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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1893-08-15 · Heft 20 (15.8.1893) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 20 (15.8.1893)
Date
1893-08-15
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. Oesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. Nr. 20. Böse zur Herrschaft gelangt und das Gute geht in Lumpen gehüllt, von Niemandem beachtet." Es liegt in diesem Gleichnisse viel Wahrheit und ist aus unsere religiösen und sozialen Zustände recht anwendbar. Israel im V e r g l ei ch e z u e i n er H e e rd e. Im zweiten Thcile (Blatt H. b), spricht der Verfasser über die Einigkeit der Gesammtheit Israels und führt folgendes Moschol an: Wenn jemand eine ganze Heerde von Schafen kaust, da wird nicht jedes einzelne Schaf genau besichtigt, wenn auch manche mit Fehlern behaftet sind, so werden sie ohne Anstand mit in den Kauf genommen. Wenn hingegen nur einige Stück gekauft werden, die werden schon genau besichtigt, und jeder Fehler, der zum Vorschein kommt, wird getadelt und setzt den Preis herab. So besteht auch das Verhältnis Zwischen Gott und Israel, wenn er über dasselbe zu Gerichte sitzt. Herrschet Einigkeit und Zusammenhalt, so werden in der Gesammtheit, wenn auch Manche mit Mackel behaftet sind, dieselben deswegennicht ausgestoßen, sie werden mit in den Kauf genommen und giinstig beurtheilt(I8roe1 arewim seli boseli). Herrscht aber Zerfahrenheit in Israel, geht Jeder seinen eigenen Weg, so werden sie auch einzeln gerichtet, genau untersucht, und der mit Fehler Behaftete verfällt der Strafe. D a s F e u e r und da s W affe r. Der Verfasser spricht in zweiten Thcile (Blatt l5 a) über Stolz und Demuth und führt als Gleichnis an: das Feuer und das Wasser. Das Feuer strebt immer nach Aufwärts, in die Hohe, wird aber selbst als lodernde Flamme durch Wasser gedämpft, erniedriget. Das Wasser hingegen strebt immer nach Abwärts, meidet jede Höhe, reißt aber Alles mit sich fort, und der Strömung kann nicht so leicht Einhalt geboten werden. So gleicht der Stolz dem Feuer und die Demuth dem Wasser. Und damit erörtert der Verfasser mehrere Bibel- und Midraschstellen, die wir anzuführen unterlassen müssen, um nicht die Grenzen des Raumes zu überschreiten. (Wedai Lachkime birmiso). W . . . . r. (Fortsetzung folgt.) Kleine Chronik. Wiclr. (Gegen das Taufen d e r I u d e n.) Es ist wohl das erstemal der Fall, dass ein ultramontanes Blatt, ein Blatt, das beinahe mir von katholischen Geistlichen für katholische Geistliche geschrieben wird, sich gegen das Taufen von Juden ausspricht. Dieses Blatt ist das Organ der fürsterzbischöflichen Kanzlei des Cardinals von Prag, der ״Czech," der sich darüber ereifert, dass heutzutage schon jeder Jude nach Wien läuft, uni sich dort taufen zu lassen, weil man in Wien bei der Ausnahme Andersgläubiger eine allzu milde Praxis habe einrcißen lassen. Freilich trage daran das interconsessionelle Gesetz vom Jahre 1868 die Schuld, welches eine strengere Prüfung bei Aufnahme in die Kirche erschwert. Eine Religions- Genossenschaft sei zwar nicht verpflichtet, jeden beliebigen Abtrünnigen auszunchmen, aber die katholische Kirche wolle eben nicht tyrannisch sein und accepürc Jeden, der kommt, um sich taufen 311 lassen, nach dein alten Grundsätze: Nemo malns praesumatuTj nisi probetur. Ein Jude, namentlich der gebildete Jude, lerne ja leicht die Grundsätze des katholischen Glaubens auswendig, die sage er dann auf, erkläre, dass er glaube, und werde getauft. Im Grunde seines Herzens bleibe er Jude, und dass ihm die Bezeichnung ״Getaufter Jude" immer haften bleibe, davon ist wohl Jeder überzeugt. Dem Eiferer im ״Czcch" ist es in seinen Ausftihrungen vornehmlich darum zu thun, diejenigen Juden auszuschließen, welche sich taufen lassen, nme Beamte werden zu können. Der ״Czech" spricht auch ihnen! di Fähigkeit ab, trotzdem sie getauft sind, einem Christen den Eid abnehmen zu können. Wien. Der Kaiser hat dem Chef des Bankhauses S. M. v. Rothschild in Wien, Albert Freiherrn v. Rothschild, den Orden der Eisernen Krone erster Elaste taxfrei, ferner den! Präsidenten des Verwaltungsrathes der priv. österreichischen Creditanstalt für Handel imb Gewerbe, Karl