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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1893-05-11 · Heft 13 (11.5.1893) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 13 (11.5.1893)
Date
1893-05-11
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 13. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Aeitung. Seite 5. das Eherecht noch vollständig und ausschließlich auf konfessioneller Grundläge steht — selbst in dem Falle, wenn die ans die gemischten Ehen bc-, ziiglichen Bestimmungen: des G.-A LIII: 18G8 anch auf die Israeliten ansgedehnt würden, sich gewiss weder ein christlicher noch ein israelitischer - Geistlicher finden würde, welcher geneigt wäre, die christlichen und jüdischen Brautleute zu trauen. In Folge dessen wird die Frage der Heirat zwischen Christen und Israeliten nach meiner Ansicht zweckmäßig und den Umstünden cntsprecheild nur durch die Bestimmungen des einen ergänzenden Theil des Familienrechtes bildenden Ehercchtes gelöst werden können. Es wurde ferner auch die weitere Frage in Erwägung gezogen, ob gleichzeitig mit der Anerkennung der israelitischen Religion schon in dem vorliegenden Gesetzentwurf auch jene Details ausgenommen werden sollen, die sich auf das Verhältnis dieser Religion zum Staate beziehen. Das Verhältnis der Religion zum Staate erhält seinen Prägnantesten Ausdruck im autonomen Wirkungskreise, denn in diesem wird bestimmt, was in die Sphäre der Kirche gehört und was der Staat dreinzureden habe. Aber cs ist bekannt, dass diesbezüglich unter den Israeliten keine gleichmäßige Auffassung herrscht. Ein guter Theil der Israeliten hat die Kongrcßbasis nicht aeeeptirt, sie besitzen aus verschiedenen Grundlagen basirendc Organisatiousnormen und haben sich anch thatsüchlich auf verschiedenen Grundlagen organisirt. Ich glaube, cs sei ganz unmöglich, eine einheitliche Autonomie ins Gesetz alifzunehmen, wenn diese Einheitlichkeit <16 tuet,» nicht existirt, beim eine Autonomie lässt sich doch Niemandem aufoktroyiren. Andererseits aber die verschiedenen Organisationen ins Gesetz anfznnehmen und so diese verschiedenen Organisationen gleichsam durch das Gesetz zu sanktionircn und diese Abweichungen zu verewigen, wäre ebenfalls nicht zweckentsprechend. Dieses waren die Motive, warum die Regelung der israelitischen Religion in deren Verhältnißc zum Staate in diesen Gesetzentwurf nicht ausgenommen und späteren gesetzlichen Verfügungen Vorbehalten wurde. Im § 3 des Gesetzentwurfes wurde der Vollzug des Gesetzes dem Ministerium überantwortet aus dem Grunde, weil die gesetzliche Auerkennung der israelitischen Religion jeden Zweig der Verwaltung berührt. Gmgrsendet?) Wir halten uns der Mühe überhobcn, den geschätzten Lesern dieser Blätter die Geschichte und Bedeutung des Ausdruckes ״Heureka" zu erzählen. Es ist ein Ausruf der Freude, in den auch wir cinstimmcn, denn endlich haben 5 Doctors das Arkanum gefunden, um das kranke Judenthum in Böhmen gründlich zu kurieren. Und welches ist das Mittel zur Genesung des JudcnthumcS?! Höret und staunet! Die Herren Dr. P o s n a n s k Y, Pilsen, Ziegler, Carlsbad, K u r r c i n, Teplitz, B i a ch, Brüx und Ster 11, Saaz, haben in den letzten Tagen einen Aufruf an ihre Amtsgcnosien zur Bildung eines Nabbinerverbandes in Böhmen sammt Statutencntwurf versandt und die Herren Collcgen für den 1. Mai nach Prag eingcladen. Durch Vorträge, Vorlesungen, Religionsunterricht soll die Krankheit, Jndiffercntismus u. s. w. genannt, kuriert werden. Rach unserer unmaßgeblichen Meinung ist jedoch der eigentliche Grund der Vereinsbildung ganz anderswo zu suchen. Die Pointe des zu gründenden Vereines richtet sich gegen die neuen Rabbiner in Böhmen, denn es ist zu auffallend, dass die Herren erst so spät zum Bewusstsein kommen, dass sie selbst durch ihr ganzes Thun und Lassen die heutigen Verhältnißc in Böhmen hcrbeigeftthrt haben. Was thun und thatcn sic zur Hebung des religiösen Gefühles? Wenn sie schon