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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1893-09-15 · Heft 22 (15.9.1893) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 22 (15.9.1893)
Date
1893-09-15
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. Oesterreichisch-ungarische Lantoren-Aeitung. Nr. 22. im Sinne der Eingabe des Cantoren-Vereiues die Cantoren unter die Religionsdiener und enthält bezüglich derselben folgende Bestimmungen: § 61. Der Cultusvorstand ernennt Vorbeter (Cantoren) für die Functionen in den Gemeinde-Bethäusern.— § 62. Als Cantoren können nur solche Personen angestellt werden, welche die Eignung zu ihrem Berufe durch öffentliche Zeuguiße oder durch ihre in anderen Cultusgemeinden geleisteten ' Dienste oder durch Probevorträge darthun. Der Wirkungskreis der Cantoren besteht im Versehen des öffentlichen Gottesdienstes in den Gemeinde-Bethäusern in Gemäßheit der in denselben eingeführten Gottesdienstordnung und in der erforderlichen Mitwirkung bei den außer den Bethäusern üblichen religiösen Acten. — Hinsichtlich ihrer Bestellung, ihrer Rechte und j Pflichten, ihrer Peusionirung, Qniescirung, Enthebung und ן Entlassung, sowie hinsichtlich ihrer disciplinaren Behandlung haben die für die Religionsdiencr geltenden Bestimmungen (M 69, 73, 74 und 79) Anwendung zu finden. Wien. Man war bisher in Zweifel, wie alt der Gebrauch des Taktstockes ist. Ein französisches Blatt schreibt dessen Einführung dem Compvnisten L u l l i zu. Früher leiteten die Dirigenten ihre Musiker, indem sie mit dem Fuße oder den Händen den Takt angaben. Lulli soll es für zu ermüdend gehalten haben, mit dem Fuße auf der: Boden zu treten und statt dessen zuerst mit einem nicht weniger als sechs Fuß langen Stock auf dem Fußboden den Takt geschlagen haben. Aber Lulli hatte mit dieser seinen neuen Erfindung kein Glück. Eines Tages schlug er sich mit dem Stock auf den Fuß und brachte sich dadurch eine so schwere Wunde bei, dass diese seinen Tod' herbeiführte. HollefÄzau, 3. September. Unser Städtchen, das eine der ältesten jüdischen Gemeinden Mährens beherbergt, feierte heute die Einweihung eines neuen Tempels. Das alte Gotteshaus stammt aus den: 16. Jahrhundert. Zu seiner-Erbauung halten die Canonici der Kremperer St. Mauritiuskirche aus dem Vennögen des Domcapitels eine größere Summe geliehen, die in Raten gezahlt werden sollte, die letzte dieser Raten wurde im Jahre 1845 gezahlt. Schon damals machte sich das Bedürfnis nach einem größeren Tempel geltend. Gestern nun nahm die Gemeinde Abschied vom alten Tempel, um heute in den nenen einzuziehen. Der Weg vom alten zum neuen Tempel war durch Flaggen und Festons geziert. Der neue Tempel ist ein prächtiges, freistehendes Gebäude nach dem Plane des Architekten Gärtner aus Wien, (eines gebürtigen Prerauers) nach maurisch-byzantinischen Motiven gebaut. Mehr als 2000 Personen j wohnten diesem festlichen Acte bei. Längs des Weges bildeten die Feuerwehren Spalier; das Baucomitö, eine Musikcapelle, die Schuljugend eröffneten den Zug, dann kamen die Gemeindeältesten mit der Thora, die Vertreter der Behörden, Bezirks- Hauptmann W a ch a, Bezirksrichter Dr. G r o h mit zahlreichen Beamten, Deputationen von Cultusgemeinden u. f. w. Auf dem Festplatze hatten sich die Grafen W r b n a und C h o r i n s k y eingefunden. Dann folgten die Uebergabsceremonien. Bezirks- Hauptmann W a ch a eröffnete den Tempel und hielt eine Ansprache, in der er unter anderem sagte: ״Möge dieser herrliche und erhabene Bau ein Wahrzeichen der Gleichheit aller Völker und Confessionen unter dem Schutze unseres erhabenen Monarchen für alle Zukunft bleiben, möge er ebenso wie bisher der bescheidene alte Tempel als eine liebe Pflegestütte Ihrer.religiösen Pflichten und patriotischen Gefühle dienen." Dann folgte die Grundsteinlegung. Die Weihe des Hauses sprach Rabbiner Dr. Frankl-Grün aus Kremsier. Die Volkshymne und ein Gebet schlossen die Feier, ein Banket und ein Tanzkräuzchen beendeten den festlichen Tag. Prag, 3. Sept. Heute fand die constituirende Versanunlung, der czechifch-jüdischen nationalen Liga statt, an deren Spitze Dr. Zucker, Abgeordneter Zalud und Dr. Scharf stehen. In Wien soll ein Zweigverein, in Prag ein Wochenblatt als Vereinsorgan gegründet werden. Pilsen. In