Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 23 (1.10.1893)
- Date
- 1893-10-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 23 Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. Seite 3. sein,'Ihrem gottgefälligen Wirken und Schaffen unsere vollste Theilnahme und das wärmste Wohlwollen entgegenzubringen." Ihr ganz ergebenster Dr. Raphael Goldberg. Budapest, 27. September 1893. Wollte man dieser Enunciation, als . vom Präses des Cultusbeamten-Vereines ausgehend, eine gewisse Voreingenommenheit beilegen, so lassen wir im Nachstehenden die Worte eines Mannes hören, der gewiss der gesammten Bewegung nicht unsympathisch gegenüberstand, denn er nahm an derselben theil und wurde in der Pester Versammlung zum Vice-Präsidenten des neu zu gründenden Vereines gewählt. Herr Obercantor Rosenzweig in Abony schreibt uns: ״Geehrte Redaction! Ich muß Ihnen meine Anerkennung für den Artikel betreffs - des ״Palyazat" in Ihren: letzten Blatte aussprechen, verdamnie aber gleichzeitig die Antwort des ״Palyazat", denn in solchem Tone schreibt kein anständiger Mensch. Ich bedaure sogar, dass ich mich als Vice- Präsident der sogenannten ״Bewegung" wählen ließ, und war nur deshalb anwesend, um für eine etwaige Vereinigung thäüg zu sein. Mit collegialem Gruße Leopold Rosenzweig." Um unsere vollste Unparteilichkeit zu documentiren, wollen wir auch eine Erwiderung, die uns Herr Obercantor Bernfeld in Preßburg zusandte, im Nachstehenden veröffentlichen: ״Hochgeschätzter Herr Redacteur! Ich hätte auf Ihren Artikel in der jüngsten Nummer Ihres geschätzten Blattes, in welchem Sie mich und den von mir gegründeten neuen Verein zur Zielscheibe Ihrer Angriffe machen, Vieles zu antworten gehabt, aber ich will mich in meinen Zeilen blos auf meine Vertheidigung beschränken, ohne auf die Angriffe selbst einen Wiederangriff als Antwort zu senden, weil ich erstens, geehrter Herr Redacteur, stets Ihr aufrichtiger Freund war und sein werde, auf jener Sitzung nichts Nachteiliges über Ihre Person und über Ihr Wirken gesprochen habe, :nein Gewissen in dieser Hinsicht also vollkommen beruhigt ist. Zweitens glaube ich aber, dass, wenn wir schon auf diesem Gebiete auch disputiren wollen, dieses nicht vor die. Oeffentlichkeit gehört, und dass wir dies, wie zwei andere Freunde auf privatem Wege abwickeln können. Sie schreiben, dass man mich wohl kennt, aber nur auf dem Papier, wo es sich handelte, auf wohlthättge Zwecke zu spenden, da war ich nicht dabei. Nun, es ist nicht schön, dass ich dies dementirend, mich selber rühmen soll, aber ich stütze mich hiebei auf eine Tallnudstelle, wo es ausdrücklich heißt: Auf einem Platze, wo man den Menschen nicht kennt (ich möchte sagen, nicht anerkennt) darf er seine geisttge Vorzüge erwähnen. Es ist wahr, dass in den Zeittmgen wenig von meinen Spenden stand, weil ich mit meiner Wohlthätigkeit nur fremdes Elend lindem, nicht aber meinem Namen einen guten Ruf verschaffen will. Ja verhältnismäßig gebe ich gottlob mehr als Ihr Verein, denn Ihr Verein gibt nicht von der Tasche eines Einzelnen, sondern von der Gesammtcaffa und gibt den Untersttitzten beinahe nur das zurück, was er eingezahlt hat. Und hat auch der Betreffende diese Summe, die er bekommen, auch nicht selbst eingezahlt, so haben dies seine Brüder für ihn gegethan. Ich aber — und das können viele Hunderte Cantoren und Schächter Oesterreich-Ungarns, Russlands und Deutschlands bezeugen — gebe dem zu mir kormnenden armen Bruder מטא רפא ושולחן und Geldunterstützung, und selten der