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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1893-06-01 · Heft 15 (1.6.1893) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 15 (1.6.1893)
Date
1893-06-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Sir. 15. Seite 6. Oesterreichisch-rmgarrsche (Lantoren-Ieitnng. tieffender Weise die hiesigen Berhältniße kennzeichnete und die Interessen der Cantoren so warm vertreten hat. Gleichzeitig erlaube ich mir die Ansmerksamkeit der löblichen Redaction aus einen weiteren Uebelstand zu lenken, dessen Erwähnung ich im letzten Leitartikel vermisst habe. Es wird nämlich nicht nur bei Trauungen und Leichenbegängniszen re. der Cantor zu Gunsten anderer unberufener Personen übergangen, sondern auch bei Beschneidungen übernimmt der sogenannte ״Möhlin! Schames" die cantoralen Functionen und setzt seine ganze Kraft ein, damit ja kein Cantor zu einer Beschneidung komme. Jahre vergehen, bevor ein Cantor zu einer ברית טילה geladen wird, und ist dies der Fall, so wurde diese Funktion nach vieler Mühe den Klauen des ״Mohlim-Schames" entrissen, oder derselbe ist mit seinem Refrain: ״Sie brauchen außer mir und dem Mohel Niemanden mehr, ich besorge schon alles," Zu spät gekommen. Das eigentliche Amt dieses Mohlim-Schames besteht ausschließlich darin, die isr. männlichen Geburten der isr. Matrikel!- snhrung zur Anzeige zu bringen, was wahrlich jeder ״Schames" seinem ״Schnl-Bal-bos" sehr gerne thun würde, überhaupt wenn ihm dadurch ein Verdienst zukäme, so steckt aber der ״Mohlim- Schames" dies in die Tasche. Damit allein begnügt sich der Mann nicht, kraft seiner Amtsthätigkeit bemächtigt er sich auch des Cantors, und Übertritt dadurch öffentlich und ungenirt das Verbot von השגת גבול. Ich würde diesen Punkt nicht berühren, wenn ich nicht wüsste, wie sehr derselbe jederzeit auf die Frömmigkeit pocht. So reißt und beißt man von allen Seiten an den cantoralen Funktionen, dass schließlich uns nichts übrig bleibt, als zuzuschauen und zu schweigen. Möge auch in diesem Falle das Eintreten der löblichen Nedaction zur Wahrung der Interessen unseres Standes von glücklichem Erfolge gekrönt sein, zum Wohle des Cantoreuthums, wie zum Ruhme der gesannnten Judenheit. Das walte Gott! Kleine Chronik. Wien. Die türkisch-israeliüsche Gemeinde fühlte sich Sr. Excellenz dem ottomanischen Botschafter am Wiener Hofe, Zia Bey, zu ganz besonderem Danke verpflichtet, da es namentlich seinen außerordentlichen Bemühungen und seiner Intervention in den maßgebenden Regierungskreisen zuzuschreiben ist, dass sie gelegentlich der aus Grund des neuen Cultusgesetzes nothwendig gewordenen Vereinigung sämmtlicher in Wien bestehender Cnltusgemeinden ihre Selbständigkeit nicht verlor und die Mitglieder der Gemeinde im Besitze ihrer besonderen Privilegien als türkische Unterthanen blieben. In Folge dessen beschloss der Vorstand, dem Danke der Gemeinde durch Ueberreichung einer Adresse Ausdruck zu leihen. Die diesbezügliche Audienz fand Dienstag, den 30. Mai statt, wobei der gesammte Vorstand, bestehend aus dem Präses Marcus M. Nuss o, Vicepräses Licco I. A butt und den Beiräthen Gabriel H. Adult, Salomon D. Asriel und Rudolf M. M a z l i a ch vom Botschafter empfangen wurde. In beredten und schwungvollen Worten feierte Präses M. Nnsso in französicher Sprache die hohen Verdienste Sr. Excellenz.um die Erhaltung der Autonomie der türk. Gemeinde, knüpfte daran Worte des innigsten Dankes und tiefster Ergebenheit, und schloß seine Rede mit einem Segen auf Se. Majestät den Sultan und den Botschafter Zia Bey, worauf sämmtliche Anwesende ״Amen" sprachen. Nach Verlesung der Adresse durch das jüngste Mitglied der Dotation, Herrn Rudolf M. Mazliach, dankte der Botschafter, der vom ganzen Botschaftspersonale umgeben war, für die ihm durch Ueberreichung der Adresse zu Theil gewordene Aufmerksamkeit; er lobte auch die schöner! Institutionen und die treffliche Verwaltung der türkischen Gemeinde, die namentlich den! eifrigen Wirken des Präses M. Nusso.und Vicepräses Licco Adntt zu danken ist, und versicherte die