Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 17 (1.7.1893)
- Date
- 1893-07-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Ieitttng. Nr. 17. gemacht, denselben zu gehorchen. ״Tritt d u hm und höre Alles, was der Ewige, unser Gott, sprechen wird, und du sage uns Alles, was der Ewige, unser Gott, dir sagen wird, und wir werden gehorchen und es ausüben." (V. B. M., 5, 24). Aus dieser Bevollmächtigung und Verpflichtungsübernahme beruht die Verbindlichkeit Israels, dem mosaischen Gesetze Folge zu leisten. Kraft dieser Verpflichtung wurde Israel auch ver- Kunden, spätem Lehrern, Richtern und Propheten zu gehorchen, die den diesbezüglichen mosaischen Vorschriften entsprechen. Und trotz dieser Verpflichtung sah sich Josuah nach der Eroberung des Landes veranlasst, noch einmal das Volk aufzufordern, sich zu erklären, ob es die Lehre übernehmen wolle oder nicht. Es beruht die jüdische Lehre demnach theils auf persönlicher Wahrnehmung und Ueberzeugung, theils auf der Hebernähme der Gesetze durch Moses, den das Volk hiezu bevollmächtigt hatte. In allen seinen Reden weist Moses auf die stattgehabte persönliche Ueberzeugung des Volkes hin; seine erste Rede vor der Verkündigung der zehn Gebote beginnt mit den Worten: ״Attem reitliem" ״Ihr habt gesehen" (II. B. M., 19, 4). Seine letzte Rede, die Ansprache an das Volk vor seinem Tode, leitet er mit denselben Worten ein. (V. 29, 1). Auch sonst gebraucht er in seinen Reden: ״Enechem haroathin". ״Euere Augen haben gesehen" (V. B. M., 4, 3), ferner: Dir ist gezeigt worden, zu erkennen, dass ..... (das. V., 35). Zur ersten Stelle: Ihr habt gesehen, fügt die Mechiltah erklärend hinzu: Lo bemassoretli ani ömer lacliem 10 chethubkim kem!ackern. ״Ich berufe mich nicht auf eine Tradition, ich berufe mich nicht auf Schriften,'ich sage nicht, es haben schon in , alter Zeit Propheten von mir geweissagt und geschrieben: ko ehethobhim aniwesekager!ackern 10 edimanima-amidela attem reithem, auch sende ich euch keine Epistel zu, .und nicht Zeugen bekräfügen meinen Beruf, sondern — Ihr habt gesehen." (Fortsetzung folgt.) Zwei Theater im Ghetto von New-Hork?) ' Beschrieben von׳ einem Nichtjuden. Wie konnte das Haus Nr. 104 in der Bowery von Newyork zu dem Namen Rouinaiiia Opera House gekommen sein? Sind denn die Rumänen in Newyork zahlreich genug, um ihr eigenes Operntheater zu besitzen? Freilich ist die Newyorker Bowery eine der internationalsten und merkwürdigsten Straßen der neuen Welt, wo der Fremde allerhand ethnologische Curiosa antteffen wird, — aber ein rumänisches Operntheater? Unter den zahlreichen Theaterallzeigen der großen Newyorker Tagesblatter hatte ich niemals von einem solchen gelesen — ein rumanisches Blatt gibt es seltsamer Weise in der sonst so vielsprachigen Metropole Nordamerikas auch nicht — die Sache interessirte mich also doppelt. Eines Samstags Nachinittags durch die Bowery dem Hafen zuschreitend, sah ich vor dem Hause Nr.. 104 zahlreiche Menschen versammelt, die Einlaß begehrten: nicht Leute, wie man sie in der neuen Welt zu seheil gewohnt ist — sondern wie sie die Sttaßeil von Lemberg, Brody, Warschau, Wilna, Brest-Litowski bevölkern. Männer mit dichtem schwarzen Kopfhaar und langen Bärten; manche trugen schwarze fadenscheinige Talare und eigenthüulliche russisch-polnische Mützen, unter denen an den Seiten lange Locken hervorquollen. Weiber mit hübschen Gesichtem, umrahmt von flachgekännntenl gläilzenden Harr, bunte Tücher um die Schultern geworfen; zahlreiche Kinder, Knaben und Mädchen, die sich lärmend und schreielid zwischen den Erwachsenen umherdrängten und in einem