Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 12 (1.5.1893)
- Date
- 1893-05-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 12. Der Vorschlag, für den eisten Gesangsunterricht alles in j 0 äur umzuschreiben, dürfte bei manchen! Musiker Bedenken hervorrufen, besonders weil durch ein solches Verfahren der Sinn für die absolute Tonhöhe nicht ausgebildet wird. Die Fähigkeit, beim Anblick einer Note deü richtigen Ton (von einer bestimmten Schwingungszahl) sofort genau singen zu können,!nag von Manchen als werthvoll angesehen werden. Aber jedenfalls ist es noch viel werthvoller und weit musikalischer, die Bedeutung jedes Tons im Verhältnis zum ganzen Tonsiück, also zum Grundton als dessen Mittelpunkt, richtig ausfafsen zu können. Bei der weiter sortgeführtcn musikalischen Erziehung, wo am Clavier die vollständige Notenschrift gelernt werden muß, bleibt ja übrigens Zeit genug, um das Gehör für die Auffassung der absoluten Tonhöhe auszubilden. Eine solche Aufgabe schon auf die erste Stufe des Unterrichts stellen zu wollen, hieße die Schüler verurtheilen, sich nie die Elcmente der Tonkunst anzueignen, denn diese bestehen ausschließlich aus Verhältnißen, das Absolute spielt darin keine Nolle. Selbstverständlich müssen methodisch geordnete Treff- und und Taktübungen angewendet werden, die nach dem Prinzipe der Verhältniße aller Töne zum Grundton eigens eingerichtet sind. In dieser Beziehung dürften die Cheväschen Uebungen als unübertrefflich angesehen werden. (In Deutschland ausgegeben von Fr. Th. Stahl, im Verlag von Jos. Stahl in Arnsberg.) Der Lehrer thut wohl, ein großes, leeres Fünfliniensystem, mit je drei Nebenlinien oben und unten, auf Leinwand malen zu lassen. Die Schüler singen ihre Treffübungen, indem der Lehrer nnt einem Stabe die Notenplätze auf und zwischen den Linien bezeichnet. Bei diesen Uebungen müssen die Schüler die betreffenden Notennamen: C. 11, e u. s. w. oder noch besser: do. re, mi, fa, 301, la, si, modifiziert bei Kreuz und Be: z. B. 5ü, lü und s<>. 1״ singen; dadurch gewöhnen sie sich, mit den! Namen den Begriff eines bestimmten Tonverhälnißes zu ve!binden. Ueber das Methodische bei einem solchen Unterricht wäre noch vieles zu sagen, was der Raum hier leider nicht erlaubt. Zn den Stahl'schen Büchern wird man, obgleich sie eigentlich für den Zifferunterricht bestimmt sind, das Nötigste finden. Der Verfasser hat zu Hundertmalen die Freude gehabt, Zuhörer zu sein, wenn die Kinder ganz einfacher Familien, die nicht einmal zu den gebildeten Ständen gehörten, sich Abends mit dem Absingen und Einüben von mehrstimmigen Liedern unterhalten haben, ohne dabei irgend eine andere Unterstützung als ihre Liederbücher zu haben. Es ist einleuchtend, dass ein solches Musiküben weit zweckmäßiger ist, als das bloße Auswendiglernen von vorgespielten Melodien, und dass der Gesang auf diese Weise eine Bedeutung sür das Heim erhält, die als höchst wünschenswelth bezeichnet werden muß. Wenn die in diesen Zeilen ausgesprochenen Gedanken Eltern und Lehrer zum Nachdenken über die erste musikalische Erziehung anregen, dann wäre des Verfassers Zweck erreicht. Und er würde sich glücklich schätzen, wenn er dazu beigetragen hätte, dem herrlichsten aller Instrumente, der menschlichen Stimme, innerhalb der Familie zu ihrem natürlichen Rechte beim musikalischen Elementarunterricht zu verhelfen. Kleine Chronik. Wien. Das 25jährige Cantorjubiläum des Herausgebers Unseres Blattes, Obercantor Jacob Bauer, hat Smastag den 15. April unter außerordentlich keger und ehrender Betheiligung von Gemeinden, Vereinen, sowie der weitesten Collegen- und Freundeskreise stattgefuüden. Der Jubilar hat es in seiner Be- Seite 5. scbeidenbeit dankend abgelehnt, dass in seinem eigenen Blatte der sonil übliche Fcstartikel erscheine, und in gleichem Sinne müssen wir es uns versagen — schon mit Rücksicht auf die allzugroße Ausdehnung, welche der Bericht nehmen müsste — die Namen der einzelnen Gratulanten anzuführen. Eine besondere Erwähnung jedoch verdient die großartige Ovation, welche dem Jubilar von Seite des Vorstandes des österr.