Mannheim
Compact Memory

Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1893-06-01 · Heft 15 (1.6.1893) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 15 (1.6.1893)
Date
1893-06-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/1304829-3453273-3453288--3752-3458141
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 4. Gesterreichisch-imgärische Lantoren-Aeitung. Kr. 15. Kinderstimmen bedürfen die ganze Aufmerksamkeit eines wohlgeübten Ohres. Die Violine, an der Schulter angelegt, stillt mit chrem schneidenden Klang das Ohr des Spielers aus und lässt vieles von den Fehlem im Singen überhören. Nicht so, wenn der Lehrer vorsingt und mittels seines eigenen geheimen Instrumentes die Schüler leitet. Natürlich ist auch die Sümmlage des Lehrers von Wichtigkeit. Ein Lehrer mit einer Bassstimme ist nicht so sehr geeignet, die Kinder in der ihnen am bequemsten liegenden Mittellage auszubilden; es ist dann sehr einleuchtend,' dass schwache Kinder mit hoher Sümmlage ihren Kehlkopf sehr anstrengen nmssen, um üefe Töne Zu erreichen, ja sich dadurch an ihrer Gesundheit Schaden zufügen können, wenn sie eurer zu tief transponirten Melodie Nachfolgen müssen. Lehrer mit hoher Sümmlage dagegen kümmern sich oft um die Kopf- und Mittelstimme, welche bei den Schülern sehr zart sind, gar wenig, da dieselbe aufgefunden und sehr gepflegt werden muß, lassen daher zweigestrichene F und Gr mit der Brustsümme singen. Ein ganzes Kapitel wäre auch über Gesichtsverzerrungen beim Singen zu schreiben. Manche Kinder leisten barin Unglaubliches. Entweder wird der Mund aufgerissen, dass zwei Fäuste eindringen können, oder die Zähne so hartnäckig übereinandergehalten, dass kein Lüftchen durchgehen kann. Manche machen ein so saueres Gesicht, dass dem Lehrer selbst ganz sauer im Munde wird, und andere wieder glauben bei tiefen Tönen die Kinnlade senken, bei hohen den Hals verdrehen zu müssen. Und gerade von der correcten Mundstellung hängt sehr viel stir den hübschen Gesang ab, denn ist der Mund wohlgerundet, sind die Gesichtszüge natürlich, so wird auch die Aussprache, aus welche man nicht genug Werth legen kann, eine gute. Die Vokale sind deutlich ohne übermäßige Dehnung die Consonanten kurz und scharf auszusprechen. Bei dieser Gelegenheit erlaubt sich der Schreiber dieser Zeilen die Bemerkung, dass es in unseren Schulen zu vermeideil wäre, beün Singen die Hellen Vokale a, ai, rc.. nicht zu breit und offen, die dunklen aber wie z. B. o, e, u, recht geschlossen singen zu lassen, denn oft hört man: Got und Blot für unsernKaaaiserrc. —Welchem schneidender Contrast entsteht, wenn man nach wohlgeschulten Sängern einen mit breiten: Ansatz gebildeten Chor hört, das erlebte ich in einer der größten Synazogen Prags bei einer Feierlichkeit. Mein College B. nickte nur aus meine diesbezügliche Bemerkung zusümmend zu. Besonders bei der hebräischen Sprache, ist die Verwendung des dunklerer: Klangcolorits von vornehmer Art und gibt dieser Sprache jenes malerische Charakterisükoi:, welches sie in ihrer Erhabenheit vor allen andern auszeichnet. Man gewöhne die Kinder daher gleich beim Lesen der Liedertexte und Gebetstüke, die Vokale nicht allzusehr dehnen zu lassen, die Consonanten aber scharf und kurz zu prononciren. Denn man glaube ja nicht, dass der Schulgesang so leichthin zu nehmen ist, und man die Kinder fingen lassen könne, wie ihnei: der Schnabel gewachsen ist. Diesbezüglich sagt Stockhausen sehr richüg: ״Was die Schulen und Gynumsien von den untersten Classen an versäumen, müssen die Gesangslehrer dem Schüler zuerst beibringen, die Ausbildüng der Sprechwerkzeuge und die Bildung des