Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 15 (1.6.1893)
- Date
- 1893-06-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Mesterreichisch-ungarische Lantoren-Aeitung. S eite 5. Sir. 15. den er ebenfalls ablehnte. Er konnte sich von den Nikolsbürgern, die er überaus liebte und von welchen er wie ein Heiliger hochverehrt und geliebt wurde, unmöglich trennen. Im Jahre 1829 sah sich R. Markus Benedict auf Anrathen der Aerzte genöthigt, nach Karlsbad zu reisen, weil er mit seinem zunehmenden Alter von seinem alten Leberleiden sehr gequält wurde. Allein sein Leiden hatte sich in Karlsbad mit jedem Tage mehr und mehr verschlimmert, und alle von den Aerzten angewandten Mittel blieben resultatlos. Am 13. Abh 1829 vollendete dieser fromme, gelehrte und gottbegeisterte Rabbi seine irdische Laufbahn. Vor seinem Tode äußerte er den Wunsch, entweder in Nikolsburg oder in Prag beerdigt zu werden. Vor der Hand wurde seine Leiche in Lichtenstadt, einer zwei Stunden von Karlsbad entfernten Gemeinde, zu Grabe bestattet. Im Monate Adar des darauffolgenden Jahres wurde dieselbe, nachdem man hiezu die Bewilligung der hohen Behörde erlangt hatte, exhnmirt -und nach Nikolsburg gebracht. Da es gerade Freitag (den 10. Adar) war, als die Leiche des Rabbi R. Mordechai, so nannte man ihn gewöhnlich in Nikolsburg, in Nikolsburg anlangte, so wurde das Leichenbegängnis auf Sonntag d. 12. Adar verlegt, lieber Sabbath blieb die Leiche auf dem Friedhofe, wo sievon zwei Tatmndisten bewacht wurde. Sieben Rabbiner hielten am Sarge dieses frommen Lehrers herzerschütternde Reden, die nicht verfehlten, aus die Anwesenden einen tiefergreisenden Eindruck zu machen. Sowohl in der ״Gasse" als auf dem Fried- Hofe wurde in die Posaune gestoßen, als Zeichen, dass ein großes Licht in Israel erloschen ist, dass das Judenthum einer mächtigen und kräftigen Stütze verlustig geworden sei. Ein einfacher Grabstein zeigt die Stätte des allverehrten Rabbi Mordechai Benedict. Von seinen Söhnen ragten besonders Jesaias und Naftali durch talmudische Gelehrsamkeit hervor. Zum Schlüsse wollen wir noch eines Brieses hier erwähnen, den der Freiherr Bernhard von Eskeles an den seligen Landesrabbiner Benedict, ehe dieser in die Kur gieng, gerichtet hat. ״Verhindert Ihnen einen Besuch abzustatten, wie es mein Vorhaben war, benütze ich die Gelegenheit des Herrn v. Hofsmann, der die Güte haben wird, Ihnen Beifolgendes zu überreichen (400 fl. C. M.). Ich erlaube mir, Sie zu ersuchen, das Mitsolgende als einen geringen Beweis unserer Hochachtung, von Herrn Baron v. Arnstein und mir anzunehmen und es zur Ihrer vorhabenden Reise nach einem Kurorte, wie man mir sagte, zu verwenden. Möge die Kur beit besten Erfolg für Ihre Gesundheit haben und Sie lich’waud bene amenu noch lange und viele Jahre den Platz einehmen, den Sie bisher mit so vieler Würde bekleiden. Mit ausgezeichneter Verehrung rc., Eskeles". Aus Amerika. Chicago, 1. Mai 1893. Während in Europa die Wellen des Nacenhasses über das Judenthum hereinzubrechen versuchen, um auch diesen Mitarbeiter an der menschlichen Cultur zu vernichten, ist bei uns der Fortschritt sowie die Gleichberechtigung aller Religionen an der Tagesordnung, und Ideen über Ritualmorde würden keinen Boden Hier finden. - Unter solchen Auspicien fand heute zugleich mit der Eröffnung der ״-Wbrld’s Columbian