Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 16 (11.6.1893)
- Date
- 1893-06-11
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6. Nr. 16. Gesterreichisch-ungarische Cantoren-Aeitung. dieser Angelegeicheit von der Politischen Behörde eingeschntten und eme gesetzliche Regelung geschaffen werde. Diesem Anträge gab der Richter auch Folge. Wien. (Eine Ehrenbeleidigungsklage gegen Pfarrer Deckert und Paulus Meyer). Herr Dr. Josef Kopp hat gestern beim Wiener Landesgerichte gegen den hochwürdigen Pfarrer Dr. Deckert von Weinhaus und gegen Paulus Meyer die Ehrenbeleidigungsklage namens der Tochter des verstorbenen Rabbi I o s u a h aus Lenczna in Russisch-Polen überreicht. Der hochwürdige Pfarrer Deckert hat bekanntlich, gestützt auf die Aussage des Paulus Meyer, im ״Vaterland" einen Brief veröffentlicht, in welchem behauptet wurde, dass Paulus Meyer im Jahre 1875 in Ostrowo, Gonvernement Lublin in Russisch-Polen, Augenzeuge gewesen sei, wie Rabbi Josuah unter Assistenz zahlreicher Israeliten einen Christenknaben zu rituellen Zwecken ermorden ließ. Der Verbreiter dieser niederträchtigen Behauptung, Paulus Meyer, konnte in Wien so lange sein Handwerk ungestört treiben, bis das Landgericht in Leipzig wegen verschiedener Vergehen, die sich dieses Individuum in Sachsen hatte zu Schulden kommen lassen, seine Auslieferung verlangte. Paulus Meyer wurde vom Wiener Landesgerichte in Haft genommen und die Anslieferungsver- Handlungen mit Sachsen find noch im Zuge. Mittlerweile sind die von Paulus Meyer erhobenen, von dem hochwürdigen Pfarrer Doktor Deckert verbreiteten Beschuldigungengegen Rabbi Josuah auch in Rußland bekannt geworden, wo viele der von Meyer genannten Personen noch am Leben find. Den Verleumdeten liegt selbstverständlich Alles daran, die lügnerische Anklage des Paulus Meyer zu entkräften, und ebenso erachtet es die Tochter des verewigten Rabbi Josuah als ihre Kindespflicht, das Andenken ihres Vaters vor solcher Verunglimpfung zu schützen. Die erwähnten Personen haben sich daher an Dr. Josef Kopp gewendet und denselben mittelst legalisirter Vollmacht beauftragt, die Ehrenbeleidigungsklage gegen Paulus Meyer und Pfarrer Dr. Deckert vor dem Wiener Schwurgerichte zu erheben. Die Durchführung des Prozesses gegen Paulus Meyer hängt natürlich davon ab, wie sich die kompetenten Behörden zu der nun entstehenden Frage verhalten, ob diese Privatklage gegen das Auslieferungsbegehren des sächsischen Gerichtes aufschiebende Wirkung übt oder nicht. Es ist kaum anzunehmen, dass Paulus Meyer nach Abbüßung einer eventuell über ihn in Sachsen verhängten Freiheitsstrafe sich dem Wiener Gerichte stellen werde. Herr Dr. Porz er, welcher die Vertretung Meyer's zu übernehmen die Ehre hatte, wird wohl, um seinem würdigen Klienten zu nützen, die Erledigung der Auslieferungsverhandlung als das Dringendste betrachten und vor der Ehrenbeleidigungsklage den Paulus Meyer nach Sachsen hinaus — vertheidigen. Wien. Von anderer Seite wird über die Affaire Mayer- Deckert gemeldet: Es unterliegt keinem Zweifel, dass die Auslieferung des in Hast befindlichen Paulus Meyer nach Sachsen, wegen welcher Verhandlungen im Zuge sind, in Folge der nunmehr gegen chn und den Pfarrer Deckert bei dem hiesigen Gerichte erhobene