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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1893-04-15 · Heft 11 (15.4.1893) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 11 (15.4.1893)
Date
1893-04-15
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. M. Oesterreichifch-uarische CannafoiYii^ntmia Seite •*. Widerj jn Amsterdarrr, ist nicht mehr. In» festlichen Gewände gekleidet, mit dem Machsor in der Hand eben im Begriffe zur Svnagoge zu gehen, traf sie ein Herzschlag und wurde sie plötzlich von Gott lamente, Redeschlachten -natürlich, sogenannter ״Pilpul sprüche, Dissertationen. Endlich folgte der dritte Thetl, die Agada,! populäre Abhandlungen des Vortragenden Rabbiners, Erklärung des Wochen- und Festabschnittes, gewürzt durch Talmud- und Midraschstellen im exegetischem Style, Fabeln, Legendelt, Gleichltiße, Sprüche, Meschalim aller Art, woran sich immer Religions- und Sittenlehren knüpften, das war für Laien, für das Polk, die keilte Talmudisten waren. Diese dreifache Eintheilung der alten Draschah scheint von Rabbi Meir herzustammell, von dem erzählt wird, (Sanhedr. 38) seine Borträge bestanden aus Halacha, Agada und Meschalim. Die Agada wurde von späteren Magidim, von denen auch viele reisende Prediger waren, durch das Moschol kultivirt. Solche Vorträge dientell sowobl zur Belehrung des Volkes, als auch zur Aufmunterung, zur Unterhaltung des Zuhörer, die Aufmerksamkeit zll fesseln, die Tugend war ja immer eine Moral. Wir besitzen noch aus früherer Zeit eine ziemlich, große Auswahl solcher Draschah-Bücher in hebräisch-rabbinischer Sprache und wollen als Lesefrüchte.von den bekanntesten Autoritäten auf diesem Gebiete einige Muster vorführen, die selbst nach dem Geschmaeke der lleueri׳. Zeit noch imlner das Interesse llicht verloren haben mögen. 1. Bechasi beu Josef iben Bakoda, genanllt ״Hadajon" der :)lichter, lebte und wirkte nach de Ross! in Saragossa im eilften Jahrhundert, kurz vor Maimuni, woselbst er die Würde eines Nabbittatsassessors bekleidete. Er ist der Verfasser des vielgelesenen Buches ..Ellovvot HaUvowot‘־ Herzenspflichten, welches aus dem arabischen durch Juda iben Tibbon und Josef Kimchi ins Hebräische übertragen, in mehreren Sprachen übersetzt und commentirt wurde. Uns liegt vor die Ausgabe von M. E. Stern, Wien 1853. In den Borträgen dieses berühmten Werkes finden wir auch häufig das Moschol vertreten Und wir wollen einige derselben vorführen. Gleich in der Vorrede, Hakdomoh, Seile 12 bemerkt der Verfasser, dass der Mensch, mit Vernunft begabt, verpflichtet ist, über die göttliche Lehre nachzudenken und ihre Wahrheiten zu erforschen. Wer die Anlage dazu hat und aus Trägheit oder Nachlässigkeit es unterlässt, ist strafwürdig, und das erörtert er durch folgendes Moschol. Der König und sein Diener. Ein König trug seinem Diener auf, von seinen Staatsbeamten Gelder einzucassieren, und dass er die Summen genau zähle und prüfe, weil er das Verständnis dazu hat. Aber der Diener war nachlässig und leichtgläubig, verließ sich auf die Treue der Beaniten, dass alles in Ordnung ist. Als die Angelegenheit hierauf dem Könige zu Ohren kam, befahl er ihm, das Geld vorzulegen, und es stellte sich Heralls, dass Zahl und Gewicht!licht immer zutrafen. Der Diener wurde wegen seiner Fahrlässigkeit bestraft; denn, sprach der König, selbst wenn die Angaben richtig befunden worden wären, ist es immer eine Pflichtverletzung, sich nicht zu überzeugen, wenn man das Verständnis dafür besitzt. So ist es Gottes Wille, dass wir uns von den Wahrheiten seiner Lehren als vernünftige