Exposition“ die Einweihung des sHome for aged Jews“ ״Altenheim für bejahrte Jude n" unter großer Feierlichkeit statt. Während in der Weltausstellung, wodurch Chicago in die Reihe der ersten Weltstädte tritt, der menschliche Geist seine Triumphe feiert, ist die Entstehung des jüdischen ״Altenheim" ein Werk edler Menschlichkeit. Den Anstoß zur Gründung des ״Altenheim" gab eine Spende von 50.000 Dol. durch Abram Stimmer unter der Bedingung, dass eine gleich hohe Summe von der Bürgerschaft Chicagos aufzubringen sei. Und es war nicht schwer diesen Betrag in kurzer Zeit zu sammeln, da Frl. Elise Frank 10.000 Dol. allein und viele Andere auch Nichtjuden 5000 Dol. zeichneten; es gelang daher in kürzester Zeit einen vollkommen schuldenfreien Bau zu schaffen, der in seiner Art einzig dasteht. Weit hinüber schauen die stolzen Giebel nach dem Jackson Park der Midway Playsance und der ״weißen Stadt" der Weltausstellung. Dort werden auch geistige Weltcongreffe abgehalten werden und einen der bedeutendsten wird der Congress für die jüdische Religion bilden, dessen umfassendes Programm erst ganz kürzlich beschlossen und veröffentlicht wurde. Nun können die geistigen Kämpen zur Belegung ihrer Argumente wohl hinüberweisen auf dieses sichtbare Monument des jüdischen Culturgeistes, das felsenfest dasteht für Jahrhunderte. Das ganze Gebäude selbst hat eine Länge von 347 und eine Breite von 207 Fuß und kostete 35,988.58 Tot., es ist vorn Architecten Simon B. Eisendraht erbaut und von einer geradezu fürstlichen Einrichtung. Mit allen Errungenschaften des Comforts, wie electrische Beleuchtung, beste Ventilation, stylvollste Architectonik ausgeftattet. Ich will mich nur darauf beschränken, eine Beschreibung des Zimmers eines Einzelbewohners zu geben. Die Gediegenheit des Möblements rechtfertigt den Begriff der Eleganz. Von den eisernen Bettstellen erstrahlt das schneeweiße Lager, das Gestell selbst ist mit weißer Oelsarbe bekleidet und die Pfosten tragen blitzende Messingknöpse, ein schmaler Teppich auf dem Hartholz-Fußboden schützt den Fuß des Bewohners und ein ebensolcher vor dem Waschtisch, der das Boudoir eines Reichen durchaus nicht aus dem Styl bringen würde. Der Kleiderschrank ist geradezu ein Stück vollkommener Eleganz, und drei Stühle, von denen einer ein bequemer Schaukler ist, vervollständigen die Einrichtung. Jedes Zimmer hat seinen eigenen Dampfheizapparat, so dass sich der Bewohner die Temperatur abstellen kann, hiezu gehören auch die Ventilationsapparate. Sämmtliche Zimmer sind auffällig licht. Die Feier der Einweihung wurde durch eine Ansprache des Präsidenten der Gesellschaft, Herrn Morris Rosenbaum, eingeleitet, worauf Liedervortrüge folgten. Das Schlusswort sprach Dr. E. S. Hirsch; er forderte zur Wohlthätigkeit aus und fand seine Rede in den Zuhörern, welche den besten Kreisen Chicagos angehörten, den thätigsten Widerhall. Mit den Worten des Dr. Hirsch will ich schließen: Möge dieses Werk der Nächstenliebe, überall wo Juden leben, Nachahmung finden und späteren Geschlechtern von der Ehrfurcht, die wir vor dem Alter hegen, erzählen. 6-. T. Emgesendet. Prag, 26. Mai 1893. Löbliche Redaction! Vor Allem sei der löbl. Nedactionim Namen meiner verehrten hiesigen Collegen der wärmste Dank abgestattet für den in letzter Nr. der Cantoren-Zeitung erschienenen Leitartikel, der in so