Ehrenbeleidigungs-Klage vorläufig unterbleibt. Meyer hatte, wie bekannt, in einem Schreiben an den Wein- Hauser Pfarrer Dr. Deckert den Rabbi Josuah aus Lentschna und mehrere andere Personen beschuldigt, dass sie im Jahre 1875 im russischen Gouvernement Lublin in seiner Gegenwart einen Ritualmord begangen hätten. Dieser Brief Meyer's wurde vom Pfarrer Deckert int Wiener ״Vaterland" veröffentlicht, und deshalb haben die Tochter Josuah's und mehrere andere Angehörige der beschuldigten Familie gegen Deckert und Meyer die Ehrenbeleidigungs-Klage durch den Hof- und Gerichtsadvocaten Dr. Joseph Kopp erhoben. Es wird übrigens behauptet, dass Josuah ein Verwandter von Paulus Meyer gewesen sei. Der Untersuchungsrichter wird nunmehr Anlass haben, zu entscheiden, ob die Verwahrungshaft Meyer's in die Untersuchungshast umgewandelt werden soll. Die Verhandlung über die aus Rußland eingelaufene Klage dürfte kaum vor dem September statffinden. (Äfft nachher kömtte die Auslieferung nach Sachsen erfolgen, wo bekanntlich Meyer der verleumderischen Beleidigung angeklagt fft. Butsitzvkntz.Unser Religionslehrer,Herr M. A. Landau, wird uns zu Ende seines 4. Dienstjahres, das ist am 1. August verlassen, da derselbe einem ehrenden Rufe, der Cultusgenteinde Wr.-Neustadt folgt. Ueber den Verlauf der für ihn schon jetzt geplanten Abschiedsfeierlichkeiten, wobei, wie wir hören, auch ein Andenken überreicht wird, werden wir Ihrem Blatte seiner Zeit berichten. 17. Prag. (Israelitische Cultusgemeindesprcngel in Böhmen). Das jüngst ausgegebene und versendete 19. .Stück des Landesgesetzblattes enthält die Verordnung des k. k. Ministeriums für Cultus und Unterricht vom 10. März d. I., betreffend die Feststellung und Abgrenzung der israelitischen Cultusgemeindesprcngel im Königreiche Böhmen. In Ausführung der §§ 3 und 4 des Gesetzes vom 21. März 1890, betreffend die Regelung der äußeren Rechtsverhältniße der israelitischen Religionsgesellschaft wird Nachstehendes verordnet: ß 1 Im Königreiche Böhmen haben nachbenannte 197 israelitische Cultusgemeinden zu bestehen, und zwar: 1. Adlerkostcletz, 2. Aurinowes, 3. Anscha, 4. Aussig, 5. Bechin, 6. Beneschau, 7. Beraun, 8. Bergreichcnstein, 9. Bernartitz, 10. Bilin, 11. Vischost.׳initz, 12. Blatna, 13. Blowitz, 14. Bodcnbach, 15. Böhmisch- Leipa, 16. Böhmisch-Neustadtl, 17. Brandeis a. E., 18.v Brennporitschen, 19. Breznitz, 20. Brüx, 21. Budweis, 22. Budyü, 23. Oaslau, 24. Chotßbor, 25. Choustnik, 26. 6kFn, 27. Dawle, 28. Vereisen, 29. Deutsch- Brod, 30. Diwischau, 31. Dobra, 32. Dobrisch, 33. Dobruschka. 34. Dürrmaul, 35. Eger, 36. Elbckosteletz, 37. Falkcnau, 38. Flöhau, 39. Franzensbad, 40. Frauenberg, 41. Gablonz, 42. Golö-Jenikau, 43. Habcrn, 44. Hartmanitz, 45. Hermanmöstetz, 46. Holitz, 47. HoraLdiowitz, 48. Horelitz, 49. Horitz, 50. Horowitz, 51. Hostaun, 52. Hriskow, 53. Humpoletz, 54. Jechnitz, 55. Jeschin, 56. Jitschin, 57. Jistebnitz, 58. Jungbunzlau, 59. Jungwoschitz, 60. Kaadcn, 61. Kaladei, 62. Kamcnitz a. d. Linde, 63. Kardas-Ü-eLitz, 64. Karlsbad, 65. Karolinenthal, 66. Kaffejowitz, 67. Kaurim, 68. Kladno, 69. Klattau, 70. Klueenitz, 71. Kohljanowitz, 72. Köln!, 73. Kolinetz, 74. Komotau, 75. Königgrätz, 76. Königinhof, 77. Königsaal, 78. Königsberg, 