Mannheim
Compact Memory

Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1893-09-15 · Heft 22 (15.9.1893) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 22 (15.9.1893)
Date
1893-09-15
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/1304829-3453273-3453295--3814-3458210
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 22. Gesterreichisch-nngarische Lantoren-Zeitimg. Seite 3. gesellschaft beigestellt. Facade und Inneres sind reich und! stylgemäß polychrom bemalt und mit zahlreichen Bibelsprüchen! beschrieben. Als äußerst praktisch werden sich die beiden im j ersten Stockwerke oberhalb der Frauengalerien rechts und links erbauten offenen Veranden erweisen, welche an hohen Feiertagen während der gottesdienstlichen Pausen den Frauen einen angenehmen, luftigen Aufenthalt bieten und ihnen das lästige Herumgehen auf der Straße ersparen. An der Spitze des Baucomites stand der Obmannstell- Vertreter des Vereines, Herr Ignaz Zolles: diesem wackeren Manne, der mit ganzer Hingebung sich in den Dienst des heiligen Unternehmens gestellt hat, gebührt die vollste stirerkennung, und dass das Werk bis in das kleinste Detail so vollauf gelungen, ist nächst dem genialen Architekten und Bauleiter, Herrn Baurath Wilhelm Stiaßny, ihm zu verdanken. Die Ballmeisterarbeiten wurden voll dem Stadtbau- Meister Kart Mayer, die Malerarbeiten von Josef H o t t, die Bildhauerarbeiten von Wenzl, die Allstreich erarbeiten von W a k l e r ausgeführt. Die Baukosten betrugen 65,000 fl. und zuzüglich des Baugrundes rmd der sonstigen Spesen 90,000 fl. Das erforderliche Ballkapital wurde durch Spenden, Sammlungen, sowie durch eine Lotterie aufgebracht, zu welch' letzterer der Kaiser den Haupttreffer gespendet hatte. In der kurzen Zeit von sechs Monaten (die Grundsteinlegung erfolgte am 5. Mürz d. I.) ist der reich und geschmackvoll und mit allen modernen Erfordernißen ansgestattete Bau, dank den! unermüdlichen Fleiße des Architekten, vollendet worden. Die Schlußsteinlegung und Einweihung des Gotteshauses wurde Freitag den 8. September in ungemein festlicher und würdiger Weise vollzogen. Der imposante Kuppelbau trug reichen Fahnenschmuck in beit Farben des Reiches, des Landes und der Stadt. Die Synagoge war voll Andächtigen dicht gefüllt und bot einen überaus freundlichen Anblick. Kurz vor 10 Uhr fanden sich in rascher Folge nachfolgende Festgäste ein, die über Einladung des Comites ihre Namen in das allfliegende Ehrenbuch eintrngen: Als Vertreter des Statthalters Statt- Haltereirath Freiherr v. M a r x, als Vertreter der Stadt Wien Vizebürgermeister Dr. G r ü b l, von der israelitischen Cultnsgemeinde Vizepräsident S i m o n, David Ritter von G u t m a n n, Emannel Baum garte n, ferner Polizeirath W a ch l e r, Reichsrathsabgeordneter Dr. B l 0 ch, die Gemeinderäthe Djörup, L a n g, C. I. M ü t l e r, Seite r, T a g l e i ch t, Bezirks- Vorsteher M n m b, die Bezirksausschüsse Leop. M a y e r und Ferdinand C s o l n a y, ferner die Vorstände der türkischen Cultusgemeinde Marcus M. R u s s o und Licco A d u t t. Delegirte der Cultusvorstehungen von Baden, Wiener-Neustadt, der Wiener Bethausverein von der Landstraße, Mariahilf mid Alsergrund. Die Rabbinen Dr. Wolf, Dr. Gelb h a u s, S o r, Reich und Chacham A l k a l a y. Die Cantoren G o l d st e i n, B a u e r, B l a t t, Klüger, W i t t m a n n, L ö w i t, W e i nb e r g e r, P e k a r n i k. Ferner sah man den Oberbailrath T a u s s i g, Regierungsrath S ch ö n, Kammerrath B o g e l, die Architekten Z i f f e r e r, Fleischer und M oder n, Kommerzialrath Stiaßny, eine Deputation des kaufmännischen Unterstützungsvereills ״Osten", den Sekretär der Wiener israelitischen Cultusgemeinde Dr. Lieben, Direktor Heller von! Blindeninstitute, Director Fischer vom Taubstummeninstitute, sowie die Mitglieder des Baukomittzs und des Vereins ״Beth Israel". Die Weihe wurde mit dem Snlzerischen ״Mah-Towu" eröffnet, den Obercantor M. S ch o r r mit dem von ihm selbst einstudirten Tempelchore vortrefflich zu Gehör brachte. Die schöne, klangvolle Baritolistimme