Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 19 (1.8.1893)
- Date
- 1893-08-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 19. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeilüng. Seite Z. Zu der geisttgen Thäügkeit des Dirigenten tritt nun die äußerliche hinzu, das Taktieren: die Thäügkeit, vermittelst welcher der Dirigent dem zur Ausführung des Werkes berufenen Klangkörper das in ihm vorhandene rhythmische Gefühl durch Zeichen übermittelt und die von ihm besümmte Zeitdauer des Taktes zu beobachten zwingt. Diese Zeichen, gegeben oder geschlagen mit dem Taktstock, deuten die Taktzeichen an, und wenn dieses Verfahren auch im allgemeinen ziemlich einfach ist, so giebt es doch mancherlei Dinge zu beobachten, so dass die im folgenden gegebenen Andeuttmgen über die Technik des Taktierens willkommen sein dürften. Der Tattstock ist möglichst hoch zu halten, damit die Bewegungen mit demselben allen deutlich sichtbar werden. Der erste Takttheil wird stets durch einen Schlag von oben nach unten (Niederschlag) markiert. Die weiteren Schläge schließen sich von hier, von unten also, direkt an, oder aus der Mitte der mit dem Stabe beim Mederschlag beschriebenen Luftlinie. Im letzteren Falle ist der Stab gleich nach dem Niederschlag bis zur Mitte zurückzuheben. Das erste Verfahren dürfte bei schnellem Tempo im 2/4, 72 und 3/4 Takt vorzuziehen sein; die Schläge, schärfer begrenzt, erzwingen eine rhythmisch sttaffere Ausführung. Den Tatt zu zwei Zeittheilen (74, 2/a, 0.) schlägt man also, indem man den ersten Takttheil durch einen Schlag von oben nach unten, den zweiten Takttheil durch einen Schlag von unten nach oben bezeichnet. Bei dem Takt zu drei Tatttheilen (3/g, 7478 ׳) markiert man den ersten Tatttheil wie vorher durch den Mederschlag, den zweiten anschließend von unten nach rechts schräg aufwärts, oder aus der Mitte nach rechts, den dritten Tatttheil stets von rechts nach links nach oben. Bei dem Tatt zu vier Tatttheilen (4/4, 0.) wird der erste Takttheil von oben nach unten, der zweite aus der Mitte anschließend nach links, der dritte quer nach rechs und der vierte wieder aufwärts geschlagen. Ist das Tempo ein sehr langsames, so ist es oft nothwendig, um Schwankungen zu vermeiden, die Unterabtheilungen der Taktzeiten zu martteren und zwar ebenfalls in der Richtung der Hauptbewegungen; die Haupttheile sind nun schärfer zu bezeichnen. Die langsamen, zusammengesetzten Tattarten 78, 74, 78 und '78 bedingen ebenfalls das Martteren der Unterabtheilungen. Bei bewegterem Tempo giebt man auch wohl nur das erste und dritte, vierte und sechste Achtel oder Viertel, da das Ausschlagen aller Zeittheile dann zu unruhig wirken würde, oder noch einfacher: den 78, 71 Takt wie den 74, 7, Takt durch 2 Schläge, den 78, 9U Takt wie den 74, 78 Tatt durch drei Schläge, den '78 Takt wie den 4/4 Takt durch vier Schläge. In sehr schnellen Sätze:: im 74, 7a und 7., Takt marttert man nur die ganzen Tatte durch den äußerst besümmt gegebenen Mederschlag auf den ersten Takttheil. Der 5/4 sowie der 7/4 Tatt werden als eine Zusammensetzung aus einem 3/4 und 2/4, resp. 4/4 und 3/4 Takt gedacht und demgemäß tattiert. (Schluß folgt.) ״Peter SchlemihI," irrte ״Sch'lumiel ben Zurifchadoj." Von L. Buxbanm, Religionslehrer in Wien. Von den biblischen und talmudischen Personen, deren berühmte oder berüchügte Namen zum Sprichwort geworden,*) ist ״Sch'lumiel," d. i. der Name des Fürsten vom Stamme Schimon, entschieden der populärste. Denn dieser Fürst, der von uns als Vater der Pechvögel hingestellt wird, ist