Menschen überzeugen sollen, nicht blindlings glauben. W . . . . r. (Fortsetzung folgt.) | Pkberra fjeipnnmt. Am jüngst verflossenen ersten Pessachtage hauchte eine edle Seele ihr Leben aus. Nsbeccä Hey mann, Gattin des rühmlichst bekaüllten Isaak Heymanu, Obercantor der israelitischen Gemeinde ins Jenseits einberufen. Wer die Verblichene genau gekannt — und deren sind Viele — muß bezeugen, dass sie eine Eacheth chaji im wabreu Sinne des Wortes, ein würdiger Sproß unserer Stamm-Mutter Rebecca war, deren Namen sie trug. Eine treue Gattill, eine aufopfernde Mutter ihren Kindern, war sie zugleich eine Mlltter der Armen und Hilflosen, der Witwen, Waisen und Fremden. Sie waren buchstäblich ״ihre Hausgenossen". Wie viele Tausende von Thräuen, hat sie getrocknet; wie viele Tausende gebrochener Herzen hat sie aufgerichtet! Dass sie eine echt fromme jüdische Frau war, vom Geiste des Judenthums beseelt, braucht wobl nicht erst erwähnt zu werden. Der unvergessliche N. Akiba Lehren s. A. in Amsterdam bezeichnete sie einmal in einer öffentlichen Versdmmlung als eine ״Zierde des Judenthllms". Namentlich entfaltete sie in den letzten zehn Jahrelt eine große Thätigkeit im Interesse der armen jüdischrussischen Flüchtlinge. Was sie nicht immer selbst geben konnte schaffte sie durch Sammlungen, die sie veranstaltete, herbei, um so den Unglücklichen nach Möglichkeit zu helfen. — Mit dem Gebete auf den Lippen, im Dienste des heiligen Gottes bauchte sie ibre edle Seele aus. — Ihre Demuth war ohne Grenzen. An dem am 4. d. M. stattgefundenen Leichenbegängniße nahmen Tausenre, Juden sowohl als Christen, Theil. Die Geschäftslocale längs der Straßen, durch die sich der Zug bewegte, waren geschlossen und die Rouleaur der Fenster herabgelassen. Auf dem Friedhof sprach der Dajan (Rabbinals-Assessor), soweit es eben am Chol hamoed erlaubt ist, Worte des Lobes und der Auerkennung, und blieb fast Fein Auge trocken. Die 'Amsterdamer Tagesblätter berichten einstilnmig die Tllgendeit der Dahingeschiedenen, die so nicht nur ihrem Gatten und ihren Kindern, sondern auch den Armen lind dem Jndenthume abgestorben ist. Unter ihren wackeren Söhnen lind Töchtern befindet sich die vorzügliche, hochbegabte Sängerin und Primadonna Frl. Louise Hevmaml, die überall, wo sie gehört wird, großen Beifall erntet. Möge Gott die Hinterbliebenen in ihrem gerechten Schmerz aufrichten und Balsam in ihre wunden Herzen träufeln, und sie mit dem Gedanken trösten, dass die lheure Betraue!te, ein nach ahmungswertes Beispiel weiblicher Tugend und Gottesfurcht, ihre Aufgabe hiernieden glänzend gelöst, und dass sie nun in jenen lichten Höhen des verdienten Lohnes für ibre frvlumeu. edlen Thals»! theilhaftig werden wird." והלך לפניה צדקה וכבוד ד יאספה Gingefendet. Löbliche Redaction! Ihre Ausführungen an leitender Stelle in voriger Nummer, welche den gewiss löblichen Zweck verfolgen, durch Schilderung und Beleuchtung von Cultusgemeinde-Verhältnißen die Interessen des Cantorenstandes in jeder Beziehung zu schützen und zu wahren, mögen auch nach der Richtung hin Berechtigung haben, als sie eine zeitgemäße Aufforderung an die Eollegenschaar enthalten, dem Cantoreu-Verein beizutreten. Allein immerhin bedürfen sie einer Berichtigung, da sie sonst nicht nur dem wackeren College« ft. Verlegenheit bereiten, sondern auch die Cultusgemeinde X. dem Unrechte aussetzen würden. Der Wortlaut des bewussten Zeugnißes ist genau wiedergegeben, dass nämlich die Gemeinde X. nicht in der Lage ist, :cm berufsunfähigeu Canto! eine Pension zu

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