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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1893-09-01 · Heft 21 (1.9.1893) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 21 (1.9.1893)
Date
1893-09-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 21. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. Seite 7 werden, welche mit dem Staate nicht in Gegensatz kommen. Den Mohammedanismils, das Nazarenerthum kann er nicht gestatten, denn dies würde die Vielweiberei, die Verweigerung des Militärdienstes herbeiführen, und da könnte es alsbald so weit kornmen, dass eine neue Religion entstünde, bereit Dogma es wäre, keine Steuer zu zahlen. (Heiterkeit.) Der vorliegende Gesetzentwurf befriedige ihn nicht, denn derselbe macht Unterschiede zwischen ״recipirten" und nichtrecipirten Religionen, ferner sei darin die Confessionslosigkeit gesetzlich inarticnlirt. Das könne er nicht dulden, denn er will wohl eine Religionsfreiheit herbeiführen, aber keine Religionslosigkeit. In Betreff der Civilehe erklärt Redner, dass er dieselbe gewiss acceptire, w e n n der einzureichende Gesetzentwurf ihn vollständig befriedigen werde. Er befürchtet aber, dass der Gesetzentwurf nicht vorgelegt wird. Die Reception der Juden hält er für überflüssig, denn, wenn die allgemeine Neligions- und Ge- Wissensfreiheit eingeführt wird, so ist eine specielle Reception ganz unnöthig. Von. den Juden erwarteter, dass sie sich eine einheitliche staatliche Organisation schaffen und nach französischem Muster ein der Regierung gegenüber verantwortliches Organ (den Grand Rabbin) bezeichnen. Er fordert, dass die Religionsgebräuche und Gesetze der Juden publicirt werden, damit solche dumme Anklagen, wie die Blutschuld, nie mehr erhoben werden können; dann wiinscht er die Abschaffung mancher religiös-polizeilicher Verbote, wornach zum Beispiel der orthodoxe Jude mit dem Christen nicht aus einem Teller esse. Mit solchen Gebräuchen entfremden sich die Juden in socialer Hinsicht den Christen. In der Schweiz wird den Juden das Schächten nach rituellem Gebrauche verboten; das wäre auch in Ungarn nicht ganz unnöthig. Redner wünscht die Abschaffung der Circumcision und würde die Recipirung der Juden blos auf die magyarischen Juden beschränken, denn in vielen Gegenden des Landes ist die Judenschaft die Verbreiterin antimagyarischer Tendenzen. Das sind die Principien, auf deren Grundlage er die kirchenpolitischen Reformen votirt. Möge man ihn nun als Ultramontanen bezeichnen oder nicht. Er gehe in seiner Ueberzeugung so weit, dass er selbst im Parlament der Antrag stellen will, dass die Schranken zwischen König und Nation noch so weit niedergerissen werden, dass der König nicht blos Katholik sein muß. So weit aber gehe er keinesfalls, dass'der König auch ein Jude sein könne, denn er wünscht, dass der christliche Charakter des Landes auch in der Person des Königs symbolisirt werde. Bern, 21. August. Das Schweizer Volk hat gestern mit 189.250 Stimmen gegen 113.255 Stimmen das Schächtverbot angenommen. 355.274 Schweizer Bürger enthielten sich der Absümmung. Elf und ein halber Canton haben das Schüchtverbot angenommen, zehn und ein halber es verworfen; da es sich um eine Revision der Bundesverfassung ,handelte, war die Mehrheit des Volkes und der Cantone erforderlich. Für das Schächtverbot stimmten namentlich die Cantone Zürich, Bern, Aargau, Schaffhausen, Thurgau, dagegen die französischen Cantone, sowie ein Theil der deutschen Schweiz. Bukarest. Vor wenigen Wochen begieng der in allen hiesigen Kreisen beliebte und hochgeschätzte Obercantor der israel. Gemeinde, Herr Gerfon Weiß, sein 25jähriges Amtsjubiläum. Aus diesem Anlässe erhielt der Jubilar von der Gemeinde ein Ehrengeschenk von 5000 Francs nebst einer prachtvoll ausgestatteten Adresse, und von den Damen ein kostbares Silberservice. Im Tempel wurde ein Festgottesdienst abgehalten, an welchem fast die ganze Gemeinde und viele hervorragende Persönlichkeiten theilnahmen. Die schwungvolle Festrede des Rabbiners, sowie die vom Chore mit größter Exactheit vorgetragenen Psalmen erhöhten die Weihe des Festes, welches mit dem Abendgebete einen erhebenden Abschluss fand. Petersburg. Den Juden in Rußland soll, wie Novoje Wremja und Graschdanin melden, gestattet werden, in den Dörfern und Marktflecken im Niederlassungsgebiete sich ansiedeln zu dürfen, mit der Beschränkung jedoch, dass diese Ansiedlung nur auf solchem Grund und Boden zugelassen sei, welcher Gutsbesitzern und anderen Privatbesitzern gehöre. In den Dörfern, welche ausschließlich von Bauern bewohnt sind, bleibt das bestehende Niederlassungsverbot für die Juden aufrecht. Da aber im Niederlassungsgebiete kaum ein Dorf vorhanden ist, das nicht einen Gutsbesitzer hätte, so dürste