besonders feierlicher Weise hat am 7. Sept. die Einweihung der neuen Synagoge stattgefunden. Ausfiihrlicher j Bericht in nächster Nummer. i Lemberg. Die Juden Galiziens sind in gehobenster Stimmung, denn auch sie sind beschienen von der Gloriole, welche unser Kronland von der kaiserlichen Gnade und Huld umgibt, die der Monarch in so reichem Maße gespendet. Bei allen Aufwartungen wurden auch die Vertreter der Judenschaft von Sr. Majestät in huldvollster Weise ausgezeichnet und mit Ansprachen beehrt, und zwar in Przemysl der Repräsentant der israelitischen Cnltusgemeinde Bau m f e l d, in Stryj der Cultusvorsteher Gelerner und der Landtagsabgeordnete Dr. F r u ch t m a n n. Malarzka. Fräulein Rosa Rose n st e i n, Tochter des hiesigen Cantors, hat sich mit Herrn Lazar Bein aus Gödöllo! verlobt. j Budapest. Der in einer Fleischbank in der Königsgasfe als Schächter bedienstete Salomon W el lisch hat eine riesige Erbschaft von nicht weniger als elf M i l l i o n e n gemacht. Sein Bruder, Simon Wellisch, ist vor mehr als 40 Jahren nach Amerika ausgewandert und hat dort ein riesiges Vermögen erworben. Später ließ er sich in Manchester nieder, wo er ohne Erben verschied. Er hinterließ sein Vermögen von elf Millionen seinem Bruder. Die Nachlassenschaftsverhandlungen sind gegenwärtig im Zuge. Va;a. Die Frau Oberrabbiners-Witwe Eva Nascher, welche, wie bereits in diesem Blatte gemeldet, im Bade Palics im Kreise ihrer von der Ferne herbeigeeilten Kinder starb und am 6. August l. I. unter Theilnahme einer üef erschütterten Familie, großen Trauergemeinde und Gesammtheit edler Frauen in Baja an der Seite ihres ihr im Tode vorausgegangenen großen Gemahls, des sel. Oberrabbiners R. Moises Nascher, ihre letzte Ruhestätte gefunden hatte, erfreute sich in weiten Kreisen der Liebe und des Ansehens. Nicht nur verherrlichten das Trauerfest der Verklärten ergreifende Lieder des Ober-Cantors Berger und tiefempfundene, erhebende Worte des Gedächtnisses vom Rabbiner Dr. Adler, sondern es widmete der theuersten Mutter und treuen Beschützerin auch der älteste Sohn derselben, Oberrabbiner Prof. Dr. S. Nascher, eine der Tiefe des Herzens und Schmerzens erflossene Rede. Die isr. Gemeinde uitb der isr. Frauenverein in Baja, dessen Ehrenmitglied die Verblichene war, die isr. Gemeinde in Ung. Brod (Mähren), wo der sel. Oberrabbiner Moises Nascher lange Jahre des Rabbinats in hohen Ehren gewaltet hatte, hervorragende Preßorgane des Judenthums, sämmtliche Mitglieder der weitverzweigten Faniilie und zahlreiche Persönlichkeiten von Nah und Fern drückten in wehmuthsvvller und zartsinniger Weise aus, wie unersetzlich der Verlust ist, den Familie und Gemeinde in Israel durch den Tod der edlen Frau und Mutter erlitten hat. Durch echt weibliche Tugenden, Familiensinn, milde Fürsorge bei der Erziehung der Kinder, wahre und tolerante Frömmigkeit, im Stillen geübte Wohlthätigkeit hat die Verblichene vorbildlich gewirkt, welche an der Seite ihres sel. Gemahls und auch nach dem Ableben desselben eine Zierde ihres Standes war. Dem Vaterlande und der Glaubensgemeinschaft war sie mit ganzem Herzen ergeben, voll Reinheit des Herzens und Frische des Geistes. Unter ihren Söhnen nehmen in Wien hochgeachtete Stellungen ein Direktor C. S. Nasär, Prof. E. Nascher und Hoflieferant John Nascher. Als Tochter des als talmudische Autorität berühmten R. B. Simandl, Oberrabbiners von Stadt und Comitat Lipto Szt. Miklos, des Verfassers des Werkes ״Minchath Am," als Enkelin des großen R. Sinai (Landes) und des unvergesslichen R. Samuel Kohn, Gutsbesitzer von Batic-Vasvary, der mit dem Glanze der Gottesgelehrsamkeit auch den der sozialen Stellung 1!nd Wohlthätigkeit verband, war die Heimgegangene in Gesinnung und Leben ihrer ausgezeichneten Familienherkunft vollkommen würdig. Ihr Name möge stets gesegnet bleiben! Bunzlan. In unserer Nachbargemeinde Haynau fand am 5. Sept. die Einweihung der monumentalen, neuerbauten Synagoge statt. Die dortige Gemeinde, wie auch auswärtige ehemalige Gemeindemitglieder haben das Gotteshaus herrlich ausgeftattet, und deren Opfersinn bleibt rühmenswerth. Zu der j Feier waren außer den Herren Rabbinern und Cantoren viele! Honorationen aus Stadt und Land und mehrere Synagogen-

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