Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 18 (15.7.1893)
- Date
- 1893-07-15
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4. Mefferreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. Nr. 18. benen Gesetze blieben bezüglich ihrer Auseinandersetzung und AusfHrung der jeweiligen mündlichen Belehrung überlassen. All die Lehren mit Ausnahme der süns Bücher Moses, die den. besondern Titel “״ר!ררה die Lehre, führen, also sowohl die mündlich erhaltenen als auch die niedergeschriebenen Lehren, sowie die übrigen heiligen Schriften heißen gemeinsam ״Kabbalah" d. i. Ueb.ernommenes von Kabbalah. In Sprüchen der Väter, wo die Kette der aufeinander folgenden Lehren angegeben ist, heißt es nicht, dieser und jener hat ttadiert, sondern er hat von diesem und jenem übernommen. Von Moses selbst heißt es an dieser Stelle mit Bezug auf die geschriebene Thorah: Moses hat die Thorah übernommen vom Sinaj her. Dies will nicht etwa sagen, dass die ganze Thorah aus dem Sinaj verkündet wurde, dem dies entspricht nicht der Wirklichkeit, viele Vorschriften find schon vor diesem Ereigniße gegeben worden und viele find erst bei Erneuerung des Bundes in den Ebenen von Moab ertheilt worden. Sondern es soll mit diesem Satze gesagt sein, dass Moses es am Sinaj übernommen hat, dem Volke die Thorah zu geben. Besonders muß der Name ״Kabbalah" bei den biblischen Schriften außer der Thorah betont werden, weil bannt bezeichnet wird, dass die Grundlage, auf welcher ein Prophet Offeybarungen zu verkünden berechtigt ist, in dem Willen des Volkes ■ wurzelt, wie Moses, als er die Jnstituüon des Prophetenthums bespricht, ausdrücklich hervorhebt: Einen Propheten ms deiner Mtte, von deinen Brüdern, so wie mich, wird der Ewige, dein Gott, dir bestellen, auf ihn sollt ihr hören, und so wie du verlangt hast von dem Ewigen, deiyem Gotte, am Choreb, am Tage der Versammlung u. s. w. Und. der Ewige sprach zu mir,: Gut ist, wüsste geredet, einen Propheten werde ich ihnen bestellen, mitten aus ihren Brüdern, wie dich, und werde meine Worte ihm in den Mund legem u. s. to, (V. B. M. 18, 15—19.) - Zwei Theater im Ghetto von Nrw-Hork. Beschrieben von einem Nichtjuden. (Schluß). Wer auch Gesang und Spiel waren dabei so ausgezeichnet, dass ich die gmzen fünf Akte zu Ende hörte und mü Interesse dem Wechsel der Scenen, welche bald Jerusalem, bald Bethlehem, bald die Landschaften Palästinas darstellten, folgte. Schaarenweise pilgern die Amerikaner zu den berühmten Passionsspielen im Oberammergau und doch haben sie in ihrem eigenen Lande, in diesem ßoumania Opera House eine Bühne, auf welcher biblische Ereigniße, fteilich im kleineren Rahmen, aber gewiss mit ebenso großem Ernst und mit viel größerer Wahrheit d.argestellt werden, zur großen Freude der vielen Tausende von Israeliten, welche chre Polnischen Heimatstädte verlassen haben, um hier in der neuen Welt den gleichen Berufsarten wie dort zu folgen. Bei jeder Vorstellung ist das Theater gefüllt und die Gesellschaft macht vorzügliche Geschäfte bald mit Opern, bald mit Dramen, welche gewöhnlich Ereigniße aus der jüdischen Geschichte zum Gegeirstande haben. Der Dramaturg dieses merkwürdigen Dealers ist Professor H o r o w itz- Halevy, und seine beliebtesten Stücke find die Oper ״König Salomon",das Drama ״Jehudaund Israel" und ein Volksstück ״Die Verschwörung von Tisza-Eslar", dessen Gegenstand dem Viel nach/wohl jedem Leser noch erinnerlich sein dürfte. Die hauptsächlichsten Mitglieder der Gesellschaft stammen aus Bukarest, wo sie in früheren Jahren auch auf Gastvor- Zu dieser Kabbalah gehören außer den besagten Schriften und Lehren auch die spätem Lehren der großen Synagoge, der Sophrim und Tana'im, solange eine nach mosaischer Vorschrift competente Behörde im Volke vorhanden war; denn das Ganze der jüdischen Lehre beruht auf jener Verpflichtungs-Uebernahme des Volkes. Alles ist Kabbalah!