die bevorstehende theilweye Aufhebung der Jguatiew'schen Verordnung vom Jahre 1892 den Juden eine bedeutende Erleichterung bieten. Gleichzeitig hat das russische Minister-Comits auf Antrag des Domänenministers beschlossen, den jüdischen Ackerbaucolonisten in den Gouvernements Cherson und Jekaterinoslaw die Betrüge, welche sie der Regierung für das ihnen zugewiesene Areal schulden, gänzlich nachzulassen. Diese Maßregel soll damit in Verbindung stehen, dass die Regierung den jüdischen Ackerbaucolonisten fiir ihren Fleiß und ihre Tüchtigkeit einen Act ihrer Zufriedenheit bezeugen wolle. Strllen-Besetzungrn. Herr L. Blumenkranz wurde, nach beifällig aufgenommenem Probevortrage, als Obercantor der israel. Cultus gemeinde Al tosen, ebenso Herr Lazar Laub als Cantor der israel. Cultusgemeinde Kanitz in Mähren gewählt. Beide Collegen waren Schüler des Herrn Obercantor I. Bauer, Wien. Litterntur. (Preisausschreiben.) Die Redaction der ״Österreichischen Musik- und Theater-Zeitung" erlässt ein Preisausschreiben für Vortragsstücke unter nachfolgenden Bedingungen: 1. Die für die Preisbcwerbung bestimmten Arbeiten müssen sich nicht allein zum Bortrage überhaupt, sondern in erster Linie zur größtmöglichen Entfaltung dramatischer Affecte eignen. 2. Dem Inhalte nach können die Borcragsstücke sowohl ernst als auch heiter gehalten und in Versen oder in Prosa verfasst sein, dürfen jedoch zum Bortrage nicht weniger als zehn und nicht mehr als 30 Minuten beanspruchen. 3. Für die besten Arbeiten hat ein ungenannt sein wollender Kunstmäcen, in dessen indirectem Aufträge das Preisausschreiben erlassen wird, drei Preise zu 500, 300 und 100 Kronen bestimmt. 4. Als Preisrichter fungiren die Herren: Joses Lewinsky,!, k. Hofschauspieler, Prof. Leo Friedrich, emerir. k. k. Hof-Burgschauspieler und Adolf Weisse, Mitglied des Deutschen Volkstheaters in Wien. 5. Die k. T. Einsender werden ersucht, ihre Arbeiten mir einem Motto zu versehen und bis spätestens 15. September d. I. an die Redaetion der ״Oesterreichischen Musik- und Theaterzeitung", Wien, V., Högelmüllergasse, 7, gelangen zu lassen; jedem Manuscripte, von welchem eine Abschrift' zurückzubehalten ist, wolle ein geschloffenes Couvert beigelegt sein, dessen Außenseite dasselbe Motto und den Titel der eingcsandten Arbeit trägt, während ein im Couvert verschlossener Zettel ׳Name und Adresse des Einsenders angibt. 6. Die preisgekrönten Arbeiten werden fammt ׳Namen und Adressen ihrer Verfasser voraussichtlich in der Nummer vom 1. Oer ob er 1893 zürn Abdrucke gelangen. Alle weiteren, näheren Bestiinmungcn enthält die kürzlich erschienene Juli-Nummer der obenerwähnten Zeitschrift. ״Neue MustK-Zeiiung." Rob. L-chumann und Rich. Wagner betitelt sich eine geistvolle Charakteristik über diese Meister von Otto Michaeli, welche in den Nummern 13 bis 15 der ״Neuen Musik-Zeitung׳' (Stuttgart, Carl Grüninger) enthalten ist; in denselben befinden sich außerdem eine Fülle interessanier Artikel, von denen wir wenigstens einige hervorheben wollen, z B.: ״Christ. Fried. Hölderlin und die Musik" von Leo van Husen, ״Rob. Volkmanns Hausmusik" von B. Vogel, ״Franz Liszt und die Frauen", ״Musikalische Seelenwanderung" von Hans Frisch rc. Den unterhaltenden Theil des Blattes füllen eine Erzählung: ״Zwei Sänger" von Feodor Helm und die Humoreske ״Pate Christine" von A. Seydelmann aus. In Wort und Bild machen wir die Bekanntschaft mit den zwei ebenso begabten wie anmuthigen Sängerinnen Sophie Fritsch und Sibyl Sanderson, ferner mit Jos. Förster, dem Sieger im Wettkampf um den vom Herzog Ernst von Coburg-Gotha für die beste einaktige Oper gestifteten Preis, endlich werden die Verdienste des kürzlich verstorbenen Componisten Franz Erkel in Bnoa- Pe,t und des Pianisten Jos. Giehrl in München eingehend gewürdigt. Die Beilagen bestehen alls der Fortsetzung von W- Wolfs Aesthelik der Muyk, einem reizvollen Klavierstück ״Musikalische Gemeinplätze" von H. Henze, sowie aus zwei ebenso gehaltvollen wie tiefempfundenen Liedern von Herrn. GenSs und Fr. Zieran. IsraLlitisrhee Volkskalvnder. Im Verlage von I. Kaufsmann in Frankfurt a. M. ist kürzlich der Frankfurter ״Israelitische Bolkskalender" nebst jüdischem Hotel-Adressbuch, elfter Jahrgang, umfassend die Zeit vom 11. September 1893 bis 30. September 1894, erschienen. Tie Freunde und Leser unseres Blattes seien hiemit auf diesen vielbewährtcn Kalender aufmerksam gemacht. __ Allen lieben Collegen, Freunden intb geschützten Mitarbeitern wünschen wir auf diesem Wege שנת חיים ברכה ושלום Obercantor I. B a n e r Herausgeber der österr. Ungar. Cantoren- Zeitung. ®ggr Wir ersuchen höflichst um endliche Begleichnng des Abonnementsbetrages. US Die Administration.

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