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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1893-08-15 · Heft 20 (15.8.1893) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 20 (15.8.1893)
Date
1893-08-15
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Mesterreichisch-ungarische Lantoren-Aeitung. Nr. 20. indem sie eine gewisse Unruhe bei den Ausführenden erzeugt, welche dann leicht Unachtsamkeit und Zerstreutheit hervorruft. Hier zeige der Dirigent die wohlthuende, ihre Wirkung selten verfehlende Ruhe eines zielbewussten Führers. Kleinen Jährlichkeiten und Schwankungen, hervorgerufen vielleicht durch die Unaufmerksamkeit eines einzelnen, durch einen mißglückten Einsatz, durch ein falsch verstandenes Zeichen rc., trete er mit sicherer Hand entgegen. Da es nothwendig ist, dass der Dirigent von allen unter seiner Leitung Wirkenden gesehen wird, muß derselbe seinen Platz so wählen, dass er seinerseits alles leicht übersehen kann. Hierzu eignet sich am besten ein erhöhter Tritt oder Sitz; im Konzertsaal im Vordergrund des Podiums, in der Oper dicht an der Bühne, oder, wie in großen Theatern, weiter zurück im Orchester, und je größer die Anzahl der Ausführenden, je weiter der von denselben eingenommene Raum, um so höher muß jener sein. Auch die Aufftellung des Klangkörpers anzuordnen, ist Sache des Dirigenten. Das Podimn zur Aufstellung muß stufenweise, nach dem Hintergründe sich erhöhend, ausgebaut werden. Für große Orchester- und namentlich für große Chor-Aufführungen ist diese Anordnung geradezu unerlässlich, um eine wirkungsvolle Entfaltung der einzelnen Stimmengattungen, der einzelnen Klanggruppen zu ermöglichen. Was nun die Ausstellung des Klangkörpers selbst betrifft, so gruppiert man das Orchester in: Konzert am besten in folgender Weise: Links vom Dirigenten die ersten, rechts die zweiten Violinen; neben diesen, nach dem Hintergründe zu, die Violen; vor dem Pulte des Dirigenten und links neben den ersten Violinen die Violoncelli, denen sich die Bässe nach hinten zu anschließen. Auf der Seite der ersten Violinen gruppieren sich die Holzbläser, auf der andern Seite dann die Blechbläser, ganz im Hintergründe die Schlaginstrumente. Die Harfe ist an: besten links vom Dirigenten nahe den ersten Violinen aufzustellen. Hörner und Posaunen sind so zu setzen, dass die Schalltrichter eitlich ins Orchester gerichtet sind. s ' -. ־־ --■=== ist, und zwischen chm und dem zwerghaften Buchhändler entspinnt sich folgendes Gespräch: ״Seid Ihr Signor Davide Croccolo?" ״Sicherlich." ״Ihr schuldet meinem Hause in Berlin noch 240 Lire aus einer alten Verrechnung." ״Das ist richtig." ״Ihr geltet als insolvent." ״Ich bin so unglücklich, mein Herr. Als ich vor zwei Jahren erkrankte, war ich gezwungen, meinen Laden zu schließen; die Kundeir verliefen sich, und nachdem ich das Bett verlassen hatte, war ich außer Stande, meine Gläubiger zu zahlen. Nun besitze ich fast nichts, als diese Reste meiner Maaren. Wenn ich mich kräftig genug fühle, fahre ich durch die Sttaßeu, um meine Bücher anzubieten, aber glaubet mir, o Herr, ich verkaufe gar wenig." Der arme Deutsche wurde feuerroth und sagte in einen: Tone, der mürrisch klingen sollte: ״Ja, wer zwingt Euch denn zu zahlen, wenn Ihr arm seid und kränklich? Wäret Ihr es doch, der die alte, vergessene Geschichte auftührte und Geld bot für eine Schuld, die längst abgeschneben war