Gehöres durch das Studium der Sprachelemente, damit er von Anfang an die Soünisaüonssylben, die den Urtext zu dem Hexaccord bilden, correct und schön ausspreche. — Die Consonanten müssen nach der Lautirmethode, d. h. ohne Hilfe des Vocals, die Vocale mit der Flüsterstimme zuerst geübt werden." Ein wesentlicher Unterschied bei der Verdopplung der Consonanten, ist zwischen der deutschen und hebräischen Sprache. Es ist ja allen jüdischen Lehrern und Cantoren bekannt, dass bei 2 Wörtern mit zusammenlaufenden gleichen Consonanten ein Absetzen zwischen beiden stattfinden muß, z. B. ״■Wajokom Mausclie“. Nicht so in: deutschen Gesänge, wo das Absetzer: zu vermeide:: ist z. B. U r: d b 0 ch, und d rr, welche Worte von eine n: Arrsatzpunkt ausgesprochen werden. Markus Benedict. Eine biographische Süzze von Dr. M. H. Friedländer. (Schluß.) Trotz der marrnigfachen Arrüsgeschäfte, die seine Kräfte irr Airspruch nahmen, rvar fein Angenmerk nicht blos auf seine Jeschiba, sondern auch auf särrrrntliche Talmud-und Bibelschulen Nikolsbrrrgs gerichtet. Fürth theilt hierüber Folgendes mit: ״Bei seiner: wöchentlicher: Prüfungen, die er ohr:e Ausnähme mit allen Schülern der sogerrannten ״Melarndirn" irr allen hebräischen Fächern von der Elernentar- bis hinauf zrrr Talmudelasse rigoros vornahm, um Fleiß, Moralität und Sittlichkeit der Kinder sich väterlich erkundigerrd, vertheilte er oft viele Gulden unter Schüler und manche unbemittelte Lehrer, um sie zu ferneren: Fleiße anzuregen und zrrr Ansdauer zu ermuthigen. — Wie oft entlockte mir seine staunenswürdige Geduld und die. Aufopferung, mit der er seine so kostbare Zeit mit Siddur - Prüfer: zubrachte, Thräner: der Rührung. — Alleirr.-dieser große edeldenkende Mann war eingedenk des talmudischen Grundsatzes: ״Wenn nicht Zickteirr ernporkonnnerr, so entstehen auch keine Böcklein." Sein besonderer Scherz in solchen Fällen war es, eine irrdivisible Summe den Schülern zr: verabreichen, und wein: es darin im Vorzimmer zrr kleirren Zwistigkeiten kam, vermittelnd hützueilen und noch ein Ausgleichendes beizulegen, worauf er sich auf die liebreichste und freundlichste Weise verabschiedete. Seine Superintendenz bei der: eigenen Schülern beschränkte sich nicht auf die wöchentlich mit ihnen vorgerrommenen Prüfungen, ob dieselben auch seine talmudischen Vorträge, die er wöchentlich dreimal vor: 9 Uhr Morgens bis 1 Uhr Mittags mit genauester Nachforschung und Erläuterung aller Cornmer:- tatoren, besonders des Mairnonides, Alfaßi, Tor urrd Bet Josef abhielt, richtig aufgefasst hatten, sondern er überraschte sie sehr oft als ein gewissenhafter Lehrer in: Winter zur späten Nachtzeit in: Bet hamidrasch, um sich genau urrd persönlich die Überzeugung zu verschaffen, ob fleißig, und was gelernt werde, und erklärte sehr oft die ihn: gezeigten schwierigen Talmudstellen" (Sch. Jsr. ibid). Während seiner fast vier Decennien dauernder: segensreichen Wirksamkeit als Larrdesrabbiner stellte Benedict Tauserrde vor: Schülern aus, die den hervorragerrdsten Gemeinden des Inurrd Auslandes als fronrme urrd gelehrte Seelsorger Vorständen. Obgleich ein Ungar von Geburt, hatte Benedict dernroch ftir sein zweites Vaterland Mährer: eine besondere Vorliebe. Als in: Jahre 1802 die Preßburger Gemeinde ihr: per Acclamaüon zu ihrem Oberrabbiner ernannte, lehnte er diesen ehrenvoller: Ruf dankend ab, obgleich die Preßburger Cultusgemeinde zu den größten Opfern sich bereit erklärte, un: ihm seine n:aterielle Lage in hohen Maße zu verbessern. . Auch vor: der Krakauer Gemeinde , erhielt er später'einen ähnlichen Antrag,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.