des Cantors, die den großen Raum bis in die äußersten Ecken mächtig erfüllte, sowie das exacte Zusammensingen der Meschorerim beweisen, dass der Tenrpelverein Beth Israel an Obercantor Schorr eine ansgezeichnete Acquisition gemacht hat. Als die letzten Töne des Mah-Town verklungen waren, bestieg Herr Ignatz Zolles die Kanzel und hielt folgende Ansprache: H o ch a n s e h n l i ch e Ver s a m m l u n g! Innigsten Dank den werthen Festgästen, herzlichsten Gruß den Damen nild Herren, die hier erschienen sind, Zeuge zll sein dieser Feier zur Ehre Gottes, zur Ehre unseres Glaubeils, der Jahrtausende überdauernd, Jahrtausende fortbestehen wird. Glanz und weihevoll erhebt sich dieses Haus Gottes, worin fortan nach den Satzungen nnb Gebräuchen unserer Väter und Ur- Väter die glaubensfromme Gemeinde zu ihrem Gotte beten wird, und mit dem Gefühle befriedigter Genugthnung senken wir nun den letzten Stein iit sein Gefüge, als Abschluss eines Werkes, worin künstlerische Hingebung und Opferwilligkeit gleich freudig mitgethan. Aber nicht etwa als ein Bollwerk finsterer Zelotie wurde dieser Ban geschaffen, sondern als eine freundliche, sonnige Heimstätte unserer uralt geheiligten Glaubenslehre, die trotz schwerer, endloser Anfechtungen immer gleich mächtig und lebensvoll fortblüht. Und dass dieses Hans Gottes so stattlich erstanden ist, verdanken wir der unerschöpflichen Gnade unseres allgütigen Monarchen Sr. Majestät des Kaisers Franz Josef 1., der durch eine fürstliche Spende für diesen Bau auf's diene geoffenbart, dass sich alle Völker des Reiches, welchem Glauben sie auch zugethan sein mögen, seines Schutzes und seiner Väterlichen Huld in gleichem Maße erfreuen. Mächtig gefördert wurde dieses Werk auch durch die hohe Regierung und die Behörden, die durch die Bewilligung einer Lotterie dem Baufonde bedeutende Mittel zuführten, durch unsere verehrliche Cultusgemeinde, die unser frommes Werk pecuniär wie moralisch unterstützte, durch die Stiftung von fl. 25000 des verewigten Hr. Hermann Hescheles, durch zahlreiche Spenden und Liebesgaben unserer Glaubensgenossen. Glänzend hat sich der Gemeinsinn und die Zusammengehörigkeit aller unserer Stammesbrüder bethätigt und das Znsammenstrvmen so vieler Hilfsquellen hat es endlich unserer Gemeinde ermöglicht, ein langersehntes Ziel zur Reise zu bringen und eine Stätte des Herrn zu erbauen, wohin Fromme und Gläubige aus der steten Unrast des Lebens flüchten können in den wahren Gottesfrieden, um Herz und Gemüth in dem ewig unerschöpflichen Jungbrunnen zu erquicken, der aus der göttlichen Lehre quillt. Und da wir dieses stattliche Haus in seiner Vollendung vor uns erschauen, drängt es uns, auch an dieser Stelle dem altbewährten Meister der Baukunst Herrn B a u r a t h W i l h. S t i a ß n y, der in uneigennützigster Weise, weder Zeit noch Mühe sparend, diesen Bau ersonnen und zu Ende geführt hat, unseren unauslöschlichen Dank auszusprechen, ebenso allen Künstlern, Meistern, Hand- Werkern und Arbeitern, die ohne Unterschied der Confessio« und in friedlicher Eintracht, mit Handhafter That an dem Baue dieses Hauses mitgewirkt haben. Und so übergebe ich als Obmann des Bau-Comites die zu so schöner Reife gediehene Frucht seiner Bestrebungen, dieses würdige Gotteshaus, dem Syuagogen-Bereine Beth-Jsrael. Er möge es hüten und hegen, es wahren und schützen vor allem Fehl und jeglichem Unbill. Dieses Haus, das ein unerschütterlicher Glaube gegründet, es möge ebenso unerschütterlich feststehen durch die Flucht der Jahre, alle Menschen, die durch feine Pforten eiuziehen, sie mögen Trost und Erhörung finden und seine schwelle mit geläutertem Gemüthe und nüt Frieden im Herzen verlassen: dieses Haus, in dem wir unsere Feste feiern und das Banner unseres Glaubens Hochhalten wollen, es stehe immer und allezeit in Gottes gnädigem Schutz! Der Vereinsobmann, Herr S. M e i s e l s, sagte hierauf dem Baucomite wärmsten Dank für sein aufopferndes und mühevolles Walten und schloß seine Rede mit einem Hoch auf

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.