sahen, dass ihr Einfluß auf die Gemeinde der Erwachsenen gering ist, so hätten sie doch wissen müssen, dass der Kernpunkt die jüd. Jugend ist und dieser ihre Ansmerksamkeit znwendcn sollen. Aber den Unterricht der Kleinen in hebr. Lesen, Bibel und Grammatik lassen sie Andere ertheilen und anstatt zur Gründung solcher Schulen alles aufznbieten, ließen sie getrost bcstehciide Schulen auflöscn. Ja die Herren Rabbiner haben andere, wichtigere Beschäftigungen, als den Unterricht der Kleinen zu leiten und zu fördern! Nur hie und da crtheilt man den Neligionsunterricht an Mittelschulen — der wird separat honorirt. Misgunst und Furcht vor ein Paar Dutzend schwacher Concurrcnten ist cs nun, weshalb sich die Herren Rabbiner gegen die Neuen abschließen wollen. Aber cs muß doch einmal deutlich gesagt werden: wer hat denn die neuen Rabbiner zu solchen gemacht? Wer hat ihnen für schönes Geld — bei wenig, oder gar keinen theol. Kennlnißcn die Kntarak crtheilt? Das waren doch ihre echten und rechten Amtsbrüder. Und nun schämen sie sich unser, die Herren Doctorcs! Das hätten sie früher thun sollen. Es wird verlangt, dass der Aufzunehmcnde, resp. derjenige, der als Mitglied in den Nabbinerverband cinzutretcn gewillt ist, sich mit dem Befähigungsnachweise einer Autorität ausweise. Wer sind jene Autoritäten? Etwa die Rabbiner, die durch Fortnnas Huld in irgend einer Großgcmeinde Böhmens zum Nabbinate gelangt sind? Gemach meine Herren, der Talmud sagt: ״Nicht der Ort weiht den Mann, sondern der Mann den Ort! Jeder Rabbiner, das wissen sie doch, hat das Recht selbst Nabbinatstitel an würdige Schüler zu ertheilen. Aber die genannten Herren ,wollen nach Art des Gcwerbegcsetzes Zünfte bilden, was zwar nicht talmndisch, aber *) Durch Veröffentlichung des obigen ״Eingesendct", für welches wir die Verantwortung dem uns 'bekannten Einsender überlassen, möchten wir die Anfnierksamkcit der einsichtigen und friedlich gesinnten Mitglieder des ehrwürdigen Rabbincrstandcs in Böhmen auf die hier geschilderten misslichen Verhältnißc lenken. (Die Redaktion.) etwas anderes ist. Freilich. daS Recht, Vereine zu bilden ist in Oesterreich jedem gestattet, gibt es doch für so viele Bernsskreise Vereine,, warum sollte : cs nicht auch einen Nabbinervcrein in Böhmen geben?! In jedem Stande und zu jeder Zeit gab und gibt es einzelne : Männer, die mehr oder weniger hervorragend sind durch Bildung und besondere Kenntnis ihres Ressortes; so gibt es unter den Aerzten oder Juristen vorzügliche, gute und minder gut qualifizierte, warum nicht auch unter denNabbincrn?! Allein wie schon gesagt, die Furcht vor Concurreuz, gibt.hier den Ausschlag, dass nämlich der Herr Rabbiner in L . . . nicht mehr alle Trauungen von 3-4 Bezirkshauptmannschaften und alle gut. hondrierten Leichenreden im Umkreise von mehreren Kilometern haben soll. Wenn Sie, meine Herren, so hervorragende. Kanzelredner sind, wird es Ihnen ja ein Leichtes sein, diese neuen Rabbiner aus dem Felde zu schlagen, und wenn Sie in Wirklichkeit solche große Lehrer im Israel sind, brauchen Sie die Nebichrabbiner gar nicht fürchten; aber dessen köinieu wir Sie heute schon versichern: Sie werden nicht in die Lage kommen, über ein Aufnahmsgesuch eines solchen Neuen zu entscheiden, denn diese wissen, dass in der Thora geschrieben steht: ״besvnclom al tovou nat'schi!״ ES wird - sich auch keiner es einfalleu lassen, ihnen mit der Anrede Amtsbrudcr oder Collcga nahen zu wollen, sie kehren zu stark das Linas sofrim heraus und die Gemeinden selbst werden über ihre Unduldsamkeit znr Tagesordnung übergehen. Die Herren wünschten so eine kleine jüd. Hierarchie, die aber dem Judenthnme G. s d. ganz ferne ist. Wir Neuen werden uns bescheiden in unser Mauseloch verkriechen vor dem gewaltigen Gebrüll der mächtigen Löwen in Israel. Sie dürfen jedoch nicht glauben, dass sie allein die Wissenschaft in Pacht haben. Unter den Neuen gibt es so Manchen, der zwar nicht, urspünglich zum Rabbiner prädestiniert war — doch gründliche Mittelschulbildung besitzt, in der Jugend ein schönes Stück Talmuo gelernt hat und auch einen streng religiösen Lebenswandel führt und in jeder Beziehung so manchem Privilegirten Lehrer und Meister sein könnte. Was, resp. wieviel wird z. B. au dem Rabbinerscmiuar zu Breslau aus dem weiten Gebiete des Talmud gelehrt? 