Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 16 (11.6.1893)
- Date
- 1893-06-11
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 16. Gesterreichisch-ungarische. Lantoren-ZeiLung. Seite 7. Budapest. ״Budapests hirlap" veröffentlichte am 15. v. M. eine unter den Paloczen verbreitete Legende über den verewigten Kronprinzen Rudolf, eine Geschichte, die awpietätlosem Unsinn ganz Unglaubliches leistet. Es heißt darin, der Kronprinz sei gar nicht gestorben, sondern weil er ״die Ungarn gegen die Juden vertheidigte, in den Keller eines in Wien lebenden ungeheuer reichen Juden gesperrt worden". Ein bei dem Juden bedienstetes Mädchen und dessen Liebster, ein Schlaffer, hätten alsdann den Prinzen befreit und seien mit ihm nach Belgien ״zu dem Großvater des Prinzen geflüchtet, wo nun der Krön- Prinz darauf warte, dass oie Ungarn ihn heimzuholen kämen." Solche Mederträchtigkeiten kann man ungestraft freilich nur den Antisemiten auftischen. Budapest. In hiesigen Finanzkreisen macht die rasche Carrisre eines blutjungen Journalisten viel von sich reden, dessen Ernennung zum Ministerial-Secretär im Finanzministerium bevorsteht. Der im Jahre 1868 geborene junge Mann, David K o h n mit Namen, ein Sprößling armer jüdischer Eltern, besitzt schon heute als National-Oekonom einen über die Marken seines Vaterlandes hinausreichenden Ruf. Er gewann vor zwei Jahren, noch als Jurist, einen Preis der ungarischen Academie der Wissenschäften mit einem Werke über ״Das Termingeschäft im Getreidehandel", das auch in's Deutsche übertragen und von Fachkennern überaus beifällig ausgenommen wurde. Zur Redaction des volkswirthschaftlichen Theiles des ungarischen Tagblattes ״Magyar Hirlap" berufen, führte sich Kohn durch gewandte und nicht unberechügte Angriffe auf die Gewaltpolitik des verstorbenen Handelsministers Baroß ein, welche sogar zu Demonstrationen gegen den bis dahin so populären ״Vater des Zonentarifs" führten. Vor einem Monate gewann Kohn wieder den volkswirthschaftlichenPreisderAcademie mit einem Werke über ״Die italienische Valuta". Ministerpräsident W e k e r l e, der den begabten jungen Mann schon seit zwei Jahren aufmerksam im Auge behielt, berief ihn nun als Ministerial-Secretär in das Finanzmin i s t e r i u m, und dürfte das ungarische Amtsblatt schon in den allernächsten Tagen die Ernennung des erst 25-jährigen Mannes publiciren. Ob derartiges auch in Oesterreich passiven könnte?! Zittau. Unser lieber Amtsbruder, Herr M. Tintner in Bunzlau (Preuß. Schlesien), Verfasser des ״Hadras Kodesch" hat in voriger Woche seine älteste Tochter mit dem Studiengenossen seines Sohnes, Herrn Predigerund Lehrer Leo Naftanisl in Pokosch, verheiratet, und dem Schreiber dieses war es vergönnt, diesem schönen Feste anzuwohnen. Es war hocherfreulich zu sehen, wie sich bei dieser Gelegenheit die Vorsteher dieser Gemeinde und jedes einzelne Mitglied derselben gegen ihren Beamten benommen haben. Nur der von Vielen ausgesprochene Gedanke, dass die durch ihren herrlichen Gesang den Gottesdienst so oft verherrlichende junge Frau nun das Vaterhaus und die Vaterstadt verlasse, hat einen Tropfen Wermuth in den Kelch der Freude geträufelt. Erhebend war der Act der Trauung. Dass die Entlassung vom Elternhause beim Bedecken und die gedankenreiche Trauungsrede in der Synagoge, vom Vater der schönen Braut gehalten, kein Auge der zahlreich Anwesenden thränenleer ließ, kann sich jeder denken; nicht minder erhebend jedoch waren die Gesänge und die Orgelbegleitung, beide dem ״Hadras Kodesch" entnommen. Das Solo: ״Lass o Vater", sonst von der Braut gesungen, wurde diesmal von den Mitgliedern der hiesigen Singakademie vorgetragen, die sich in Anbetracht der geschätzten und uneigennützigen Mitwirkung der Braut bei deren Concerten, zur Mitwirkung bei der Trauung erboten hatten. Stimme und Vortrag unseres Freundes, waren trotz seiner inneren Ergriffenheit, von außerordentlicher Wirkung. Möge es dem Festgeber und seiner biedern Gattin gegönnt sein, auch das jüngste ihrer Kinder in Wonne und Freuden unter den Trauhimmel zu führen. Das walte Gott! Neubauer. Bunzlau. Ein hiesiges Blatt schreibt: Folgendes Inserat war kürzlich in einem Breslauer Blatte zu finden: ״Mein seit Jahren gut bewährtes Heirats-Vermittlungs-Jnsütut bringe ich Herren und Damen aller Confessionen in empfehlende Erinnerung. Material immer vorhanden und bittet um gefällige Aufträge C a n t o r