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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1893-06-01 · Heft 15 (1.6.1893) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 15 (1.6.1893)
Date
1893-06-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 15; Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Aeitung. Seite 7. des Herrn Chordmgenten Herrn D. N1t b t n, der Psalm 130 zum Vortrage gebracht wurde. Sodann bestieg Herr Ober- Rabbiner Dr. Ehrenfeld die Kanzel. Er sprach von der Vergänglichkeit irdischer Güter, über den Antheil des Menschen hinieden, und sagte unter Anderem: Was mehr erwirbt sich der Mensch, als den täglichen Gebrauch, denn, fährt er dahin, so lässt er doch alles Uebrige zurück; Eines jedoch nimmt sich der Mensch mit, das sind die guten Thaten, die edlen Werke, die er während seines Daseins aus Erden gestiftet hat. Diesen erhabenen Gedanken erklärte Redner in der ihm eigenen meisterhaften Weise durch den Text H. B. Moses, Cassi 16, B. 16. ״Dieses hat der Ewige befohlen: Sammelt davon jeder nach dem, was er zum Essen nöthig hat, ein ״Omer" auf jedes Haupt. Die Kütder Israels thaten also: Sie sammelten, einer viel, der andere wenig. Sie maßen es mit dem ״Omer". Wer viel gesammelt, hatte nichts übrig, und wer wenig gesammelt, nicht zu wenig; jeder hatte so viel gesammelt, als er zum Essen brauchte." Der Mensch wird nicht müde, unaufhörlich nach Reichthnm zu streben, einer erwirbt mehr, der andere weniger: stirbt der Mensch, dann ist es gleich, ob er reich oder arm war, sein Vermögen begleitet ihn nicht in die Gruft. ״Moses sprach zn ihnen: Niemand lasse davon bis morgen übrig. Sie gehorchten aber dem Moses nicht, sotldern einige ließen davon bis ans den folgenden Morgen übrig, allein es krochen Würmer heraus und es ward stinkend." Unter dem hier erwähnten Morgen ist sinnbildlich das jenseitige Leben zu verstehen, und meint Redner damit Diejenigen, die hinieden beit leiblichen Genüssen und Vergnügungen über das normale Maß nachhängen und nach dem Tode fallen sie schließlich der Verwesung anheim und werden den Würmern preisgegeben. Nun, o Mensch, von dem irdischen Gute kannst du dir Nichts mitnehmen, vertheile es darum hinieden; so lange du lebst, wirst du dann die Früchte genießen können. Also ״wer viel gesammelt, hatte nichts übrig, und wer wenig, nicht zn wenig". ״Am 6. Tage hatten sie zweifach Speise gesammelt, u.s. w. Sie ließen es bis den künftigen Morgen stehen, und es ward nicht stinkend und kein Wurm rvar darin." Warum'? ״Ein Ruhetag, ein heiliger Ruhetag ist morgen, den Ewigen zu ehren." Unter ש Tip שבתו| שבת wird ebenfalls das jenseitige Seelenleben verstanden, wie es heißt: ליום שבלו שבת was nur auf das künftige Leben direet Bezug hat. Diese doppelten Portionen waren also für den folgenden Samstag bestimmt: diese wurden nicht stinkend und kein Wurm war darin. Sinnbildlich: Was du für den Ruhetag, d. i. das Seelenleben gesammelt hast, nämlich gute Werke und edle Thaten, die sind nicht stinkend, daran können die Würmer nicht zehren. Auf diese geistreiche Rede folgte ein zweiter Choral, Psalm 121, woraus Herr Oberrabbiner-Stellvertreter Dr. Tauber eine gedankenreiche Schlußrede hielt, in welcher er den einzelnen Förderern dieses Bau- Werkes den Dank für dessen Zustandekommen ausdnickte und mit dem Choral, Psalm 67 fand die Eröffnungsfeier ihren würdigen Abschluss. Hierauf begab sich die Versammlung in das neue Betlocal, wo das im Programme angeführte Mincha-Gebet von Herrn Obercantor M vor in wahrhaft feierlicher und tvürdevoller Weise vorgetragen wurde. Diese Funktion war ursprünglich nach dem Rathe des Herrn Chordirigenten einem aus dem Chore für separate Honorirung übertragen worden und erst nach 'missbilligenden Aeußerungen seitens der Cantoren und den auch in diesen Blättern laut gewordenen Bedenken, den Cantor bei jeder Gelegenheit auszuschließen, beschloß der Vorstand tut letzten Momente das Mincha-Gebet von einem Cantor verrichten zu lassen, und wurde hiemit Herr Obereantor Moor als זקן der חברה קדושה beehrt. — Zum Schlüsse der Schilderung angelangt, kann ich die Bemerkung nicht unterlassen, dass die Wahl der Psalmen weder dem Zwecke des Vereines, noch der Bestimmung der Halle entsprechend war. Die Chöre selbst sind wohl tadellos gearbeitet