Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 11 (15.4.1893)
- Date
- 1893-04-15
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Gestorreichisch-ungarische Lantorest-Zeitunft. Nr. 11 Seite, gewähren. Dass aber der Herr Vorsteher-Stellvertreter des Gnadengeholtes per 10 fl. monatlich nicht erwähnte, mag keinen anderen Grund haben, als in der beigefügten Clansel: ״So lange die Gemeinde ihn zu leisten im Stande ist." Dies freilich anznführen, schien ihm für die Gemeinde selbst nicht sehr empfehlenswerth, weil einerseits der Betrag, so klein er im Verhältniße zu einer Bereinignng von doch einigen sehr reichen Leuten steht, für einen beliebten greisen Cantor immer hereingebracht werden kann, und andererseits die Auslassung des Gnadengehalles im Zeugniße gewissermaßen zu einer größeren Berücksichtigung des ohne Vermögen dastehenden Funktionärs beim Cantoren-Verein führen könnte. Es kann somit dem Cultusvorstand, der als Vertreter einer zilln großen Theil armen Gemeinde viele Pflichten auf sich hat, nicht der Vorwurf eines inhumanen Vorgehens gemacht ,werden, denn wäre cs in seiner Macht gewesen, so hätte er, den so allgemein geachteten Eantor sicherlich mit einer größeren Unterstützung bedacht, wie er sich überhaupt in jeder Beziehung sehr rücksichtsvoll dem schon seit längerer Zeit leidenden Funetionäc gegenüber benommen hat. Indem wir die vorangehenden,Aufklärungen mit Vergnügen zur öffentlichen Kenntnis bringen, können wir dennoch, nicht die Bemerkung unterlassen, dass ein Gnadengehalt von 10 fl. monatsich weder mit der Würde und dem Ansehen einer so alten und gewiss nicht ganz unbemittelten Gemeinde, noch mit den öffentlich anerkannten Leistungen und den vielen Dienstjahren des erwähnten Beamten in Einklang' zu bringen ist. Die gewährte Summe sieht überhaupt keinem Gehalte, als vielmehr einem Almosen ähnlich, und dies ist das Traurigste an der ganzen Sache. Der geehrte Cultusvorstand mag gewiss auch gefühlt haben, dass die Gemeinde nicht voll und ganz ihre Pflicht erfüllt hat, denn fonft hätte er sich keineswegs zu schämen gebraucht, die Höhe der Summe öffent-. sich zu bekennen. Auf die Unterstützung des Cantorenvereines jedoch hatte das Verschweigen des Gnadengehaltes keinerlei Einfluss, denn; der Verein thut in jedem Falle alles, was in seinen, allerdings bescheidenen Kräften liegt. Kleine Chronik. Wien. Baron Albert Rothschild hat am Todestage seiner verewigten Gattin, Bettina Freiin v. Rothschild, die bekanntlich einem' Krcbsleiden erlegen ist, den Betrag von 500.000 fl. zur Gründung eines Spitals für' Krebskranke gespendet. Wien. Der Prediger Dr. G e l b h a u s, der nach dem Rücktritte des im Vorjahre verstorbenen Negiernngerathes Professor Kämpf an dessen Stelle nach Prag berufen wurde, ist für den neuen Tempel im IX. Bezirke als Rabbiner gewählt Wörden. Dr. Gelbhaus, der auch auf litterarischem Gebiete schon manches Zeugnis seiner Gelehrsamkeit abgelegt hat, genießt den Nus eines gediegenen Kanzelredners. Wivtt. An den letztverflossenen Festtagen wurde im Vercinsbethause am Volkert ein B’zes jisroel von dem absolvirten Schüler des Berliner Eonservatoriums, A. Gar fink el, Chordirigent am Fünfhauser Tempel, aufgeführt. Die Composition zeichnet sich nicht nur durch reichen Melodienfluss und strenge Harmonisirung, sondern auch insbesondere durch inniges Anschmiegen der Melodien an den tertlichen Gedankengang aus. Budapest, 10. April. Die Generalversammlung der Pester israelitischen Neligionsgemeinde hat gestern Vormittags 10 Uhr im Prunksaale des Gemeindehauses stattgefunden. Den Vorsitz führte der Präsident der Gemeinde Sigmund Ko Huer. Den Beginn der Sitzung machte die Enthüllung des von Anton Zilzer angefertigten und höchste gelungenen Porträts Moriz Wabrmann's, indem der Präsident Kobner die Sitzung ungefähr mit folgenden Worten eröffnete: ״Als wir vor. einigen Monden unfern vielverdienten Führer verloren hatten, gelobten wir, uns auch fürderhin stets durch seinen verklärten Geist leiten zu lassen. Unser Bericht wird cs bezeugen, dass wir dieses Vorhaben getreu erfüllten. Unsere pietätsvolle.Dankbrkeit veranlasste uns, ,dafür zu sorgen, dass die Stelle, an welcher der Verewigte so erfolgreich gewirkt, durch sein Porträt geschmückt werde, damit nicht nur sein Geist bei linfcren Berathnngen unter uns weile, sondern auch das Bild des unvergesslichen Mannes vor