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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1893-09-15 · Heft 22 (15.9.1893) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 22 (15.9.1893)
Date
1893-09-15
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2. Gesterreichisch-ungarische <Lantoren-Ieitung. Nr. 22. Concurse, leere Versprechungen und hohle, längst abgebrauchte Phrasen ein Abonnement von jährlich 6 fl. aus der Tasche gelockt. Der Herr Redacteur verstand sich vortrefflich auf das Geschäft. Durch die Gründung eines neuen Collegenbundes sollten die Massen gefangen und der Eitelkeit der Kleinen durch Veranstaltung von Bezirks-, Kreis- und Comitats-Versammlungeu und dementsprechende Creirung von zahlreichen Obmanns- und Ehrenstellen geschmeichelt werden. Nach anderthalbjährigem Wortgeklingel wurde endlich am 22. August 1893 die Landes-Generalversammlung in Budapest abgehalten. Ein denkwürdiger Tag in der Geschichte der ungarischen Cultusbeamten, der Anbeginn einer neuen Aera! Herr Cantor Bernfeld aus Preßburg wurde zum Präsidenten gewählt. Der Name dieses Collegen ist uns seit Jahren bekannt, er war auch einer derjenigen, die bei Gründung des Cantoren-Vereines und des Cultusbeamten-Vereines — freilich nur auf dem Papier — ihren Beitritt angemeldet haben. So oft es sich aber um eine Collecte für einen unglücklichen Collegen oder sonst einen Beitrag für gemeinsame Zwecke handelte, haben wir niemals etwas von ihm gehört. Und trotzdem besaß dieser Mann, der bisher nicht durch eine einzige That collegialen Sinn und collegiales Mitgefühl bewiesen hat, den traurigen Much, in seiner Antrittsrede gegen den. österr.-nng. Cantoren-Verein loszuziehen. Der Cantoren-Verein habe nicht das Recht, sich das Prädicat ״ungarisch" beizulegen, da er für die ungarischen Cantoren niemals etwas gethan und nie thun werde. dtun denn, ein Vorwurf aus solchem Munde kann den Verein wahrhaftig kalt lassen, aber die Lüge darf sich nicht ungestraft breit machen, und so wollen wir dem schwachen Gedächtniße des Herrn Bernfeld ein wenig nachhelfen mit dem Hinweis auf die Thatsache, dass die erste Unterstützung des österr.-ungar. Cantoren-Vereines — es war damals ein Betrag von nahezu 400 fl. — der Witwe eines ungarischen Collegen zugute kam und dass seit dieser Zeit auf Ungarn mehr als die Hälfte der ausgezahlten Unterstützungen fiel. Aus dem gleichen Grunde wie der Cantoren-Verein ist auch der ungarische Cultusbeamten-Verein den Herren Friedmann, Bernfeld und Consorten ein Dorn im Auge und sie schrecken gar nicht davor zurück, das Andenken des sel. Professor Friedmann, das selbst von seinem größten Gegner hochgehalten werden sollte, herabzusetzen. Als sich in der Versammlung ein Sturm der Entrüstung erhob und von mehreren Seiten der Anschluss an den Cultusbeamten - Verein gefordert wurde, wussten die Jnterpreneure der Bewegung diesen auf friedliches, collegiales Zusammengehen abzielendeu Antrag zu Falle zu bringen. Bemerkenswerth für den Zweck und die Richtung der ganzen Bewegug ist ein Beschluss der Versammlung, laut welchem Herr Friedmann-Stuhlweißenburg zum Secretär des zu gründenden Vereines gewählt wurde, ״mit dem Bemerken, dass er, sobald er vom Blatte ״Palyazat“ sein Auskommen haben wird, seinen Posten bei seiner Gemeinde verlassen muß, damit er seine ganze Thätigkeit dem Vereine und den: Vereinsorgane widmen könne." Also das ist des Pudels Kern! Eine Pfründe soll auf Kosten der ungarischen Collegen für densxiritu.8 reetor der Bewegung geschaffen werden, und darum fort mit den: Cultusbeamten- Verein, Krieg dem Cantoren-Verein