E. Bender in Löwenberg i. Schl." Was sagt der Leser hierzu? Sollte ein solches Nebenamt mit dem Lehramt in Einklang stehen? Oder sollte der Name rc. fingiert sein? — Kurz nachher war in demselben Blatte Folgender Nachtrag zu lesen: Der in Nr. 123 d. Ztg. erwähnte Cantor E. B. in Löwenberg in. Schl, ist der Cantor oder Vorbeter der jüdischen Gemeinde. Das Einkommen der Cantorstelle soll ein sehr geringes sein und eine Nebeneinnahme wünschenswert erscheinen lassen. Auch ich las dieselbe Annonce, betr. Ankündigung eines Heiratsbureaus, in einem schlesischen Blatte und hatte dieselbe Empfindung, wie der Referent in Nr. 123 über ״das seit Jahren bewährte Heiratsvermittlungsinstitut fiir Herren und Damen aller Confessionen". Dies zur Richtigstellung! Berlin. Ein s p e c i f i s ch jüdisches W a h l p r ogr am m verbreitet Dr. Hirsch Hildesheimer in einem durch den ״Vorwärts" veröffentlichten Circular. Dr. Hirsch Hildesheimer schreibt nämlich: ״Wir als Inden" haben, abgesehen von aller Parteistellung, wie mir scheint, alle Veranlassung zu wünschen und zu erstreben, dass solche Männer gewählt werden, welche unsere staatsbürgerlichen Rechte unbedingt unter allen Umständen erhalten wollen und es gleichzeitig vermeiden, dass ein gefährlicher Militärconftict ausbricht. Unser Patriotismus mich uns dictiren, dahin zu wirken, dass Deutschland in vollem Maße wehrfähig bleibt: oder es besteht auch eine große Gefahr, dass im Falle eines Militärconflictes die Regierung sich ausschließlich ans die Conservativen stiitzt und letztere dann auch in der Lage sind, ihre antisemitischen Pläne durchzusetzen." Hierzu bemerkt Eug en Richter in der Freisinnigen Zeitung: ״Wir freuen uns, festzustellen, dass die Freisinnige Bo lk spartet mit Herrn Hirsch Hildesheimer nichts gemein hat und mit Juden von solcher Gesinnung nichts zu thun haben will." Gublicaüoirett öes österr.-Mgar. Acmtoren-HeremeS. In Folge mehrfach geäußerter Wünsche seitens der Bereinsmitglieder werden nachfolgend sämmtliche im Jahre 1893 geleisteten Jahres- und Pflichtbeiträge ausgewiesen: Blatt, Wien fl. 3.— : Pekarnik, Wien fl 2.—; Fleck, Wien fl. 3.—; Büßgang, Zwittau fl. 6.50; Bermann, Leipa fl. 1.50: Legerer, Eger fl. 3.—; Frcisingcc. Pilsen fl. 3,—; Büßgang, Zwittau fl. 150; Reiser, Neuern fl. 6.; Noscnseld, Güssing fl. 3.—; Nußbaum, Holleschau fl. 8.—; Singer, Neubidschov fl. 3.—; Rosenberger, Komotau fl. 1.50; Friedländer, S. Bolhas fl. 1.50; Neumann, Hollabrunn fl. 1 50; Lemberger, Kut.cnplan fl. 3.—; Haas, L. St. Miklos fl. 1.50; Kraus, Prag fl. 3.—; Rosenfeld, Pisek fl. 3.—; Stein, Postelberg fl. 3.—; Klein, Budweis fl. 3.—; Blum, Schlau fl. 1.50; Sailer, Breitenbrunn fl. 1.50; Teltsch, Stockerau fl. 3.—; Grünfeld, Wien fl. 3.—; Löwy, Neumarkt, fl- 1.50; Baßl, Wien fl. 3.—; Blau, Esseg fl. 3.—; Schlesinger Mislitz fl. 3.—; Neumann, St. Pölten fl. 3.—; Stern, Wien fl. 6.—; Lederer; Letschen fl. 3.—; Grünhut, Gran fl. 4.—; Schischa, Wilhelmsburg fl. 1.50, Gruschka, Kromau fl. 1.50; Hirsch, Wien fl. 3.—; Schlesinger, Wien fl. 1.50; Schönfeld, Tab fl. 3.50; Rosenberger, Komotau fl. 1.50; Friedländer, S. Bolhas fl. 1; Beinkeles, Luk fl. 1.50; Schrecker, Jungbunzlau fl. 3; Blum, Schlau fl. 1.50; Kohn, Tucap fl. 1.50; Steiner, Meseritsch fl. 3; Peterselka, Wien fl. 5; Saller, Breitenbrunn fl. 150; Büßgang, Zwittau fl. 1.50; Kornitzer, Wien fl. 3; Pekarnik, Wien fl. 4; Gutmann, Prag fl. 4; Löwy, Neumarkt fl. 1.50; Dttnmann, Wien fl. 9; Jelliuck, Mistelbach fl. 3; Freisinger, Pilsen fl. 3; Rotter, Polna fl. 3; Außer den in Nr. 13 ausgcwiesenen Pflichtbeiträgen für den bernfsunfähigen Collegen Singer, Neubidschov sind noch nachfolgende Pflichtbeiträge eingelaufen: Singer, Bauer, Blatt, Schiller, Kornitzer, Schlesinger, Pekarnik, Dünmann-Wien, Gutmann, Prag; Freisinger, Pilsen. Da noch die Hälfte der Mitglieder mit dem Pflichtbeiträge rückständig ist, werden dieselben dringendst zur sofortigen Einsendung ermahnt. Motzix Matt, Cassicr II., Temprlgassc 3. Jahrzeitsgedenkblätter-Druckerei und Kautschukstempel-Erzeugung von Adolf Türk, Mähr.-Ostrau, offerirt den Herren Cantoren Gedenkblätter jeder Grösse fertig sammt Umrechnung ä 80 kr. und Kautschnkstenipel in jeder Grösse ä fl. 1.50 franco gegen vorherige Einsendung des Betrages. Ebenso Smano hatefilos und Gedenkblätter zur silbernen und goldenen Hochzeit. Alles in tadelloser Ausführung. Medaillon sammt Stempel 80 kr. — Agenten gesucht.