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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1893-06-11 · Heft 16 (11.6.1893) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 16 (11.6.1893)
Date
1893-06-11
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. Nr. 16. auf ehrliche und redliche Weise deine Reichthümer in Gerar erworben, dass du dich des göttlichen Beistandes, der göttlichen Hilfe und der göttlichen Fürsorge erfreuest, dass duein gottgesegneter Mann bist, atto atta beruch Adonai, daher sind wir gekommen, um einerseits dir unsere Hochachtung und Anerkennung zu zollen und anderseits mit dir ein Freundschaftsbündnis zu schließen, dass wir uns nie gegenseiüg bekriegen, bekämpfen und besiegen werden", welchem, Wunsche der edle großmüthige Pattiarch bereitwilligst entsprochen hatte. Ein ähnliches Geschick hatte der Pattiarch Jakob. Infolge eines Bruderzwistes sah er sich genöthigt, die theuere Heimat zu verlassen. Esau, der den Jakob grimmig hasste, al habrocho ascher berach.au owiw, weil dieser ebenfalls vom Vater gesegnet wurde, fasste den Vorsatz, seinen Bruder, sobald der Vater sterben wird, umzubringen. Dem Jakob blieb nichts anderes übrig, als die Flucht zu ergreifen. Mit Wehmuth und Schmerz verließ er das geliebte Vaterhaus und zog in die kalte, frostige Fremde hinaus. Was musste er dort alles ertragen und erdulden?! ״Am Tage verzehrte mich die Sonnengluth und in der Nacht der Frost, und der Schlaf wich von meinen Augen," klagte er bitter. Und als er sich später nach der Heimat, nach Ruhe, Frecheit und Selbstständigkeit sehnte, überfiel chn in seiner Einsanckeit und Verlassenheit die Nacht. Es herrschte überall noch dichte Finsternis, die Geister waren wahnumnachtet. Und diese finstere Nacht des Aberglaubens und des Fanattsmns bermtzte sein größter Feind, der 8ar scbel Esöw, um chn zu vernichten. Dieser kämpfte und rang mit ihni die ganze Nacht, um chn, den Glaubensstarken, geisüg ruiniren zu können. Jakob wehrte sich wacker und konnte daher von seinem Feinde nicht besiegt werden. Als jedoch die Morgenröthe alaus baschochar der Aufklärung und der Frecheit zu dämmern anfieng und der Feind die Überzeugung gewann, dass er ihm nicht beikommen könne, verletzte er ihn körperlich, damit er wenigstens entstellt sei, und sprach dann: ״entlasse mich, denn es ist hell geworden, Li 010 haschochar, die Zeit ist eine andere, eine fteiere, lichtvollere geworden, dass ich den Kampf nicht weiter fortsetzen kann. Jakob aber entgegnete chm: Ich entlasse dich nicht, bis du eingestehst, dass du ttotz der Riesenttaft, die du entwickelt, ttotz allen Mitteln, die du angewendet hast, mich doch nicht besiegen konntest. ״Nicht Jakob, sondern Israel, Gotteskämpfe, sollst du genannt werden," rief chm der Feind zu: ״den du hast geisttg und körperlich gekämpft, bi soriso imelaubim weanoschim, und glänzend gesiegt, watuehol. Nun fieng chm an die Sonne zu scheinen, wajisrach lau haschemesch, es kam eine bessere lichtvollere Zeit, nichtsdestoweniger empfand er noch lange die Schmerzen der Wunden, die chm der Feind während des Kampfes beigebracht, und er hinkte an seiner Hüfte. Ebenso ergieng es auch Israel, den Söhnen Jakobs. Nach der Zerstörung Jerusalems mussten die Nachkommen der Patriarchen die theuere Heimat verlassen und in die Fremde hinausziehen. Trotz chrer edelsten Bestrebungen, das Heil und Wohl des Staates, in welchem sie Aufnahme gefunden, nach jeder Richtung hin zu fördem, wurden sie dennoch nur als Fremde aus Erbarmen geduldet, die jeden Augenblick verjagt zu werden befürchten mussten, bettachtet. Der