Übernommenes. Aber auch Bräuche und Einführungen späterer Zeit, die nur für jene Gemeinden Geltung hatten, in welchen sie entstanden, heißen Kabbalah, weil sie von diesen Gemeinden übernonnnen worden sind. Hauptsächlich kommt es darauf an, ob eine Lehre allgemein anerkannt und angenommen worden ist. Trefflich sind die Worte unseres unsterblichen Lehrers R. Moses-bar-Maimun in seiner Einleitung zum Jod-cha-sakah bezüglich dieses Gegenstandes, er sagt: ״Nach dem Bestände der Behörde des R. Aschi, der den Talmud redigiert hat und unter dessen Sohn derselbe vollendet worden, wurden die Israeliten zerstreut, u. s. w. Jede Behörde, die nach Abschluss des Talmud in irgend einem Lande entstand und Gesetze erweitert, Airordnungen getroffen und Bräuche eingeführt hat im eigenen Lande oder für viele Länder, es haben sich deren Vorschriften nicht verbreitet in ganz Israel, der großen Zerstreuung wegen u. s. w. Deshalb kann man die Bewohner eines Landes nicht nöthigen, sich nach dem Brauche eines andern Landes zu halten u. s. w. Dies gilt von Gesetzen, Gesetzerweiterungen, Verordnungen und Bräuchen, die nach Abschluss des Talmud neu entstanden sind; hingegen ist ganz Israel verpflichtet damach zu wandeln, was der babylonische Talmud enthält, und man kann jede Stadt dazu verhalten, u. s. w. Ho-il wecb.ol otbam bad’bliarim scbebigemarrba hisskimu alehem kol jisrael. Denn ganz Israel hat dem beigestimmt, was der Talmud enthält u. s. w. stellungen nach ungarischen, mmänischen und Polnischen Städten reisten. Gelegentlich eines Gastspiels in Jassy erhielten sie von einem zufällig anwesenden amerikanischen Unternehmer eine Ein- Ladung nach Newyork, und sie befinden sich hier so wohl, dass sie kaum wieder nach ihrer Heimat zurückkehren werden. Die beliebtesten Darsteller der Truppe sind Sigmund Feinmann und Israel Weinblatt; dann Miß Ernestine Finkelstein, Miß Pauline Edelstein und Madame Feuerstein — ein mineralogisches Kleeblatt. Die Matinee im Roumania Opera House hatte mich so interessirt, dass ich beschloß, an einem der folgenden Abende auch das zweite Ghettotheater zu besuchen. Nicht weit von dem ersten, in dem belebtesten und am dichtesten bevölkerten Theil der Bowery erhebt sich zwischen anderen Theatern, Schaubuden, Kuriositätenläden und Bierkneipen ein schmaler zweistöckiger Bau. Kaum von den umstehenden Wohnhäusem verschieden, nur dass über der engen niedrigen Eingangspforte die Worte: ״Oriental Tbeatre“ stehen. Auch hier waren die Eintrittspreise die gleichen wie im rumänischen Theater, und der Theaterzettel war ebenfalls in hebräischer Schrift gedruckt, welche ein großer Theil der jüdischen Bewohner jener Gegend besser zu lesen versteht, als die englische oder deutsche. Das Theater ist etwas kleiner als das rumänische; ein langgestreckter schmaler Raum, wie er eben durch die Umwandlung eines gewöhnlichen Wohnhauses nicht anders gewonnen werden konnte. Auch hier werden abwechselnd Dramen und Opern gegeben, durchwegs jüdischen Inhalts, und die einzigen klassischen Stücke des gegenwärtigen Repertoires sind Gutzkows ״Uriel Acosta" und Halewy's ״Jüdin". Der Dramaturg des Oriental-Theaters ist Herr Josef Lateiner, der Moliere und Shakespeare des Ghettos von Newyork, ein sehr talentvoller ״Adapteur", der, wie man mir sagte, nur in