Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 21 (1.9.1893)
- Date
- 1893-09-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. Nr. 21. nach Wien begriffen, im Coupe des Orient-Expreßzuges von einem schweren Unwohlsein befallen worden. Baron Kömgswarter weilte in der letzten Zeit in Trouville und Baden-Baden, zuletzt in Paris und reiste von dort über Münchennach Wien. In seiner Gesellschaft befanden sich u. A. Herr und Frau Alfted Strass er. Im Coupe, unfern der Station Penzing, verfärbte sich Baron Kömgswarter plötzlich und wurde ohnmächtig. Als der Zug in der Halle einlief, es war um 8 Uhr 20 Minuten, lag er noch immer in Betäubung. Am Westbahnhofe musste Baron Kömgswarter mittelst Tragseffels in den bereitstehenden Wagen gehoben werden, der ihn zunächst in seine Wohnung, Kärntnerring Nr. 4, und von hier, wo die Räume infolge von Adaptirungen für electrische Beleuchtung zur Auftmhme des Erkrankten nicht entsprechend schienen, in das ״Hotel Bristol" überführte. Jnspectwnsarzt Dr. Eisenstädter von der Freiwilligen Rettungsgesellschaft, Docent Dr. Bettelheim, Professor Dr. Kraus und der Hotelarzt bemühten sich längere Zeit um den Kranken, bis sich derselbe zusehends erholte. Um Mitternacht fand am Krankenbette ein Consilium statt, wobei Baron Königs- Wärter schon bei vollem Bewusstsein war. Sein Zustand ist gegenwärtig beftiedigend. Die Aerzte erklären, dass das Unwohlsein, eine Folge der überstandenen Strapazen, baldigst behoben sein werde. Wien. 31. August. Unter sehr großer Theilnahme fand heute das Leichenbegängnis des hier erkrankten Chacham Abr. Z. Danon aus Serajevo statt. Chacham Danon war eine durch seine außerordentliche Gelehrsamkeit und Frömmigkeit, sowie durch seinen vielgeübten Wohlthätigkeitssinn hervorragende Persönlichkeit. Sein frühzeitiges Hiuscheideu hat in allen Kreisen seiner Vaterstadt, woselbst er als Vater der Armen und Hilfesuchenden hochgeehrt wurde, wie auch in der Wiener sephard. Gemeinde, mit welcher ihn mannigfache verwandtschaftliche Beziehungen verbanden, große Trauer hervorgerufen. Die Chachamim Papo und Alkalay hielten ergreifende Trauerreden. Gott tröste die Familie des Dahingeschiedeneu. ת׳נ׳צ׳ב׳ה. Baden. Mittwoch den 23. d. M. fand hier im ״Hotel Schey" die Trauung der Tochter des Herrn Isidor Ullmann, Stadtrath und Präses der israel. - orthodoxen Gemeinde in Großwardein, statt. Unter Führung des Herrn Rabbiner Fux erschien eine stattliche Deputation von 40 Gemeindemitgliedern aus Großwardein, die nebst herzlichen Glückwünschen ein Werthvolles Hochzeitsgeschenk überbrachte. Den Trauungsact vollzogen die hiesigen Funktionäre, Herr Rabbiner Reich und Herr Cantor Schäfer. Beim Hochzeitsmahle hielt der Großwardeiner Rabbiner eine schwungvolle Tischrede, die mit stürmischem Beifalle aufgenommen wurde. Auch der als Gast anwesende ehemalige Obercantor in Großwardein, Herr M. Schorr, der jungst fiir die neue polnische Synagoge in Wien engagirt worden ist, wurde fiir den Vortrag einiger Gesangspiecen lebhaft acclamirt. Zrrarm. Am 1. September feiert unser beliebter Cantor und Rcligionslehrer, Herr Ignaz Holzer, sein 25jähriges Cantorjubiläum. Den Ehrungen, welche ihm aus diesem Anlasse von Seite der Gemeindemitglieder bereitet werden, werden sich gewiss auch zahlreiche Collegenkreise anschließen. BudZvris. Freitag den 25. August, 4 Uhr Morgens ist unser' allgemein beliebter und geachteter Obercantor, Herr Josef Klein, nach längerem schweren Leiden im 40. Lebensjahre gestorben. Schon seit Monaten war sein Zustand ein hoffnungsloser, und mit Bangen sah seine treue Gattin der nächsten Zukunft entgegen; nicht minder aber auch die Gemeinde, die dem begabten, von dem strengsten Pflichtgefühl durchdrungenen Beamten, der durch 17 Jahre sein schweres Amt mit größter Berufstreue verwaltet hatte, die größte Sympathie entgegenbrachte. Die Trauer über sein Hinscheiden war eine allgemeine und aufrichtige. An dem Begräbniße, das Sonntag den 27. August stattfand, nahm nicht nur die ganze jüdische, sondern auch das Gros der christlichen Bevölkerung theil. Im Trauerhause und aus dem Friedhose trug Herr Cantor Speiser, der vor einigen Tagen erst zur Stellvertretung hieher berufen wurde, mit zu Herzen sprechender Stimme die ceremoniellen Gesänge vor. Herr Kreisrabbiner Dr. Wunder