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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1893-04-15 · Heft 11 (15.4.1893) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 11 (15.4.1893)
Date
1893-04-15
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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edk L trachten, auch auf andere Weise für den Verein einzutreten, und in erster Reihe bestrebt sein, die jüdischen Cultusgemeinden und ihre Mitglieder an ihre Pflicht zu mahnen, da doch auch sie, namentlich dort, wo die eigenen Mittel nicht langen, ein Interesse daran haben, oder wenigstens haben sollten, dass für die Zukunft ihrer Beamten möglichst Vorsorge getroffen werde. Noch ist, Gott sei Dank, in den bemittelten Kreisen des Judenthums der Sinn für humanes, gemeinnütziges Wirken ein außerordentlich reger, und jede ,öffentliche Sammlung für wolthätige Werke gibt hievon ein glänzendes Zeugnis, darum dürfen wir auch die Hoffnung nicht aufgeben, dass ein eindringlicher Appell von Seite der Cantoren an ihre Gemeinden nicht ganz unerwidert bleiben wird. Auf diese Weise sowie dadurch, dass Jedermann die Apathie und Gleichgiltigkeit der ihm näher bekannten Berufsgenossen zu bekämpfen sucht, wird es uns gelingen, die Zwecke unseres Vereines, zu fördern und. ihn mit vereinten Kräften auf jene Höhe zu bringen, die der Bedeutung und des Ansehens unseres Standes würdig ist. Man wird es uns gewiss nicht verargen, wenn wir bei dieser Gelegenheit an alle unsere Collegen die dringende Bitte richten, dass sie, jedes persönliche Motiv bei Seite setzend, nur das allgemeine Wol und die gemeinsamen Interessen des Cantorentums im Auge behalten mögen. Auch wir wollen alle unsere Kräfte für diesen Gedanken einsetzen und uns durch nichts beirren lassen. Unbekümmert um Anfeindungen und Angriffe, mögen sie von welcher Seite immer kommen, werden unsere Blicke nur auf unser erhabenes Ziel gerichtet sein. Die österreichisch-ungarische Cantorenzeitung, die während des letzten Jahrzehntes sich als die Puls- oder allen eantoralen Lebens und StrebenS bewährt hat und deren bedeutungsvolles Wirken von nur zu vielen Collegen noch immer nicht gebührend gewürdigt und unterstützt wird, soll trotzdem jederzeit auf ihrem Platze stehen, wo es gilt, die Interessen des Cantorenstandes zu vertheidigen, seine Ehre zu wabren, für seine Zukunft zu sorgen. Und dies wird hoffentlich dazu beitragen, dass auch jene collegialen Kreise, die sich bisher abseits gehalten, uns brüderlich die Hände reichen, um uns in unseren Bestrebnngen für das Wol der Cantoren thatkräfligst zu unterstützen. Aus Ungarn. Budapest, 10. April. Gleich dem politischen Leben pulsirt auch das religiöse Leben im Lande der Stephanskrone mit viel größerer Frische als in Cisleithanien. Nicht mit bureaukratischer Geheimnisthuerei sondern auf dem Wege der Oeffentlichkeit werden die großen religiösen Fragen behandelt und dadurch das Interesse des ungarischen Judenthums an denselben immer wachgehalten. Einen erfreulichen Beweis hiesür gab die beute abgehaltene Jahresversammlung der Israelitischen Distriktspräsidenten, an welcher die Vertreter von ].ד Distnkren theilnahmen. Präsident Martin Schweiger begrüßt die Anwesenden und gedenkt des Verlustes, welcher die vaterländische Juden heit seit der letzten Jahresversammlung durch den Heimgang Ignaz Eisenstädter's, Heinrich Guttmann's, Dr. Ignaz Hirschler's und Moriz Wahrmann's ' getroffen. Die Versammlung gibt ihrem tiefen Schmer; über diese großen Verluste prctocollarisch Ausdruck. Dr. Josef Simon erstattet sodann Bericht über die Thätigkeit der israeliiischen Landcskanzlei. Der auf die Rezeption bezügliche Theil des Berichtes umfasst sämmtliche Phasen, welche diese Angelegenbeit bereits durchlaufen bat. Die Versammlung nahm den Bericht Nr. 11. mit allgemeiner Zustimmung