Tag, wo ich hier zum Ausüben solcher Mizwos keine Gelegenheit hätte. * Ich halte viel schöner diesen Weg der Wohlthätigkeit als jenen, auf welchem man bei einer Collecte in der Zeitung hoch oben glänzt, aber vor dem Armen, der an der Thüre klopft, sich verläugnen lässt. Weiters schreiben Sie, dass bei unserer Sitzung selbst die Person des seligen Professors Friedmann nicht geschont wurde; da muß ich aber schon ganz derb werden und heraussagen: wer Sie so grundfalsch berichtet hat, wollte Sie geflissentlich irreführen durch eine gewöhnliche Lüge. Es hat von seiner Person überhaupt Niemand Erwähnung gemacht nur ich, meine Worte aber (jeder Anwesende kann es ja bezeugen) enthielten nicht etwas anderes als, dass der selige Professor mich persönlich aufforderte, seinem Vereine beizutreten, ich weigerte mich aber, dies zu thun, weil ich mit der Richtung des Vereines nicht ganz einverstanden war. In einigen Jahren erhielt ich vom seligen Friedmann ein Schreiben, in welchem er mir gratulierte zu meinem richtigen Urtheil und meine Ansichten — natürlich zu spät — für richtig erklärte. Diesen Brief habe ich noch. Ich war mit dem seligen Professor auf sehr intimem Fuße und könnte von ihm um keinen Preis etwas anderes, als Rühmenswerthes erzählen. Und endlich Ihre Bemerkimg, dass die heute den Unzufriedenen spielen, hätten auch im Rahmen der bestehenden Vereinigungen genügend Gelegenheit zu wirken. Geehrter Herr Redacteur, da sind Sie im Jrrthum. Hätte man die Soldaten, deren Rollen am Ende auch sehr wichtig sind, da man ohne sie nicht siegen kann, nicht stets zur Seite geschoben und an ihnen ganz unberücksichtigt vorübergegangen, würden sie nie Lust bekommen, Feldherrn sein zu wollen. Ja ich selbst kann das bezeugen. Ich will Ihrer Zuvorkommenheit, dass Sie meinem Gedächtniße zu Hilfe kommen wollen, mit Gleichem vergelten. Erinnern Sie sich, dass bei der Sitzung in Wien, wo Sie den österr.-ungar. Cmttoren-Verein gründeten, ein Redner aufstand, der die poln.-ungar. Chasonim zur Zielscheibe seines Hohnes und Spottes stellte, ihre Faxen nachahmte und lächerlich machte- Sie warm es nicht, geehrter College, aber bei der Sitzung waren Sie auch anwesend! Und mm wie ist mir freier Raum zum Wirken gegeben, wenn ich schon im vorhinein lächerlich gemacht worden bin. Und wenn ich einen Unterstützungs-Verein für meine armen Brüder gründen will, zu diesem Zwecke nach Wien zu einer Sitzung fahre, dort aber über das Gründen einer Cantoren-Schule verhandelt wird, dann sollen Sie sich nicht wundern, wenn es Unzufriedene gibt, da sollen sie sich nicht wundern, wenn ich lieber einen solchen Verein gründm will, wo man nur die Unterstützung, nämlich die Gründung eines Pensionsfondes vor Augen hatte und wo man bei den Sitzungen sagen kann, wir alle sind ein Volk von Brüdern, wo vollständige Gleichheit und Brüderlichkeit herrscht — und hoffe, dass auch herrschen wird — wo im Umgang kein Unterschied ist zwischeü Chasen, Cantor oder Schächter. Und indem ich Sie um meine vermeintlichen Angriffe gegen Sie um Entschuldigung bitte, nehmen Sie noch zur gefl. Kenntnis, dass ich nicht das kleinste Interesse bei dem Vereine habe, als das Wohl meiner Brüder. In der Hoffnung, dass Sie meinen Zeilen gefl. Raum geben werden, zeichnet mit collegialem Gruß" Ihr Freund Moses Bernfeld, Obercantor der orth.-isr. Gemeinde zu Preßburg, prov. Präses des neuen ung.isr. Bcamtenvereines. Diese Erwiderung entkräftet nicht ein einziges der von uns in voriger Nummer angeführten Argumente, und wer unseren