noch heute allbekannt, während die anderen sprichwörtlich gewordenen Namen jüdischen Ursprungs in gänzliche Vergessenheit geriethen. Ja unser Sch'lumiel ist weltbekannt, da ihm Chamisso durch seinen ״Peter Schlemihl" einen Weltruf verschaffte. Allein trotz dieser allgemeinen Verbreitung, dessen sich der Sch'lumiel oder Schlemihl ersteut, ist Grund und Ursache jener Identität unbekannt, und die Fragen: ״Welcher Stteich wurde denn dem Sch'lumiel ben Zurischadoj gespielt?" ״Womit war er der Gefoppte?" ״Bei welcher Gelegenheit wurde er verkürzt oder zurückgesetzt?" fanden bis nun keine befriedigende Antwort**). Durchdrungen von der Richügkeit des talmudischen Aussprllches: Szichoszon schel talmide chachomim z'riotto talnrad, d. h. ״Selbst die im Gespräche en passant gemachte Bemerkung der Weisen bedarf, des üefen Sinnes halber, den sie birgt, der ernsten Forschung," riickte ich unserem ״Sch'lumiel" mit vollem Ernste an den Leib und biete nun hiermit den geehrten Lesern dieses geschätzten Blattes das Resultat meiner diesbezüglichen Untersuchung. Bekanntlich wurde bei der Darbringung der Einweihungs- Opfer — Chanukas hamisbea&h., welche die 12. Stammesfürsten bei Gelegenheit der Aufrichtung der Süftshütte vom!. bis zum 12. Nissan darbrachten, dieselbe Ordnung wie bei der Aufstellung der 4 Lager eingehalten, so dass der Fürst vom Stamme Juda am ersten, der Fürst stir den Stamm Nastali am letzten und Sch'lumiel, als Fürst des Stammes Simeon, am fünften Tage an die Reihe kam. Hierin nun, dass Schl, erst als der Fünfte ״daran" kam, lag stir ihn — und nur für ihn — eine Zurücksetzung. Wir wollen dies sofort beweisen. Als Lager-Führer — resp. Degel-Jnhaber — wurden, wie dies deutlich ersichtlich ist, die Erstgeborenen erwählt, u. zw.: Rüben/ als B'chor der Leah, Estaim — für Joses, als B'chor der Rachel, und Dan, als B'chor der Bilha. Gad, der Erstgeborene der Silpa, musste, als der jüngere B'chor der beiden Nebenstauen, dem Dynasüe-Stamme Juda (I. B. M. XLIX 9. 10. — Ehr. I. Y. 2) weichen, so wie die ander:: 3 B'chorim ihm, dem Mcht-B'chor aber Kronenträger, den ersten Platz einräumen mussten. Gad wurde damit entschädigt, dass er den Söhnen der ״Freistau" Leah, dem Lager Rüben, zugetheilt würde. Und um gewissermaßen auch der Mutier, der Silpa, Ersatz zu bieten, wurde der Stamm Nastali, der mütterliche Bruder des Degel-Jnhabers Dan, veranlasst, freiwillig seinen Tag, den vorletzten, dem Ascher, dem zweiten Sohn der Silpa, zu überlassen, resp. mit ihm zu lauschen, so dass derselbe, der Jüngste, schon am 11. Tage daran kam, während nun Nastali, der V o r v o r l e tz t e der B'ne haschfochaus, der L etz t e, doch deshalb nicht der Verletzte war. *) Männer: Der ungeschickte ״Lemech."— Urgroßvater ״M'ssuschelach."— ״Betrunken wie Lot." — ״Lowon," der Ramoi (Betrüger). — Der Krakehl ״Korach" — Lang wie ״Op." — ״Schimschon," der Gibbor. — Weise wie ״Sch'lomoh." — Leidend wie ״Jjob". — ״Hillels" Geduld. — (״Korachs" Oschiruth). ״Acher," der M'fchumed. — ״Esfow," der Roschoh — Bil'om, der Roschoh. — ״Homon," der Roschoh — ״Titusder Roschoh. — Frauen: ״Chawa," die Näscherin. — ״Lots-Weib," die Neugierige. — Madame ״Potifar" — ״Dina," die Ausläuferin. — Falsch wie ״Delilah." — ״Sch'lomis bas Diwri," unseligen Andenkens. — Voll Anmuth, wie ״Ester hamalkoh." — Klug, wie die״Malkoh von Sch'woh" — Melomedes, (gelehrt) wie ״Berurjah." — **) Was Dr. M. H. Friedländer in seinem ״Tif'ereS Jißroel" S. 3tz, von L8w über den Ursprung des Sch'lumiel bringt, ist sehr weit hergeholt und nichts weniger als einleuchtend. —