auf und gieng nun auf die Gegenstände der Tagesordnung über. - In Angelegenheit der Gleichberechtigung der jüdischen Confession gaben die Distriktspräsidenten der sicheren Erwartung Ausdruck, dass mit dem zu schaffenden Gesetz das Verbältnis zwischen der israelitischen Religion und den gesetzlich rezipirten christlichen Religionen entsprechend den Principien der vollkommenen Rechtsgleichheit geregelt werden wird. Bezüglich der Ertheilung des 'Religionsunterrichtes an beu Mittelschulen wird der Beschluß gefasst, einen einheitlichen Lehrplan durch eine Landescommission ansarbeiten zu lassen und mit der Durchführung dieser Aufgabe die Landeskanzlei zu betrauen. Die Repräsentanz des VI. Distrikts hatte die Nothwendigkeit dessen ausgesprochen, dass für die bezahlten Beamten der Cultusgemeinden ein Landes-Pensionsinstitut geschaffen werde, zu welchem jede Gemeinde und jeder Angestellte einen seinem Gehalle entsprechenden Beitrag leisten solle. Zugleich wurde das Distrikts- Präsidium damit betraut, zu eruiren, welche Cultusgemeinden.des Distrikts sich den! Landes-Pensionsinstitut anzuschließen. wünschen . und wieviel Beamte und mit welcher Bezahlung selbe angestellt, sind. Die Distriktsversammlung wird nun diesen Beschluß den Distrikts- Präsidenten mit dem Ersuchen mittheilen, denselben durch die Distriktsrepräsentanzen verhandeln zu lassen, und wenn sich diese dem Beschlüsse an.chließen, die von ihreir Gemeinden beschafften Daten der Landeskanzlei behufs Unterbreitung vor die Distrikts- Präsidenten-Versammlung zuzusenden. Die Versammlung beschloß die .Bildung einer Ungarischjüdischen lilterarischcn Gesellschaft, deren Zweck es ist : a) die Übersetzung der Bibel aus dem Urtexte ins Ungarische zu besorgen, d) Original- und Uebersetzungswerke von stelbststandigem Werthe herauszugeben, c) gemeinnützige und patriotische Lektüren von sittlicher und religiöser Richtung zu verbreiten, cl) öffentliche Vorlesungen sowohl in der Hauptstadt, als auch in den Zentren der Provinz zu veranstalten, 6) Preise auszuschreiben. An zahlreichen Orten wohnen Juden in entsprechender Anzahl, ohne dass sie eine Religionsgesellschaft bilden würden. Die Versammlung beschloß, die Distriktsrepräsentanzen aufzufordern, dafür zu sorgen, dass in jenen Gemeinden, welche von den Sitzen der israelitischen Mutter-Cultusgemeinden fernab liegen und in welchen die Anzahl der israelitischen Gemeinden es gestattet, ja erfordert, Filial-Cultusgemeinden sich constituiren, welche für die Bedürfniße des religiösen Lebens, wie auch für den Kinderunterricht sorgen sollen. Zugleich wurde das Verhältnis zwischen Mutter- und Filialgemeinde eingehend festgestellt und die Gabella-Angelegenheit geregelt, welche besonders an solchen Orten Anlass zu zahlreichen Klagen gab, wo es einen großen Geflügelhandel gibt. Nach Beendigung ihrer Berathung begaben sich sänuntliche Vertreter, die an der Versammlung theilgenommen hatten, zum Cultusminister Grafen Albin Csaky, um demselben ihre Auf- Wartung zu machen. Namens der Anwesenden hielt Distrikts- Präsident Martin Schweiger, folgende Ansprache an den Minister: ״Ew. Excellenz! Anlässlich der Abhaltung der ordentlichen Jahresversammlung der israelitischen Distriktspräsidenten können mir nicht umhin, vor Ew. Ercellenz zu erscheinen, um unseren tiefgefühlten Dank abzustatten für jene zahlreichen wohlwollenden Aeußerungen, die Sie in Bezug auf unsere Confession in dein letzten Jahre gethan. Wir werden uns erlauben, jene unserer Beschlüsse, die der Bestätigung durch Ew. Crcellenz bedürfen, oder in welchen eine Bitte. an Ew. Excellenz enthalten ist, im .Wege der Landeskanzlei besonders zu unterbreiten. Wir zweifeln auch nicht daran, dass unsere billigen Wünsche der huldvollen Unter- Deflerreichifch-ungarifche cklantoren-Aeitung.

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