unseren Augen schweben möge." Nachdem nun der Vorsitzende die Anwesenden herzlichst begrüßt und für deren zahlreiches Eocheineii geaaukr halte, konstatirte er die Beschlnßfähigkeit der Generalversammlung und betraute׳ Dr. Gold- ,;iehec mit der Führung des Protokolls. Präsident hält es für seine angenehme Pflicht, bevoh er zur Tagesordnung schreitet, der Versammlnng eine ihm zugekominene Zuschrift verlesen zu lassen. Zur ebenso großen als ,freudigen Ueberraschung vernahm nun die Generalversammlung/' dass der Herausgeber des ׳״Renen Pester Journal", Herr Sigmund Brüdy, der Gemeinde eine Viertelmillion-Stiftung ׳ zur Errichtung eines Kinderspitals zuwendet. Dieselbe soll zuin Andenken an die im Jänner d. I. verstorbene Gattin des Stifters den Namen ״Adele Brodv israel. Ki n d er spit a l" führen und zur Pflege aller in den Kreis seiner Bestimmung gehörigen Kranken ohne Unterschied der Consession -berufen sein. ,Der Gemeindevorstand wird mit der unverzüglichen Einleitung-der Vorarbeiten betraut. Dieser großartige Akt von Menschenfreundlichkeit wird in einem längeren Schreiben angeboten, dessen Verlesung aus die Versammlung einen mächtigen Eindruck machte. Die Generalversammlung fasste denn auch, nachdem der Prästdent einige pietätsvolle Worte dem Andenken jener edlen Frau gewidmet hatte, in deren Geiste diese großartige Stiftung gemacht wurde, in gehobener Stimmung folgenden Beschluss: ״Indem die Generalversammlung von der angemeldeten hochherzigen Stiftung des Herrn Sigmund Brüdy freudige Kenntnis nimnit, drückt sie einstimmig ihren Dank für, dessen edlen Entschluss aus, durch welchen der Nahmen der Humanitären Institutionen der Gemeinde in erfreulicher Weise erweitert wird. Gleichzeitig gibt sie ihrer Pietät für das Andenken jener edlen Frau Ausdruck, in deren Geiste der hochherzige Stifter jenes humanitäre Institut gegründet hat, an welches ihr Name für ewige Zeiten geknüpft sein wird : das, Andenken an ihren Edelsinn wird den spätesten Generationen überkommen. Die Generalversammlung beschließe, Herrn Sigmund Brüdy von diesen Gefühlen durch Mittheilung dieses protokollarischen Dankesvotums in Kenntnis zu setzen, welches durch eine unter Führung des Präsidenten stehende Deputation dem edlen Stifter zu überbringen ist." — Zur Tagesordnung übergehend,— dieselbe umfasste 16 Punkte — vetrachtete die Versammlung mehrere in Druck gelegte Berichte als verlesen, nahm dieselben, sowie auch das Budget und die Cassegebahrungsausweise genehmigend zur Kenntnis und ertheilte dem Vorstande das Absolntorium. — Der Schriftsichrer meldet, dass der Gemeinde folgende W a h r m a n n- Stiftungen zugegangen sind: für den Bau einer Gemeindeschule 40.000 fl., für den Armenfond 5000 fl., für zwei Bettstiftungen im israelitischen Spital 4000 fl., für das isr. Landes- Taubstnmmeninstitut 5000 fl., für das israel. Knabenmaisenhaus 3000 fl. und für zwei Stipendien an der Israel.'Landeö-Lehrerpräpaiaittie 4000 fl., zusammen 61.000 fl. Ferner als Legate von demselben je 1000 fl. für die Talmud-Thoraschule, für den israel. Kinderbekleidnugsfond, für den Stipendienfond der Gemeinde und für den Pensionsfond der israel. Gemeinde-Angestellten. Es folgt nun das Referat über die Errichtung einer neuen Gemeindeschule im VI.׳ oder VII. Bezirke der Haupt- und Nestdeuzstadt, ferner wurde berichtet, dass der Vorstand der Gemeinde es für nöthig erachtet, einen neuen Tempel erbauen zu lassen und dürfte das zu erbauende Gotteshaus wahrscheinlich in der Leopoldstadt aufgeführt werden.,— Zum Auren ken an das glanzvolle Krönungsjubiläum unseres erhabenen König׳, yat der Vorstand der Gemeinde eine Krönungßjubiläums-Stislnng von 10.000 fl. gemacht, deren Zinsen zur Unterstützung armer jüdischer Künstler, oder armer jüdischer Jünglinge, die sich irgend einem Zweige der Kunst widmen, verwendet werden sollen. -— Nachdem mit der hierauf erfolgten Wahl der vakanten- Ausschilßstellen die Tagesordnung erschöpft war, schloß der Präsident die Generalversammlüng, welche ihrerseits dem verebrten Präsidenten in herzlichster' Weise ׳dankte. Budapest. Es war in den Siebzigerjahren, als Baron Edelsheim den Besuch einer Dame jüdischen Glaubensbekenntnißes erhielt, die bei dem Eommandirend'en bittere Klage-darüber, führte, dass ihr Sohn, ein Einjährig-Freiwilliger und Hußaren-Wachtmeister, seiner Consession wegen nicht zur Beförderung zum Lieutenant