Kauder- *) Bon Ernst von Hesse-Mai tcgg. (S. Prager Mont-Revue). Das Woschvl. Nach seiner Bedeutung und Anwendung in biblischen und nachbiblischrn Schriften. XXXIV. As-aria Figus Meschalim sind kurz und bündig ge- ׳ fasst, bestehen größtentheils aus Gleichnissen dem Leben entnomulen. Wir wollen einige hier folget! lassen. Natur und Erfindung. Was die Natur vernachlässige!, wird oft durch Erfindung und Kunst von den Menschen ersetzt. Diese Gaben besitzen nur die vernünftigen Geschöpfe, welche die Kräfte der Natur sich dienstbar zu machen versteheir. Nehmen wir beispielsweise an, Jemand hat ein schwaches Gesicht, oder er ist kurzsichtig, hat man Gläser erfunden, welche dem Übel vollkommen abhelsen, so gibt es Vergrößerungsgläser und so kann man auch andere Fehler, körperliche und geistige, durch künstliche Mittel verbessern. Dem schwachen Gedächtniße kann man durch Anschauungsbilder nachhelfen, worauf schon die Bibel aufinerksanl macht beim Gebete der Schaufüden (21218) ״ihr sollt sie anschauen und euch dadurch erinnern an die Gebote Gottes (4. M. 15, 39.) So reichen sich Natur und Erfindung die Hand, um sich einander zu untersttitzen (1. Theil, Blatt 31.) Der^ Gesunde und der Krankt Der gesunde Mensch hat die Pflicht durch Speise und Trank sein Leben zu erhalten, er kann Alles, was die Religion nicht verbietet, genießen, jemehr er consumiren kann, desto kräftiger und stärker wird er. Nicht so der Kranke, der kann nur durch Entbehrung der Speisen und Getränke, durch eine gewisse Diät nach Vorschrift des Arztes, wieder genesen. Sollte etwa der Gesunde folgern wollen, wenn der Kranke durch Entbehrungen wieder geneset, wie erst der Gesunde, das wäre ein falsches Urtheil. Nicht so verhält es sich bei dem moralisch gesunden oder kranken Menschen. Da sind Enthaltsamkeit und Entbehrungen für . beide gebothen. Daselbst stellt der Verfasser noch folgendes wälsch fremdartiger Sprachen, vielfach vermischt mit deutschen Wörtern, schwatzten. Auf großen Tafeln neben der Eingangs- Pforte befanden sich Anzeigen, die ich leider nicht lesen konnte, denn sie waren in — hebräischen Lettern. Ich frage einen der Umstehenden in englischer Sprache, nach dem Inhalt dieser Anzeigen. Er zuckte die Achseln, als verstünde er mich nicht. Ich wiederholte nun die Frage in deutscher Sprache. In einem Gemenge von Deutsch und Polnisch antwortete er mir nun, die Vorstellung im Roumania Opera House würde gleich beginnen, und die Leute lvarteten aus die Kasseneröffnung. Was denn gespielt würde? . ״Sulamitäf" "eine sehr schöne Oper, komponirt von Herrn Goldfaden'— eine lange Oper von fünf Akten und dauerte über vier Stunden. Die Goldstein, die berühmte Sängerin Goldstein, würde die Sulamita und der Herr Schöngold würde den Abschalom singen. Die Handlung sei sehr spannend, denn der Herr Lateiner, der schon so viele Stücke verfaßt, hätte sie geschrieben. Ob denn Jedermann die Oper besuchen könne? Jeder, der bezahlt. Die ersten Plätze kosten einen Dollar, die letzten 25. Cents. Der Leser wird bereits errathen haben, dass ich mich vor einem jüdischen Theater befand. Ich bezahlte meinen Dollar und trat ein. Die Menge, welche allmählig alle Sitze in allen Räumen des Theaters füllte, sah mich verwundert an, denn ich war der einzige Besucher in moderner amerikanischer Kleidung. Die Anwesenden waren sämmtliche Israeliten der ärmeren Elasten, hauptsächlich aus dem großen Ghetto von Newyork, das sich westlich von dem East River bis an die Bowery hinzieht und!nehrere Dutzend Straßengevierte umfasst. Zwischen 30- und 40.000 Israeliten, zumeist aus Polen, Rußland und Rumänien stammend, wohueu