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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1893-09-15 · Heft 22 (15.9.1893) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 22 (15.9.1893)
Date
1893-09-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oesterreichisch-ungarische Cantoren - Zeitung Pränumerations-Preis. FiirCankvren n.(£nltu0bratnte in Vrsterrrich-Ungarn Ganzjährig.fl. -1.- Halbjäbrig.fl. 2.— FürCantorrn rr.Cultusbramte int Ausland Ganzjährig.8 Mark oder 4 Rubel. Für Private und Injliknte Ganzjährig.fl 6.— Central-Organ für die Interessen der Cantoren nnd Cultusbeamten. Erscheint jeden zehnten Tag. Begründer: Obercantor Jacob Bauer. Administration Wien II., Novaragajse Nr. 27. Inserate werden billigst berechnet. Manuscripte werden nicht retournirt. Abonnementsn. Insertion«- betrage srnd in Wien zahlbar lr. 22. Wien, 15. September 1893. 13. Jahrgang. Abonnements-Einladung. 2lm \. Gctober beginnt das IV. Quartal dieses Jahrganges und ersuchen wir demgemäß um baldige Erneuerung des Abonnements und Einsendung der pränumerationsgebühr. Die Administration .. . ז bet . ״österr. Ungar. Cantoren-Zeitung." Wien, 15. September. Wenn der scheidende Sommer uns seine letzten Grüße zusendet und die Natur vor dem Eingehen in den langen Winterschlaf noch einmal in ihrer ganzen Schöne und Herrlichkeit ' unserem trunkenen Auge sich darbietet, feiern wir Juden eine; Reihe von Festen, deren hohe Bedeutung weder die Macht der - Jahrhunderte, noch der immer fortschreitende religiöse Jndiffereuj tismus zu verwischen vermochte. Diese Tage stützen sich nicht auf! wichüge Ereigniße in unserer nationalen Geschichte, sie erinnern uns nicht an bedeutende Wendepunkte im Leben unseres Volkes, sie gemahnen uns nur an unsere Menschlichkeit, an die Vergänglichkeit, alles Irdischen und den ewigen Bestand des göttlichen Willens, und darin liegt ihr großer Zauber. Friede athmet die Natur und Friede kehrt ein in jede Menschenbrust. Wer auch immer das Jahr hindurch mit Gott und den Menschen zerfallen schien, an diesen Tagen drängt es ihn in das Gotteshaus nnd reuig schlägt er seine Brust. Die ganze Gemeinde lauscht mit Andacht auf die uralten, wehmüthigen Weisen aus dem Munde des Borbeters und fühlt sich gestärkt und gehoben durch das Gotteswort, das von der Kanzel herab verkündet wird. Es ist die Zeit der frommen Wünsche und guten Vorsätze, alle Herzen sind empfänglicher fiir die Leiden und Freuden der Mitmenschen, und ein gutgemeintes Wort verhallt selten ohne Wirkung. Auf diese erhöhte Empfänglichkeit bauen auch wir und darum halten wir es gerade im gegebenen Momente für angezeigt, an unsere Collegen in Ungarn zu appelliren und ihre Aufmerksamkeit auf eine bedauernswerthe Erscheinung zu lenken, die geeignet ist, Zwist und Hader in die Reihen der Berufsgenossen zu tragen. Wohl gehen wir mit einem gewissen Widerwillen daran, die vom Redacteur des in Stuhlweißenbnrg erscheinenden ״Palyazat“ in rein selbstsüchtiger Weise inscenirte Bewegung zu kennzeichnen, denn Form und Inhalt dieses Blättchens sind einer anständigen publicistischen Polemik, wie wir sie zu führen gewöhnt sind, unwürdig. Allein die Rücksichtnähme auf die Allgemeinheit - muß unsere natürliche Abneigung gegen trübe Gewässer Niederkämpfen und darf uns vor dem Sumpf von Verlogenheit und Verleumdung, der sich in den Spalten des ״Palyazafc“ wiederspiegelt, nicht zurückschrecken lassen. Die Irrlichter, die dort ihr Unwesen treiben, müssen mit der Fackel der Wahrheit vertrieben, und die irregeführten Collegen in jene Bahnen geleitet werden, wo ihnen wahre Collegialität und Brüderlichkeit entgegenlenchtet. In Budapest existirt der Ungar. Israel. Cultusbeamten- Verein, in Wien der österr.-ungar. Cantoren-Verein. Beide Vereine haben im Laufe der Jahre Ersprießliches geleistet, und wenn, namentlich bei dem ersteren, die ursprünglichen Erwartungen nicht vollauf verwirklicht wurden, so wird dies zunächst dadurch plausibel, dass so vielen Schäden und Uebelständen nicht mit einem Male abgeholfen werden kann; ein zweites, viel wichtigeres Entwicklungshemmuis ist aber in der Apathie der Cantoren und Cultusbeamten selbst zu suchen. Hätten alle diejenigen, die heute die Unzufriedenen spielen und im ״Palyazat“ das große Wort führen, mit Hand angelegt an der Förderung der collegialen Interessen, es wäre ihnen im Rahmen der bestehenden Vereinigungen genügend Gelegenheit hiezu geboten gewesen. Freilich nicht Jedermann ist berufen, Feldherr zu sein, es muß auch Soldaten geben, und da unter Anderen der Notür Fried mann in Stuhlweißenburg sich mit solch einer bescheidenen Rolle nicht zufrieden gab und sein wahrscheinlich spärliches Einkommen auch dringend eine Aufbesserung verlangte, so musste dies, in Ermanglung eines anderen Mittels, auf Kosten der Collegialität geschehen. Aus diesem Grunde wurde im ,.Palyazat“ ein Presserzeugnis in die Welt gesetzt, das die Druckerschwärze nicht werth ist, und den armen Collegen — die besser situirten gierigen ihm ohnehin nicht auf den Leim — für abgeschriebene

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