekleidet war. Vielleicht steht dies in einem uns allerdings nicht bekannten Zusammenhänge mit dem Anspruch, den die israelitiche Confession erhebt, bei feierlichen Huldigungen vor Sr. Majestät in der Reihe der Confessionen empfangen zu werden. Dieser Ansprnch ist nun in Güns abermals unberücksichtigt geblieben. Sr. Majestät der König pflegt unseres Wissens aus derlei rein formale Einzelheiten des Hofceremoniells keinen Einfluß zu nehmen. Aber allerdings wäre es dort, wo es sich um Anordnungen von princ i p i e l l e r Bedeutung handelt, Aufgabe der u n g a'r i s ch e n