Herren auch fernerhin seines Wohlwollens, sowie des hohen Schutzes Sr. Majestät des Sultans, dem er ausführlichen Bericht über den Vorgang erstatten werde. Die Adresse, ein Meisterstück des Wiener Kunstgewerbes, ist in ihrem äußeren Theile aus gepresstem Leder, mit reicher Gold- und Email-Verzierung. Das Deckblatt ans Elfenbein zeigt das türkische Wappen, und oberhalb desselben die Widmung (Gold auf rothem Email) in türkischer Sprache. Zu beiden Seiten des Wappens sieht man zwei allegorische Gestalten, die Dankbarkeit und Ergebenheit darstellend. Das Bild wurde von Herrn Prof. Zache gemalt. Auf dem ersten Blatte der iu reichem Golddruck ausgefi'chrten Adresse liest man die Widmung: ״Bresente avec un profond respect par la presidance ettous les membres de la communante Turco-Israelite ä Vienne ä Son Excellence G. Zia Be}^ lern־ noble protecteur“. Die Adresse, deren deutscher Urtext vom Gemeindesecretär Dr. T h a l e r verfasst wurde, ist vom Vorstande, sümmtlichen Mitgliedern und Beamten der Gemeinde gefertigt. Am Tage nach der Ueberreichung fuhr Se. Excellenz der Botschafter beim türk. Tempel vor, um dem Vorstände eine Gegenvisite abzustatten, da jedoch außerhalb der Kanzleistnnden kein Vorstandsmitglied anwesend war, ließ er für jeden einzelnen Herrn eine Karte zurück. In diesem Gegenbesuch kann man mit Recht eine besondere Ehrung des Vorstandes erblicken, da er beweist, in welch' hohem Ansehen der Vorstand bei der Botschaft steht. Wien. Der Ausschuß des Museumvereines für Vorarlberg in Bregenz, welcher eine Sammlung von Porträts und Büsten derjenigen aus Vorarlberg stammenden Persönlichkeiten angelegt hat, welche durch Talent und Wissenschaft einen hervorragenden Nmnen erlangt haben, hat sich an die in Wim domicilirende Familie des aus Hohenems gebürtigen, vor einigen Jahren verstorbenen Obercantors und Componisten Salomon Sulz er mit der ׳Bitte gewendet, die bezeichnete Familie möge dem Bregenzer Museum ein das Andenken des berühmten Mannes festhaltendes Erinnerungszeichen stiften. Die Familie Sulzer's wird denn auch dem Museum in nächster Zeit ein Porträt Sulzer's übersenden. Wien. Dienstag den 23. Mai fand im Stadttempel die Trauung des Fräulein Johanna Schiller, Tochter des Cantor der Wiener Cultusgemeinde Jsak Schiller, mit Herrn Hugo Brüll statt. Die Ausstattung des Tempels war eine sehr reiche, da der ganze Blumenschmuck von dem Tags vorher beendeten Schewuothfeste belassen wurde. Unter den zahlreichen Hochzeitsgästen bemerkte man die Vorsteher der Cultusgemeinde Dr. Gustav Kohn, Dr. Grünfeld, Bachrach, S. Heit, fast sämmtliche Beamte der Cultusgemeinde, den Oberarzt der Barmherzigen Brüder, viele Wiener Cantoren 2c. Den Trauungsact vollzogen Oberrabbiner Dr. Jellinek und Obercantor I. Singer. Nach dem fröhliche:! Hochzeitsmahle, das in der Restauration Kühner stattfand, recitirte Cantor M. Blatt das übliche Tischgebet. Wien. (Personalnachrichten). Herr Michael Papo, bisheriger Rabbinatsverweser der türk. Jsraelitengemeinde, ist definitiv zun! Rabbiner ernannt worden. Vorher musste er jedoch, den Bestimmungeu des neuen Cultusgesetzes gemäß, österreichischer Staatsbürger werden. — Herr Med. Dr. D. Samek aus Wien wird vom 1. Juni ab als Curarzt in Vöslau (Hochstraße 15) ordiniren. — Donnerstag, den 1. Juni findet in! israel. Cultustempel zu Belovar die Trauung des Obercantors Leo Mirsky mit Fräulein Regina Tauber, Tochter des Bezirksrabbiners S. D. Tauber, statt. — Herr Professor Dav. Kauffmann aus Budapest hat seine Berufung an das Rabbinerseminar in Wien dankend abgelehnt. Prag. (Feierliche Eröffnung der Ceremonien- Halle auf dem neuen isr. Friedhofe in 2iLkow.) Ueber den Verlauf der in letzter Nummer der Cantoren-Zeitung geuieldeten feierlichen Eröffnung der Cereinonienhalle auf dem neuen isr. Friedhofe, in Ä-ckow erlaube ich mir den geehrten Lesern dieses Blattes Folgendes mitzutheilen: Die Feier wurde v on! Obmanne d er Beerdigungsbrüd ersch aft, H errn David L i e b e!!, mit einer Ansprache eröffnet, worauf vom Chore, unter Leitung

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