Ritter Weiß von Weißenhall, sowie dem Director der priv. allgemeinen österreichischen Boden- Creditanstalt, Theodor Ritter von Taussig, den Stern zum Comthurkreuze des Franz Fosef-Ordeus und dem Director der priv. österreichischen Creditanstalt für Handel und Gewerbe, Gustav Ritter von Mauthner, den Orden der Eisernen Krone zweiter Classe mit Nachsicht der Taxen verliehen. Wien. (Zwei Schwiegersöhne Sülze r' s.) In Vöslan ist der Journalist und Schriftsteller Paul d'Abrest nach kurzem Leiden gestorben. Abrest, der auch in Wiener Journalen mannigfache Beiträge veröffentlichte, war hier Correspondent des Pariser ״Temps" und der ״Jndependance Belge." Unter den französischen Schriften, die er herausgab, sind die bekanntesten: 1711״ printemps en Bosnie“ und ״Vienne 80118 Francois Joseph.“ Abrest, der ein Alter von 43 Jahren erreichte, war in Prag geboren, kam aber schon als Knabe nach Paris, wo er erzogen wurde und später die französische Staatsbürgerschaft erwarb. Das Leichenbegängnis hat Freitag Vormittags um 1/211 Uhr im Beisein der trauernden Familien-Mitglieder und unter zahlreicher Betheiligung von Berufsgenosseu auf der israelitischen Abtheilung des Centralfriedhoses stattgesunden. Die Trauergesänge leitete Obercantor Singer, worauf Ober-Rabbiner Prediger Dr. Güdemann dem Verblichenen einen warmen Nachruf widmete, in welchem er Wirken und Schaffen des frühzeitig aus den! Leben geschiedenen Schriftstellers eingehend beleuchtete. Am offenen Grabe sprach dann im Namen des Verbandes der auswärtigen Presse Regierungsrath Hajek Worte der Trauer um den hochgeachteten Collegen. Viele Kränze schmückten den einfachen Sarg. D'Abrest war ein Schwiegersohn des verstorbenen Ober- Cantors Professor Sulzer. Ein eigenthi'unliches Zusammentreffen ist es, dass am selben Tage auch ein zweiter Schwiegersohn Sulzer's, Herr S. G. Fischet, eines plötzlichen Todes starb. S. G. Fischet war in allen jüdischen Kreisen Wiens wegen seines gemeinnützigen Wirkens und seiner Herzensgüte allgemein beliebt, er betheiligte sich an allen Humanitären Unternehmungen und sein Leichenbegängnis gab Zeugnis; von der allgemeinen Verehrung, deren er sich erfreute. Budapest. Ein ergreifendes Argument zur Frage der Reception der jüdischen Religion in Ungarn wird vom ״Zsido Hirado" durch folgenden Vorfall iu's Treffen geführt: Der Cultusminister Graf Csaky erhielt dieser Tage ein dringendes Telegramm aus Erlau von einer Frau Berta Ronai. Es hat folgenden Wortlaut: ״Excellenz! Vor Jahren bin ich aus nicht näher anzugebenden Gründen vom Judenthum zum christlichen Glauben übergetreten. Ich liege nun auf dem Sterbebette, aber Gewissensbisse lassen mich nicht zur Ruhe kommen. Erlauben Sie mir, Excellenz, dass ich vor meinem nahen Tode zum Glauben meiner Väter znrückkehren darf!" Der Minister war natürlich nicht in der Lage, dieser flehentlichen Bitte zu willfahren; die Vorlage der Judenrcception ist ja noch nicht Gesetz geworden. Der Minister konnte also nur der armen Frau sein inniges Bedauern aussprechen. Da erhielt er ein zweites Telegramm: ״Excellenz, die Qualen lassen mich nicht sterben. Noch einmal flehe ich Sie an, lassen Se mich zu meinem alten Glauben zurückkehren!" Selbstverständlich hatte das zweite Telegramm so wenig Erfolg wie das erste. Fimfirrrchen. Freitag, den 29. Abends und Samstag Vormittags hielt Herr Obercantor Weist aus Marczali in der hiesigen Synagoge einen Probcvortrag ab, der vielen Beifall fand. Die Fünfkirchncr Zeitung rühmt Herrn Obercantor Weiß eine streng musikalische, ergreifende Vortragsweise und eine weiche wolklingcnde Tenorstimme nach. — Von anderer Seite wird uns über einen zweiten Competcnten gemeldet: Der am 5. d. M. abgehaltcne Probcvortrag des Herrn Obercantor Noscnzweig aus Abony ist sehr beifällig ausgenommen worden. Eine schöne wolgeschultc Stimme und die fachmännische Vortragsweise bieten dem Bewerber große Chancen zur Erlangung der hiesigen Obercantorstelle. (Beiden Collegen wünschen wir den besten Erfolg. Die Ned.) Sophia. Mittwoch deu 26. v. M. kam unser Großrabbiner, Herr Dr. Moriz Grünwald, mit seiner geschätzten Familie zum bleibenden Aufenthalte nach Sophia. Schon an der bulga-

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