und die Aufführung war eine exacte, aber Eines haben wir vermisst, und das ist das jüdische Colorit sämmtlicher Composiüonen. '1' Prag. Die früheren Ghettoverhältniße brachten es mit sich, dass sämmtliche Synagogen auf einenkleinen Bezirk beschränkt dicht aneinander standen, während die übrigen % großen und ausgedehnten Stadttheile nicht ein jüdisches' Gotteshaus allszuweisen hatten. Wiewohl nun schon längst die Ghettvmanern gefallen sind, und die Juden jetzt die ganze Stadt bewohnen, ist dennoch an dem Verhältniße bezüglich der Synagogen nichts geändert worden, und die an den entgegengesetzten Enden der Stadt Wohnenden müssen einen weiten Weg zn Fuß zurücklegen, wenn sie ihrem religiösen Bedürsniße genügen wollen. Diese Abnormalität veraulasste einen kleinen Kreis von Biedermännern an der Grenze von der Alt- und Neustadt das ״Poriöer Bet- Haus" zn gründen, erst im bescheidenem Umfange, allmühlig aber wachsend, bis der Vorstand, an deren Spitze die Herren L. Kersch, L. Katz, Ed. Kisch und der leider zu frühe verstorbene Philanthrop Samuel Jrmenbach standen, daran gehen konnte, eine eigene Synagoge zu bauen, welche im September v. I. dnrch Sr. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Tr. Ehrenseld in würdiger Weise eingeweiht wurde. In diesem Gotteshause hielt am verflossenen Schebnothseste Herr Rabbiner Dr. Salomon Funk ans Berlin eine Gnstrede. Malt ist gewohnt, Anfänger milde zu beurtheilen; allein Herr Rabbiner Dr. Salomon Funk hat es nicht nöthig, eine rücksichtsvollere Beurtheilung anzustreben, da in ihm alles vereinigt ist, was von einem guten Redner verlangt rverden kamt. Ein volltönendes, sehr ansprechendes Organ, .in Verbindung mit einem reichen und vielseitigen Wissen, das er in seinen Vortrügen passend allzuwenden versteht, logischer Aufbau des gewählten Thema ohne allzinveite Abschweifungen, das sind Borzüge, die Herrn Rabbiner Dr. Salomon Funk eigerr sind. Der Gottesdienst in der Synagoge wird zwar ohne Chor, aber dennoch in trefflicher Weise vom Cantor Herrn Nt. Pick, der Altes und Neues in seinem Vorträge zu verbinden weiß, versehen. Prachatih. Herr L. K r a m e r, Bürger der vereinigten Staaten von Nordamerika und ehemaliger Lehrer an der hebräischen Freischule in New-Iork, hat jüngst hier einen populären Vortrag über Land, Sitten, Gebränche, Klima, Produkte und Lebensverhättniße der amerikanischen Völker, gehalten. Tie interestanten Ausführungen, die sich auf selbst erlebten Erfahrungen stützten, die ein klares Bild der eulturellen Verhältniße im Innern Amerikas lieferten, wurden von dem zahlreichen Auditorium mit wohlverdientem Beifall belohnt. Treffend war auch die Gegenüberstellung des Antisemitismus in Europa mit der vollsten Freiheit der Consessivnen in Amerika. Konstaulruvprl. Vor ungefähr acht Tagen wurde der Kaimakam des Chacham Baschi, Stellvertreter des Ober Nabbiners, in das Palais des Grvßvezier beschieden und dort! wurde ihm eröffnet, dass die Regierung beschlossen habe, die i s r a e l i t i s ch e n 11 n tert h a n e n d e r Türkei z u m M ilitärdien st e heranzuziehen. Ter Sultan glaube, hiedurch den Juden einen ganz besonderen Beweis seines Wohlwollens zn geben: aus politischen Rücksichten seien bisher nur die Mahommedauer in das Herr ausgenommen worden, und selbst in den Zeiten der Noch habe die Regierung es nicht angezeigt gesunden, den armenischen und griechischen Bürgern Waffen in die Hand zn geben. Zit den Juden habe der Sultan volles Vertrauen. Der Sultan wünsche binnen vierzehn Tagen eine gutachtliche Aeußerung des Rabbinats über die einznführende! Neuerung. Den ersten Moment ries diese Eröffnung unter den Rabbinern Bestürzung hervor, aber nach einiger Ueberlcgung kamen dieselben einstimmig zn dem Beschlüsse, dass der Borschlag der Regierung mit Tank zu aceeptiren und nur eine Bürgschaft für die ungestörte Ausübung der religiösen Pflichten seitens der zukünftigen jüdischen Sotdaten zil begehren sei. An die geehrten Herren Abonnenten! IPip Diejenige» Herren Abonnenten, welche trotz mehrmaliger Mahnung den wirklich geringen Abonnementsbetrag für das laufende Quartal noch nicht eingefendet haben, erfuchen wir dies umgehend zu thnn, da ja ohnehin am I. Juli ein neues Qnartat beginnt. Die Redaetion.

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