2—3 Stunden wöchentlich ein Stückchen Talmud und mit den übrigen?oskim sieht cs bei vielen sehr mager aus. Pochen . die Herren jedoch aus ihr Doctordiplom, dann möchten wir fragen, wie viele von ihnen selbes nach zurückgelegten 3 strengen Staatsprüfungen erworben haben? Wir kennen das auch und wissen, woher der Bartl den Most holt. Wollen Sie, meine Herren, den Jndifferentismus und das Standesbewusstscin haben, dann müssen Sie ganz andere Wege einschlagen. Nicht nur sich selbst sondern auch Andere ehren und achten, vor allem aber Duldsamkcit und keinen Zelotismus. Durch Freundlichkeit, Belehrung und Achtung die armen Nebichrabbiner zn sich emporheben, dadurch werden Sie dem Judenthnme und dem Stande mehr Ehre erweisen, als wenn Sie sich als ägyptische Priesterkasse abschließcn. Ein Neuer auS Böhmen. Kleine Chronik. Wien. Wie alljährlich, fand auch Heuer in den beiden Synagogen der Wiener Cultusgcmeinde ein feierlicher Coiisirmatioiis-GotteSdienstfür Mädchen statt. Es ist nun nicht der Zweck dieser Zeilen, einen ausführlichen Bericht über denselben zu liefern, sondern einen ׳e-orfall wiedcrzugeben. Vor sich nach dem Gottesdienste im Leopoldstädter Tempel ereignete und der Schreiber dieses zn beobachten Gelegenheit hatte. Eine jüdische Familie, deren 14jührige Tochter unter den Consirmandinnen das Gelöbnis der Zugehörigkeit zur jüdischen Religion öffentlich abgelegt halte und der noch die besondere Ehre zu Theil wurde, den wichtigsten Glaubenssatz,- daS Schema-Bekenntnis, vor offener,Bundeslade vorzutragen, fühlte nach Beendigung der Feier das Bedürfnis nach einer leiblichen Stärkung. Vorbei an der Ecke der Tempelgaffe gelegenen jüdischen Restauration führte sie ihr Weg in ein bekanntes christliches Gasthaus jn der Praterstraße, woselbst sich die ganze Familie an rituell verbotenen Speisen gütlich that und die Confirmandin als Lohn für den schönen Vortrag des ״Schema" eine doppolte Portion erhielt. Wir enthalten uns jeden Commentars über diese vollauf verbürgte Begebenheit, die unzweideutig dort Hut, wie wenig vn dem angeführten speciellen Falle die Confirmation auf die Hebung des religiösen Sinnes eingewirkt hat, aber der Schluss vom. Einzelnni zur Allgemeinheit ist nicht gar fcrnliegcnd. Die maßgebenden Kreise, sollte dieser! Vorfall jedenfalls zn ernstem Nachdenken anregen. Wien. Sonntag, den 30. April hat die Generalversammlung der ״israel. -Allianz" stattgefunden. Der Präsident, Herr David Ritter von Gutmann, cröffncte die Versammlung und ertheilte nach herzlicher Begrüßung der Anwesenden dem Vereinssecretür das Wort zur Verlesung des Berichtes. Hierauf beantragt,: Reichsraths-Abgeordneter Dr. Bloch, cs möge die Generalversammlung dem hochverehrten Präsidenten besonderen Dank hiefür abstattcn, dass er zu den mühevollen Agenden des Präsidiums der Allianz auch noch das Präsidium der ״Baron Hirsch-Stiftung" firr Galizien angenommen. Dieser Antrag wurde von der Versammlung «instimmig angenommen. Nach Wiederwahl derauSgetretenen Ansschussmitglieder per Acciamation richtet Herr Alex. Schars an den Vorstand das . Ersuchen, den jährlichen Cassaberichr und den Gebahrungsansweis auch in den politischen Blättern zur Publication zu bringen. Angesichts der Bonstellungen, welche selbst in wohlwollenden christlichen Kreisen, über die angeblich geheimnisvolle Wirksamkeit, der ״Israel Alllanz" verbreitet sin)., wird es gut sein, dass die Oeffentlichkeit erfährt״ über welch' bescheidene Mitteldie. Allianz verfügt und für welche Zwecke, und Ausgabe^ das Geld verwendet wird. , :

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