79. Königsstadtl, 80. Königswart, 81. Königl. Weinberge, 82. Koschir, 83. Kozolup, 84. Kralup, 85. Krivsoudov, 86. Krumau, 87. Kundratitz, 88. Kuttenberg, 89. Kuttenplau 90. Laun, 91. Ledee, 92. Leitmeritz, 93. Leitomischl, 94. Libau, 95. Libochowitz, 96. Lichtenstadt, 97. Lieben, 98. Lobositz, 99. Luditz, 100. LuZe, 101. Marienbad, 102. Maschau, 103. Melnik, 104. Michle, 105. Mies, 106. Mirowitz, 107. Miskowitz, 108. Mnischek, 109. Mühlhausen, 110. Münchengrätz, 111. Muttersdorf, 112. Nachod, 113. Nepomuk, 114. Netschetin, 115. Neubenatek, 116. Neubistritz, 117. Neu-BydLow, 116. Neuern, 119. Neugedein, 120. Neuhaus, H21. Neustadtl, 122. Neu-Straschitz, 123. ,Neu-Zcdlisch, 124. Neweklan, 125. Nimburg, 126. Nürschan, 127. Ouwal. 128. Pardubitz, 129' Patzau, 130. Pauten. 131. Petschau, 132. Pilgram, 133. Pilsen. 134. Pisek, 135. Podebrad, 136. Podersam, 137. Polieka. 138. Polna. 139. Postelberg, 140. PostriLin, 141. Prag, 142. Preitz, 143. Prelauv, 144. Pribram, 145. Pristoupim, 146. Radaun, 147. Nadcnin, 148. Radnitz. 149. Rakonitz, 150. Naudnitz, 151. Reichenau, 152. Reichenberg, 153. Rokycan, 154. Ronsperg, 155 Rosenberg, 156. Roztok, 157. RoLdalowitz, 158. Rumburg, 159. Saaz, 160. Schlan. 161. Schüttenhofen, 162. Schwarz-Kosteletz, 163. Selöan, 164. Senftcnberg, 165. Smichow, 166, Sobeslau, 167. Soborten, 168. Staab, 169. Stalec. 170. Stankau, 171. Stenowitz, 172. Strakonitz, 173. Strantschitz, 174. Swetla, 175. Tabor, 176. Tachau, 177. Taus, 178. Teplitz, 179. Theusing, 180. Trautenau, 181. Triblitz, 182. Tueap, 183. Turnau, 184. Unter-Kralowitz, 185. Unter-Lukawitz, 186. Wallisgrün, 187. Wällisch-Birken, 188. Weiten-Trebetisch, 189. Welwarn, 190. Weseritz, 191. Wittingau, 192. Wlaschim, 193. Wodnian, 194. Wolin, 195. Wotitz, 196. Wscherau, 197. ZiLkow. Der Umfang des Sprengels einer jeden der obigen Cultusgemeinden ist aus der dieser Verordnung als An- Hang beigeschlossenen Übersicht zu ersehen. 8 2. Die Eintheilung und Abgrenzung der israelitischen Cultusgemeindesprcngel nach Maßgabe dieser Verordnung hat mit 1. Juli 1893 in Wirksamkeit zu treten. Von diesem Zeitpunkte angefangcn sind die im § 1. bezeichnetcn Cultusgemeinden als im Sinne des Gesetzes vom 21 März 1890,N.-G.-Bl.Nr. 57, constituiertanznsehen. Prag, 6. Juni. Die medizinische Fakultät der czechischen Universität gab über Aufforderung des Kuttenberger Kreisgerichtes ein Gutachten ab, dass die Dienstmagd H av lin, deren Leiche die bekannten Koliner Juden-Exzesse hervorrief, den Tod durch Ertrinken gefunden hat und dass keine Spur einer gewaltthätigen Einwirkung von fremder Hand zu constatiren war, so dass die Frage eines Ritualmordes a 1 i m i n e abgewiesen werden musste. Kuttenplan. In unserer Gemeinde wirkt durch 15 Jahre, als Cantor Herr Hermann Lemberg er. Derselbe hat sich nicht nur durch seine gediegenen Leistungen auf cantoralem Gebiets sondern auch durch sein tadelloses Benehmen allgemein Freunde erworben. Im Laufe dieses Monates feiert er an der Seite seiner- Gattin, die gleich ihm unermüdlich ist, wo es gilt, mit Rath und That einzugreifen, das Fest her silbentert Hochzeit und bietet mir dasselbe willkommene Gelegenheit, den Interpreten der allgemeinen Sympathien zu bilden, -hie dem Paare allerorts dargebracht werden.