und Herr Cultusgemeinde- Vorsteher Bnllath hielten am Grabe-des theueren Verblichenen tiefempfundene Leichenreden, in welchen Beide dessen Verdienste rühmend hervorhoben. Dem Obercantor Josef Klein wird in unserer Gemeinde stets ein liebevolles Andenken bewahrt werden, aber auch in dem Kreise seiner Berufsgenossen, י die an dem Dahingeschiedenen einen wackeren, fachlich vollkommenen und ethisch hochstehenden Collegen verloren haben, wird seiner jederzeit ehrend und anerkennend gedacht werden. ת׳נ׳צ׳ב׳ה Klagenfurt. (Ein übel angekommener Antisemit.) An einem der letzten Tage, da die Wörtherseedampfer stark gefüllt waren, saßen einmal zwei Herren, die sich nicht kannten, hart neben einander. Der eine, offenbar gesprächigen Wesens, vielleicht auch ein wenig agitatorisch veranlagt, versuchte mit seinem Nachbar ein Gespräch anzuknüpfen, wozu ihm die Schönheit der Seelandschaft und der eben stattfindende allgemeine Bergmannstag leicht gefundenen Anlass boten. Vielleicht in der Meinung, einen ״Eingeborenen" vor, oder vielmehr neben sich zu haben, lobte er Kärntner Land und Leute über den grünen Klee und meinte, es sei doch eine Freude, hieher zu kommen, wo eineni Jedermann alle Freundlichkeit erweise. Leider sei es nicht überall so. So sei er vor Kurzem mit etwa 500 Antisemiten irgendwo hingekommen und es sei nicht möglich gewesen, auch nur die Hälfte davon unterzubringen. Der also Angesprochene that einen langen Blick über die große und breite Figur seines Nachbars und sagte dann trocken nichts weiter, als: ״Ah, das war aber gescheidt!"— Tableau! Der auf solche Weise abgelehnte Antisemit soll alsbald trotz der Raumenge auf Deck sich — verzogen haben, vielleicht um eine gleicher gestimmte Seele, die seinen Schmerz besser mitfühle, zu finden. — Diese mit gesundem Sarkasmus und beißender Satyre geschriebene Notiz lasen wir jüngst im kärntnerischen Amtsblatte ״Klagenfurter Zeitung". Oswirrirn, 15. August. (Besuch des Cardinal Fürstbischofs Dunajewski.) Gesten: Abends traf Cardinal Dunajewski in unserer Stadt ein. Unter den zahlreichen Deputationen, die sich zur Begrüßung des Kirchenfürsten eingefunden hatten, befand sich auch eine Abordnung der israeliüschen Cultusgemeinde, geführt von dem Cultusvorsteher Bernhard Pilzer und dem Oberrabbiner A. Schnur. Auf die Ansprache des Letzteren, der auf das harmonische Verhältnis zwischen den zwei Confessionen in unserer Stadt hinwies und den Cardinal bat, diesem friedlichen Zusammenleben auch fernerhin seinen Schutz angedeihen zu lassen, erwiderte der Cardinal Dunajewski, dass es ihn sehr freue, Frieden und Eintracht unter der Bevölkerung beiderlei Confessionen bestehen zu sehen; er werde stets sein Möglichstes dazu beitragen, dass dieses Verhältnis erhalten bleibe, da dies auch den Intentionen unseres erhabenen Monarchen entspricht, der alle Confessionen vollkommen gleichgestellt hat. Oedrnburg. Die Tochter des hiesigen Cantors M. Thaler, Fräulein Hermine Th aler, hat sich vor einigen Tagen mit Herrn Edmund Spitzer verlobt. Baja. Die wegen ihrer Frömmigkeit und ihrer unbegrenzten Wohlthätigkeit hochgeehrte und geschätzte Oberrabbinerswitwe, Frau Eva Nascher, ist unter Theilnahme einer großen tieferschütterten Trauergemeinde am 6. d. M. in Baja beerdigt worden. Die Heimgegangene starb in Paris, wo sie zur Kräftigung ihrer Gesundheit mehrere Wochen verweilt hatte. Herr Rabbiner Dr. Adler in Baja und Herr Obercantor Berger widmeten der Verblichenen in ergreifender Weise Wort und Lied des Gedächtnißes. Budapest. Die Rede, welche jüngst Geza Polony, eines der maßgebensten Mitglieder der Unabhängigkeitspartei, vor seinen Soboszloern Wählern hielt, lässt vermuten, dass er sowohl als seine Fractionsgenossen entschlossen sind, sich mit den Clericalen zu verbinden, uni die kirchenpolitffchen Vorlagen der Regierung zu Fall zu bringen, Nach den vorliegenden Berichte!: erklärte Polony folgendes: I ch w a r u n d b i n e i n Anhänge r der Civil ehe, der staatlichen Matriken, der Gewissens- und Religionsfreiheit und der confessionellen Autonomie. Es ftagt sich nur, ob die in dieser Beziehung eingereichten Gesetzentwürfe den Anforderungen entsprechen. Zur Religio ns- und Gewissensfreiheit stellt er nur einige Schranken, und zwar,-dass in Ungarn blos solche Religionen geduldet