sehnsuchtsvoll erwartete Tag der Frecheit wollte lange nicht erscheinen, die finstere Nacht des grausamen Mittelalters schien gar nicht enden zu wollen, sie wurde nur erhellt, wenn Scheiterhaufen angezündet und sogenannte Ketzer, angeblich ״zur Ehre Gottes" verbrannt worden sind. In dieser ttüben, düstern Zeit, in der die Feinde des Judenthums sich zur Lebensaufgabe gemacht, den Stamm Juda zu entwurzeln, indem sie sich gegenseitig zugerufen; ״kommt, lasst uns fort Zusammenhalten, damit es uns gelinge, dieses uns verhasste Volk zu vernichten, auf dass der Name Israel auf dem ganz großen weiten Erdenrunde nicht mehr genannt werde" ״welau jisocher schein Jisroel aud:£ blieben die Söhne Jakob's standhaft, schmückten sich mit der Krone des Märtyrerthums, leisteten ihren ihnen an Zahl, Macht und Größe weit überlegenen Feinden Widerstand und konnte daher nicht besiegt werden. Wenn auch viele von ihnen fahnenflüchüg geworden, die meisten jedoch blieben dem Gotte ihrer Väter treu und kämpften nüt ihrem Herzblute für den Glauben an Adonai, der ihnen Kraft und Muth. verliehen den gewalügen Stürmen, die sich gegen sie erhoben, zu trotzen und die gefährlichen Pläne ihrer Widersacher zu vereiteln. Als nun endlich die Zeit eine andere geworden, die Morgenröthe der Freiheit und Aufklärung zu dämmern begonnen und die Finsterlinge die Überzeugung gewonnen haben, dass die Menschen sich nicht mehr an dem Anblicke brennender Ketzer ergötzen, dass Autodafes, Jnquisitionstribunale und Scheiter- Haufen nicht mehr ״zeitgemäß" seien, suchten sie Israel wenigstens zu verwunden, zu entstellen. Sie verbreiteten falsche Gerüchte, thörichte, lügenhafte, blutrünstige Märchen, um die Söhne Jakobs zu allen Zeiten den Mißhandlungen des rohen, raubgierigen, habsüchügen Pöbels preisgeben zu können. Welche Mittel soll nun Israel anwenden, Um die Angriffe seiner Feinde abzuwehren? Mit dem Patriarchen Jacob soll es seinem Feinde zurufeir: ״Ich entlasse dich nicht bis du eingestehst, dass du mich ttotz der Wunden, die du mir beigebracht, trotz der lügenhaften Verleumdungen, die du gegen mich geschleudert, dennoch nicht besiegen konntest, dass ich unter allen Umständen dem Glauben der Väter tteu geblieben bin und für die Thora, dieses älteste Gesetzbuch der Welt, dem allein die civilisirten und cultivirten Völker der Erde ihre bessern Begriffe über Gott, Mensch und Welt zu verdanken haben, wacker gekämpft habe." Gerade in dieser stürmisch bewegten und aufgeregten Zeit sollen wir unsere Glaubensstärke und Glaubenstteue bekunden. Nicht fahnenflüchtig sollen wir werden, nicht sclavenmäßig um die Gunst unserer Feinde buhlen und nicht ihre sogenannte Freundschaft uns auf Kosten unseres Glaubens zu erwerben ttachten, wodurch wir nur noch mehr an Ansehen und Achtung verlieren würden, sondern, wie einst unsere Väter, fest xtitb unerschütterlich dem Glauben tteu bleiben und die schönen, herrlichen menschenbeglückenden Lehren der Thora Hochhalten und durch die That im Leben zu verwirklichen uns bestreben. Nur auf diese Weise kann Israel den Antisemittsmus bekämpfen und überhaupt seine Feinde besiegen, überragen und überdauern. ״Nicht durch Kraft und nicht durch Macht, nicht durch Rohheit und nicht durch Gewaltthäügkeit siegt Israel, sondern durch den Geist Gottes, durch den Geist der Liebe und der Humanität." ,.bau bechajil welau bekauach, ki im beruchi.“ Bilder aus dem cantvralen Vereinsleben. Der harte Kampf um's Dasein, den die jüdischen Gemeindebeamten im Allgemeinen, namentlich aber die Cantoren

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