und der Cantoren-Zeitung! Von einem ungarischen Collegen, der bisher auch Anhängerder Bewegung war, erhielten wir vor einigen Tagen folgendeMttheilung: ״Nach den letzten Vorfällen bin ich zu der Einsicht gelangt, dass das ganze ein Schwindel ist, und ich ermächtige Sie, wenn Sie einen Artikel dagegen schreiben wollen, meinen vollen Namen darunter zu setzen." Wir danken dem werthen Collegen für seine Bereitwilligkeit. Dinge, wo es sich um das Wohl unserer Berufsgenossen handelt, kämpfen wir uns am liebsten selbst aus und sind auch jederzeit bereit, offen und ehrlich, ohne Vordermann für die Interessen der Cantoren einzutreten. In dieser Richtung werden wir, möge es dem Herausgeber des ״Palyazat“ bequem oder unbequem sein, immer fortfahren und keinen Unterschied zwischen Cis- und Transleithanien machen. Wir sind uns dessen wohl bewusst, dass in Österreich-Ungarn nur ein einziges Fachblatt existirt, das ist die österreich. -ungarische Cantoren- Zeitung, und hierin werden uns sicherlich alle Berufsgenossen, die es mit unserem Stande ehrlich meinen, vollkommen beipflichten. An unsere Collegen in Ungarn richten wir aber in der gegenwärtigen Zeit, die so sehr zu ernsten Betrachtungei: geeignet ist, das dringende Mahnwort, nicht eine neuerliche Spaltung in unseren Berufskreis hineinzutragen. Wer in dem ung. Cnltusbeamterr-Verein seine Interessen als Cantor nicht genügend gewahrt glaubt, der schließe sich ohne Zagen dem österreich.- ungarischen Cantoren-Verein an. An der Spitze beider Vereine stehen Männer, die ohne Verfolgung selbstsüchtiger Zwecke Herz und Gefühl für ihre Collegen besitzen und dies auch schon oft durch die That bewiesen haben. Der nächste Cantorentag, der im Herbste in Wien stattfindet, wird übrigens zeigen, auf welcher Seite zielbewusste' That, und auf welcher leerer Tonschwall geübt wird. _ Eine neue Synagoge in Wien. Jener wahre und aufrichtige Conservativismus, der trotz strengen Festhaltens an Glauben und althergebrachten Sitten der Väter den Anforderungen der Neuzeit bei Abhaltung des Gottesdienstes sich dennoch nicht zu verschließen vermag, hat der Gottesverehrung eine neue, würdige und prachtvolle Heimstätte errichtet, die dem Judenthume zur Ehre und der Stadt Wien zur Zierde gereicht. Es ist dies die im zweiten Wiener Gemeindebezirke, Leopoldsgasse 29, erbaute Synagoge nach polnischjüdischem Ritus des Bethaus-Vereines ״Beth-Jsrael." Das nach den Plänen und unter Leitung des Baurathes Wilhelm Stiaßny im maurischem Styl erbaute Haus gewährt ein überaus schönes und harmonisches Bild. Durch einen kleinen Vorhof, in welchen man von der Straße aus durch ein vergoldetes Gitter gelangt, tritt man in die geräumige Vorhalle. Daselbst sind zwei Gedenktafeln mit den Namen des Baucomites und der beim Bau beschäftigt gewesenen Architekten und Gewerbetreibenden angebracht. Ueber dem Haupteingang in das Gotteshaus prangt in Goldlettern die Inschrift: ״Unter der Negierung des Kaisers Franz Josef 1. erbaut im Jahre 189 3. Der Betsaal selbst besteht aus einem dreischiffigen Raume mit 450 Männersitzen und einer denselben auf drei Seiten umschließenden, einstöckigen Galerie, welche 250 Frauensitze enthält. Die Beleuchtung erfolgt durch sogenanntes Seitenlicht, und zwar mittels je 18 an beiden Längenseiten angebrachten, mit farbigem Kathedralglas verzierten Fenstern, die von. hervorragenden Vereins- Mitgliedern gewidmet wurden und den Namen der Spender enthalten. Die künstliche Beleuchtung besteht aus Glühlichtern in Kerzenform und wurde von der Internationalen Elektrizitäts-

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