-ungar. Cantoren-Vereines, dem sich fast alle Wiener Cantoren angeschlossen hatten, bereitet wurde. Nachdem der Präses des Cantoren-Vereines Herr Obercantor Josef Sing er, als Führer der gratulirenden Collegenschaar herzliche Worte der Beglückwünschung und Anerkennung an den Jubilar gerichtet hatte, überreichte Herr Cantor Moriz Blatt das Ehrengeschenk der Cantoren, zwei prachtvolle silberne Leuchter mit eingravierter Widmung, zu welchem 58 Cantoren Beiträge eingesandt haben. Die Schüler des Jubilars überrreichten eine Adresse und einen silbernen Pokal. Außerdem sind von Collegen und Freunden noch besondere Geschenke cingetroffeu. Nicht unerwähnt darf auch bleiben die ehrenvolle Adresse des ungarischen Cultusbeamten - Vereines und der schöne Festartikel im Bromberger ״Jüdischen Cantor." — Unter den eingelangten Gratulationen befinden sich so viele sinnige Gedichte und Widmungen von allgemeinerem Interesse, dass Obercantor Bauer die Absicht hat, dieselben späterhin in einer Broschüre zu veröffentlichen. Wien» Das Curatorium der ״isracl.-theol. Lehranstalt" — dies der offizielle Titel des hiesigen Nabbinerseminarö — hat sich nunmehr definitiv constituirt und besteht aus 14 Personen. In dasselbe wurden berufen: Die beiden Oberrabbiner Dr. Jellinek und Dr. Güdemann, Herrenhausmitglied Baron Königswarter, Professor Dr. Grünhut, Wilh. Ritter von Gutmann- David Ritter von Gut m a n n, Theodor Ritter von Taussig; ferner die Wiener Cultusvorsteher Moriz Karpeleskaiserll Rath Kling er und Dr. Ad. Stein, der Lemberger Cultus- VorsteherNeichsraths-AbgeordnekerDr.Emil Byk, von der bemischen Landesjudcnschast Dr. Moriz Liechtenstein, von der Prager Cultusgemeinde Präses Dr. Arnold Ro s en b a ch e r und von Brünn der Landesrabbiner Dr. P la cz e k. Zum Präsidenten wurde gewäblt Baron K ö nig sw a rter, zum ersten Vicepräsidenteu der Wiener Cultusvorsteher Moriz KarpeleS, zum zweiten Vicepräsidenteu der Rcichsrathsabgeordnete Dr. E. Bvck, zum Cassaverwalter Theodor N. v. Taussig, zum Controlor kaiserl. Rath Klinger. — Das Vermögen beläuft sich auf 298.000 fl. Zum Director der Anstalt ist, wie bereits gemeldet, der Karlsruber Rabbiner, Dr. Ad. S ch m a r z, erwählt. worden. Dem Curatorium ist es ferner gelungen, den Wiener Nniversitätsprofessor Dr. Heinrich Müller und Professor David K a u f f m an n vom Landesrabbinersenu'nar in Budapest zum Eintritt in den Lehrkölper zu bewegen. Die Anstalt soll am I. Oetober 1893 eröffnet werden. Zun! Secrctär ist Herr Josef Fuchs, Secretär der ״Oesterr.-israel. Union", bestellt worden. Wien. Fräulein Selma Deutsch, Tochter des Herrn Rabbiner Dr. M. Deutsch, Wien XVI. Bez. Ottakring, hat sich mit Herrn Heinrich Mahler verlobt. Wien. (Stellenveränderungen.) Herr Obercantor Lebowitsch in Kremsier ist in gleicher Eigenschaft nach Nachod, Herr Cantor S. Lagodzinsky vonOdraunach Dambokitz und Herr Cantor Kurzweil von Böhm.-Neustadtl nach Kolleschowitz berufen worden. Nen-Rausnitz. 25 Jahre waren es, seitdem Herr Leopold S t ö s s l e r als Cantor und Secretär der altehrwürdigen israel. Cultusgemeinde Neu-Nausnitz angestellt wurde, und 25 Jahre wirkte er nun ununterbrochen in oberwähnter Eigenschaft in der gewissenhaftesten und uneigennützigsten Weise zur vollsten Zufriedenheit seiner Gemeinde. Kein Wunder daher, wenn dieselbe den Tag seiner 25jährigen, in jeder Beziehung ersprießlichen Anusthä'tigkeit zu spontanen Kundgebungen für ihren pflichtgetreuen Beaniten benützte, um diesen in einer dem Jubilar sehr ehrenden Weise zu begehen. Behuf dessen versammelten sich die meisten Gemeindemitglieder, die zu diesem Feste herbeigekommenen mährischen Amtscollegen, der Krankenverein ״Chewra Kadifcha" und die Feuerwehr im Sitzungssaal und zogen sodann corporativ zur Wohnung des Jubilars. Zuerst beglückwünschte ihn die Gemeinde- Gesterreichisch-ungarrsche Lantoren-Zeitung.