und als verloren gatt." ״O, was denkt Ihr, Herr! Ich will zahlen, ich will meinen ehrlichen Namen wieder, ״c’e per l’onore della casa“. Es ist wegen der Ehre des Hauses." Dann zog er all sein Geld aus der Tasche und zählte zwei Füns-Lire-Scheine etwas Silber und ein Häufchen Kupfer hin, nicht ganz zwanzig Lire. Die Aufstellung des Orchesters in: Theater wird sich mehr nach den räumliche:: Verhältnißen und den: Sitze des Dirigenten zu richten haben. Die Streicher sind zunächst um denselben zu stellen, denen sich dann auf beiden Seiten die Bläser anschließen; die Holzbläser, mit den Hörnern in: Hintergrund, meistens links, die Posaunen, Trompeten und Schlagzeug rechts vom Dirigenten. §> Flöten. es -3 ״ Harfe. Violoncelli. Bratschen. Erste Violinen. I I Zweite Violinen Dirigent. Die Aufstellung des gemischten Chores wird sich zunächst so gestalten: links im Vordergrund der Sopran, rechts der Alt; der Tenor hinter den: Alt und der Baß hinter den: Sopran, oder, wie auch vielfach geschieht, der Tenor hinter den: Sopran, der Baß hinter den: Alt. Letztere Gruppierung halte ich der Stimmführung wegen für die bessere. Bei Doppelchören ist es jedoch der"kontrastierenden Wirkungen wegen vortheilhafter, auf jeder Seite die vier Sümmengattungen hintereinander aufzustellen. Die Aufstellung der Männerstimmen ist ähnlich wie bei::: gemischten Chor anzuordnen; in: Vordergrund die Tenöre I. und H., dahinter die Bässe. Bei Chorausführuugen mit Orchester ist dieses, keilförmig zwischen der Chormasse aufzustellen und zwar achte man-darauf, dass die ersten und die zweiten Violinen, die Bratschen, Celli und Bässe möglichst beim Sopran und Alt, bei den Tenöre:: und Bässen, entsprechend also der Stimmführung iu den Chorsätzen, aufgestellt werden. ״So, Herr, und im nächsten Jahre, wenn Ihr nach Livorno kommt, zahle ich wieder etwas." ״Nicht doch," sagte der Deutsche; ״ich soll Euch im Aufträge des Hauses für zehn Perzent, also für vierundzwanzig Lire, die ganze Schuld quittiren." Dabei wusste er nicht, ob er lachen sollte oder weinen, und der kleine Croccolo wusst's dann ebensowenig. Er lief aufgeregt hin und her, von einem Laden zum anderen, und brachte endlich die fehlenden vier Lire zusammen. Gierigen Blickes verfolgt er hierauf die Hand des Reisenden, welcher ihm bestätigt, dass die ganze Schuld beglichen sei. Er faltet stteichelnd das Papier, fährt nochnmls liebkosend mit der Hand darüber, birgt es auf seiner Brust, und strahlenden Antlitzes hebt er die Schultern in die Höhe, wendet die Handflächen nach außen und murmelt, wie entschuldigend: ״c’e per l’onore della casa.“ An: selben Tage noch wurden wir gute Freunde. ״Signor Davide", wie :::an ihn kurzweg im Ghetto zu Livorno nennt, und ich; sehr gute Freunde wurden wir, so dass er mich einlud, ihn bald zu besuchen, er hätte mir etwas zu zeigen. Ein schneidig kälter Wind wehte von der See her, als ich mich entschloß, sein Heim aufzusuchen, und nichts erinnerte an diesem Tage daran, dass man in Italien lebe, als die unheizbaren Zimmer und die uuwirthlichen Gasthausräume. Nahe dem Geburtshause Montefiore's, eine gebrechliche Treppe hinan, in einem verwahrlosten Baue, dort fand ich die vermorschte Thür zu Croccolo's Wohnung. Ein schmieriger, zerfetzter Sttick versah die Stelle des Glockenzuges und nach heftigen: Läuten wurde ich eingelassen.

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